Dieselfahrer sollten rechtzeitig tanken

Winterdiesel – Alles, was Du wissen musst

Diesel und Winter, das verträgt sich nicht gut. Fallen die Temperaturen unter null Grad Celsius, macht der Kraftstoff schlapp, und das Auto fährt nicht mehr. Deshalb stellen die Mineralölkonzerne ihr Angebot von etwa Mitte November bis Ende Februar auf sogenannten Winterdiesel um. Wir sagen Dir, wann und wo Du Winterdiesel bekommst, wie er wirkt und was zu tun ist, wenn Du zu spät auf die Winter-Variante umgestiegen bist.

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  • Veröffentlicht am 09/03/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann beim Tanken noch zusätzliche Additive zugeben.
Quelle: Tetra Images (picture alliance/Bildagentur-online) Wer auf Nummer sicher gehen will, kann beim Tanken noch zusätzliche Additive zugeben

Wenn die kalte Jahreszeit beginnt, nehmen die Probleme für Autofahrer im Allgemeinen und für Diesel-Pkws im Besonderen regelmäßig zu. Denn der Dieselkraftstoff, den die Tankstellen in der übrigen Zeit des Jahres vorhalten und der gemeinhin als „Sommerdiesel“ bekannt ist, versagt bei Kälte. Die Paraffine im Diesel – ein aus Kohlenwasserstoffen bestehendes Gemisch – flocken bei Minusgraden aus. Dabei entstehen Paraffinkristalle, die Kraftstoffleitung, Filter und Einspritzanlage zusetzen. In der Folge stellt der Motor die Arbeit ein. Winterdiesel mit schützenden Zusätzen, sogenannten Additiven, soll das verhindern. Er ist in der Zeit vom 15. November bis zum 28. Februar an allen deutschen Tankstellen erhältlich.

So wird Diesel zum Winterdiesel

In der Wintersaison werden dem Dieselkraftstoff schon in der Raffinerie spezielle Additive zugesetzt, die dem Kraftstoff eine höhere Kältefestigkeit verleihen, ihn also frostsicherer machen. Nach der europäischen Norm DIN EN 590 muss handelsüblicher Dieselkraftstoff in den Wintermonaten bis maximal minus 20 Grad Celsius kältefest sein. Das bedeutet, dass der Dieselkraftstoff einen Kraftstofffilter mit definierter Maschenweite in einer vorgegebenen Zeit durchlaufen muss. 
Diese Filtrierbarkeitsgrenze wird vom CFPP-Wert, den Cold Filter Plugging Point, definiert. Er bestimmt den Temperaturwert, ab dem der Prüffilter unter den oben genannten Bedingungen verstopft. Shell, aber auch einige andere Mineralölhersteller unterschreiten den CFPP-Wert von  minus 20 Grad Celsius freiwillig und bescheinigen ihren Winterdiesel-Sorten auch bei tieferen Temperaturen Winterfestigkeit. So hat Shells FuelSave Diesel einen CFPP von minus 22 Grad Celsius und niedriger.
Ein, wenn auch schon etwas älterer, Test des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) hat 2013 allerdings ergeben, dass sich Dieselfahrer nicht immer darauf verlassen können, dass die bescheinigte Wintertauglichkeit des jeweiligen Kraftstoffes tatsächlich gegeben ist.
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann beim Tanken noch zusätzliche Additive wie beispielsweise von MANNOL zugeben. Der Kraftstoffzusatz MANNOL Winterdiesel senkt die Grenztemperatur der Filtrierbarkeit auf minus 36 Grad und schützt damit Filter, Kraftstoffanlage und Motor auch bei extremer Kälte. Man sollte diese zusätzlichen Additive aber nur einsetzen, wenn sie vom Autohersteller ausdrücklich freigegeben sind.

Winterdiesel ist in der Zeit vom 15. November bis zum 28. Februar an allen deutschen Tankstellen erhältlich.
Quelle: BARBARA GINDL (picture alliance/APA/picturedesk.com) Winterdiesel ist in der Zeit vom 15. November bis zum 28. Februar an allen deutschen Tankstellen erhältlich.

Wann bekomme ich wo Winterdiesel?

Nicht überall hält der Minus-20-Grad-Celsius-Winterdiesel den tatsächlichen Winterbedingungen stand. Deshalb kommt in einigen europäischen Regionen, so etwa in Skandinavien, der so- genannte Polardiesel zum Einsatz. Polardiesel ist im Vergleich mit Winterdiesel dank Zusatz weiterer Additive noch einmal deutlich kältefester und hält bis etwa minus 40 Grad Celsius flüssig im Tank durch.
In Österreich wird Winterdiesel mit Additiven bereits ab 1. November angeboten und ist dann, wie in Deutschland, bis zum 28. Februar erhältlich, während sich der Winterdiesel in der Schweiz als Ganzjahresdiesel an allen Tankstellen durchgesetzt hat. Die Niederlande verfahren wie Deutschland, in Frankreich ist Winterdiesel vom 1. November bis zum 30. April Standard.



Winter-Tipps für Dieselfahrer

Dieselfahrer sollten möglichst frühzeitig Winterdiesel tanken und nicht warten, bis die Temperaturen deutlich fallen. Denn dann könnte es bereits zu spät sein und das Auto könnte nach einer ersten kalten Nacht den Dienst verweigern. Man sollte zudem auch daran denken, den Sommerdiesel im eventuell mitgeführten Reservekanister gegen Winterdiesel auszutauschen. 
Ist es aber doch einmal passiert, dass Sommerdiesel das Fahrzeug im Winter lahmgelegt hat, helfen nur Geduld und Wärme. Auto, Kraftstoffsystem und Dieselmotor müssen jetzt erst einmal auftauen, am besten in einer trockenen, vielleicht sogar geheizten Garage. Dort geht es am schnellsten. Auf gar keinen Fall sollte man allerdings versuchen, Tank und/oder Kraftstoffsystem mit offener Flamme, etwa mit einem Gasbrenner, zu erwärmen. Hier besteht höchste Feuer- und sogar Explosionsgefahr!

In den Wintermonaten muss handelsüblicher Dieselkraftstoff bis maximal minus 20 Grad Celsius kältefest sein.
Quelle: Simon Daval (picture alliance / maxppp) In den Wintermonaten muss handelsüblicher Dieselkraftstoff bis maximal minus 20 Grad Celsius kältefest sein

Das ist zu beachten, wenn Diesel gefriert

  • Fahrzeug möglichst windgeschützt und trocken abstellen
  • Dieselkraftstoff auf keinen Fall mit winterfestem Benzin mischen. Hier droht ein kapitaler Motorschaden
  • Additive zur Fließverbesserung aus dem Zubehörhandel nur einsetzen, wenn sie vom Auto-Hersteller ausdrücklich freigegeben sind
  • Kraftstofffilter auf Wasser und Verschmutzungen prüfen und ggf. wechseln. 
  • Bereits auskristallisierte Paraffine lösen sich nur unter entsprechender Wärmezufuhr wieder auf. Bei Ausfall des Motors/Fahrzeugs hilft daher nur das Aufwärmen in einem geheizten Raum bzw. das Beheizen des Kraftstoffsystems
  • Erwärmen ja, aber niemals mit offener Flamme!