So fühlt sich der Diesel im Audi S6 an

Der Audi S6 Avant TDI (2019) im Test

Neuauflage mit Neuausrichtung: Der Audi S6 tauscht seinen starken Benziner gegen einen nicht ganz so starken Diesel. Ob das funktioniert? Steht in diesem Test.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 05/03/2020, 08:15 AM
  • Aktualisiert am 05/06/2020, 11:07 AM
Audi S6
Quelle: TeamOn GmbH Unser Audi S6 holt aus einem 3,0-Liter-V6-Diesel 349 PS heraus

Dieser Audi S6 hat einen schweren Start. Jahrelang stand das Kürzel für dicke Motoren mit acht oder zehn Zylindern und Benzin im Tank. Und nun? In der Europäischen Union (EU) streicht Audi den Benziner. Ein sauberer Diesel mit Abgasnorm Euro 6d-Temp Evap ist angesagt. Der senkt den Verbrauch. Audi opfert mehr als 100 PS der besseren Umweltstatistik – und der Erkenntnis, dass Diesel in der Fahrzeugklasse des A6 tendenziell mehr Autos verkauft.

Streng genommen folgt der neue Audi S6 damit nicht auf den alten, sondern auf den stärksten A6 Diesel – jetzt aber ganz offiziell mit sportlichem Anspruch. Aber passt der Selbstzünder überhaupt ins Konzept? Wird der Audi S6 mit dem TDI spürbar langsamer? Und was hat sich abseits des Antriebs am S6 getan? Das klären wir in der Detailwertung.

Der Audi S6 Avant TDI Quattro in Kürze

  • Erster Audi S6 mit TDI-Motor
  • 3,0-Liter-V6 mit einem Turbo und einem Elektro-Verdichter
  • 349 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment
  • Zackiges Fahrwerk mit komfortablem Anspruch
  • Basispreis Audi S6 TDI Avant: 79.000 Euro

Audi S6 Avant: Kofferraumvolumen, Platzangebot, Abmessungen

Funktional unterscheidet sich der S6 kaum vom Audi A6. Die Karosserien sind identisch, sie unterscheiden sich äußerlich nur am kosmetischen Kunststoff. Entsprechend bietet der S6 so viel Platz wie ein A6: Ganz schön viel. Gemessen an der Länge von fast fünf Metern stellt er allerdings keine Rekorde auf. Sein Layout mit Längsmotor und die flotte Dachlinie kosten eine Menge Raum.

Vorn sitzt es sich ausgezeichnet im S6. Große wie kleine Menschen finden eine gute Position auf den bequemen Sportsitzen. Dahinter bleibt genug Platz für zwei Erwachsene. Die schlanken Vordersitze lassen den Knien Bewegungsfreiheit. Ein dritter Passagier auf der Rückbank muss sich dazwischenkuscheln und seine Beine an der breiten Konsole vorbeifädeln.

Audi S6 Test  15
Quelle: TeamOn GmbH Bei aufrechter Sitzbank lädt der Audi S6 Avant 550 Liter. Maximal schluckt der Kofferraum 1.680 Liter

Im Kofferraum spürt man den Premium-Anspruch: Die Oberflächen sind aufwendig bezogen und verkleidet. Darunter leidet der Platz. Audi gibt ein Volumen von 550 Litern an – ähnlich viel wie BMW beim 5er, deutlich weniger als Mercedes bei der E-Klasse. Das schräge Heckfenster schränkt beim Einladen sperriger Gegenstände ein. Schade: Die Entriegelung der Rückbank arbeitet mit einem Seilzug. Die Lehnen fallen nicht ganz eben nach vorn, sondern steigen an.


Voets Autozentrum Magdeburg-Süd GmbH
Audi S6

Im neuen Audi S6 arbeitet ein 3,0-Liter-V6-Turbo-Diesel und einem elektrischen Verdichter. 349 PS leistet das Aggregat.


Innenraum, Verarbeitung, Materialien im Audi S6

Man fühlt sich wohl im S6. Audi bespannt viele Bauteile mit Leder, setzt lackierte Spangen ein und vertreibt die meisten Tasten aus dem Armaturenbrett. Edel sieht das aus, technisch und funktional. An der Ergonomie gibt es nichts auszusetzen.

Wer genau hinschaut und alles abklopft, merkt allerdings, dass das Cockpit nicht aus dem Vollen gefräst wird. Hier und da gibt das Material nach, wenn man dagegen drückt – aber nur dann. Harter Kunststoff findet sich nur unmittelbar um die Lenksäule. Alles ist ordentlich verarbeitet, sitzt fest und solide. Ein Klappern können wir während des Tests nicht feststellen.



Audi S6 Avant: Infotainment, Radio, Bedienung betont digital

Wer den alten S6 kennt, muss sich umgewöhnen. Ein Großteil der Bedienung läuft nun über Berührungen. Dafür verzichtet Audi auf ein Ablagefach vor dem Schalthebel und baut lieber mehr Bildschirme ein. Der untere steuert die Klimaanlage und bietet konfigurierbare Abkürzungen zu bestimmten Funktionen. Der obere Monitor kümmert sich um Navigation, Musik, Telefon und Einstellungen. Ein drittes Display ersetzt die klassischen Rundinstrumente.

Audi S6 Test  3
Quelle: TeamOn GmbH Im Test verbrauchte unser Audi S6 6,3 Liter auf 100 Kilometer

Damit der Verzicht auf Tasten und Knöpfe nicht so schmerzt, lässt Audi die Displays haptisch und akustisch klicken, wenn sie eine Eingabe annehmen. Darüber gibt es Uneinigkeit in der Redaktion: Die Funktion rangiert zwischen unnötig und nützlich. Man kann mit dem Finger über das Display gleiten, erst der Druck aktiviert die Funktion. Allerdings benötigt das System diesen Druck immer.

Zwischen vielen Konfigurations- und Eingabemöglichkeiten dürfte jeder eine geeignete Oberfläche finden. Der S6 erkennt zum Beispiel liederlich geschriebene Handschrift. Das ist beeindruckend, es geht aber schneller und besser: Bei der Navi-Bedienung führt die Spracherkennung flotter zum Ziel.

Assistenzsysteme und Sicherheit im Audi S6 2019

Audis großes Assistenzziel ist echte Autonomie, bei der das Auto (und damit der Hersteller) die Verantwortung trägt. Bis das in der EU erlaubt ist, unterstützt der S6 den Fahrer. Er hält Abstand, Spur und Geschwindigkeit, warnt bei Müdigkeit und in Gefahrensituationen und hilft beim Parken. Das funktioniert gut und zuverlässig, die Helfer liegen im Test selten daneben. Ein automatischer Spurwechsel fehlt ihm noch, den gibt es nur bei der Konkurrenz.

Praktisch: Der Tempomat berücksichtigt eingespeicherte Tempolimits und senkt automatisch die Geschwindigkeit, wenn nötig. Ohne aktivierte Fahrhilfe meldet er dem Fahrer mit einem Vibrieren im Pedal, dass er vom Gas gehen und damit Sprit sparen kann. Tatsächlich senkt dieses Extra den Verbrauch enorm, doch leider funktioniert es nicht immer. Die gespeicherten Daten sind nicht auf dem neuesten Stand, oft rollt der Audi ohne Grund aus. Eine andere Geschwindigkeit als die vorgegebene lässt sich nicht pauschal einstellen.

Die Automatisierung ist offensichtlich noch in der Entwicklung. Das gilt auch für das unterstützte Einparken: Hier und da bremst der S6 abrupt für Hindernisse, die gar nicht im Weg stehen. Parkpiepser reagieren empfindlich darauf, wenn das Auto mit der Flanke dicht an einer Wand stehen soll. Hier darf Audi gerne noch nachbessern.

Audi S6 C8 (2019): Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Der Antrieb des Audi S6 polarisiert. Puristen vermissen Hubraum, Kraft, Drehzahl und Klang. Da kann der Diesel nicht mit alten S6 mithalten. Für sich genommen passt der Diesel-V6 aber sehr gut zum Auto. Er entwickelt früh seine Kraft, fährt passabel spontan und treibt den Audi kräftig vorwärts. Dass man von ihm eigentlich ein paar Zehntelsekunden weniger im Sprint erwartet, fällt nur auf dem Papier auf.

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Quelle: TeamOn GmbH Die Kraft wird im S6 über eine Achtgang-Wandlerautomatik an alle vier Räder übertragen

Audi schraubt nur einen Turbolader an den Motor. Um die Leistung von 349 PS zu erreichen, ist der verhältnismäßig groß. Damit die Freude am Vortrieb nicht im Turboloch steckenbleibt, installieren die Ingolstädter zusätzlich einen elektrisch angetriebenen Verdichter. Er springt blitzschnell an und drückt die Luft ins Saugrohr, bevor sich die Schaufeln im Turbo schnell genug bewegen. Es bleibt eine winzige Gedenksekunde, die genauso gut vom Getriebe kommen könnte.

Dass dem Antrieb im Vergleich zu früheren S6 Leistung fehlt, macht er mit einem breiten Band an Drehmoment wieder wett. Audi spielt außerdem künstlichen Sound in den Auspuff, damit sich der S6 zumindest nach ordentlich Hubraum anhört. Hohes Tempo mag er gern und hält es bei akzeptablem Verbrauch. In der Stadt hilft eine stark erweiterte Start-Stopp-Automatik beim Sparen: Wird der Verbrenner nicht gebraucht, steht er still. Vom Anspringen spürt man fast nichts.

Seinem direkten Vorgänger mag der S6 TDI hinterherfahren. Mit der Generation C6 (V10, 435 PS) liegt er im Sprint aber gleichauf. Alle Varianten sind bei 250 km/h abgeregelt. Dabei verbraucht der Neue viel weniger: Beim Pendeln ins Umland spritzt er durchschnittlich 6,3 Liter in seine Brennräume. Lange, sehr schnelle Autobahnetappen schafft er mit ungefähr neuneinhalb Litern pro 100 Kilometer. Spätestens an der Tanke schlägt der neue S6 die alten Modelle deutlich.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten des Audi S6 Avant 2019

Was unter der Haube fehlen mag, steckt Audi ins Fahrwerk. Dort glänzt der S6 TDI, sein Fahrverhalten scheint von seinem tatsächlichen Gewicht unbeeindruckt. Das liegt vor allem daran, dass seine Karosserie nicht wanken mag. Federn und Dämpfer stemmen sich gemeinsam mit den Lenkern gegen die natürliche Bewegung des Aufbaus.

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Quelle: TeamOn GmbH Auf fast fünf Meter streckt sich der Audi S6 Avant in die Länge

Adaptive Dämpfer mit Fahrprofilauswahl gibt es serienmäßig im Audi S6. Optional kommen ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse und eine Allradlenkung hinzu. Allradantrieb gehört ohnehin in Audis S-Modelle. Die Kombination lässt den Testwagen leicht und flink wirken. Ambitioniert gefahren, wirkt er nicht wie der Zwei-Tonnen-Fünf-Meter-Kombi, der er ist – sondern fein ausbalanciert und überraschend agil.

Audi lässt sogar eine Menge Leben im Fahrzeugheck zu. Wer ihn mit eingeschränktem ESP provoziert, bringt den Hintern zum Wedeln. Dann erst zeigt der S6, dass er ein schweres Auto ist. Davor fährt er verbindlich und mit feiner Rückmeldung, außerdem komfortabel und leise. Einzig der Lenkung fehlt etwas Gewicht und Gefühl. Ist bei Audi so üblich.


Audi A6 C7 2
Der Audi A6

Audi bietet den A6 in vier Versionen an: als Limousine, verlängerte Limousine, Kombi (Avant) und hochgelegte Schlechtwege-Version (Allroad).


Ausstattung, Preise, Kosten, Fazit zum Audi S6 Avant

Autos, auch solche zum Träumen, müssen sich verkaufen. Deshalb baut Audi einen S6, den viele heimlich wollen – bärenstark, nicht zu durstig und akustisch kernig. Dass der Sound nicht echt ist und der Motor nur bis fünftausend dreht, ist Nebensache. Denn dieser S6 eignet sich prima als Dienstwagen. Er ist ein Auto für alle, die bisher den S6 wollten, aber lieber den A6 Competition leasten.

Leider sinkt der Preis des Audi S6 Avant nicht analog zur Leistung. Der Einstieg kostet 79.000 Euro. Immerhin 850 Euro weniger als zuvor, aber: Ein schwacher Trost, denn im direkten Vergleich fehlen 101 PS und die übrigen Vorzüge eines großen Benziners. Auf der Habenseite steht ein günstiger Verbrauch. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist der S6 TDI dennoch zu teuer.

Lässt man seine Vorgänger außer Acht, ist der S6 trotzdem ein richtig guter Kombi. Er hat viel Kraft und Ausdauer, wenig Durst und ein großartiges Fahrwerk. Außerdem ordentlich Platz und ein schickes Gesicht. Mit Blick auf die Konkurrenz relativiert sich der Preis: Der stärkere BMW M550d steht ab knapp 92.000 Euro in der Liste. Mercedes verkauft den E 400 d (340 PS) ab knapp 67.000 Euro. Addiert man die Extras fürs Sportliche hinzu, liegt der Benz auf ähnlichem Niveau.

Audi steckt viel Nützliches und Angenehmes serienmäßig in den S6, zum Beispiel das große Navi mit digitalen Instrumenten, Sportsitze mit Leder-Alcantara-Bezug und Alufelgen in 20 Zoll. Dabei bleibt es aber nicht. Allradlenkung (1.900 Euro) und Sperrdifferenzial (1.500 Euro) sollten auf jeden Fall ins Auto. Mit Assistenten, Matrix-Licht und vielen Kleinigkeiten kommt unser Testwagen auf einen Preis von 105.735 Euro.



Audi S6 Avant TDI Quattro: Technische Daten

ModellAudi S6 Avant (2019)
Motor3,0-Liter-V6-Diesel mit einem Turbo und einem elektrischen Verdichter 
Leistung349 PS (257 kW) b. 3.850 U/min 
Drehmoment700 Nm b. 2.500-3.100 U/min 
AntriebAchtgang-Wandlerautomatik, Allrad 
0-100 km/h5,1 s 
Geschwindigkeit250 km/h 
Verbrauch6,5 l/100 km 
CO2-Ausstoß171 g/km 
Testverbrauch6,3 l/100 km 
Länge4.954 mm 
Breite1.886 mm 
Höhe1.481 mm 
Radstand2.928 mm 
Leergewicht2.095 kg 
Anhängelast2.100 kg 
Kofferraumvolumen550-1.680 l 
Basispreis Audi A6 Avant50.590 Euro 
Basispreis Audi S6 Avant79.000 Euro 
Preis des Testwagens105.735 Euro 

Der Audi S6 in Bildern

  • Audi S6 Test  2
    Quelle: TeamOn GmbH In der Nacht fährt unser Testwagen mit Matrix-Licht
  • Audi S6 Test  1
    Quelle: TeamOn GmbH Für den S6 in der Ausstattung unseres Testwagens verlangt Audi 105.735 Euro
  • Audi S6 Test  11
    Quelle: TeamOn GmbH Der Basispreis für den S6 Avant liegt bei 79.000 Euro
  • Audi S6 Test  12
    Quelle: TeamOn GmbH Die Kraft wird im S6 über eine Achtgang-Wandlerautomatik an alle vier Räder übertragen
  • Audi S6 Test  13
    Quelle: TeamOn GmbH Überall wo im Cockpit Platz ist, setzt Audi einen Bildschirm ein
  • Audi S6 Test  10
    Quelle: TeamOn GmbH Auf der Rückbank hält der Audi S6 genug Platz für zwei Erwachsene bereit
  • Audi S6 Test  14
    Quelle: TeamOn GmbH Für das Einstellen des Navigationsziels kann im Audi S6 auch die Sprachsteuerung genutzt werden
  • Audi S6 Test  15
    Quelle: TeamOn GmbH Bei aufrechter Sitzbank lädt der Audi S6 Avant 550 Liter. Maximal schluckt der Kofferraum 1.680 Liter
  • Audi S6 Test  3
    Quelle: TeamOn GmbH Im Test verbrauchte unser Audi S6 6,3 Liter auf 100 Kilometer
  • Audi S6
    Quelle: TeamOn GmbH Unser Audi S6 holt aus einem 3,0-Liter-V6-Diesel 349 PS heraus
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    Quelle: TeamOn GmbH Im S6 sitzt man standesgemäß auf bequemen Sportsitzen
  • Audi S6 Test  7
    Quelle: TeamOn GmbH Hinter dem Lenkrad installiert Audi beim S6 digitale Instrumente
  • Audi S6 Test  8
    Quelle: TeamOn GmbH Im S6 lässt Audi viele Knöpfe verschwinden und ersetzt sie mit Touchflächen
  • Audi S6 Test  9
    Quelle: TeamOn GmbH Für das richtige Klima dürfen die Fahrgäste auf der Rückbank selbst sorgen