Für Fahranfänger eine schwere Hürde: Das Anfahren

Richtig anfahren mit dem Benziner - so geht's!

Es sieht so einfach aus und Autofahrer machen es tagtäglich milliardenfach: anfahren. Doch der ruckelfreie Start will gelernt sein – besonders in einem Benziner. Dabei spielen Kupplung und Schleifpunkt zentrale Rollen. Hier erfährst Du, wie das Zusammenspiel der Pedale perfekt funktioniert und wie Du ohne Abwürgen des Motors vom Fleck kommst.

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  • Veröffentlicht am 08/09/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Es gibt verschiedene Tipps, wie Du mit Deinem Benziner richtig anfährst – ohne den Motor absterben zu lassen.

Nach scheinbar unendlicher Wartezeit wird die Ampel dann doch noch grün. Am Auto vor Dir gehen die Bremslichter aus, doch irgendwie fährt es nicht los. Stattdessen macht es einen Satz nach vorn und bleibt mucksmäuschenstill stehen. Motor abgewürgt. Der Fahrer gerät in Hektik und dreht panisch am Zündschlüssel. Doch da zeigt die Ampel schon wieder Rot. Peinlich für den Fahrer, ärgerlich für die anderen in der Schlange. Aber alles kein Drama.
Das Anfahren mit dem Auto stellt vor allem Fahranfänger regelmäßig vor große Hürden. Mit ein bisschen Übung ist es aber recht schnell zu lernen. Dafür hilft es zu verstehen, wie das Zusammenspiel zwischen Kupplung, Getriebe, Antriebs- und Motorwelle eigentlich funktioniert.
Damit in Fällen, in denen Fahrschüler und -anfänger – und gelegentlich auch erfahrene Autofahrer – den Motor abwürgen, keine gefährlichen Verkehrssituationen entstehen, gilt für alle Beteiligten grundsätzlich: Ruhe bewahren!
Als betroffener Fahrer sollte man sich – einfacher gesagt als getan – in Coolness üben. Die anderen Fahrer in der Schlange sollten sich nicht ärgern, sondern nachsichtig bleiben. Vor allem sollten sie der Versuchung widerstehen, am abgewürgten Auto noch schnell vorbeizufahren, bevor die Ampel wieder auf Rot springt. Dabei helfen kann die Erinnerung daran, dass man solche Situationen einst selbst durchgemacht hat.

So funktioniert die Kupplung

Dreh- und Angelpunkt beim Anfahren ist die Kupplung – es sei denn, Du fährst ein Fahrzeug mit Automatik. Nur wer die Kupplung beherrscht, kann das Auto beherrschen, es in Bewegung setzen und die Gänge wechseln. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Verbindung zwischen Motor und Antriebswelle getrennt und wieder geschlossen werden kann.
Trittst Du das Pedal durch, werden die Scheiben der Kupplung, die sich auf beiden Seiten der Wellen befinden, getrennt. Dann kannst Du schalten, ohne dass der sprichwörtliche Gruß vom Getriebe knirschend ertönt. Lässt Du das Pedal wieder los, werden die Scheiben durch Federn wieder zusammengepresst. Die Motorkraft kann nun über die Antriebswelle an die Räder weitergeleitet werden.

So fährst Du an – Schritt für Schritt erklärt

Diese Zusammenhänge werden in jeder guten Fahrschule erläutert. Ein geduldiger Fahrlehrer nimmt sich die Zeit, alles rund ums Anfahren und das Finden des bekannten Schleifpunktes ausführlich zu erläutern. Im Wesentlichen funktioniert das so:

Schritt 1 – Vorbereitung

Nachdem Du Dich vergewissert hast, dass kein Gang eingelegt ist, lässt Du den Motor an. Dein rechter Fuß steht auf der Bremse, mit dem linken trittst Du die Kupplung vollständig durch. Jetzt legst Du den ersten Gang ein. Da die Kupplungsscheiben voneinander getrennt sind, kommt es zu keiner Kraftübertragung, der Motor ist im sogenannten Leerlauf.

Schritt 2 – den Schleifpunkt finden

Nun nimmst Du vorsichtig Druck vom Kupplungspedal. Dabei bewegst Du nur die Fußspitze. Die Ferse sollte fest am Boden bleiben und für den notwendigen Halt sorgen. Dabei verändert sich das Motorengeräusch. Weil die Motorkraft durch das Schleifen der Kupplung beansprucht wird, dreht er jetzt langsamer und wird etwas dumpfer. Jetzt ist der Schleifpunkt erreicht, das Auto versucht, sich ganz leicht in Bewegung zu setzen. Du kannst nun den rechten Fuß von der Bremse nehmen und zum Gaspedal wechseln.  

Schritt 3 – Anfahrgas geben

Ist der Schleifpunkt erreicht, braucht der Motor mehr Drehzahl, sonst besteht Abwürge-Gefahr. Gib also gut Gas, aber nicht zu viel – ansonsten fährst Du möglicherweise zu schnell an. Mehr als 2.000 Umdrehungen pro Minute können zudem den Kupplungsscheiben schaden. Fahranfänger geben an dieser Stelle meist zu viel Gas, der Motor heult auf. Wer geübt ist, gibt erst genau dann Gas, wenn die Kupplung zu schleifen beginnt.

Schritt 4 – Kupplung loslassen

Nun kannst Du den linken Fuß vom Pedal nehmen – der Anfahrvorgang ist gemeistert. Da der erste Gang aber zum Fahren nicht geeignet ist, steht nun umgehend der Wechsel in den zweiten Gang an. Doch keine Panik: Das geht deutlich leichter und auch die Gefahr, dass Dir der Motor absäuft, ist wesentlich geringer.



Unterschiede beim Anfahren mit einem Diesel

Das Anfahren mit einem Selbstzünder ist leichter als mit einem Benziner. Das liegt daran, dass ein Dieselmotor im unteren Drehzahlbereich mehr Kraft, also mehr Drehmoment aufbringt. Damit ist der Übergang von Schleifpunkt und Anfahrgas nicht so kritisch.
Praktisch musst Du noch nicht einmal Gas geben. Im Gegensatz zum Benziner kann ein Diesel allein mit der Motordrehzahl des Standgases fahren. Dazu suchst Du ebenfalls den Schleifpunkt. Wenn Du ihn gefunden hast, setzt sich das Fahrzeug in Bewegung und beschleunigt bis rund zehn km/h, ohne dass Du dazu Gas geben musst.
Grundsätzlich kann man bei einem Dieselfahrzeug das Kupplungspedal beim Anfahren und Schalten etwas schneller kommen lassen als bei einem Benziner. Solltest Du das Anfahren in der Fahrschule mit einem Diesel lernen oder gelernt haben, benötigst Du bei einem späteren Umstieg auf einen Benziner wahrscheinlich noch ein bisschen Übung. Am besten machst Du die ersten Versuche auf Privatgelände oder in einer ruhigen Nebenstraße und stürzt Dich nicht gleich ins Verkehrsgetümmel.
Fährst Du einen Wagen mit Automatikgetriebe, bist Du fein raus. Auch auf Unterschiede zwischen Benziner und Diesel musst Du dann nicht weiter achten. Einfach den Gangwahlhebel auf „D“ für Drive stellen. Aber Achtung: Sobald Du die Fußbremse loslässt, fährst Du auch schon los. Dafür kann der linke Fuß die ganze Fahrt über ruhen.

Anfahren am Berg – mit Handbremse

Übung erfordert ebenfalls die Anfahrt an Steigungen – wobei es dabei zwei Methoden gibt: mit Handbremse oder mit Fußbremse. Mit der Handbremse zu hantieren, gilt als Anfängerübung, doch solltest Du zuerst diese Methode beherrschen. In der Fahrschule wird sie Dir meist zuerst beigebracht.
Eine typische Verkehrssituation ist, dass das Auto an einer Steigung verkehrsbedingt zum Stehen kommt, etwa weil ein Stauende erreicht oder die Ampel auf Rot umgesprungen ist. Jetzt heißt es Kupplung treten, damit der Motor nicht ausgeht. Mit der Feststellbremse sorgst Du gleichzeitig dafür, dass Dein Wagen nicht rückwärts rollt.
Wenn der Verkehr weiterfließt, gibst Du etwas mehr Gas als üblich. Etwa 3.000 Motorumdrehungen sind ein guter Richtwert. Der Grund: Zum Anfahren am Berg braucht man mehr Gas als auf ebener Fahrbahn. Parallel kannst Du das Kupplungspedal schon bis zum Schleifpunkt kommen lassen. Weil sich damit die Kupplungsscheiben berühren, wird schon so viel Kraft übertragen, dass sich das Auto am Berg hält. Unter Umständen merkst Du das daran, dass der Wagen leicht vibriert.
Jetzt kannst Du die Handbremse lösen, ohne dass die Gefahr besteht, dass das Auto zurückrollt. Kupplung noch ein bisschen kommen lassen. Je mehr Du sie loslässt, desto stärker schleifen die Kupplungsscheiben. Der Motor hat jetzt eine höhere Umdrehungszahl als die Antriebswelle und wird deshalb nicht abgewürgt, zugleich bewirkt die niedrigere Drehzahl der Antriebswelle, dass das Auto zunächst langsam anfährt. Gas geben und den linken Fuß schließlich ganz vom Pedal nehmen. Je stärker die Steigung, desto mehr Gas ist erforderlich.

Anfahren am Berg – ohne Handbremse

Als die galantere und später mit der nötigen Routine meist auch schnellere Variante gilt das Anfahren am Berg mit der Fußbremse. Im Prinzip ist es das gleiche Spiel wie mit der Handbremse: Die Kupplung ist durchgetreten, das Auto hältst Du nun aber mit dem Bremspedal an der Steigung fest. Kupplungspunkt suchen, kurz verharren. Von der Fußbremse aufs Antriebspedal wechseln und so viel Gas wie nötig geben, während Du die Kupplung vorsichtig ganz loslässt. Das solltest Du aber ebenfalls erst machen, wenn das Auto Anstalten macht, sich langsam nach vorn zu bewegen.

Probleme beim Anfahren und ihre Lösung

Das Abwürgen ist eines der größten Probleme beim Fahren. Fahrlehrer berichten, dass der richtige Umgang mit Kupplung und Gas für die meisten Anfänger eine der größten Hürden in den ersten Fahrstunden bedeutet. Und auch später kann man Fehler machen.
Auch routinierte Autofahrer würgen das Auto manchmal noch ab – sei es in einer Stresssituation oder nach einem Umstieg vom Diesel auf einen Benziner, etwa mit einem Mietwagen. Der Kupplungsschleifpunkt variiert von Auto zu Auto, eine neue Eingewöhnung ist erforderlich.
Wenn es beim Anfahren ungewöhnlich stark ruckelt, dann hast Du womöglich nicht den ersten Gang eingelegt, sondern einen höheren. Das Auto neigt dann schneller zum Abwürgen. Man kann auch mit schleifender Kupplung und sehr viel Gas im dritten Gang anfahren – gut tut das dem Motor jedoch nicht.
Säuft Dir der Wagen immer wieder ab, liegt das meist daran, dass Du die Kupplung zu schnell kommen lässt und dabei das Gaspedal nicht ausreichend trittst. Quietschen dagegen die Reifen, stimmt mit der Kupplung zwar grundsätzlich alles, doch der Tritt aufs Gas ist zu beherzt. Passiert Dir das zu oft, droht hoher Reifenverschleiß. In jedem Fall ist das Anfahren ein Lernprozess, für den Übung und viel Geduld gefragt sind.
Es kann aber auch sein, dass es technisch bedingt zu Problemen kommt. So kann das Ruckeln beim Anfahren auf eine schwache Batterie hindeuten. Riecht es beim Anfahren nach Abrieb, kann die Kupplung verschlissen sein. Bei diesem Verdacht solltest Du in die Werkstatt fahren und Dein Auto durchsehen lassen. Auch wenn die Kupplung rutscht, also die Scheiben nicht richtig schließen, muss es der Fachmann richten.

Richtig anfahren – kurz & knapp erklärt

  1. Vorbereitung: Kupplung treten, ersten Gang einlegen, der Motor ist im Leerlauf.
  2. Den Schleifpunkt finden: Kupplungspedal vorsichtig loslassen, beim Erreichen des Schleifpunktes klingt der Motor dumpfer.
  3. Anfahrgas geben: Ist der Schleifpunkt erreicht, etwas Gas geben, ansonsten besteht Abwürge-Gefahr – das gilt besonders für Benziner.
  4. Losfahren: Jetzt die Kupplung loslassen und mehr Gas geben. Für die Weiterfahrt das Hochschalten nicht vergessen.