So sicherst Du Dich beim Autokauf optimal ab

Diese „Garantien“ schützen den Autokäufer

Wer ein Auto kauft, egal ob neu oder gebraucht, der investiert meist einen größeren Betrag. Der Käufer erwartet deshalb, dass das Fahrzeug über einen längeren Zeitraum einwandfrei funktioniert. Welche Rechte aber hat man, wenn doch Mängel beim neuen Auto oder beim Gebrauchtwagen auftreten? In diesem Artikel geht es um alle "Garantien" die Dir nach dem Autokauf bei einem Autohändler zur Verfügung stehen und bei welchen Schäden sie greifen.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Bei Neuwagen geben Autohersteller oft eine zusätzliche Garantie über die Gewährleistung hinaus.
Quelle: picture alliance / dpa Bei Neuwagen geben Autohersteller oft eine zusätzliche Garantie über die Gewährleistung hinaus

Garantie, Gewährleistung und Sachmängelhaftung einfach erklärt

Die gesetzliche Gewährleistung und Garantie – häufig verwechselt der Laie diese beiden Begriffe oder nutzt sie inhaltlich gar synonym. Er versteht die Behebung von Mängeln, die nach der Anschaffung eines Autos bekannt werden, dann grundsätzlich als Garantiefall. Tatsächlich aber gibt es zwischen Gewährleistung und Garantie gravierende Unterschiede.
Die Gewährleistung (auch Sachmängelhaftung) ist die Verpflichtung, die der Gesetzgeber dem Händler auferlegt, bei dem das Fahrzeug – ob Neu- oder Gebrauchtwagen – gekauft wurde. Der Autohändler muss die einwandfreie Funktionsfähigkeit des Fahrzeugs also garantieren.
Diese Gewährleistungspflicht erstreckt sich bei Neu-Fahrzeugen über 24 Monate, bei Gebrauchtwagen meist über zwölf Monate. Treten in diesem Zeitrahmen Mängel auf, die schon beim Kauf vorlagen, kann der Käufer vom Händler die kostenlose Behebung dieser Mängel einfordern und – wenn die Mängel auch mit einer zweiten Reparatur nicht behoben werden konnten – den Kaufpreis mindern oder sogar vom Kauf zurücktreten.
Dabei gilt: Je früher der Käufer nach dem Kauf einen etwaigen Schaden entdeckt, desto besser für ihn. Denn in den ersten sechs Monaten nach Vertragsabschluss liegt die Beweislast, dass der Fehler möglicherweise erst nach dem Kauf aufgetreten ist und daher nicht unter die Gewährleistung fällt, beim Verkäufer. Danach allerdings ist der Käufer in der Pflicht. Nun muss er beweisen, dass sein Fahrzeug den entsprechenden Schaden bereits vor Vertragsabschluss aufgewiesen hat, um Leistungen zu erhalten. Das gestaltet sich in der Praxis häufig schwierig.

Für Gebrauchtwagen gilt meist ein Gewährleistungszeitraum von 12 Monaten ab dem Kaufdatum.
Quelle: picture alliance / dpa Themendie Für Gebrauchtwagen gilt meist ein Gewährleistungszeitraum von 12 Monaten ab dem Kaufdatum

Gewährleistung beim Kauf von privat

Im Gegensatz zum Autohändler kann ein privater Verkäufer die Gewährleistung ausschließen. Allerdings muss dies explizit im Kaufvertrag festgehalten werden. Meist geschieht das mit der Klausel „Unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“. Die Ausnahme: Treten nach dem Verkauf Mängel auf, die der Verkäufer wissentlich verschwiegen hat, dann kann sich der Käufer auch beim Privatkauf auf die Gewährleistung berufen. Aber auch in einem solchen Fall ist es in der Praxis meist sehr schwierig, dem Verkäufer die Täuschungsabsicht nachzuweisen. Bei einem Privatkauf bleibt man daher meistens auf den Kosten eines Schadens sitzen.
Apropos Mangel: Neben einer technischen Störung oder dem Komplettausfall eines Bauteils gilt als Mangel auch, wenn etwa eine Komfortfunktion zugesagt wurde, tatsächlich aber nicht vorhanden ist. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Klimaanlage handeln, die vom Verkäufer im Kaufvertrag explizit aufgeführt wurde, über die das Fahrzeug dann tatsächlich nicht verfügt. Auch hier ist der Verkäufer per Gesetz zur Nachbesserung verpflichtet.

Bei Privatkäufen kann der Verkäufer eine Gewährleistung ausschließen, wenn Vorschäden nicht verschwiegen werden.
Quelle: picture alliance / dpa Themendie Bei Privatkäufen kann der Verkäufer eine Gewährleistung ausschließen, wenn Vorschäden nicht verschwiegen werden

Neuwagengarantie – Selbstverpflichtung des Herstellers

Eine Neuwagengarantie bietet der Hersteller freiwillig an. Er verpflichtet sich damit über einen bestimmten Zeitraum, Schäden zu beheben, die während dieser Zeit am Fahrzeug auftreten. Die Herstellergarantie gibt dem Käufer über die Gewährleistung hinaus durch den Händler also eine zusätzliche Sicherheit. Die Dauer der Garantie fällt von Hersteller zu Hersteller allerdings sehr unterschiedlich aus. So geben deutsche Hersteller auf ihre Neuwagen in der Regel zwei Jahre Garantie – in Deutschland. Denn auf dem US-Markt gewähren nach Angaben des ADACs etwa BMW und Mercedes vier Jahre Garantie auf ihre Fahrzeuge. Ein Wert, den einige asiatische Hersteller sogar noch toppen. Subaru (Japan) und Hyundai (Korea) etwa versprechen ihren Kunden fünf Jahre weitgehende Sorgenfreiheit. Und das Hyundai-Tochterunternehmen Kia verpflichtet sich gar sieben Jahre lang, Mängel zu beheben. Zu beachten ist bei diesen vollmundigen Versprechen allerdings, dass viele Hersteller diesen Garantie-Zeitraum indirekt gleich wieder einschränken, indem sie eine Obergrenze von zum Beispiel 100.000 oder 150.000 Kilometer nennen.

Gewährleistung oder Garantie? Die Begriffe werden manchmal synonym verwendet, es gibt aber große Unterschiede.
Quelle: picture alliance / PantherMedia Gewährleistung oder Garantie? Die Begriffe werden manchmal synonym verwendet, es gibt aber große Unterschiede

Hier greift die Garantie nicht

Zudem umfasst die Garantie ausdrücklich nur solche Mängel, denen kein Verschleiß zugrunde liegt. So sind etwa Bremsbeläge wie Bremsscheiben, Keil- oder Zahnriemen und die Batterie von der Garantie ausgeschlossen. Und es gibt weitere Gründe dafür, dass eine Garantie nicht greift. Etwa, wenn das Auto nicht gemäß den Garantie-Bestimmungen gewartet wurde. Der Käufer ist also gezwungen, die vorgeschriebenen Intervalle für Inspektionen ebenso einzuhalten und wie die für den regelmäßigen Ölwechsel.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist es allerdings, dass dies zwingend in der jeweiligen, meist teureren Marken- beziehungsweise Vertragswerkstatt geschehen muss. Tatsächlich aber darf der Käufer sein Fahrzeug auch in einer freien Fachwerkstatt warten lassen, so lange dort die Hersteller-Vorgaben eingehalten werden. Andernfalls droht auch hier der Verlust des Garantie-Anspruchs. Der tritt zwingend ein, wenn  technische Änderungen am Fahrzeug vorgenommen werden, wie zum Beispiel ein Chip-Tuning zur Steigerung der Motorleistung.
Übrigens: Das Ende der vorläufigen, vom Hersteller zunächst gewährten Garantie-Dauer muss nicht zwingend das Ende der Garantie bedeuten. So bieten viele Hersteller eine Garantie-Verlängerung an. Allerdings werden mit zunehmender Laufleistung und zunehmendem Alter des Autos die anfallenden Reparaturkosten nur noch anteilig übernommen.



Gebrauchtwagen-Garantie – nur beim Händler

Auch für einen Gebrauchtwagen kann der Käufer beim Händler eine Garantie abschließen, die sogenannte Gebrauchtwagen-Garantie. Erhältlich ist diese allerdings nur für Autos, ab einem bestimmten Baujahr und/oder einer gewissen Kilometerleistung. Ein privater Verkäufer dagegen wird in aller Regel keine Garantie anbieten.

Was zum Erlöschen der Garantie führt

  • Technische Änderungen am Fahrzeug, etwa ein Chip-Tuning zur Leistungssteuerung
  • Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Service-Intervalle
  • Unsachgemäße Wartung durch eine nicht autorisierte Werkstatt oder eine Privatperson