BMW 330i im Fahrbericht

Der wichtigste BMW: 330i (G20) im Test

Der 3er ist das Herzstück der Marke BMW und gilt als das “Fahrerauto” in der Mittelklasse. Die 7. Generation soll daran nichts ändern. Erste Fahrt im 3er G20.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Neu erfunden haben die Ingenieure den 3er nicht. Eher konsequent evolutionär weiterentwickelt
Quelle: BMW Neu erfunden haben die Ingenieure den 3er nicht. Eher konsequent evolutionär weiterentwickelt

Was für Coca Cola die Coca Cola ist, ist der 3er für BMW. So ungefähr. Beide Marken stellen auch andere Produkte her, aber beim Schlüsselprodukt darf nichts schiefgehen, wenn eine neue Generation auf den Markt kommt. Denn das würde die Marke weit mehr beschädigen als eine missglückte Fanta Mango oder ein suboptimal abgestimmtes Getriebe im 2er Gran Tourer. Ist der neue BMW 3er hingegen gelungen, nutzt das der Marke BMW mehr als (sorry, Zukunft) der i3 und ein Faltrad zusammen.

Da kann es nicht verwundern, dass BMW bei der neuen Baureihe G20 auf eine evolutionäre Weiterentwicklung des Vorgängers F30 setzt und sich wilde Experimente weitgehend spart. Das fängt schon bei der Optik an, sie soll den Vorgänger nicht plötzlich uralt aussehen lassen und damit am Gebrauchtmarkt entwerten. 

Das gleiche gilt für die Fahreigenschaften. Es ging den Ingenieuren darum, die klassischen 3er-Tugenden zu verfeinern und nicht darum, neue Tugenden zu erfinden. Sportlicher sollte er werden. Sportlicher als der Vorgänger, der manchen Fans bereits zu weich daherkam. 



BMW 330i G20 mit Sportfahrwerk: straff gemacht

So viel vorweg: Es ist BMW gelungen, den neuen 3er konsequenter abzustimmen als den alten. Das zeigen erste Testfahrten im Serienmodell 330i. Im 330i steckt schon seit einigen Jahren ein 2,0-Liter-Vierzylinder. Der Leistungszuwachs bleibt zum Modellwechsel überschaubar: 258 PS statt bisher 252 PS holt BMW aus dem Motor. Er klingt kernig nach Vierzylinder, wobei BMW hier nachhilft. Rein mechanisch werde die Tonlage manipuliert, betonen die Entwickler. So oder so: Er klingt gut, der 330i. An den Fahrleistungen des Turbomotors gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Der Vierzylinder beschleunigt den 330i in 5,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Serienmäßig flanscht BMW eine Achtgang-Automatik an den Motor. Das gibt genug Kraft für alle Lebenslagen.

Mit kleinen Rädern wird der 3er zahmer

Im 330i-Testwagen steckt das optionale Sportfahrwerk ohne verstellbare Dämpfer. Wer seinen 3er hart liebt, ist hier genau richtig. Mit diesem Fahrwerk kauert der 3er zunächst einmal 10 Millimeter näher am Asphalt. Daneben federt er ganz schön straff. Vor allem in Verbindung mit den aufgezogenen 19-Zoll-Reifen lässt der 3er den Fahrer zu keinem Zeitpunkt über die Beschaffenheit des Asphalts im Unklaren. Dabei bleibt die BMW-Mittelklasse aber stets kontrolliert und verbindlich. Nur bei niedrigem Tempo neigt die Limousine leicht zum Kippeln. 
Auf die Stabilität hat schlechter Asphalt keinen Einfluss. Der 3er lässt den Fahrer stets wissen, woran die Räder gerade arbeiten - federt störende Einflüsse aber konsequent weg. Präzise, agil und mit prima Balance geht es durch die Kurven. Die Lenkung setzt den Anspruch “Fahrerauto” ebenfalls konsequent um und arbeitet transparent, angenehm gewichtet und direkt. 


In unserem Testwagen steckte das optionale Sportfahrwerk
Quelle: BMW In unserem Testwagen steckte das optionale Sportfahrwerk

Aber BMW bietet den 330i auch mit 17- und 18-Zoll-Rädern an, sowie ohne Sportfahrwerk. Das Basismodell 318d rollt sogar auf 16-Zöllern. Schon mit 18 Zoll und Serienfahrwerk rollt der BMW merklich nachgiebiger ab. Es gibt also auch in der Generation G20 komfortable BMW 3er. Wer auf Leistung und Härte verzichten kann, spart Geld. Der 318d mit 150 PS steht ab 37.850 Euro in der Preisliste, der 320i mit 184 PS ab 39.950 Euro. Der 330i kostet mit 44.700 Euro fast 5.000 Euro mehr, allerdings in der Ausstattung „Advantage“. Darin enthalten sind vor allem die “Park Distance Control” und das Ablagenpaket. Zudem regelt die Klimaautomatik serienmäßig in drei Zonen. 

BMW 3er G20: Marktstart im März 2019

Traditionalisten können aufatmen: Serienmäßig stecken im Armaturenbrett klassische, analoge  Rundinstrumente. Nur gegen Aufpreis baut BMW ein digitales Display in den neuen 3er ein. Ein Grundstock an Assistenzsystemen steckt dagegen bereits im Basis-3er, etwa das autonome Notbremssystem mit Fußgänger-Erkennung, ein Spurverlassenswarner und ein Aufmerksamkeitsassistent. Eine Bluetooth-Freisprechanlage und ein 8,8-Zoll-Touchscreen sind ebenfalls serienmäßig, ebenso LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik und Tempomat. 

Serienmäßig stattet BMW den 3er mit analogen Instrumenten im Cockpit aus. Gegen Aufpreis gibt es ein digitales Display
Quelle: BMW Serienmäßig stattet BMW den 3er mit analogen Instrumenten im Cockpit aus. Gegen Aufpreis gibt es ein digitales Display

Wer Wert auf ausgefuchstere Fahrassistenz legt, muss ins umfangreiche Regal der Sonderausstattungen greifen. Der 3er kann natürlich den Abstand zum Vordermann halten, Fahrinformationen auf ein Head-up-Display projizieren und zwischen 30 und 210 km/h fast selbständig die Autobahn befahren. Er kann völlig autonom bis zu 50 Meter zurücksetzen, wenn das Auto vorher langsam die gleiche Strecke vorwärts gefahren ist. Außerdem hat BMW das Infotainmentsystem überholt. Die bisherige Kacheloptik auf dem 10,25-Zoll-Bildschirm wich einem konfigurierbaren Bildschirm mit verschieden großen, frei programmierbaren Flächen. Ein Hauch von Windows 10. Die Sprachbedienung versteht jetzt mehr Befehle in natürlicher Sprache.

BMW liefert den neuen 3er seit März 2019 aus, vorerst mit drei Dieselmotoren (318d, 320d, 330d) und zwei Benzinmotoren (320i, 330i). Später im Jahr folgt die vorläufige Spitzenversion M340i xDrive. Außerdem wird BMW im Sommer 2019 den Plug-in-Hybrid 330e auf den Markt bringen, mit einer Systemleistung von 292 PS (inklusive 40 PS Boost). Denn die Zeiten, zu denen der 3er einfach nur ein Fahrerauto sein durfte, sind auch bei BMW vorbei.

BMW 3er G20 (2019): Technische Daten

  •     Modell: 330i
  •     Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner
  •     Leistung: 258 PS (190 kW) b. 5.000-6.500 U/min
  •     Drehmoment: 400 Nm b. 1.550-4.400 U/min
  •     0-100 km/h: 5,8 s
  •     Geschwindigkeit: 250 km/h
  •     Antrieb: 8-Gang-Automatik, Hinterräder
  •     Verbrauch: 6,1-5,8 l/100 km
  •     CO2-Ausstoß: 139-132 g/km
  •     Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  •     Länge: 4.709 mm
  •     Breite: 1.827 mm
  •     Höhe: 1.442 mm
  •     Radstand: 1.851 mm
  •     Gewicht (EU): 1.545 kg
  •     Kofferraumvolumen: 480 l
  •     Preis: ab 47.750 Euro

BMW 330i (G20) im Test

  • Wesentlich mehr Leistung gibt es zum Modellwechsel nicht. Statt 252 PS, stehen nun 258 PS im Datenblatt
    Quelle: BMW Wesentlich mehr Leistung gibt es zum Modellwechsel nicht. Statt 252 PS, stehen nun 258 PS im Datenblatt
  • Serienmäßig stattet BMW den 3er mit analogen Instrumenten im Cockpit aus. Gegen Aufpreis gibt es ein digitales Display
    Quelle: BMW Serienmäßig stattet BMW den 3er mit analogen Instrumenten im Cockpit aus. Gegen Aufpreis gibt es ein digitales Display
  • In unserem Testwagen steckte das optionale Sportfahrwerk
    Quelle: BMW In unserem Testwagen steckte das optionale Sportfahrwerk
  • Unser Testwagen wurde von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 258 PS angetrieben
    Quelle: BMW Unser Testwagen wurde von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 258 PS angetrieben
  • Serienmäßig ist der 3er mit einer Drei-Zonen-Klimaautomatik ausgestattet
    Quelle: BMW Serienmäßig ist der 3er mit einer Drei-Zonen-Klimaautomatik ausgestattet
  • Bei aufrechter Rückbank bietet der 3er 480 Liter Stauraum im Heck
    Quelle: BMW Bei aufrechter Rückbank bietet der 3er 480 Liter Stauraum im Heck
  • Vorne sind Voll-LED-Scheinwerfer Serie
    Quelle: BMW Vorne sind Voll-LED-Scheinwerfer Serie
  • Für den 3er bietet BMW auch 17- oder 18-Zoll-Räder an
    Quelle: BMW Für den 3er bietet BMW auch 17- oder 18-Zoll-Räder an
  • 1.545 Kilogramm bringt der 3er auf die Waage
    Quelle: BMW 1.545 Kilogramm bringt der 3er auf die Waage
  • Neu erfunden haben die Ingenieure den 3er nicht. Eher konsequent evolutionär weiterentwickelt
    Quelle: BMW Neu erfunden haben die Ingenieure den 3er nicht. Eher konsequent evolutionär weiterentwickelt