Der neue Antrieb passt gut zum Opel Astra

Opel Astra Facelift Test: Mit drei Zylindern im Alltag

Opel bringt dem Astra das Sparen bei und verkleinert dafür alle Benzinmotoren. Der Kompakte mit dem stärksten Dreizylinder und CVT-Getriebe im Alltagstest.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 12/15/2019, 10:15 AM
Opel Astra im Kreisverkehr
Quelle: Opel Unser Testwagen wird von einem 1,4-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 145 PS angetrieben

Kein Glitzer, kein Glamour, nur ein neuer Kühlergrill. Viel mehr hat der Astra zum Facelift nicht nötig. Opels Kompakter erhebt keinen Anspruch auf große Besonderheiten oder irgendeinen Superlativ. Er soll einfach nur funktionieren. Opel investiert deshalb nicht in optischen Schnickschnack, sondern in handfeste Vorteile. In Motoren, die deutlich sparsamer arbeiten. Und in ein einfaches, günstiges und schnelles Infotainmentsystem. Auch in ein moderneres Cockpit.

Alles andere ist im Prinzip schon da. Der Astra rollt mit fast voller Hütte zum Test. Das meiste davon ist schon vor dem Facelift verfügbar. Neu sind der Dreizylinder und das stufenlose CVT-Getriebe. An beides muss man sich gewöhnen. So viel vorab: Das fällt uns im Testzeitraum nicht sonderlich schwer. Was der Astra sonst kann, ob wirklich so viel Graubrot in ihm steckt und wie sich das neue Getriebe anfühlt, erfährst Du in unserem Test.



Karosserie, Platzangebot,  Abmessungen

Der Astra ist ein typischer Kompaktwagen. Mit einer Länge von 4,37 Metern gehört er zu den größeren Autos im Segment, handlich genug für die Stadt bleibt er trotzdem. Seine Karosserie lässt sich vom Fahrersitz aus gut überblicken. Nur die Heckscheibe gerät flach, an dieser Stelle sind wir über elektronische Hilfe beim Parken dankbar.

Opel Astra in der Heckansicht, fahrend
Quelle: Opel Der günstigste Astra steht mit 20.190 Euro in der Preisliste

Wie so oft in diesem Segment gilt: Vorn sitzt es sich ausgezeichnet, hinten noch gut genug. Auf langen Strecken stoßen Erwachsene an die Grenzen des Autos – aber das wird auch bei vielen Modellen in der Mittelklasse nicht besser. Der Kofferraum lädt 370 Liter ein. Genug für den Wochenendeinkauf, zu wenig für den Umzug. Ein guter Kompromiss aus Länge und Platz, andere bekommen Ähnliches jedoch auf weniger Raum hin.

Innenraum, Verarbeitung,  Materialien

Ordentlich sieht es aus im Astra, aber nicht zu kahl. Wo andere Hersteller auf fast alle Tasten und Knöpfe verzichten, behält Opel die Bedienungen für wichtige Funktionen bei. Klimatisierung und Radio lassen sich blind steuern – gut so. Einen Schönheitspreis gewinnt das System nicht, schon gar nicht die Tastenanordnung auf dem Lenkrad. Aber alles ist funktional sortiert und klug angeordnet.

Wo man regelmäßig hinlangt, unterschäumt Opel den Kunststoff und schafft damit eine angenehme Oberfläche. Tiefer und weiter hinten im Auto wird es hart. Das ist üblich in der Kompaktklasse. Große Veränderungen gibt es zum Facelift nicht. Der Hersteller konzentriert sich bereits auf den Nachfolger. Der startet in zwei Jahren mit französischer Technik von der Konzernmutter PSA (Peugeot, Citroën).

Halb so wild, denn die größte Stärke des Astra lässt sich weiterhin auswählen: Die optionalen Ergonomie-Sitze mit „AGR“-Zertifikat stützen an den richtigen Stellen. Eine gute Sitzposition findet sich leicht im Astra. Lange Strecken sind kein Problem, das spürt man schon auf den ersten Metern.

Infotainment, Radio, Bedienung

So richtig digital will der Astra noch nicht sein. Aber immerhin moderner als bisher. Vom stattlicheren Insignia übernimmt er den Tacho mit einem größeren Display und das aktuelle Infotainment-System. Letzteres gefällt mit einer übersichtlichen Struktur und extrem schnellen Reaktionen. Man wischt im Handumdrehen durch die Menüs, das Navi zoomt und bewegt sich flüssig.

Cockpit-Ansicht des Opel Astra
Quelle: Opel Serienmäßig verbaut Opel einen sieben Zoll großen Bildschirm für das Infotainment. Wer das Navi haben will, zahlt 500 Euro mehr

Einen Sieben-Zoll-Touchscreen mit Freisprecheinrichtung und den Smartphone-Standards Android Auto sowie Apple CarPlay gibt es serienmäßig im Astra. Für die Navigationsfunktion berechnet Opel faire 500 Euro. Das getestete große System („Multimedia Navi Pro“) kommt mit einem größeren Display, Online-Services und digitalem Radio. Außerdem bringt es den neuen Tacho mit großem Monitor mit. Das System ist allerdings nur mit den Ausstattungen „Opel 2020“ und „Elegance“ verfügbar und kostet 1.440 Euro extra.

Schönes Detail: Opel baut einen cleveren Steckplatz in die Mittelkonsole, der das Handy induktiv lädt. Das Display ist vom Fahrersitz aus nicht einsehbar, das Telefon lenkt also nicht ab. Während das Gerät lädt, wird es gekühlt. Das Telefon läuft also im Sommer nicht heiß.

Assistenzsysteme und Sicherheit im Opel Astra

Die Assistenz des Opel Astra deckt zumindest das Nötigste ab. Ein großes Paket für überschaubare 800 Euro umfasst einen adaptiven Tempomaten, einen Spurhalteassistenten, Verkehrszeichen- und Fußgängererkennung. Das Auto kann selbstständig anhalten, anfahren und bei mehr als 60 km/h aktiv die Spur halten. Das funktioniert zwar zuverlässig, ist aber nur unterstützend gemeint und generell nicht für die beiden kleinen Ausstattungen (Astra, Edition) verfügbar.

Für das Basismodell gibt es ohnehin fast nichts. Parkpiepser vorn und hinten stehen in der Aufpreisliste, sonst nicht viel. Das gilt für die Assistenz und ganz allgemein. Spätestens für die LED-Matrix-Lampen lohnt sich der Aufstieg in eine höhere Ausstattung. Die lohnen sich immer dann, wenn das eigene Fahrprofil den Einsatz von Fernlicht umfasst. Und für den Wiederverkaufswert.

Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Opel leistet sich bei den Antrieben einen ordentlichen Rundumschlag. Vierzylinder gibt es gar nicht mehr im Astra, nur noch Antriebe mit drei Töpfen – allesamt mit weniger als 100 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer angegeben, wenn sie handgeschaltet sind. Unser Testwagen ist das nicht. Sparsam fährt er trotzdem.

Im fortan stärksten Astra kombiniert Opel einen 1,4-Liter-Dreizylinder mit einem stufenlosen CVT-Getriebe. Das wirkt ungewöhnlich, schließlich sind die anderen Benziner 1,2 Liter klein – auch der Handschalter mit gleicher Leistung. Außerdem ist Opels Automatik der Wahl üblicherweise ein Wandlerautomat. Die Erklärung ist kurios und simpel: Der Antrieb lag schon fertig entwickelt im Regal. Kurz vor dem Auslaufen der GM-Antriebe ergibt ein neuer Anlauf wenig Sinn.

Opel Astra auf einer Brücke in der Seitenansicht, stehend
Quelle: Opel 9,6 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel bei der Zahl 100 angekommen ist. In der Spitze fährt der Astra 210 km/h

Es knurrt aus dem Motorraum, wie das bei Dreizylindern nun mal so ist. Aber das macht nichts. Der kleine Benziner liefert früh sein Moment und harmoniert toll mit dem Getriebe. Opel legt offenbar viel Wert auf Spontaneität, denn das Aggregat reagiert schnell auf Gasbefehle. Beim Anfahren steht sofort genug Kraft zur Verfügung. Der Antrieb arbeitet kernig und spritzig.

Typisch für ein CVT-Getriebe: Gibt man Gas, dreht der Motor hoch. Das kennt man vom Toyota Prius. Der Astra hält sich mit der Drehzahl aber zurück und senkt sie mit steigender Geschwindigkeit sanft ab. Insgesamt arbeitet der Antrieb entspannt und nicht besonders aufdringlich. Außerdem sparsam: Beim Pendeln ins Berliner Umland zeigt der Bordcomputer 6,2 Liter Durchschnittsverbrauch an. Selbst bei schwerstem Berufsverkehr kratzt er im Test nicht an der 8,0-Liter-Marke. Einziger Kritikpunkt: Mit zunehmender Fahrdauer wird die Start-Stopp-Automatik ungemütlich.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten

In puncto Fahren macht der Astra generell viel richtig. Er lenkt sich ausreichend direkt und präzise, federt die üblichen Unbillen locker weg und bewegt sich flink. Das optionale Sportfahrwerk strafft die Dämpfer spürbar, lässt den Passagieren aber genügend Restkomfort. Allerdings ist es nicht für wirklich spritzige Manöver ausgelegt, der Astra rollt in Kurven noch ordentlich. Es soll nur ein flotteres Gefühl vermitteln. Wir würden auf das Dynamik-Fahrwerk verzichten, es passt nicht zum Charakter des Autos.



Ausstattung, Preise, Fazit

Viele wichtige Extras gibt es bereits im Basis-Astra serienmäßig. Dazu gehören das Radio, eine Klimaanlage und elektrische Fensterheber rundum. Soll mehr im Auto stecken, muss es aber eine bessere Ausstattungsvariante sein. Aufgrund des überschaubaren Aufpreises lohnt sich sogar die höchste Linie „Elegance“ mit Zweizonen-Klimaautomatik, LED-Lampen, Kameras vorn und hinten, Armlehne, Alufelgen und einem AGR-Sitz für den Fahrer.

Lädt man den Astra so voll wie unseren Testwagen, steigt der Preis auf 32.030 Euro laut Liste. Dann ist aber fast alles Wichtige im Auto, außerdem noch etwas mehr. Zum Beispiel die stärkste Motorisierung mit CVT-Getriebe und 18-Zoll-Alufelgen.

Insgesamt bietet der Astra ein gut durchdachtes, nicht überall perfektes, aber sehr angenehmes Gesamtpaket. Der neue Antrieb funktioniert, das CVT-Getriebe ist der bisher beste Automat in Opels Kompakten. Auf den Glamour verzichten wir gern. Den müsste man ja zusätzlich bezahlen.

Technische Daten: Opel Astra Elegance 1.4 DI Turbo mit CVT (2019)

ModellOpel Astra K 1.4 DI CVT
Motor1,4-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner
GetriebeStufenloses CVT-Getriebe, Frontantrieb
Leistung145 PS (107 kW) bei 5.000-6.000 U/min
Drehmoment236 Nm bei 1.500-3.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Verbrauch4,9 l/100 km
CO2-Ausstoß112 g/km
Testverbrauch6,2 l/100 km
Länge4.370 mm
Breite1.871 mm (mit Außenspiegeln: 2.042 mm)
Höhe1.485 mm
Radstand2.662 mm
Kofferraumvolumen370-1.210 Liter
Basispreis Opel Astra20.190 Euro (Astra 1.2 DI Turbo, 110 PS)
Testwagenpreis32.030 Euro

Der Opel Astra in Bildern

  • Opel Astra in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Opel Auf dem Preisschild unseres Testwagens stehen 32.030 Euro
  • Opel Astra im Kreisverkehr
    Quelle: Opel Unser Testwagen wird von einem 1,4-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 145 PS angetrieben
  • Opel Astra in der Ansicht von vorne-links, fahrend über eine Brücke
    Quelle: Opel Selbst im dichten Berufsverkehr wurde der Astra nicht zu durstig
  • Opel Astra in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Opel Das CVT-Getriebe haben die Ingenieure im Astra gut abgestimmt
  • Opel Astra auf einer Brücke in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Opel 9,6 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel bei der Zahl 100 angekommen ist. In der Spitze fährt der Astra 210 km/h
  • Opel Astra in der Heckansicht, fahrend
    Quelle: Opel Der günstigste Astra steht mit 20.190 Euro in der Preisliste
  • Opel Astra im Kreisverkehr
    Quelle: Opel Im Test verbrauchte der Astra 6,2 Liter auf 100 Kilometer
  • Blick in den Innenraum des Opel Astra
    Quelle: Opel In der Ausstattung "Elegance" sitzt der Fahrer auf einem rückenschonenden AGR-Sitz
  • Cockpit-Ansicht des Opel Astra
    Quelle: Opel Serienmäßig verbaut Opel einen sieben Zoll großen Bildschirm für das Infotainment. Wer das Navi haben will, zahlt 500 Euro mehr
  • Opel Astra mit geöffneter Kofferraumklappe
    Quelle: Opel In den Kofferraum lädt der Astra zwischen 370 und 1.210 Liter ein