Mit dem Typ wird Fiat wieder günstig

Der Fiat Tipo (2016, Typ 356) im Alltagstest

Fiat ist mit dem Tipo zurück in der Kompaktklasse. Generation 2 soll vor allem günstig sein. Im Alltagstest mit 1.4 Tjet-Motor erfährst Du mehr über den Italiener.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 08/23/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
In der Topausstattung S-Line bekommt der Tipo schwarz lackierte 17-Zoll-Felgen
Quelle: Peter Besser In der Topausstattung S-Line bekommt der Tipo schwarz lackierte 17-Zoll-Felgen

Als Fiat im Jahr 2016 die zweite Generation des Tipo brachte, war die erste schon ein gutes Jahrzehnt verschwunden. Ein wettbewerbsfähiges Angebot, das gegen Golf und Co. punkten konnte, gab es lange nicht. Der neue Tipo zielt mit dem Rezept “viel Auto für wenig Geld” eher auf die Günstig-Marken als auf die großen Volumenhersteller.

Wir haben den Tipo als 1.4 Tjet mit mit 120 PS in schnellem Rot mit schwarz lackierten Felgen im Alltag auf die Probe gestellt.



Abmessungen, Platzangebot, Kofferraum, Karosserie

Der Tipo misst mit 4,37 Metern Länge deutlich mehr als ein Golf. Die meisten Konkurrenten sind etwas kürzer. Das Platzangebot im Kofferraum fällt mit mindestens 440 Liter entsprechend üppig aus. Auf der Rückbank gibt es viel Platz für die Beine und genug für den Kopf.

Die Rücksitze klappen serienmäßig im Verhältnis 60:40 um, wie viel Platz dann entsteht, verrät Fiat nicht, doch der Laderaum wirkt auch in der Praxis groß. Zumal er topfeben wird, weil die Sitzflächen der Rückbank nach oben klappen.

Leider muss das Gepäck über eine hohe Ladekante gehievt und dann deutlich weiter unten abgestellt werden. Diverse Haken und Ösen für Taschen sind vorhanden. Nur der Kombi hat den doppelten Ladeboden serienmäßig, außerdem ist hier die Ladekante niedriger und es gibt Staufächer hinter den Radkästen. Das Schrägheck ist nicht ganz so nutzwertig, aber trotzdem praktisch.

Innenraum, Materialien, Verarbeitung

Vieles erschließt sich beim Tipo über den Preis. Weich unterschäumte Armaturenbretter gibt es fast überall in der Kompaktklasse, doch dort zahlt man für die gleiche Materialqualität oft deutlich mehr. Klar, der Hartplastikanteil ist hoch, doch ordentlich verarbeitet ist das Cockpit. Gut: Bei der Lounge-Ausstattung schlägt Fiat die Türen dort mit Velours aus, wo die Ellenbogen anecken.

Viele Schalter und Knöpfe könnten sich gerne etwas nobler anfühlen und das Design sagt uns auch nicht uneingeschränkt zu. Geschmackssache, grobe Patzer leistet Fiat sich allerdings nicht.

Infotainment, Radio, Bedienung

Schon in der Basisausstattung Street (früher: Pop) baut Fiat ein Radio mit USB-Anschluss und Bluetooth ein. Beim 120-PS-Benziner muss man sich darüber jedoch keine Gedanken machen. Street bietet Fiat ausschließlich mit dem kleineren 95-PS-Motor an. Der 1.4 Tjet kommt stets als “Mirror” (früher: Easy) mit Uconnect Infotainment.

Das System verfügt über einen 7-Zoll-Touchscreen und lässt sich recht einfach bedienen. Die Smartphone-Standards Android Auto und Apple Carplay sind stets an Bord. Ab der Ausstattung Lounge oder für 400 Euro extra in der Ausstattung Mirror. Insgesamt ist Konnektivität nicht die größte Stärke des Fiat Tipo.

Assistenzsysteme und Sicherheit

Bei den modernen Helfern und der Sicherheit fährt Fiat ebenfalls hinterher. In der Basis kommt er mit sechs Airbags, ABS, ESP und einem einfachen Bremsassistenten. 350 Euro kostet der erweiterte Notbremsassistent und der Geschwindigkeitsbegrenzer. Ergänzend dazu muss der Tempomat geordert werden.

Für die Basis gibt es den nur in Verbindung mit dem Tech-Paket für 1.000 Euro. 600 Euro kaufen das Assistenzpaket Plus, das zusätzlich einen Abstandstempomaten dabei hat. Früher gab es das erst ab der Lounge-Ausstattung, inzwischen bietet Fiat es ab Mirror an. Der Basis-Benziner muss ohne auskommen.

Die Crashtester von Euro NCAP sind entsprechend wenig begeistert vom Tipo und geben ihm nur drei Sterne. In der Kategorie "Sicherheitsunterstützung" bekommt er 25 Prozent. Mit optionalem Sicherheitspaket steigt die Wertung auf vier Sterne und 57 Prozent. Fußgänger- und Kindersicherheit sind mit 60 Prozent ebenfalls eher im unteren Bereich.

Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Das Motorenangebot beim Tipo startet mit einem 1,4-Liter-Sauger mit 95 PS, dazu gibt es zwei Diesel mit 95 PS und 1,3 Litern Hubraum sowie mit 1,6 Litern Hubraum und 120 PS. Letzterer ist wahlweise mit Doppelkupplungsgetriebe zu haben. In unserem Testwagen arbeitete der 1,4 Liter große Vierzylinder-Turbo mit 120 PS.

Unsere Testwagen kostete 18.790 Euro
Quelle: Peter Besser Unsere Testwagen kostete 18.790 Euro

Der verfügt über 215 Newtonmeter Drehmoment, von denen 200 bereits bei 1.750 Umdrehungen anliegen. Der 1.4 Tjet genannte Benziner zieht ordentlich und nimmt gut Gas an. Er geht laufruhig ans Werk und hält sich akustisch meist zurück. Den Normverbrauch gibt Fiat mit 7,1 Litern an. Gemessen nach WLTP und umgerechnet auf NEFZ. Das scheint sogar in der Praxis machbar. Wir verbrauchten in der Stadt und über Land gut 7,5 Liter im Durchschnitt. Dichter Berufsverkehr dürfte das etwas in die Höhe treiben, insgesamt erscheint der Verbrauch jedoch akzeptabel.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten

Der Tipo mag in knallrot mit schwarzen Felgen sportlich aussehen, doch er ist kein Sportler. Er federt komfortabel, rollt gut ab und teilt fast nie harte Stöße aus. Scharfe Kanten und Schlaglöcher schluckt er gut weg. Auf kompliziertem Belag gerät das Fahrwerk jedoch gelegentlich an seine Grenzen und arbeitet etwas unharmonisch. Gaslupfer in zügig gefahrenen Kurven steckt er weg, ohne ausfällig zu werden.

Es geht also auch ohne aufwändiges Verstellfahrwerk. Und muss es auch. Fiat bietet beim Tipo keins an.

Ausstattung, Preise, Kosten

Dass der Tipo vom Start weg Qualitäten hatte, die ihn zum Schnäppchen machten, hat Fiat mittlerweile bemerkt. Das Steilheck startete mal bei 15.000 Euro. Inzwischen verlangt Fiat 16.090 Euro für den Einstiegsbenziner, der 1.4 Tjet kostet mittlerweile 18.790 Euro (06/2019). Dafür bekommt man immerhin die “Mirror”-Ausstattung, die schon viel von dem beinhaltet, was das Leben angenehm macht.

Infotainment mit Smartphone-Konnektivität und ein paar Online-Funktionen, Klimaanlage und elektrische Fensterheber rundum sind an Bord. Schon die Basis bringt ein in Höhe und Länge verstellbares Lenkrad, einen höhenverstellbaren Fahrersitz und 16-Zoll-Alufelgen mit. Lounge für etwas mehr als 20.000 Euro beinhaltet eine Klimaautomatik, Navigationssystem, Rückfahrkamera und einen Tempomaten. Mehr braucht man nicht.

Fazit zum Fiat Tipo

Schade, dass Fiat die Preise des Tipo mittlerweile deutlich angezogen hat. Das Schnäppchen vom Marktstart im Jahr 2015 ist der Kompaktwagen nicht mehr. Im Vergleich zur Konkurrenz kostet er aber immer noch weniger. Ein VW Golf mit 115-PS-Benziner ist ab 21.365 Euro zu haben - in der mageren Basisausstattung Trendline. Ein Ford Focus Trend liegt mit 125 PS laut Liste bei 22.000 Euro, als Aktionsangebot kostet er in der Basis 19.290 Euro.

Der Tipo bietet dafür viel Platz, ordentliches Fahrverhalten, annehmbares Infotainment und eine schicke Optik. Leider schwächelt er bei der Sicherheit, da dürften ruhig mehr Assistenten im Angebot sein. Auch die passive Sicherheit ist nicht überragend. Wer damit leben kann, findet hier immer noch ein faires Angebot.

Fiat Tipo 1.4 Tjet: Technische Daten

  • Leistung: 120 PS (88 kW) b. 5.000 U/min
  • Drehmoment: 215 Nm b. 2.500 U/min
  • Antrieb: 6-Gang-Handschaltung, Frontantrieb
  • 0-100 km/h: 9,9 s
  • Geschwindigkeit: 200 km/h
  • Verbrauch: 7,1 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 163 g/km
  • Länge: 4.368 mm
  • Breite: 1.792 mm
  • Höhe: 1.495 mm
  • Radstand: 2.638 mm
  • Leergewicht: 1.380 kg
  • Kofferraum: 440 l
  • Preis Basis: ab 16.090 Euro
  • Basispreis Testwagen: 18.790 Euro (06/2019)


Fiat Tipo (Typ 356) im Alltagstest

  • Den Tipo hat Fiat zwar ein sportliches Design verpasst. Zum Sportler wird der Kompakte dadurch jedoch nicht
    Quelle: Peter Besser Dem Tipo hat Fiat ein sportliches Design verpasst. Zum Sportler wird der Kompakte dadurch jedoch nicht
  • Unsere Testwagen kostete 18.790 Euro
    Quelle: Peter Besser Unsere Testwagen kostete 18.790 Euro
  • Das Cockpit ist gut verarbeitet. Einige Schalter und Knöpfe aber könnten sich etwas wertiger anfühlen
    Quelle: Peter Besser Das Cockpit ist gut verarbeitet. Einige Schalter und Knöpfe aber könnten sich etwas wertiger anfühlen
  • Serienmäßig lassen sich die Rücksitze im Verhältnis 60 zu 40 umklappen
    Quelle: Peter Besser Serienmäßig lassen sich die Rücksitze im Verhältnis 60:40 umklappen
  • In der Topausstattung S-Line bekommt der Tipo schwarz lackierte 17-Zoll-Felgen
    Quelle: Peter Besser In der Topausstattung S-Line bekommt der Tipo schwarz lackierte 17-Zoll-Felgen