Erfolg nach dem Minimal-Prinzip: Fiats erster Panda

Fiat Panda 1 (1980 bis 2003): Gebrauchtwagen-Tipp

Wird ein Auto über Jahrzehnte gebaut, läuft irgendetwas richtig: Lies hier, was der Fiat Panda 1 kann. Und wann sich der Kult-Kleinwagen als Gebrauchter lohnt.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 04/06/2020, 03:40 PM
Zu sehen ist der Fiat Panda I, fahrend
Quelle: Fiat 1980 startet der Verkauf des Fiat Panda 1. Der Designer Giorgio Giugiaro entwirft das „Haushaltsgerät auf Rädern“

Der erste Fiat Panda lehrt die Welt, womit zu seiner Zeit niemand mehr rechnet: dass ein Auto um keinen Deut extravaganter sein muss als eine Seilbahngondel. Weder beim Außendesign noch bei der Innenraumgestaltung. Wobei der Minimalismus nur die Grundzüge betrifft. In Details liefert Fiat überraschende Variabilität im Passagierraum und technische Vielfalt beim Antriebsstrang. Mit simplen Mitteln entsteht ab 1980 ein spaßiges Auto, das am Markt lange funktioniert. Dieses Kind der Hartplastik-durchzogenen 80er kommt auf dem komfortbewussten Markt der 90er-Jahre noch gut an. Und hält sich auf dem Heimatmarkt bis 2003.

Zu sehen ist der Fiat Panda I in seitlicher Position
Quelle: Fiat Unter der Motorhaube des Fiat Panda 1 arbeitet ein Benzinmotor, der zunächst 30 PS leistet, später werden es 54 PS

Aus heutiger Perspektive ist der 3,40 Meter kurze Fiat ein programmierter Klassiker. Allerdings kein Geheimtipp mehr: Die Zeit dreistelliger Eurobeträge für makellose Gebrauchte ist abgelaufen. Solche Exemplare sind teurer. Für dauerhafte Dumping-Preise taucht dieses Modell einfach in zu vielen Kindheitserinnerungen auf. Gleichzeitig keine Sorge: Günstige Modelle in tollem Zustand gibt es auf mobile.de nach wie vor. Was Fiats erster und ewiger Panda kann? Welches Modell sich als preiswerter Klassiker besonders eignet? Und wann rostbefallene Modelle eine Option sind? Das klären wir hier.  


Das "Haushaltsgerät auf Rädern"

Seit 1980 rollt der Fiat Panda I erfolgreich auf den Straßen.


Karosserie des Fiat Panda 1: Beinahe so hoch wie schmal 

Das Geheimnis hinter dem Erfolg des ersten Panda (Typ 141)? Dass dieser dreitürige Kleinstwagen bei aller Bodenständigkeit nie öde wirkt. Dabei steht ihm die Biederkeit ins Lastenheft geschrieben, indirekt. Der Fokus auf günstige Basispreise betrifft mehr als Material und Motor. Anfangs gibt es einen Kühlergrill aus Blech, der spätestens aus heutiger Sicht charmant aus der Zeit gefallen wirkt. Er wird später ersetzt von einer konventionelleren Lösung aus schwarzem Kunststoff. Nur plane Fenster, lautet ein Auftrag an Designer Giorgio Giugiaro. Denn gewölbte Scheiben kosten in der Fertigung mehr.  

Zu sehen ist der Fiat Panda I, stehend
Quelle: Fiat Der Fiat Panda 1 misst 3,40 Meter in der Länge, 1,49 Meter in der Breite und 1,44 Meter in der Höhe – eine simple, kleine Box

Das Box-Design ist damit unvermeidlich, die Umsetzung gefällig. Jedenfalls für ein Auto, das praktisch genauso hoch wie breit baut. Wir sprechen von 1,49 zu 1,44 Metern, heutige Kleinstwagen-Boxen von VW Up bis Renault Twingo stehen viel breiter da. Die Beteiligten beweisen genug Ironie, um den Kult hinter dem Panda 1 zu befeuern: Fiat Deutschland spricht in der Werbung von einer „tollen Kiste“, Giugiaro bezeichnet sein Werk als „Haushaltsgerät auf Rädern“.  

Der Panda-Innenraum: Liegen ohne Aufwand, sitzen ohne Halt 

Klar ist: So viel farbiges Blech unter einem Dach sieht man sonst nur beim Lackierer. Und Stühle aus bespannten Stahlrohrrahmen hat man normalerweise lieber im Garten als im Innenraum des Autos. Vielleicht wirkt das Innere eines Fiat Panda gerade wegen dieser einfachen Lösungen so sympathisch. Außerdem ist die Einrichtung praktisch: Das Armaturenbrett kann man als einziges großes Ablagefach begreifen, nur kurz unterbrochen von der Einheit aus Lenksäule, Tacho-Einheit und Lüftungssteuerung. Fiats umklappbare, einteilige Rückbank ist Anfang der 80er-Jahre keine Sensation mehr – eine durchgehende Liegefläche in einem Kleinstwagen schon. Diese entsteht, wenn man die Vordersitze ebenfalls flach stellt. Übrigens: In späteren Ausgaben und höheren Ausstattungsniveaus stecken vorne weniger rustikale Sitzgelegenheiten. Ihr Seitenhalt bleibt mäßig, ein wenig müssen sich flotte Panda-Piloten immer zwischen Pedalen und Lenkrad verspreizen.

Zu sehen ist der Fiat Panda I 4x4 in seitlicher Position und geöffneter Heckklappe
Quelle: Fiat Der Fiat Panda 4x4 wurde sogar zum Schwimmwagen mit Außenbordmotor an der Stoßstange umgebaut



Motoren: Der Panda 1 wuselt mit maximal 54 PS 

Ganz unsportlich ist ein Panda 1 (Typ 141) nicht. Zugegeben, die vielleicht einzige Gemeinsamkeit mit McLaren-Modellen verschleiert das noch: Wie der Sportwagen-Bauer benennt Fiat die Modelle der Mk1-Serie nach der PS-Zahl. Namenszusätze wie 30, 34 und 45 zeigen schon: Man fährt in Längsrichtung im unteren Bereich der Nahrungskette. Auch damals schon. Mehr als 54 PS liefert kein jemals gebauter Fiat Panda 1 ab Werk. Mehr als 1,1 Liter Hubraum aus vier Brennräumen versammeln sich im Motorraum nie. Allerdings: Für ein ab rund 700 Kilogramm leichtes Modell langt das allemal. Für die große Show auf der Landstraße braucht es andere Youngtimer, beim ambitionierten Wuseln im Verkehr ist man mit dem Panda gut beraten. Eine Grundtoleranz gegenüber gesteigerter Seitenneigung muss allerdings vorhanden sein. 

Zu sehen ist der Fiat Panda I, fahrend
Quelle: Fiat 1980 startet der Verkauf des Fiat Panda 1. Der Designer Giorgio Giugiaro entwirft das „Haushaltsgerät auf Rädern“

Mit der wichtigsten Modellpflege kommen im Jahr 1986 der größere Grill und Modellbezeichnungen anhand des Hubraums. Für den Panda Mk2 bietet Fiat eine Verbundlenker-Hinterachse statt der Lösung mit Blattfedern. Außerdem fahren Mk2-Modelle mit den unkomplizierteren Motoren. Fiat nennt diese Aggregate mit 0,7 Liter, 1,0 Liter oder 1,1 Litern Hubraum FIRE-Motoren. 


Fiat Panda III
Ein kleiner Klassiker

Der Fiat Panda entstammt der Feder von Design-Ikone Giorgio Giugiaro.


FIRE-Motoren gelten im Panda 1 als zuverlässiger 

Der Namenszusatz FIRE steht für „Fully Integrated Robotized Engine“. Das beschreibt die Fertigungsweise der Motoren, aber noch nicht ihren größten Vorteil gegenüber den früheren Antrieben: Hier braucht es schlicht weniger Wartung. Geht es nach dem Hersteller, sollten bei manchen Aggregaten des alten Mk1 alle 1.000 Kilometer die Ventilspiele eingestellt werden. Zu Lebzeiten des Panda Mk1 pfeifen viele Besitzer auf die ultrakurzen Service-Intervalle. Und kommen laut Überlieferung damit lange problemlos durch. Bei einem kommenden Klassiker empfehlen wir weniger Nonchalance. 

Zu sehen ist das Cockpit des Fiat Panda I
Quelle: Clerici Auto s.p.a. via mobile.de Die Vordersitze aus bespannten Stahlrohrrahmen sind kein Hingucker. Trotzdem wirkt der Innenraum des Fiat Panda 1 mit seinen simplen Lösungen sehr sympatisch

Oder eben gleich einen Panda Mk2, selbst wenn sich große Wertsteigerungen hier später einstellen. Beziehungsweise gerade deswegen: Der Panda Mk2 ist als Gebrauchter häufiger, das Angebot vielfältig. Eine Recherche auf den Suchseiten von mobile.de liefert einen tollen Überblick über die Marktsituation, doch vor dem Besichtigungstermin sollten Interessenten hier nichts entscheiden. Der größte natürliche Feind des Panda ist der Rost.  

Gebrauchtwagenmarkt: Begehrter als Panda 4x4-Allradmodell 

Neben der Kilometerzahl kann damit entscheidend sein, wo ein Panda 1 in seinem Vorleben bewegt wurde. Harter Offroad- und Wintereinsatz ist bei diesem Kleinstwagen absolut denkbar. Einfach, weil er es kann – neben vielen frontgetriebenen Versionen bietet Fiat ab 1983 den Panda 4x4 an. Der Allrader ist speziell dann eine Option, wenn das entlegene Ziel nur über schmale Wege erreichbar ist. Wie in abgelegenen italienischen Gebirgsregionen, wo man heute noch oft älteren Herren in älteren Allrad-Pandas begegnet. 

Zu sehen ist der Fiat Panda I 4x4, stehend
Quelle: Fiat 1983 folgt der Fiat Panda 4x4. Ein kleiner Offroader mit viel Power

Youngtimer-Fans ohne Kletter-Ambitionen könnte der Panda 4x4 ebenfalls gefallen. Er ist seltener und schon jetzt begehrter. Das spiegelt sich im Preis wider. Rund 2.000 Euro muss man für den Allrad-Panda in jedem Fall einkalkulieren, Klassik-Händler verlangen ein Vielfaches. Die Mehr-Investition kann sich lohnen – tendenziell werden die Preise für diesen Youngtimer weiter steigen.



Faire Preise für den ersten Fiat Panda auf mobile.de 

Die günstigsten frontgetriebenen Panda Mk2 kosten auf mobile.de immer noch weniger als 1.000 Euro. Schöne Exemplare mit gültiger HU liegen meistens preislich darüber, bleiben aber immer noch im Rahmen. Selbst wenn ein vielversprechendes Inserat nicht zu Deinem Wunsch-Panda führt, raten wir: Behalte das Exemplar im Kopf und die Kontaktdaten im Handy. Denn Fiats Angebot an originalen Nachbauteilen ist überschaubar – ein Gebrauchter mit mäßig schöner Karosse kann einen tollen Spender für Technik-Teile abgeben.  

Zu sehen ist der Fiat Panda I 4x4, fahrend
Quelle: Fiat 4x4 steht für Allradantrieb. Für einen Wintereinsatz ist der Fiat Panda allemal geeignet

Wer die mittlerweile 13-jährige Bauzeit eines Fiat 500 schon als lang erachtet: Den ersten Panda bietet Fiat in Deutschland bis 1996 an, in Italien noch bis 2003. Eine 23 Jahre währende Amtszeit ist bei Entwicklungsbeginn Ende der 70er-Jahre nicht ansatzweise absehbar. Dass der simple Kleinstwagen zum kultigen Youngtimer wird, noch weniger. Schön, dass Fiats Mut zum simplen und spaßigen Zugang belohnt wird. Über Jahrzehnte hinweg.  

Fiat Panda 1 (1980 bis 2003): Technische Daten 

Modell Fiat Panda (Typ 141) 
Bauzeit 1980 bis 2003 (in Deutschland bis 1996 erhältlich) 
Antriebe für Deutschland Benziner mit 0,65 bis 1,1 Litern Hubraum, Front- und Allradantrieb 
Leistungsspektrum 30 PS bis 54 PS 
Länge 3.408 mm 
Breite 1.494 mm 
Höhe 1.435 mm 
Radstand 2.159 mm 
Leergewicht ab 700 kg 

Der Fiat Panda I in Bildern

  • Zu sehen ist der Fiat Panda I, fahrend
    Quelle: Fiat 1980 startet der Verkauf des Fiat Panda 1. Der Designer Giorgio Giugiaro entwirft das „Haushaltsgerät auf Rädern“
  • Zu sehen ist der Fiat Panda I, stehend
    Quelle: Fiat Die frühen Modelle des Fiat Panda verfügen über einen Kühlergrill aus Blech. Später wird dieser aus schwarzem Kunststoff gefertigt
  • Zu sehen ist der Fiat Panda I, stehend
    Quelle: Fiat Der Fiat Panda 1 misst 3,40 Meter in der Länge, 1,49 Meter in der Breite und 1,44 Meter in der Höhe – eine simple, kleine Box
  • Zu sehen ist der Fiat Panda I in seitlicher Position
    Quelle: Fiat Unter der Motorhaube des Fiat Panda 1 arbeitet ein Benzinmotor, der zunächst 30 PS leistet, später werden es 54 PS
  • Zu sehen ist das Armaturenbrett des Fiat Panda I
    Quelle: Clerici Auto s.p.a. via mobile.de Der Fiat Panda 1 liefert überraschende Variabilität im Passagierraum. Das Armaturenbrett fungiert als großes Ablagefach
  • Zu sehen ist das Cockpit des Fiat Panda I
    Quelle: Clerici Auto s.p.a. via mobile.de Die Vordersitze aus bespannten Stahlrohrrahmen sind kein Hingucker. Trotzdem wirkt der Innenraum des Fiat Panda 1 mit seinen simplen Lösungen sehr sympatisch
  • Zu sehen ist die Rückbank des Fiat Panda I
    Quelle: Clerici Auto s.p.a. via mobile.de Die Rückbank des Fiat Panda 1 ist einteilig. Klappt man diese um, entsteht eine durchgehende Liegefläche
  • Zu sehen ist der Fiat Panda I 4x4, stehend
    Quelle: Fiat 1983 folgt der Fiat Panda 4x4. Ein kleiner Offroader mit viel Power
  • Zu sehen ist der Fiat Panda I 4x4, fahrend
    Quelle: Fiat 4x4 steht für Allradantrieb. Für einen Wintereinsatz ist der Fiat Panda allemal geeignet
  • Zu sehen ist der Fiat Panda I 4x4 in seitlicher Position und geöffneter Heckklappe
    Quelle: Fiat Der Fiat Panda 4x4 wurde sogar zum Schwimmwagen mit Außenbordmotor an der Stoßstange umgebaut