Der E-Up ist der beste VW Up

VW E-Up (2019) im Test: Erste Fahrt im elektrischen Kleinstwagen

Viel Reichweite für wenig Geld: VW baut den E-Up um. Der Kleinstwagen wird mit großem Akku und fairem Preis zu einem praktischen, lautlosen Stadtwagen.

  • Constantin Bergander
  • 0
  • Veröffentlicht am 11/19/2019, 1:00 PM
  • Aktualisiert am 11/22/2019, 5:47 PM
E-Up stehend in der Ansicht von vorne-rechts
Quelle: Volkswagen Inklusive Fahrer wiegt der E-Up 1.235 kg. In Bewegung setzt diese ein Elektromotor mit 83 PS

Was man in der Fahrschule gelernt hat, kann man im rein elektrischen VW Up zum Teil wieder vergessen. Die rechte Hand darf hier gern auf dem Schalthebel ruhen, zumindest zeitweise. Nicht, weil das cool aussieht oder bequem ist. Sondern weil man so den Kleinstwagen richtig sparsam fährt: Zieht man am Hebel, schaltet der VW E-Up in die höchste Rekuperationsstufe. Dann verzögert er stark über den Motor und erzeugt Strom. So bremst er effizienter als mit dem Pedal.

Eine wichtige Erkenntnis, aber keine neue. Den VW E-Up gibt es schließlich schon seit 2013. Jetzt wird der kleine Stromer aber so richtig interessant. Denn VW baut die Elektrovariante um: Der Akku speichert doppelt so viel Energie wie bisher. Die Reichweite steigt auf bis zu 260 Kilometer. Zeitgleich sinkt der Basispreis des VW E-Up deutlich, auf 21.975 Euro.

Für einen Kleinstwagen ist das viel Geld. Für ein Elektroauto nicht, zumal noch die Kaufprämie von Hersteller und Staat abgezogen wird. Damit wird aus dem kleinen VW das, was er von Anfang an hätte sein sollen: ein bedingungslos alltagstauglicher, rein elektrischer und bezahlbarer Stadtflitzer.



Dem Lenkrad fehlt die Tiefenverstellung

So viel vorweg: Einen noch größeren Stromspeicher braucht der E-Up nicht. Der würde nur Preis und Gewicht nach oben treiben. Für lange Strecken ist er ohnehin nicht gedacht. Das merkt man dem neuen (wie alten) VW E-Up schon auf den ersten Metern an. Er nutzt seine Grundfläche gut aus, vorn sitzt es sich ausreichend großzügig. Aber es fällt schwer, eine perfekte Sitzposition zu finden.

Die einfachen Sitze stützen dort, wo es sein muss – aber auch nicht mehr. Es fehlt Seitenhalt, beim Lenkrad verzichtet VW auf eine Tiefenverstellung. Je nach Körpergröße kann das gut funktionieren oder eben nicht. Menschen mit langen Beinen sitzen stets ein Stück gerader, als es angenehm wäre. Oder ein Stück zu weit vom Lenkrad weg. Das gilt nicht nur für die elektrische Version, sondern ganz allgemein für den VW Up.

Cockpit-Ansicht des VW E-Up
Quelle: Volkswagen Im Innenraum unterscheiden sich Elektro- und Verbrenner-Variante kaum

Auf einer Urlaubsreise wäre das zu anstrengend. Innerhalb der Reichweite des VW E-Up findet man sich damit up, pardon – ab. Denn der E-Up fährt herrlich unkompliziert und zügig genug. Sein kleiner Elektromotor bringt viel Moment mit. Zu viel für die Motoraufhängung des Verbrenner-Up. Mit verstärktem Vorderwagen geht die Leistung an die Vorderräder.

VW E-Up im Test: Viel Kraft, wenig Verbrauch

Der E-Up gehört zu den starken Varianten seiner Baureihe. Mehr Leistung als seine 61 kW (83 PS) gibt es nur bei den Turbobenzinern (Up 1.0 TSI, Up GTI). Mehr Moment nicht. Der Kleine flitzt mit ordentlich Druck und betont spontan vorwärts. 212 Newtonmeter liegen sofort an. Damit gewinnt man keine Rennen, kommt aber sehr flott vom Fleck. Erst jenseits der 50 km/h geht es träger vorwärts – verschmerzbar in einem Stadtwagen.

Ebenfalls nicht tragisch: VW begrenzt die Höchstgeschwindigkeit des E-Up auf 130 km/h. Wenn der Kleinstwagen bei 135 Sachen laut Tacho in den einprogrammierten Begrenzer läuft, ist gefühlt noch reichlich Potenzial übrig. Die Reichweite freut sich über das Limit. Außerdem über das geringe Gewicht (1.235 kg inkl. Fahrer). Unter schlechten Bedingungen seien noch 180 Kilometer möglich, sagt der Hersteller. Das glauben wir ihm.

VW E-Up in der Ansicht von vorne-links, fahrend
Quelle: Volkswagen Radio, Klimaanlage und Spurhalteassistent besitzt der E-Up bereits ab Werk

Denn auf der ersten Testfahrt zeigt sich der Up von seiner sparsamen Seite – obwohl wir die Höchstgeschwindigkeit ausprobieren und zum Teil zügig fahren. Nach 40 Kilometern Landstraße, Autobahn und Stadtverkehr meldet der Bordcomputer einen Durchschnitts-Nettoverbrauch von 12,5 kWh pro 100 Kilometer. Das ist etwas mehr als der angegebene Brutto-Verbrauch (inkl. Ladeverluste) von 12,7 bis 12,9 kWh pro 100 km. Absolut betrachtet aber ein guter Wert.

Der große Akku unter den Sitzplätzen des E-Up senkt den Schwerpunkt. Sein simples Fahrwerk fühlt sich in der Stadt trotzdem wohler als in flinken Kurven. Bewegt man ihn ambitioniert ums Eck, neigt sich die Karosserie deutlich zur Seite. Das Auto federt weich und lenkt leichtgängig. Ein ruhiger Fahrstil gefällt ihm besser. Nebeneffekt: Der Akku leert sich langsamer.



Fairer Basispreis, anständige Ausstattung im E-Up

Im Innenraum des E-Up macht VW nur wenig anders als beim Verbrenner. Es gibt einen klassischen Zündschlüssel und auch sonst fast alles aus der Variante mit Auspuff. Nur der Drehzahlmesser tauscht seinen Platz mit einer Last-Anzeige. Hier ist deutlich zu erkennen, in welchen Bereichen der VW E-Up gefahren werden möchte: bis ungefähr 80 km/h und 60 Prozent Last. Wer sich nicht beherrschen kann, lässt sich von Spar-Modi helfen. Die reduzieren die Motorleistung und schalten die Klimaanlage aus.

Gelber E-Up in der Frontansicht, fahrend
Quelle: Volkswagen Mindestens 21.975 Euro verlangt VW für den Kleinst-Stromer

Sichtbares Blech und harter Kunststoff stören in einem Kleinstwagen nicht. VW bietet kein großes Infotainment-System an, installiert dafür aber eine clevere Handy-Halterung. Mit den passenden Apps bekommt das Smartphone Zugriff auf die Fahrzeugdaten. Eine gute und günstige Lösung. Im fest installierten Radio zeigt ein winziges Display das Bild der Rückfahrkamera an. Darauf kann man allerdings verzichten, der Up ist zierlich und übersichtlich.

VW baut serienmäßig einen aktiven Spurhalteassistenten, ein Digital-Radio mit Handy-Verbindung, eine Klimaanlage und ein Ladegerät für Wechselstrom mit 7,2 kW in den E-Up. Alus, Frontscheiben- und Sitzheizung, Tempomat, Rückfahrkamera und ein Lederlenkrad mit Multifunktionstasten gibt es optional, zum Teil verpackt in Ausstattungspakete. Ein CCS-Anschluss (40 kW) steht ebenfalls in der Aufpreisliste. Der dürfte vor allem interessant sein, wenn man nicht zu Hause laden kann. Eine Anhängerkupplung bietet VW für den E-Up nicht an.

Dass noch ein Verbrenner im Up verfügbar ist, wird zur Nebensache. Strom passt im Grunde besser zum Kleinstwagen aus Wolfsburg. Der Preis des E-Up stimmt, viel mehr als die Basis muss es nicht sein. Günstiger wird es nur auf dem Gebrauchtwagenmarkt – dort gibt es aber weniger Reichweite.

Der VW E-Up in Bildern

  • E-Up stehend, in der Seitenansicht
    Quelle: Volkswagen Der Akku wurde unter den Sitzplätzen verbaut. Das senkt den Schwerpunkt des kleinen Stadtflitzers
  • E-Up stehend in der Ansicht von vorne-rechts
    Quelle: Volkswagen Inklusive Fahrer wiegt der E-Up 1.235 kg. In Bewegung setzt diese ein Elektromotor mit 83 PS
  • VW E-Up in der Heckansicht, fahrend
    Quelle: Volkswagen Ein Ladegerät für Wechselstrom (7,2 kW) ist serienmäßig an Bord
  • Gelber E-Up in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Volkswagen Mindestens 21.975 Euro verlangt VW für den Kleinst-Stromer
  • VW E-Up in der Ansicht von vorne-links, fahrend
    Quelle: Volkswagen Radio, Klimaanlage und Spurhalteassistent besitzt der E-Up bereits ab Werk
  • Gelber VW E-Up fahrend in der Ansicht von vorne-links
    Quelle: Volkswagen In der Spitze sind mit dem E-Up 130 km/h drin
  • Ein grauer und ein gelber E-Up an einer Ladesäule stehend
    Quelle: Volkswagen Wenn es beim Laden schneller gehen muss, gibt es gegen Aufpreis den CCS-Anschluss. Damit zieht der E-Up bis zu 40 kW an der Ladesäule
  • Cockpit-Ansicht des VW E-Up
    Quelle: Volkswagen Im Innenraum unterscheiden sich Elektro- und Verbrenner-Variante kaum