So fährt das Elektroauto von Mazda

Der Mazda MX-30 (2020) im ersten Test

Gegenläufige Türen, ein toller Innenraum und eine umweltfreundliche Reichweite: Der MX-30 ist Mazdas erstes Elektroauto. Das Kompakt-SUV im Test.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 08/05/2020, 03:45 PM
Teaser: Mazda MX-30 Dreiveirtel-Frontansicht Dynamisch
Quelle: Mazda Der Mazda MX-30 fährt ohne Sprit: Das SUV ist das erste Elektroauto des Herstellers

Es gibt bei Elektroautos nicht viel Spielraum, Dinge anders zu machen. Akkus und Motor(en) geben den Rahmen vor, ihre Anordnung folgt bei allen Herstellern der gleichen Logik: Die Batterie kommt in die Bodenplatte, der Antrieb an die Achse(n). Trotzdem findet Mazda beim Elektro-SUV MX-30 einen eigenen Weg zum Elektroauto. Der betrifft vor allem Akku und Reichweite.

Die Japaner halten sich vornehm aus dem „größer-schwerer-weiter“-Wettstreit raus. Ihr Argument: Große Akkus schaden der Umwelt, CO2-Vorteile gibt es nur mit kleinen Batterien. Der MX-30 stoße mit seiner 35,5-kWh-Batterie in der Gesamtbetrachtung (Well-to-Wheel) schon nach 90.000 Kilometern weniger CO2 aus als ein Mazda 3 Diesel. Berücksichtigt sind der aktuelle Strommix und ein hypothetischer Akkutausch nach 160.000 Kilometern.

Mit dem kleinen Akku fährt der MX-30 laut Werksangaben 200 Kilometer weit. In der Stadt werden daraus 262 Kilometer. So viel sei schon verraten: Wer mit dem Mazda pendelt, landet in der Praxis irgendwo zwischen diesen Werten. Auf der ersten Fahrt zeigt das SUV nach gut 70 Kilometern Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn einen Verbrauch von 14,5 kWh pro 100 Kilometern an. Das ergibt eine Gesamtreichweite von etwa 210 Kilometern.


Mazda CX-
Der Mazda CX-30

Eigentlich müsste der Crossover CX-4 heißen. Doch den Namen trägt bereits ein Modell für den chinesischen Markt.


Der Mazda MX-30 im Detail

  • Erstes Elektroauto von Mazda
  • Kompakt-SUV auf Basis des CX-30
  • Keine B-Säule, rückläufig angeschlagene Türen hinten
  • 107 kW (145 PS), Frontantrieb
  • 35,5 kWh Akkukapazität, 200 km WLTP-Reichweite
  • Basispreis: 33.490 Euro (ohne Umweltprämie, mit 16 % MwSt.: 32.645,71 Euro)
  • Range-Extender mit Wankel-Prinzip folgt voraussichtlich 2022

Mazda hält den MX-30 mit dieser Philosophie kompakt (4,40 m), für ein Elektro-SUV leicht (1,7 Tonnen) und günstig: Das Modell kostet in seiner Basisversion 33.490 Euro – abzüglich Umweltprämie und Mehrwertsteuer-Vergünstigung, inklusive einer sehr guten Grundausstattung. Viel Auswahl gibt es nicht, das meiste ist serienmäßig dabei.

MX-30: Das erste Elektroauto von Mazda

Der MX-30 ist Mazdas Elektroauto-Debüt, soweit es die Großserie betrifft. Groß umgewöhnen muss man sich nicht, obwohl es im SUV anders aussieht als in den Verbrennern der Marke. Die Mittelkonsole besteht aus mehreren Etagen. Sie trägt den Automatikwählhebel und einen Dreh-Drücksteller fürs Infotainment, der ein bisschen weicher klickt als im Mazda 3. Mittig gibt es Becherhalter, ganz unten eine große Ablage. Mazda verziert Flächen mit Kork, weil der Hersteller vor 100 Jahren mit diesem Material sein Geld verdiente. Damals hieß er noch Toyo Cork Kogyo Ltd.

Für die Bedienung der Klimaanlage baut Mazda einen Touchscreen in den MX-30. So richtig scheint der Hersteller dem Rumgewische aber nicht zu trauen. Für wichtige Funktionen (Temperatur, Gebläse, Scheibenheizung) gibt es rundherum echte Tasten. Trotzdem wirkt der Innenraum aufgeräumt. Sehr gut: Eine Schuko-Steckdose mit bis zu 150 Watt Leistung befindet sich ebenfalls in der Mittelkonsole.



Drumherum kombiniert Mazda klassische mit neuen Ideen: Die Stoffe der Türverkleidungen bestehen aus wiederverwerteten Plastikflaschen. Zur Wahl stehen eine helle und eine dunkle Variante. Letztere wird vermutlich die praktischere sein. Alles im Cockpit fasst sich hochwertig und solide an. Harten Kunststoff versteckt Mazda geschickt.

Vorn sitzt es sich toll im MX-30. Mazda polstert die Sitze angenehm komfortabel. Die Sitzflächen schmiegen sich sanft an Hintern und Rücken, unterfütterte Bereiche fangen die Knie vor der Mittelkonsole auf. Für den entspannten Stil des MX-30 genügt der gebotene Seitenhalt. Auf langen Strecken schwächelt eher der Akku, bevor die Stühle für Schmerzen sorgen.

Hinten wird es eng im Auto. Ein eigenständiges Element des Mazda MX-30 sind seine Türen: Die B-Säule fehlt, hinten sind die Pforten rückwärtig angeschlagen. Man möchte an den BMW i3 denken, erinnert sich dann aber lieber an den Wankel-Sportler Mazda RX-8. Cool sieht diese Lösung in allen Fällen aus. Unpraktisch ist sie trotzdem. Nach hinten muss man klettern, an Knien und Kopf bleibt zu wenig Platz. Für Kinder und kleine Erwachsene reicht die Rückbank aber aus.

Mazda MX-30 dreiviertel-heckansicht mit offenen Türen
Quelle: Mazda Cool: Das Türkonzept des Mazda MX-30 erinnert an den Wankelsportler RX-8

Komfortables Fahrverhalten mit toller Straßenlage

Beim Fahren verhält sich der MX-30 vor allem ruhig. Die meisten Geräusche bleiben draußen, im Cockpit summt leise ein künstlicher Motor-Ton. Der klingt, als habe man versucht, einem Verbrenner die Sprache der Elektromotoren beizubringen: Drehzahl- und lastabhängig, aber betont zurückhaltend säuselnd.

Der kleine Antrieb sitzt auf der Vorderachse des Mazda MX-30. Er spricht spontan an. Wenn er muss, stemmt er sofort sein ganzes Moment in die Räder. Das fühlt sich spritzig und agil an, vor allem bei Lastwechseln. Tatsächlich bewegt sich das SUV zwar flott, aber nicht rasant. Es sprintet in knapp zehn Sekunden auf Tempo 100 und regelt bei 140 km/h ab. Mehr Geschwindigkeit wäre nicht wirtschaftlich.

Aber es geht ja nicht immer um Topspeed. Das Kompakt-SUV lässt sich schön flink um die Kehren zirkeln. Natürlich spürt man den hohen Aufbau und das Gewicht. Aber die Karosserie neigt sich nicht übermäßig zur Seite, die Lenkung arbeitet präzise. Insgesamt federt der MX-30 angenehm bis bequem. Verschiedene Fahrmodi mit angepassten Dämpfereinstellungen bietet Mazda nicht an.

Man merkt dem MX-30 seine Verwandtschaft zum CX-30 an. Materialien, Gestaltung und Antrieb können nicht verbergen, dass sich beide Autos die gleiche Architektur teilen. Ein Vorteil des kleinen Akkus: Es muss kein eigenes Elektro-Chassis her. Mazda nutzt die Verbrenner-Plattform und akzeptiert sogar die lange Haube. Darunter sieht es aktuell noch leer aus, der Elektromotor ist im Vergleich winzig. Langfristig füllt ein Wankelmotor den Hohlraum aus. Er verlängert ab 2022 die Reichweite des MX-30.

An Gleichstrom lädt der MX-30 mit bis zu 50 kW. Ein Ladevorgang auf 80 Prozent dauert etwa 30 bis 40 Minuten. Wechselstrom verträgt das Auto nur einphasig. Ein 22-kW-Ladegerät füllt den Akku deshalb mit 6,6 kW. Ein kompletter Ladevorgang dauert damit etwa acht Stunden. Mit einem 11-kW-Ladegerät lädt er mit 3,7 kW.


Peugeot 2008 Autohaus Dornig GmbH & Co. KG
Der Peugeot 2008

Groß geworden: Im Vergleich zum Vorgänger bietet der Peugeot 2008 II mehr Platz.


Mazda MX-30: Gute Ausstattung und fairer Preis

Kompakte Elektroautos mit überschaubarer Reichweite sind nicht neu auf dem Markt. Auch Range-Extender hat es schon gegeben. Dennoch findet der MX-30 eine eigenständige Position. Jetzt schon mit Türen und Innenraum, langfristig mit dem Range-Extender. Er beansprucht keine Superlative, sondern bietet einen gelungenen Kompromiss, der im Alltag gut funktionieren wird.

Direkte Konkurrenz für den MX-30 gibt es kaum. Der Hyundai Kona ist kleiner, Hyundai Ioniq und VW E-Golf sind keine SUVs. Der Peugeot e-2008 kommt dem Mazda nah, fährt aber weiter. Audis Q4 E-Tron hängt noch im Studien-Status fest. Anhand der Serienautos lässt sich der Preis des Mazda einordnen: Ioniq (35.600 Euro), e-2008 (35.250 Euro) und Kona (34.850 Euro) sind teurer, dem E-Golf (31.900 Euro) fehlt es an Ausstattung.

Im Mazda gibt es 18-Zoll-Felgen, LED-Lampen, Klimaautomatik, Parkpiepser hinten, 8,8-Zoll-Navi und Head-up-Display serienmäßig. Ein adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, automatische Notbremse mit Personenerkennung und Kreuzungsfunktion sowie Verkehrszeichenerkennung sind ebenfalls an Bord. In der Ausstattung „First Edition“ gibt es für knapp 500 Euro ein Paket aus Matrix-LED-Lampen, getönten Scheiben, Digitalradio, Parkpiepsern vorn und Chromschmuck für den Innenraum.

Der Mazda MX-30 kostet in seiner Basis 33.490 Euro. Die temporär reduzierte Mehrwertsteuer senkt den Preis auf 32.645,71 Euro. In der First Edition kostet er 33.134 Euro. Die aufgestockte Umweltprämie zieht von diesen Summen jeweils 9.480 Euro ab. Das Elektro-SUV kann bereits vorbestellt werden. Der Marktstart ist für den September 2020 geplant.



Mazda MX-30 (2020): Technische Daten

ModellMazda MX-30
MotorAC-Synchronmotor
Leistung145 PS (107 kW) b. 4.500-11.000 U/min
Drehmoment271 Nm b. 0-3.234 U/min
AntriebFrontantrieb, feste Übersetzung
0-100 km/h9,7 s
Geschwindigkeit140 km/h (abgeregelt)
Verbrauch (WLTP)19,0 kWh/100 km
Akkukapazität35,5 kWh (brutto)
Länge4.395 mm
Breite1.795 mm (mit Außenspiegeln: 2.035 mm)
Höhe1.555 mm
Radstand2.655 mm
Kofferraumvolumen366-1.171 l
Gewicht1.720 kg
Ladestrom50 kW (DC), 6,6 kW (AC, 32 Ampere)
Basispreis Mazda MX-3033.490 Euro; mit 16 % MwSt.: 32.645,71 Euro

Der Mazda MX-30 in Bildern

  • Mazda MX-30 Dreiviertel-Frontansicht
    Quelle: Mazda Klare Unterscheidung: Der Mazda MX-30 ähnelt dem CX-30 kaum, er bekommt ein eigenes Gesicht
  • Mazda-MX-30 Mittelkonsole
    Quelle: Mazda Erstmals mit Touch: Normalerweise setzt Mazda echte Tasten für die Klimabedienung ein. Im MX-30 gibt es ein Display mit ergänzenden Knöpfen
  • Mazda MX-30 Interieur
    Quelle: Mazda Gutes Raumgefühl: Der Innenraum mit fehlender B-Säule sieht klasse aus. Nach hinten muss man dennoch klettern
  • Mazda MX-30 Detailansicht Rad
    Quelle: Mazda 18-Zoll-Räder gehören zur Serienausstattung des Mazda MX-30
  • Mazda MX-30 Cockpit
    Quelle: Mazda Das MX-30-Cockpit übernimmt viel von den Mazda-Verbrennern, macht aber einige Details anders
  • Mazda MX-30 dreiviertel-heckansicht mit offenen Türen
    Quelle: Mazda Cool: Das Türkonzept des Mazda MX-30 erinnert an den Wankelsportler RX-8
  • Mazda MX-30 Blick unter die Motorhaube
    Quelle: Mazda Der Elektromotor kommt mit einem halben Motorraum aus. In der anderen Hälfte arbeitet langfristig ein Wankel-Range-Extender
  • Mazda MX-30 Digitaler Instrumententräger
    Quelle: Mazda Display und Zeiger: Das Cockpit des MX-30 zeigt zum Teil digital an
  • Mazda MX-30 Kofferraum
    Quelle: Mazda Der Kofferraum des MX-30 lädt 366 Liter Gepäck ein
  • Mazda MX-30 Seitenasicht
    Quelle: Mazda Das „MX“ im Namen macht den MX-30 nicht zum Coupé – es markiert besondere Baureihen
  • Mazda-MX-30 Dreiveirtel-Frontansicht dynamisch
    Quelle: Mazda Beim Elektro-Sprintduell macht der MX-30 nicht mit. Er fährt zügig, aber nicht rasant
  • Mazda MX-30 AC-Synchronmotor
    Quelle: Mazda Der AC-Synchronmotor mit 107 kW Leistung spricht spontan an und stemmt viel Moment in den Antrieb
  • Mazda MX-30 Dreiviertel-Heckansicht dynamisch
    Quelle: Mazda Beim Fahren bleiben die meisten Geräusche draußen. Im MX-30 ist es bequem
  • Teaser: Mazda MX-30 Dreiveirtel-Frontansicht Dynamisch
    Quelle: Mazda Der Mazda MX-30 fährt ohne Sprit: Das SUV ist das erste Elektroauto des Herstellers