Was Ersthelfer im Straßenverkehr wissen müssen

Erste Hilfe am Unfallort: Worauf musst Du achten?

Als Ersthelfer musst Du einen kühlen Kopf bewahren. Angst vor Fehlern ist unbegründet. Manchmal helfen bereits sanfte Worte und vor allem ein schneller Notruf.

  • Sabine Stahl
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  • Veröffentlicht am 05/01/2020, 07:45 AM
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Quelle: Picture Alliance Etwa 17.000 Notrufsäulen stehen an deutschen Autobahnen. Ist das Handy nicht parat, kann darüber Hilfe gerufen werden

Jeder Autofahrer weiß, wie es geht. In der Theorie. In der Praxis hat es kaum einer erlebt und die meisten fürchten sich sogar davor, dass es passieren könnte: Nach einem Verkehrsunfall Erste Hilfe zu leisten. Laut „Apotheken Umschau“ ist bei 58,1 Prozent der Befragten die Angst vor Fehlern bei der Ersten Hilfe so groß, dass sie sich wahrscheinlich nicht aktiv an den Rettungsarbeiten beteiligen würden, trotz Erste-Hilfe-Kursus in der Fahrschule. Schlechte Nachrichten für alle Unfallopfer. Denn nichts ist für die Opfer so schlimm wie keine Hilfe zu bekommen.

Ist Erste Hilfe Pflicht?

In Deutschland gibt es eine gesetzlich verankerte Pflicht zur Ersten Hilfe. Wer zu einem Unfall dazukommt und nicht hilft, macht sich laut Strafgesetzbuch Paragraf 323 c der unterlassenen Hilfeleistung strafbar. Dies kann mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden. Bei Fahrerflucht sind es sogar bis zu drei Jahre. Die Pflicht zur Ersten Hilfe gilt nicht, wenn der Ersthelfer sich dadurch selbst in Gefahr bringen würde.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Die oberste Regel nach einem Verkehrsunfall lautet: Sorge dafür, dass nicht noch mehr passiert. Das heißt, bevor Du den Verletzten hilfst, sichere die Unfallstelle. Schalte die Warnblinkanlage ein, stelle ein Warndreieck auf und ziehe eine Warnweste an.
  2. Der nächste Griff geht zum Telefon. Wähle die 112 und erkläre die gesamte Situation. Wo bist Du? Was ist passiert? Wie viele Personen sind verletzt? Welche Verletzungen haben sie?
  3. Gibt es Menschen, die sehr schwer verletzt sind, ist es gut, sich bereits während des Notrufs um sie zu kümmern. Dabei kann die Rettungsstelle unterstützen, solltest Du Fragen haben. Gibt es weitere Ersthelfer, soll eine Person den Notruf absetzen und die andere sich um die Unfallopfer kümmern. Nach dem Notruf können sich alle Ersthelfer um die Verletzten kümmern.


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Oldtimer von Triumph

1886 gründet der deutsche Auswanderer Siegfried Bettmann im britischen Coventry die Marke Triumph.


Erste Hilfe: Die wichtigsten Maßnahmen bei Verletzten

Als Erstes solltest Du das Unfallopfer ansprechen. Ist der Verletzte bei Bewusstsein? Dann sprich mit ihm. Wo hat er Schmerzen? Wie geht es ihm? Antwortet die Person nicht, kannst Du sie vorsichtig anstupsen oder behutsam an ihr rütteln. Reagiert der Verletzte nicht, fühle und schaue, ob er noch atmet. Es ist auch wichtig, seinen Mund leicht zu öffnen und nach Gegenständen im Mundraum zu schauen. Dafür überstreckst Du am besten seinen Hals ganz leicht und beugst seinen Kopf sanft nach hinten. Atmet der Mensch und befindet sich nichts im Mund, dann bring ihn in eine stabile Seitenlage.

Erste Hilfe am Unfallort
Quelle: Picture Alliance Wer bei einem Unfall keine erste Hilfe leistet, macht sich strafbar

Stabile Seitenlage

Die stabile Seitenlage ist für bewusstlose Menschen so wichtig, weil sie andernfalls ersticken könnten. Sei es am Zurückfallen der Zunge, an Erbrochenem oder eventuell Gegenständen, die Du übersehen hast. In der stabilen Seitenlage ist das Gesicht des Verletzten nach unten gerichtet und die Gefahr deutlich geringer. So funktioniert die stabile Seitenlage:

  • Die Person liegt auf dem Rücken, Arme und Beine sind gestreckt.
  • Knie Dich neben die Person.
  • Dann winkle den Arm des Verletzten auf Deiner Seite an (Achsel und Armbeuge jeweils 90 Grad).
  • Lege den anderen Arm des Opfers mit der Hand an dessen Gesicht über dessen Brust.
  • Greife das Bein des Verletzten auf der anderen Seite und drehe die Person zu Dir.
  • Winkle anschließend das Bein des Opfers im rechten Winkel an.
  • Am Ende liegen beide Hände der Person auf Höhe ihres Gesichts.
  • Ihre Arme liegen nebeneinander und sind angewinkelt.
  • Den Mund des Opfers solltest Du leicht öffnen.

Herz-Lungen-Massage

Atmet die Person nicht, musst Du eine Herz-Lungen-Massage durchführen. Fange dabei mit der Herzmassage an. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes folgen auf 30 Mal Herzmassage zwei Mal Atemhilfe. Der Rhythmus beim Drücken sollte bei 100 bis 120 pro Minute liegen.

So funktioniert die Herzmassage

  • Knie Dich neben den Verletzten.
  • Lege dem Verletzten im unteren Drittel seines Brustbeins eine seiner Hände auf die Mitte seines Brustkorbs.
  • Lege seine andere Hand auf die erste Hand.
  • Strecke Deine Arme.
  • Dann beginne, mit Deinem Gewicht auf den Oberkörper des Verletzten zu drücken.
  • Dabei sollte sein Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter einsinken.

Nach 30 Mal Herzmassage folgt die Beatmung.

So funktioniert die Atemhilfe

Für das Beatmen muss der Kopf des Verletzten etwas nach hinten geneigt werden. Das Kinn sollte nach oben zeigen und der Mund muss leicht geöffnet sein. Mit der einen Hand verschließt Du nun die Nase des Unfallopfers. Dann lege Deinen Mund um den des Verletzten und atme langsam aus, sodass sich der Brustkorb des Opfers hebt. Dann drehst Du Deinen Kopf weg und holst erneut Luft. Auch diese Luft lässt Du langsam in die Lungen des Verletzten strömen. Im Anschluss folgt erneut die Herzmassage. Dabei gilt für die gesamte Zeit ein Rhythmus von 30 zu 2. Das wiederholst Du so lange, bis der Rettungsdienst eintrifft oder das Unfallopfer anfängt, selbst zu atmen.



Unfallopfer aus dem Auto befreien

Befindet sich das Unfallopfer noch im Auto, nähere Dich vorsichtig dem Fahrzeug und schaue zunächst nach Gefahren. Läuft Benzin aus? Gibt es Schäden an der Elektrik? Hast Du alles abgecheckt, dann gehe zum Fahrzeug, öffne die Tür, wenn möglich, und versuche, das Opfer anzusprechen. Läuft der Motor noch, dann schalte die Zündung aus. Sei dabei aber vorsichtig, manche Airbags lösen nach einem Unfall verzögert aus. Nach Angaben des Roten Kreuzes darfst Du bei klemmenden Türen auch die Scheiben am Auto einschlagen. Achte dabei aber darauf, dass Du keine zusätzlichen Verletzungen verursachst. Notfalls musst Du durch die Scheibe Hilfe leisten, bis der Rettungsdienst da ist.

Kannst Du die Türen öffnen, schaue, ob die Beine des Unfallopfers eingeklemmt sind. Wenn nicht, schnalle es ab und versuche, von hinten seinen Oberkörper sicher zu umgreifen. Am besten ziehst Du die Person vorsichtig auf Deine Oberschenkel und von dort weiter in Richtung Boden. Hast Du es geschafft, bringe den Verletzten und Dich in Sicherheit.

Maßnahmen bei offenen Wunden und Verletzungen

Bei offenen Wunden hole den Verbandkasten aus Deinem Auto und decke die Wunde(n) mit sterilem Material ab. So verhinderst Du, dass Keime oder Bakterien in die Wunde(n) kommen. Du selbst solltest dabei Handschuhe tragen. Blutet eine Wunde stark, fertige einen Druckverband an. So wird die Blutung gestillt oder zumindest verlangsamt.

Für einen Druckverband musst Du die Wunde zunächst mit einer sterilen Wundauflage bedecken. Fixiere diese mit ein paar Umwicklungen einer Mullbinde. Anschließend kommt das Druckpolster. Dafür kannst Du einfach eine komplett aufgewickelte Mullbinde nehmen. Fixiere diese, indem Du den Verband oder ein Dreieckstuch um das verletzte Körperteil wickelst. Anschließend sollte das verletzte Körperteil hochgehalten werden – auch das lindert die Blutung.

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Quelle: Picture Alliance Kam der Verbandskasten einmal zum Einsatz, müssen fehlende oder verbrauchte Bestandteile ausgetauscht werden

Finger weg bei Knochenbruch und Fremdkörpern

Nichts tun kannst Du hingegen bei Knochenbrüchen und anderweitig verdrehten Gliedmaßen. Hier gilt: Finger weg, denn hier kannst Du weiteren Schaden anrichten. Das Gleiche gilt für Fremdkörper, die im Auge oder im Körper stecken. Diese dürfen nur von den Rettungsärzten entfernt werden.

Bei einem Schock nach einem Autounfall kann es sein, dass die Person sehr blass aussieht und sich kühl anfühlt. Versuche, ihr in diesem Fall sanft zuzureden und sie warm zu halten.

Erste Hilfe bei einem Motorradfahrer

Bei einem verunglückten Motorradfahrer fragen sich viele Ersthelfer: Soll der Helm abgenommen werden oder nicht? Die Antwort lautet: Kommt darauf an. Ist der Motorradfahrer bewusstlos, dann nimm den Helm vorsichtig ab. Stabilisiere am besten mit einer Hand seinen Kopf und streife den Helm vorsichtig ab. Achte vor dem Abnehmen darauf, ob die Person eine Brille trägt, und nimm diese gegebenenfalls ab. Auch den Kinnriemen darfst Du nicht vergessen.

Ist der Motorradfahrer bei Bewusstsein und hat Schmerzen am Rücken, dann sollte der Helm auf dem Kopf bleiben, bis der Rettungsdienst eintrifft. Der Motorradfahrer könnte eine Verletzung an der Halswirbelsäule haben.


Renault Espace
Wächst die Familie, muss was Größeres her

Ein gutes Familienauto muss bequem sein und viel Platz bieten.


Kann Erste Hilfe dem Unfallopfer schaden?

Natürlich kann bei der Ersten Hilfe eine Verletzung entstehen. Doch darüber sollten sich Ersthelfer keine Gedanken machen. Die Person ist ohnehin verletzt und sie benötigt Hilfe. Womöglich besteht Lebensgefahr. In so einem Fall kommt es auf eine weitere Verletzung nicht an. Es ist entscheidend, die Atmung und den Kreislauf aufrechtzuerhalten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Von Knochenbrüchen oder Ähnlichem sollte der Ersthelfer, wie bereits erwähnt, besser die Finger lassen.

Schaden nach Erster Hilfe – musst Du dafür haften?

Machst Du Dir Sorgen um zerrissene, zerschnittene Kleidung oder Ähnliches? Das brauchst Du nicht. Für Schäden, die im Rahmen der Ersten Hilfe entstehen, müssen Ersthelfer nicht aufkommen. Auch Verletzungen, die aus Versehen zugefügt werden, haben keine Konsequenzen. Schließlich gilt bei einem Unfall: Jede Hilfe zählt und jede Hilfsmaßnahme ist besser, als nichts zu tun. Eine Ausnahme ist jedoch grob fahrlässiges Handeln oder gar Vorsatz.

Muss ein Erste-Hilfe-Kursus aufgefrischt werden?

Jeder Führerscheinanwärter muss einen Kursus in Erster Hilfe belegen und diesen vorweisen. Andernfalls bekommt er keinen Führerschein. Doch damit endet die Regelung auch schon. In Deutschland gibt es für Autofahrer keine Pflicht, den Kursus zu wiederholen. Wer sich unsicher fühlt, der sollte über einen neuen Kursus nachdenken, denn das Üben der Maßnahmen hilft dabei, im Ernstfall Ruhe zu bewahren.