Was kostet eine professionelle Auto-Überführung? Wir verraten es Dir!

Auto überführen: Diese Kosten entstehen

Du brauchst Hilfe beim Transport eines Fahrzeugs? Ob Neuwagen, Gebrauchter oder Pannenauto - wir sagen Dir, auf was Du achten musst und was es kostet.

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  • Veröffentlicht am 11/14/2019, 3:00 PM
Das Auto wird also entweder von einem professionellen Fahrer gefahren oder es wird auf einem Lkw transportiert.
Quelle: FrankHoermann/SVEN SIMON (picture alliance) Grundsätzlich wird unterschieden in Eigenachsüberführung und Transport: Das Auto wird also entweder von einem professionellen Fahrer gefahren oder es wird auf einem Lkw transportiert

Meist im Zusammenhang mit Neuwagen fällt häufig der Begriff Überführungskosten. Denn das individuell konfigurierte Fahrzeug muss vom Werk zum Händler gelangen. Während die Organisation in solchen Fällen der Händler übernimmt, musst Du bei der Überführung im Zuge eines Privatkaufs oder nach einer Panne oder einem Unfall vieles selbst in die Wege leiten. Dieser Ratgeber erläutert die notwendigen Schritte.

Nach einer Panne oder einem Unfall ist das Auto nicht mehr fahrbereit? Du hast einen Gebrauchtwagen aus einem Inserat erworben, doch das Auto steht nicht gleich um die Ecke? Es gibt viele Fälle, in denen ein Fahrzeug professionell von A nach B gebracht werden muss. Der Klassiker der Überführung ist aber der Transport eines Neuwagens vom Werk zum Händler – wo der Käufer das fabrikfrische Auto in Empfang nimmt. In jedem Fall entstehen jedoch Kosten von mehreren Hundert Euro, denn ein Fahrzeug zu überführen ist mehr als volltanken und losfahren.

Die unterschiedlichen Überführungsmethoden

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Eigenachsüberführung und Transport. Das bedeutet: Entweder das Auto wird von einem professionellen Fahrer gelenkt oder es wird per Anhänger, Lkw oder Zug transportiert.

Die Überführung in Eigenregie

Grundvoraussetzung ist, dass das Auto straßenverkehrstauglich, zugelassen und damit zumindest haftpflichtversichert ist. Ist das Auto nach einem Privatverkauf noch ordnungsgemäß angemeldet, kann es im Prinzip einfach zum Bestimmungsort gefahren werden – nur dass dies für den Verkäufer ein gewisses Risiko birgt: Falls der selbstfahrende Käufer zum Beispiel in eine Radarfalle rast, wird der Bußgeldbescheid dem alten Halter zugestellt.

Am besten greift man alternativ auf Kurzzeitkennzeichen zurück, die die Behörden gegen eine Gebühr von gut zehn Euro für fünf Tage ausstellen. Hinzu kommen die Kosten für die Schilder selbst von bis zu 20 Euro. Grundvoraussetzung ist, dass das Fahrzeug eine gültige TÜV-Plakette besitzt.

EU-Mitgliedstaaten akzeptieren das deutsche Kurzzeitkennzeichen.
Quelle: Arne Immanuel Baensch (picture alliance / dpa Themendienst) EU-Mitgliedstaaten akzeptieren das deutsche Kurzzeitkennzeichen. Soll die Reise in Nicht-EU-Länder gehen, sind weitere Formalitäten notwendig

Tipp

Holst Du Dir den Versicherungsnachweis für das Kurzzeitkennzeichen bei der Versicherung, die anschließend auch das Fahrzeug versichert, wird Dir die Bearbeitungsgebühr dafür meist erlassen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung – ein Kaskoschutz wird selten angeboten – macht noch einmal zwischen rund 30 bis 130 Euro aus.

Wichtig ist in jedem Fall das Übergabeprotokoll: Dort sollten alle Schäden dokumentiert werden – Kratzer, Dellen, Gebrauchsspuren, sonstige Schäden. So lässt sich im Fall der Fälle nicht belegen, welche Schäden bei der Überführung entstanden sind. Aus Versicherungsgründen sollten keine Wertgegenstände im Fahrzeug liegen bleiben – denn kommen diese abhanden, kommt dafür niemand auf. Das gilt auch, wenn Du Dich für die Transportalternative entscheidest.



Überführung vom Profi auf eigener Achse

Möchtest Du nicht selbst hinterm Steuer sitzen, kannst Du für die Eigenachsüberführung auch einen professionellen Dienstleister in Anspruch nehmen. Dieser übernimmt nicht nur das Fahren, sondern kümmert sich auch um anfallenden Formalitäten. Oft wird aber verlangt, dass man die notwendigen Kennzeichen selbst besorgt.

Warnung

Auf ein Privatangebot einzugehen, ist meist keine gute Idee. In der Regel handelt es sich nicht um professionelle Autoüberführer – und ein Versicherungsschutz besteht auch nicht. Grundsätzlich solltest Du darauf achten, dass das beauftrage Unternehmen eine Betriebshaftpflicht abgeschlossen hat, die das Risiko von Überführungsfahrten einschließt. So bist Du abgesichert, falls der Überführungsfahrer einen Unfall baut. Ebenfalls ist, wie bei der Eigenachsüberführung, ein bindendes Übergabeprotokoll Pflicht.

Neuwagenüberführung – die Kosten

Willst Du einen Neuwagen überführen lassen, sind Dir meist die Hände gebunden, denn die Preise sind selten verhandelbar. Vielleicht schlägst Du ein paar Fußmatten raus – viel mehr wird aber nicht drin sein. 

Die Händler verlangen je nach Modell und Entfernung mehrere Hundert, manchmal sogar über 1.000 Euro. Dafür hast Du mit der Sache aber auch nichts weiter am Hut – wenngleich hier und da der begründete Verdacht besteht, dass die Autohändler die Überführungskosten dazu nutzen, die niedrigen Margen aufzubessern.

Den Neuwagen selbst abholen und dadurch sparen?

Den Neuen ab Werk abzuholen, das ist für Autokäufer eine fast schon romantische Vorstellung. Einige Hersteller bieten diese Option und zelebrieren sie als Event. Doch selbst eine Abholung im Werk stellen die allermeisten inzwischen in Rechnung. Eine rühmliche Ausnahme ist hier Mercedes. Fällig werden in der Regel ebenfalls mehrere Hundert Euro, allerdings weniger als für die Überführung.

Doch auch wenn das Abholen an sich – bei Ford oder Opel übrigens kategorisch unmöglich – weniger Kosten verursacht, musst Du die Gesamtrechnung aufmachen. Denn für die Abholung in Eigenregie fallen Reise- und Spritkosten an, und Du musst je nach Entfernung ein bis zwei Tage Zeit investieren und dafür womöglich Urlaub nehmen.

Überführung mit Hilfe eines  Dienstleisters – die Kosten

Wenn Du einen Überführungsdienstleister beauftragst, gibt es mehr Freiräume, auf die Kosten Einfluss zu nehmen. Hier kann der Preisvergleich unter mehreren Unternehmen eine deutliche Kostenersparnis bringen – wenngleich die Preise ebenfalls stark von der Strecke abhängen, über die das Auto überführt werden soll. Grundsätzlich aber gilt: Wird das Auto auf der eigenen Achse bewegt, fällt die Rechnung niedriger aus, als wenn es transportiert wird.

Selbst für das Überführen über kurze Strecken wirst Du selten weniger als 100 Euro zahlen. Für eine längere Distanz, zum Beispiel von 800 Kilometern, wird sich die Rechnung für eine Eigenachsüberführung auf um die 500 Euro belaufen. Enthalten sind dann Posten wie der Lohn für den Fahrer, dessen Reisekosten und Kosten für Sprit. Soll das Auto auf die Ladefläche, kann es schon mal doppelt so teuer werden. Dafür aber gehen die Kilometer nicht auf die Laufleistung des Autos.

Beim Lkw-Transport variieren die Kosten wegen weiterer Faktoren: Muss das Auto als nicht fahrbereiter Unfallwagen mit dem Kran auf den Laster gehoben werden, ist das teurer, als wenn es auf die Ladefläche gefahren werden kann. Reist es dort abgedeckt mit, treibt das gegenüber dem Frischlufttransport ebenfalls die Kosten in die Höhe. Sparpotenzial wiederum hast Du, wenn Du Dich um die Formalitäten weitgehend selbst kümmerst.

Tipp

Nicht das günstigste Angebot zu wählen, sollte das Ziel sein, sondern das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn fehlt zum Beispiel bei der Betriebshaftpflicht der erwähnte Einschluss von Pkw-Überführungen, kann es am Ende erheblich teurer werden. Bei der Suche nach seriösen Anbietern helfen ihren Mitgliedern in der Regel Automobilclubs weiter. Bist Du im Besitz eines Schutzbriefes, ist es wahrscheinlich, dass Kosten für die Kfz-Überführung bei Unfall- oder Pannenwagen übernommen werden.

Überführung in EU- und Nicht-EU-Länder

Soll die Reise ins Ausland gehen, werden weitere Formalitäten notwendig. EU-Mitgliedstaaten akzeptieren das deutsche Kurzzeitkennzeichen. Doch kann auch ein sogenanntes Ausfuhrkennzeichen – früher wurde es Zoll- oder Exportkennzeichen genannt – notwendig werden. Die Zulassung kostet je nach Bestimmungsland rund 30 bis 50 Euro, hinzu kommen die Kosten für die Schilder selbst in Höhe von 20 bis 40 Euro. Gebrauchte Fahrzeuge, die ein Ausfuhrkennzeichen erhalten sollen, müssen in der Regel bei der Kfz-Zulassungsstelle vorgeführt werden.

Voraussetzung ist in jedem Fall, dass bei der Beantragung bei den Behörden eine Versicherung nachgewiesen wird. Gültig ist ein Ausfuhrkennzeichen zwischen 14 Tagen bis zu maximal einem Jahr. Auch die Fahrzeugsteuern werden vorab eingezogen.

Checkliste: Welche Unterlagen brauchst Du, um ein Ausfuhrkennzeichen zu erhalten

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Nachweis der speziellen Haftpflichtversicherung (Teil- oder Vollkasko bieten die Versicherer bei Ausfuhrkennzeichen in der Regel nicht an)
  • Zulassungsbescheinigung I und II (vormals: Fahrzeugschein und -brief)
  • Nachweis über eine gültige Kfz-Hauptuntersuchung

Wichtig ist auch, sich über die Einfuhrbestimmungen kundig zu machen, ob also Zoll anfällt oder welche Bestimmungen im Einzelnen gelten. Möchtest Du die Bürokratie weitestgehend von Dir fernhalten, dann besteht dazu die Möglichkeit – denn auch das übernehmen manche Überführungsdienste. Gegen Aufpreis, versteht sich.

Müssen Händler den Kaufpreis inklusive Überführungskosten angeben?

Die Überführungskosten für einen Neuwagen können erheblich sein. Bei manchen Herstellern von preisgünstigen Wagen kann ihr Anteil schon mal zehn Prozent des Listenpreises ausmachen. Weil Kunden möglichst transparent über die verlangten Kosten informiert werden sollten, müssen die Preise dafür in der Werbung angegeben, beziehungsweise in den beworbenen Endpreis gleich eingerechnet werden.

Früher genügte es, auf Plakaten oder in der TV-Werbung darauf hinzuweisen, dass Überführungskosten anfallen. Diese wurden dann erst in kleingedruckten Fußnoten genau beziffert. Doch laut geltender Rechtsprechung müssen die in einer Werbeanzeige genannten Verkaufspreise mittlerweile alle unvermeidbaren und für Verbraucher unvorhergesehenen Kosten enthalten – allerdings weicht die Praxis davon mitunter noch ab.

Überführungskosten müssen nur dann nicht im beworbenen Endpreis enthalten sein, wenn der Verbraucher zwischen einer Selbstabholung und der Lieferung an den Händler wählen kann – dann dürfen sie gesondert aufgeführt werden. Gleiches gilt, wenn die Überführungskosten in Einzelfällen variieren können und ihre Höhe nicht eindeutig kalkulierbar ist.


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