Kurz zum Supermarkt um die Ecke? Besser nicht!

Kurzstrecke mit dem Diesel – warum das schädlich ist

Diesel sind für Vielfahrer im Vergleich zu Benzinern die günstigere Alternative, Auto zu fahren. Etwas anders sieht es allerdings aus, wenn Du häufig Kurzstrecken fährst. Dann leidet der Dieselmotor und teure Reparaturen drohen. Im Stadtverkehr und bei häufigem Stop-and-go ist ein Benziner oft die bessere Wahl.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Fährt Du längere Strecken oder pendelst Du kurze Wege zur Arbeit? Das trägt zur Kaufentscheidung bei.
Quelle: Patrick Pleul ((c) dpa) Bevor Du Dich für einen Diesel oder einen Benziner entscheidest, solltest Du Dich fragen, ob Du Dein Auto vor allem für Kurzstrecken oder doch eher für längere Fahrten benötigst

Grundsätzlich gilt: Wer mit seinem Auto häufig Kurzstrecken fährt, der tut dem Fahrzeug nichts Gutes – egal, ob es sich um einen Diesel oder einen Benziner handelt. Die Motoren werden auf Kurzstrecken häufig nicht warm genug, sodass erhöhter und frühzeitiger Verschleiß droht.

Das Problem: die Betriebstemperatur

Der Diesel ist gegenüber einem vergleichbaren Benziner noch einmal deutlich gefährdeter, wenn das Auto im Stop-and-go-Modus tagtäglich durch den Berufsverkehr gefahren wird. Ein Dieselmotor arbeitet mit niedrigeren Drehzahlen als ein Benziner und erreicht dementsprechend auch nur eine geringere Motortemperatur. Genau hier liegt das Problem. Der Rußpartikelfilter, der in allen modernen Dieselmotoren verbaut ist, benötigt eine gewisse Temperatur, um dauerhaft einwandfrei arbeiten zu können. Erreicht wird diese Temperatur mittels der Abgase, die beim Fahren durch das System geleitet werden.
Beim Diesel haften im Kurzstreckenbetrieb Rußablagerungen am Filter und schränken die Motorleistung ein. Dieser sogenannte Filterkuchen wird erst ab einer Temperatur von etwa 600 Grad Celsius verbrannt. Auf der Kurzstrecke, im Stadtverkehr und bei Stop-and-go-Fahrten heizen sich Motor und Abgassystem jedoch gerade einmal auf etwa 300 Grad auf. Die in nahezu allen modernen Autos verbaute Start-Stopp-Automatik steigert das Problem sogar noch.

Wer den Partikelfilter schonen will, schaltet das Start-Stopp-System beim Dieselmotor eventuell ab.
Quelle: Christin Klose (picture alliance / dpa Themendienst) Wer den Partikelfilter schonen will, schaltet das Start-Stopp-System beim Dieselmotor eventuell ab

Pro und kontra Start-Stopp-Automatik

Eigentlich soll die Automatik die Umwelt wegen des geringeren Verbrauchs in Standphasen schonen. Doch sie unterbricht auch den allmählichen Anstieg der Temperatur im Motor immer wieder, sodass häufig nicht einmal 250 Grad erreicht werden. Wer den Partikelfilter schonen will, schaltet daher das Start-Stopp-System beim Dieselmotor eventuell ab. Dabei verzichtet er jedoch auf den Verbrauchsvorteil und konterkariert das eigentlich ebenfalls umweltschonende System.
Wenn die Betriebstemperatur nicht hoch genug ist, kann das schwerwiegende Folgen haben. Der Partikelfilter setzt sich mit jedem Fahren immer weiter zu und der Dieselmotor droht irgendwann regelrecht zu ersticken. Wenn viele Kurzstrecken und nur wenige schnellere und längere Strecken auf der Autobahn gefahren werden, belastet das den Filter. Schon nach wenigen Hundert gefahrenen Kilometern kann er sich nahezu vollständig zugesetzt haben. Im besten Fall droht eine Reinigung des Systems, im schlechtesten ein Komplettausfall, der einen Austausch erforderlich macht.

Moderne Antworten: Schaffen Additive Abhilfe?

Die Autobauer versuchen mit unterschiedlichen Mitteln, das Problem in den Griff zu bekommen. Einige Hersteller wie Mercedes setzen auf Additive, die dem Dieselkraftstoff beim Tanken zugesetzt werden. Diese Additive bewirken eine niedrigere Zündfähigkeit für die am Filter anhaftenden Rußpartikel. Sie verbrennen so nicht erst bei 600, sondern bereits ab 450 Grad Celsius. Wird diese Temperatur nicht erreicht, hilft die Motorelektronik des Autos nach. Eine kurzfristige Verschiebung des Einspritzzeitpunkts lässt die Abgastemperatur steigen, sodass das Fahrzeug den Ruß verbrennt.
Auch diese Maßnahmen ändern nichts daran, dass sich der Rußfilter des Autos im Laufe der Zeit so weit zusetzt, dass eine Reinigung oder ein Ausbau unumgänglich werden. Je nach Hersteller liegen diese Reinigungsintervalle zwischen 100.000 und 150.000 Kilometern. Andere Hersteller wie Audi setzen stattdessen auf Eingriffe ins Motormanagement. Aber auch hiermit kann nicht verhindert werden, dass je nach Nutzung des Fahrzeugs über kurz oder lang eine Reinigung oder ein Ausbau des Rußpartikelfilters fällig werden. 

Hoher Motorölstand als Warnzeichen

Schon vor einigen Jahren hat eine Untersuchung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) ergeben, dass sich bei modernen Dieseln, die häufig oder beinahe ausschließlich im Kurzstreckenverkehr fahren, das Motoröl verdünnt. Damit geht ein deutlich höherer Verschleiß des Motors einher.
Die Ursache sehen die Experten in der temporären zusätzlichen Einspritzung von Kraftstoff zur Erhöhung der Abgastemperatur. Weil die Erhöhung der Temperatur nur unzureichend gelingt, wenn Du Kurzstrecken fährst, kann der Kraftstoff nicht völlig abgebaut werden und gelangt ins Öl. Deutliches Warnzeichen ist ein gestiegener Motorölstand. Die Experten des ADAC raten Diesel-Besitzern daher, den Ölstand sehr regelmäßig zu kontrollieren. Im Zweifel solltest Du schnell einen Ölwechsel machen lassen.

Im Stadtverkehr und bei häufigem Stop-and-go ist ein Benziner oft die bessere Wahl.
Quelle: Winfried Rothermel (picture alliance) Im Stadtverkehr und bei häufigem Stop-and-go ist ein Benziner oft die bessere Wahl

Ein Diesel-Kauf will gut überlegt sein

Das ständige Fahren von Kurzstrecken mit kaum mehr als zehn oder 20 Kilometern pro einfacher Strecke ist sowohl für Dieselmotoren als auch für Benziner schädlich. Das größere Problem aber ist beim Diesel der sich zusetzende Rußpartikelfilter.
Wenn Du also absehen kannst, dass Du Dein Auto vor allem für Kurzstrecken benötigst und allenfalls im Jahresurlaub einmal längere Strecken fährst, dann solltest Du Dir die Anschaffung eines Diesels gut überlegen. Neben dem hohen Anschaffungspreis und der höheren Kfz-Steuer eines Diesels dürften durch den Kurzstreckenbetrieb notwendige Reparaturen einen vermeintlichen Preisvorteil gegenüber einem Benziner rasch ad absurdum führen.



Was passiert mit meinem Diesel im Kurzstreckenbetrieb? 

  • Die notwendige Funktionstemperatur von rund 600 Grad Celsius wird nicht erreicht
  • Der Rußpartikelfilter setzt sich allmählich zu
  • Wird der Filter nicht regelmäßig über lange Strecken freigefahren, droht der Motor zu ersticken 
  • Der Filter muss gereinigt oder gar ausgetauscht werden 
  • Auch Additive helfen bei regelmäßigem Kurzstreckenverkehr kaum