Alles, was Du über den Sehtest wissen musst

Sehtest für den Führerschein: Ablauf, Preise, Gültigkeit

Gutes Sehen ist im Straßenverkehr immens wichtig. Deshalb müssen Führerschein-Anwärter einen amtlichen Sehtest absolvieren. Wo? Wann? Bei wem? Liest Du hier.

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  • Veröffentlicht am 11/15/2019, 9:46 AM
Ein Schild mit der Aufschrift "Amtl. anerkannte Sehteststelle" steht an einer Straße
Quelle: Ulrich Niehoff (picture alliance/imageBROKER) Sehtests kannst Du bei einem Augenarzt oder Optiker machen lassen

Der Sehtest für den Führerschein kann bei vielen Augenärzten und Optikern absolviert werden und funktioniert nach dem Landolt-Verfahren, bei dem Öffnungen in Ringen erkannt werden müssen. Im Unterschied zu praktischen und theoretischen Prüfungen läuft der Führerscheintest recht unspektakulär ab und ist im Normalfall keine große Hürde. Für welche Führerscheinklassen ein Führerschein-Sehtest notwendig ist, regelt offiziell die deutsche Fahrerlaubnisverordnung (§ 12, Abs. 2 FeV). Es gilt: „Bewerber um eine Fahrerlaubnis der Klassen A, A1, A2, B, BE, AM, L oder T haben sich einem Sehtest zu unterziehen.“



Augenarzt oder Optiker? Wo kann ich den Sehtest für den Führerschein machen?

Der Test muss bei einer offiziellen Sehteststelle absolviert werden. Die meisten Augenärzte und Optiker sind hierzu berechtigt. Wenn Deine Augen die erforderliche Sehschärfe besitzen, hast Du den Sehtest bestanden und kannst die Bescheinigung bei der Führerscheinstelle oder bei der Fahrschule vorlegen. Allerdings darf der Sehtest nicht älter als zwei Jahre sein. 

Für den Fall, dass Du einen Führerschein der Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, D1E für Lkw und Busse oder einen Taxischein machen willst, musst Du etwas höhere Anforderungen erfüllen. Hierfür brauchst Du ein Gutachten von einem Augenarzt mit Prüfung des Gesichtsfelds, des räumlichen Sehens, der Beweglichkeit der Augen, des Dämmerungssehens, der Blendungsempfindlichkeit und des Farbensehens.

Der Blick durch eine Brille, welche unscharf im Vordergrund ins Bild gehalten wird, trifft auf eine Buchstabentafel
Quelle: Florian Schuh (picture alliance / dpa Themendienst) Buchstaben werden beim Sehtest heute kaum noch genutzt

Wie läuft der Sehtest ab?

Beim Führerschein-Sehtest handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren, das meist nur zehn Minuten dauert. Das Landolt-Verfahren wurde vor rund 150 Jahren von dem Schweizer Augenarzt Edmund Landolt entwickelt. Es basiert darauf, dass Du beim Test verschiedene Ringe mit Öffnungen erkennst. Die Ringe haben je eine Öffnung, deren Position variiert. Im Laufe des Tests werden die Ringe kleiner. Die Ringöffnung kann in acht Richtungen zeigen: nach oben, unten, links, rechts und in die vier dazwischenliegenden Richtungen – genauso wie bei den Himmelsrichtungen.

Die Breite der Öffnung entspricht einem Fünftel des Außendurchmessers des Rings. Am linken Rand ist für jede Zeile der dazugehörige Visus-Wert angegeben. Visus ist ein Wert für die Sehkraft des menschlichen Auges. Der Visus ist abhängig von der Anzahl der Sinneszellen im Auge, aber auch von anderen Faktoren wie der Größe der Pupille und der Qualität der Netzhaut. Je niedriger der Wert, desto schlechter ist die Sehstärke der Augen, die auch altersbedingt abnehmen kann.

In der Jugend ist ein Visus von 1,0 ein guter Wert, der im Lauf der Jahre abnehmen kann. Beim Sehtest sollte der Wert nicht schlechter als 0,7 sein. Der Test wurde damals so konzipiert, damit auch Kinder und Analphabeten ihn absolvieren können, ohne Buchstaben erkennen zu müssen. Außerdem ist es bei diesem Test schwierig, die Ergebnisse zu raten.

Heute gilt der Landolt-Test als Standard für Sehtests mit einer eigenen Europäischen Norm, der EN ISO 8596. Die Ergebnisse des Tests werden vom Augenarzt oder Optiker zusammen mit Deinen Personalausweis-Daten für die nötige Bescheinigung schriftlich dokumentiert. Für den Führerschein-Sehtest wird eine gesetzlich vorgeschriebene Gebühr von 6,43 Euro erhoben. Mehr solltest Du dafür auch nicht ausgeben. Selbst wenn Du den Führerschein-Sehtest nicht bestanden hast, ist das noch kein großes Malheur. Mit einer geeigneten Sehhilfe, also Brille oder Kontaktlinsen, siehst Du nicht nur beim Autofahren deutlich besser als vorher. Solltest Du Brille oder Kontaktlinsen zum Fahren benötigen, wird das im Führerschein dokumentiert.

Den Test kannst Du übrigens auch online individuell versuchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Sehkraft an einer digitalen Sehtafel zu testen. Wichtig ist dabei, dass Du Dich genau an die Vorgaben und an den vorgeschriebenen Abstand zur Tafel hältst. Ideal wäre es dabei, wenn eine zweite Person anwesend ist, die Dir gleich mitteilen kann, ob Deine Wahrnehmung korrekt ist oder nicht. Deine Sehhilfe (Brille oder Kontaktlinsen) musst Du dafür nicht absetzen.

Ein älterer Mensch schaut bei einem Sehtest in eine dafür vorgesehene Maschine
Quelle: Wolfram Kastl (dpa) Der Sehtest verläuft nach dem Landolf-Verfahren: Du musst Öffnungen von Kreisen erkennen

Sehtest für den Führerschein: Das Wichtigste in Kürze

  • Wer macht den Sehtest? Augenarzt oder Optiker
  • Wie lange dauert der Sehtest? Etwa zehn Minuten
  • Welches Ergebnis ist erforderlich? Ein Visus von etwa 0,7
  • Was passiert, wenn Du den Sehtest nicht bestehst? Dann brauchst Du eine Brille oder Kontaktlinsen
  • Was kostet der Test? 6,43 Euro (Stand: Juli 2019)
  • Wie lange ist das augenärztliche Gutachten gültig? Zwei Jahre
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