Auto-Abos: Volkswagen, Volvo, Cluno, Sixt

Lohnt sich das Auto als Abo?

Autos abonnieren statt sie zu kaufen: Ist das eine echte Alternative? Was hinter dem Trend steckt und für wen sich die Angebote lohnen.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 07/11/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Auto Abos
Quelle: Volvo Vor allem Volvo wirbt für Auto-Abos. Für wen lohnt sich die neue Art, einen Neuwagen zu fahren?

So neu, das vorweg, ist der Trend, Autos zu abonnieren, statt sie zu kaufen, nicht mehr. Denn die Autohersteller sind seit Jahren alarmiert. Studien stellen regelmäßig fest, dass die Bedeutung des Privatwagens sinkt. Vor allem bei jungen Städtern bis 25 Jahre, wie beispielsweise das britische Meinungsforschungs-Institut YouGov 2018 feststellte. Demnach halten nur 36 Prozent dieser Gruppe das eigene Auto für wichtig in ihrer Lebenssituation.

Man könnte dem entgegnen: Der Pkw-Absatz in Deutschland liegt solide bei rund drei Millionen Fahrzeugen im Jahr. Und: wie hoch ist der Anteil junger Neuwagenkäufer (laut dem Portal statista: bis 29 Jahre 6,6%). Aber während bei den jungen Deutschen das Interesse am eigenen Auto sinkt, bleibt das Bedürfnis nach Mobilität bestehen. Praktisch alle Autohersteller arbeiten daher intensiv an einer Zukunft, in der sie nicht mehr allein auf das Verkaufen von Autos angewiesen sind. Sie wollen Mobilitätsdienstleister werden.

Das Auto verändert sich, so wie Idee dahinter, vom Produkt zum Hardware-Bestandteil einer Dienstleistung. Eines der Konzepte: Das Auto-Abonnement. Es funktioniert ähnlich wie Leasing, beinhaltet aber „alles außer Tanken“ - und mehr Flexibilität. Der Autobesitzer wird zum Autonutzer. Er zahlt eine Flatrate oder eine Abo-Gebühr, kann aus einem Sortiment von Autos wählen und auch mal das Modell wechseln. Um Wartung, Versicherung, Zulassung und Co muss er sich nicht kümmern.

Volkswagen: “abo-a-car”

Für die Hersteller ist das angenehm. Sie können weiter Autos bauen, anbieten und damit Geld verdienen - müssen sie aber nicht verkaufen. Der Kunde wiederum umgeht die große Investition des Autokaufs und kann sich oftmals mehr oder weniger spontan für einen Autowechsel entscheiden.

Beispiel Volkswagen: Der Wolfsburger Marktführer bietet über seine Tochter Volkswagen Financial Services „abo-a-car“ an. Der Kunde wählt zwischen verschiedenen Paketen von „Mini“ bis „Family“ und bindet sich für drei, sechs oder 12 Monate. Danach verlängert sich das Abo automatisch und kann monatlich gekündigt werden. Einmal im Monat kann das Auto getauscht werden, alle sechs Monate muss es getauscht werden – um „dauerhaft ein neuwertiges Fahrzeug anbieten zu können“.

Der Preis für die zusätzliche Flexibilität scheint eher hoch, verglichen mit einem klassischen Leasingvertrag. Volkswagens Abo-Modell startet bei 399 Euro monatlich für einen Kleinstwagen. Einen VW Up im Leasing findet man problemlos für 100 bis 200 Euro, je nach Vertragsgestaltung (Laufzeit, Laufleistung, Versicherung). Hinzu kommt: Bei VW lässt sich das Fahrzeug nur innerhalb des jeweiligen Pakets tauschen. Die Alternative zum VW Up ist der baugleiche Seat Mii. Mehr Auswahl gibt es in den teureren Paketen. Das „Family-Paket“ für 769 Euro enthält Modelle wie Passat, Tiguan, Touran und Skoda Superb. Kleinwagen zum Pendeln, Cabrio fürs Wochenende? Bei VW Fehlanzeige.

Mercedes: Test vorerst beendet

Bei der schwedischen Premium-Marke Volvo starten die Abokosten bei 539 Euro im Monat für das SUV XC40 und reichen bis 889 Euro für den Luxuskombi V90 Cross Country. Das Auto kann mit zwei Monaten Vorlauf jederzeit gewechselt werden. Der Kunde wechselt dann in den Tarif seines neuen Fahrzeugs. Auch hier der Vergleich: Im Leasing startet ein Volvo V90 bei rund 600 Euro ohne Anzahlung. Volvo hofft dennoch, die Kunden mit einem einfachen, flexiblen Nutzungsmodell vom Abo überzeugen zu können. „Für unsere Kunden ist Zeit ein Luxusgut“, lässt sich Volvo-Chef Hakan Samuelsson zitieren. Wer da an gestresste Manager als Zielgruppe denkt, liegt vermutlich richtig.



Lässt sich überhaupt von einem Trend sprechen? Vor allem Premium-Hersteller haben sich im Abo-Segment versucht. Und sich in Deutschland, mit Ausnahme von Volvo, davon verabschiedet – zumindest von der Idee, ein Abo in Eigenregie anzubieten. Denn für Kunden ist mehr Flexibilität für mehr Geld offenbar vor allem dann interessant, wenn sie dabei nicht an einen Autohersteller gebunden sind.

Mercedes testete die „Mercedes me Flexperience“ mit zwei Händlern in Nordrhein-Westfalen – das Projekt ist derzeit ohne Nachfolger beendet. Audi bietet über „Audi on Demand“ Fahrzeuge zur Miete an, in Kooperation mit Sixt. Für Langzeitnutzer ist das Modell aber eher nicht gedacht. Porsche hatte angekündigt, den US-Dienst „Porsche Passport“ in Europa einführen zu wollen. Nun wird der Dienst „Porsche Inflow“ über das Start-up Cluno abgewickelt. Vom Opel Corsa für für 259 Euro über Luxus-SUV von BMW und Volvo bis zum Porsche Panamera für 2.000 Euro monatlich reicht dort das Angebot. Alle sechs Monate kann der Kunde das Fahrzeug wechseln.

Markenoffene Anbieter auf dem Vormarsch

Der Trend beim Auto-Abo ist damit klar gesteckt: Die Anzahl der markenoffenen Anbieter wächst, Angebote direkt von Autoherstellern sind dagegen in Deutschland eher exotische Erscheinungen. Neben Cluno drängen weitere Anbieter auf den Markt: „like2drive“ wird von einem etablierten Dienstwagen-Leasingunternehmen betrieben und verspricht vor allem hohe Flexibilität durch kurze Laufzeiten. Beim Würzburger Start-Up „Faaren“ können Kunden jeden Monat ein neues Auto auswählen. Sie stammen aus dem Bestand lokaler Händler, was die Verfügbarkeit einschränkt – zum Ausgleich aber junge Gebrauchtwagen einschließt.

In punkto Marktmacht dürfte ihnen allen Sixt weit voraus sein. Der Autovermieter will mit der „Sixt-Flat“ ein breites Publikum ansprechen: Ab 149 Euro pro Monat gibt es einen Kleinstwagen, ein BMW 3er kostet 619 Euro. Leasing-ähnliche Monatskosten also, aber jederzeit kündbar. Ab 750 Euro gibt es vier verschiedene Fahrzeuge pro Jahr zur Auswahl, daneben existieren Pakete für Wenig- und Wochenendfahrer. Für den etablierten Autovermieter offenbar nur ein neues Preismodell, bei dem Sixt von günstigen Konditionen im Fahrzeugankauf und vom bestehenden Stationsnetz profitiert – und neue Kunden ansprechen kann.

Fazit: Wann das Abo sich lohnt

Für wen sich das Auto-Abo nun lohnt, neben gestressten Managern, die sich nicht nicht mit Versicherungen und Inspektionen beschäftigen wollen? Vor allem für Autofahrer in schwer planbaren Lebenssituationen. Die also öfter umziehen oder deren Familiengröße sich oft ändert. Und natürlich für Menschen, die öfter mal das Auto wechseln wollen und sich diese Flexibilität etwas kosten lassen. Ein gehobenes Einkommen benötigen Nutzer von Auto-Abos ohnehin: In den meisten Fällen kostet der fahrbare Untersatz im klassischen Leasing deutlich weniger.