Ab wann Winterdiesel tanken?

Winterdiesel – alles, was Du wissen musst

Diesel und Winter vertragen sich nicht. Daher gibt es Winterdiesel. Wir sagen, wann und wo es ihn gibt, wie er wirkt und was bei einem zu späten Umstieg hilft.

  • Veröffentlicht am 03.09.2019, 00:00
  • Aktualisiert am 03.12.2020, 17:37
Winterdiesel
Quelle: Picture Alliance Wer auf Nummer sicher gehen will, kann beim Tanken noch Additive zugeben

Wenn es kalt wird, können Dieselfahrer Ärger bekommen. Denn Dieselkraftstoff verträgt Minustemperaturen nicht. Schon ab minus sieben Grad kann es Probleme geben. Ursache dafür sind die Paraffine im Diesel. Dieses Gemisch aus Kohlenwasserstoffen flockt bei Minusgraden aus. Beim Ausflocken entstehen Paraffinkristalle, die Kraftstoffleitung, Filter und Einspritzanlage zusetzen. In der Folge stellt der Motor die Arbeit ein. Winterdiesel soll das verhindern. Ihm werden schützende Zusätze, sogenannte Additive, beigemischt.


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Ab wann gibt es Winterdiesel?

In Deutschland bekommt man in der Zeit vom 16. November bis zum 28. Februar an allen Tankstellen automatisch Winterdiesel. Der Kraftstoff muss gemäß der europäischen Norm DIN EN 590 bis zu Temperaturen von minus 20 Grad frostsicher sein. Bereits ab dem 1. Oktober kommt Übergangsdiesel in den Tank, der Temperaturen bis minus 10 Grad aushält, ohne dass sich Paraffinkristalle bilden.

Ähnlich sieht es in den meisten europäischen Nachbarländern aus. Mit geringen Unterschieden: In Österreich etwa wird Winterdiesel nicht erst im Winter, sondern bereits ab 1. Oktober angeboten. Er ist dann, wie in Deutschland, bis zum 28. Februar erhältlich. In der Schweiz hat sich der Winterdiesel als Ganzjahresdiesel an allen Tankstellen durchgesetzt. Die Niederlande verfahren wie Deutschland. In Frankreich ist Winterdiesel vom 1. November bis zum 30. April Standard, allerdings hält der Diesel hier nur minus 15 Grad aus.

In den Wintermonaten muss handelsüblicher Dieselkraftstoff bis maximal minus 20 Grad Celsius kältefest sein.
Quelle: Simon Daval (picture alliance / maxppp) In den Wintermonaten muss handelsüblicher Dieselkraftstoff bis maximal minus 20 Grad Celsius kältefest sein

Überblick Winterdiesel im Ausland

LandZeitraumKälteresistenz bis
Belgien01.11. bis 28.02.-15 °C
Dänemark01.12. bis 31.03.-20 °C (ab 01.11. -15 °C)
Frankreich01.11. bis 30.04.-15 °C
Niederlande16.11. bis 28.02.-20 °C
Österreich01.10. bis 28.02.-20 °C
Polen16.11. bis 28.02.-20 °C
Schweizganzjährig-20 °C
Tschechien16.11. bis 01.03.-20 °C

Was ist Winterdiesel?

Bei Winterdiesel handelt es sich um speziell behandelten Kraftstoff, dem Additive zugesetzt werden. Das geschieht schon in der Raffinerie. Herstellung und Zusätze verleihen dem Kraftstoff eine höhere Kältefestigkeit. Er wird also fit gemacht für winterliche Bedingungen.

Ermittelt wird der Grenzwert über die sogenannte Filtrierbarkeitsgrenze. Das bedeutet, dass der Diesel einen Kraftstofffilter mit definierter Maschenweite in einer vorgegebenen Zeit durchlaufen muss. Diese Filtrierbarkeitsgrenze wird vom CFPP-Wert, dem „Cold Filter Plugging Point“, definiert. Er bestimmt den Temperaturwert, ab dem der Prüffilter unter den oben genannten Bedingungen verstopft.

Hier erfährst Du mehr über den Dieselpartikelfilter.

Dieser CFPP-Wert gilt jedoch nicht nur für Winterdiesel, sondern für alle Dieselkraftstoffe. So wird in Deutschland bereits zwischen dem 1. Oktober und dem 15. November Übergangsdiesel an Tankstellen vorgehalten. Er darf bei Temperaturen bis minus 10 Grad keine Paraffinkristalle bilden. Den Rest des Jahres kommt Sommerdiesel in den Tank, der mindestens bis 0 Grad Celsius nicht ausflockt.

Winter-Tipps für Dieselfahrer

Dieselfahrer sollten möglichst frühzeitig Winterdiesel tanken und nicht warten, bis die Temperaturen deutlich fallen. Denn dann könnte es bereits zu spät sein und das Auto könnte nach einer ersten kalten Nacht den Dienst verweigern. Man sollte zudem auch daran denken, den Sommerdiesel im eventuell mitgeführten Reservekanister gegen Winterdiesel auszutauschen.

Ist es aber doch einmal passiert, dass Sommerdiesel das Fahrzeug im Winter lahmgelegt hat, helfen nur Geduld und Wärme. Auto, Kraftstoffsystem, Dieselmotor und Tank müssen aufgewärmt werden. Das passiert am besten in einer trockenen, nach Möglichkeit geheizten Garage. Auf keinen Fall sollten Autofahrer versuchen, Tank und/oder Kraftstoffsystem mit offener Flamme, etwa mit einem Gasbrenner, zu erwärmen. Hier besteht höchste Feuer- und sogar Explosionsgefahr.


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Gasantriebe werden von einer Vielzahl von Herstellern für ihre Modelle angeboten.


Das ist zu beachten, wenn Diesel gefriert

  • Fahrzeug möglichst windgeschützt und trocken abstellen
  • Dieselkraftstoff auf keinen Fall mit winterfestem Benzin mischen. Hier droht ein kapitaler Motorschaden.
  • Additive zur Fließverbesserung aus dem Zubehörhandel nur einsetzen, wenn sie vom Auto-Hersteller ausdrücklich freigegeben sind
  • Kraftstofffilter auf Wasser und Verschmutzungen prüfen und ggf. wechseln
  • Bereits auskristallisierte Paraffine lösen sich nur unter entsprechender Wärmezufuhr wieder auf. Bei Ausfall des Motors/Fahrzeugs hilft daher nur das Aufwärmen in einem geheizten Raum bzw. das Beheizen des Kraftstoffsystems.
  • Erwärmen ja, aber niemals mit offener Flamme!
Winterdiesel ist in der Zeit vom 15. November bis zum 28. Februar an allen deutschen Tankstellen erhältlich.
Quelle: BARBARA GINDL (picture alliance/APA/picturedesk.com) Winterdiesel ist in der Zeit vom 15. November bis zum 28. Februar an allen deutschen Tankstellen erhältlich

Vom Winterdiesel bis zum Polardiesel

Nicht überall hält der Minus-20-Grad-Celsius-Winterdiesel den tatsächlichen Winterbedingungen stand. Deshalb kommt in einigen europäischen Regionen sogenannter Polardiesel zum Einsatz, vor allem in Skandinavien. Polardiesel werden weitere Additive zugesetzt. Dadurch wird er im Vergleich zum Winterdiesel deutlich kältefester. Er bleibt bis etwa minus 40 Grad Celsius flüssig.

Doch schon bei Winterdiesel unterschreiten die meisten Mineralölkonzerne den CFPP-Wert von minus 20 Grad Celsius freiwillig. Üblicherweise bescheinigen sie ihren Winterdiesel-Sorten auch bei tieferen Temperaturen Winterfestigkeit. So hat Shells FuelSave Diesel einen CFPP von minus 22 Grad Celsius und niedriger, genau wie der Dieselkraftstoff von Aral. Teure Premium-Diesel schaffen noch niedrigere Temperaturen. Arals „Ultimate Diesel“ soll bis minus 24 Grad kältefest sein. Total verspricht beim Excellium Diesel minus 30 Grad.


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Diese Werte werden im Labor ermittelt. Ein Test des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) aus dem Jahr 2013 hat jedoch ergeben, dass die Kraftstoffe in der Praxis nicht immer die Winterqualität bieten, die ihre Anbieter versprechen. Im Test verfehlten einige sogar knapp den normierten Grenzwert von minus 20 Grad. Dieselfahrer können sich also nicht immer auf die bescheinigte Wintertauglichkeit des Kraftstoffes im Tank verlassen. Im ADAC-Test spielte auch das Fahrzeug eine Rolle. Manche Modelle kommen mit kalten Temperaturen schlechter zurecht. Schuld daran ist dann womöglich eine zu schwache Filterheizung für den Kraftstofffilter.

Alles zum Diesel-Kauf erfährst Du hier.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann beim Tanken zusätzliche Additive zugeben. Spezielle Zusätze, sogenannte Fließverbesserer, gibt es von zahlreichen Herstellern. Sie sollen die Grenztemperatur der Filtrierbarkeit noch weiter herabsetzen und so Filter, Kraftstoffanlage und Motor auch bei extremer Kälte schützen. Man sollte diese zusätzlichen Additive aber nur einsetzen, wenn sie vom Autohersteller ausdrücklich freigegeben sind.