Ehemalige Automarken: Warum Austin, Borgward, Rover & Co. von der Straße verschwanden
Einst prägten sie das Straßenbild, heute sind sie Geschichte: Diese Automarken haben die Automobilwelt mitbestimmt. Wir zeigen, warum sie dennoch vom Markt verschwunden sind.
- Das Wichtigste in Kürze
- Austin 1905–1994
- Auto Union 1932–1985
- Borgward 1939–1961
- DKW 1902–1966
- Fisker Automotive 2007–2014
- Glas 1883–1969
- Morris 1913–1984
- NSU Motorenwerke 1873–1985
- Rover 1884–2005
- Trabant 1958–1991
- Wartburg 1956–1991
- Verschwundene Autohersteller weltweit: eine Auswahl
- Warum verschwinden Automarken?
- Was passiert mit den Markenrechten verschwundener Hersteller?
- Können verschwundene Automarken zurückkehren?
Das Wichtigste in Kürze
- Automarken verschwinden meist durch Insolvenzen, Fusionen oder politische Eingriffe.
- Markenrechte bleiben oft erhalten und wechseln den Besitzer – häufig an chinesische Konzerne.
- Erfolgreiche Markenwiederbelebungen sind selten und brauchen mehr als nur einen bekannten Namen.
Manche Autos haben wir noch lebhaft in Erinnerung: den Trabant, die Borgward Isabella oder den NSU Ro 80. Ihre Marken gibt es allerdings längst nicht mehr. Insolvenzen, Fusionen und politische Entscheidungen haben sie vom Markt gefegt.
Wir erklären, wie es dazu kam und was aus den Markenrechten wurde.
Austin 1905–1994
Die Austin Motor Company wurde 1905 von Herbert Austin in Longbridge bei Birmingham gegründet.
Bekannt wurde sie vor allem durch den Austin 7, einen günstigen Kleinwagen der 1920er-Jahre, der als einer der ersten Pkw für den Massenmarkt gilt.
Für seine Zeit war er technisch bemerkenswert:
- kompakte Bauweise
- Vierzylindermotor
- ein Gewicht unter 400 Kilogramm
Das Ende der Marke kam schrittweise: 1952 fusionierte Austin mit dem Rivalen Morris zur British Motor Corporation (BMC).
Im Konzerngeflecht von British Leyland litt das Image unter Qualitätsproblemen. Die Austin-Marke wurde 1987 schließlich aufgegeben.
Fahrzeuge auf Austin-Basis – insbesondere Maestro und Montego – liefen teilweise noch bis 1994 weiter, trugen aber nicht mehr den Markennamen Austin.
Der Austin 7 wurde in den 1930er-Jahren auch in Japan von Datsun, in Frankreich als Rosengart und in den USA als Bantam in Lizenz gebaut.
Britische Traditionsmarke, bekannt durch Modelle wie den Mini und den Austin-Healey, die bis in die 1980er-Jahre produziert wurden.
Auto Union 1932–1985
Die Auto Union AG entstand 1932 auf Betreiben der Sächsischen Staatsbank aus dem Zusammenschluss von vier Marken: Audi, DKW, Horch und Wanderer.
Das Firmenzeichen mit den vier ineinander verschlungenen Ringen steht als Logo der heutigen Audi AG noch heute für diesen Zusammenschluss.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Auto Union der zweitgrößte deutsche Automobilproduzent. Die Werke lagen fast alle in Südwestsachsen und fielen nach Kriegsende in die sowjetische Besatzungszone.
Die Auto Union AG wurde 1948 aus dem Handelsregister gelöscht. In Westdeutschland gründeten ehemalige Mitarbeiter 1949 in Ingolstadt die Auto Union GmbH neu.
Diese fusionierte 1969 mit der NSU Motorenwerke AG zur Audi NSU Auto Union AG, die seit 1985 Audi AG heißt. Der Name Auto Union verschwand damit endgültig.
Die Auto-Union-Rennwagen der Typen A bis D (1934–1939) gehörten zu den wichtigsten Konkurrenten der Mercedes-Benz-Silberpfeile und konnten sie mehrfach besiegen.
Die Vorläufermarke der heutigen Audi AG bestand von 1932 bis 1985.
Borgward 1939–1961
Borgward gehörte bis zur Insolvenz der Unternehmensgruppe 1961 zu den bedeutenden deutschen Automobilmarken.
Es stammte aus dem Unternehmensimperium des Bremer Ingenieurs Carl F. W. Borgward. Ende der 1950er-Jahre beschäftigte die Gruppe fast 23.000 Menschen.
Die Borgward Isabella mit ihrer eleganten Pontonkarosserie und einem Vierzylindermotor gilt bis heute als eines der schönsten deutschen Autos der Nachkriegszeit.
Das Ende kam 1961 durch eine Kombination aus hoher Modellvielfalt, angespannter Liquidität und Absatzproblemen, unter anderem nach dem Einbruch des US-Geschäfts.
Der Bremer Senat zog eine zugesagte Kreditbürgschaft zurück. Borgward übertrug seine Unternehmen daraufhin dem Land Bremen.
Vergleichsverfahren wurden im Juli 1961 beantragt, im September 1961 folgte der Konkurs der Borgward- und Goliath-Unternehmen.
Der Borgward-Konkurs war in Bremen und darüber hinaus umstritten. Das Land Bremen hatte das Unternehmen zuvor finanziell gestützt. Häufig genannt werden staatliche Hilfen von rund 60 Millionen D-Mark.
Bremer Automobilhersteller, der zu den bekanntesten deutschen Nachkriegsmarken zählte.
DKW 1902–1966
DKW steht ursprünglich für „Dampf-Kraft-Wagen“: ein Projekt, das nie über den Prototypenstatus hinauskam. Bekannt wurde die Marke durch günstige Motorräder und Kleinwagen mit Zweitaktmotoren.
Bereits Ende der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre war DKW der weltgrößte Motorradhersteller. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Marke in Westdeutschland von der neu gegründeten Auto Union GmbH in Ingolstadt weitergeführt.
Das Ende von DKW als Pkw-Marke kam, als Volkswagen 1964 die Mehrheit an der Auto Union GmbH übernahm und den Markennamen Audi schrittweise in den Vordergrund stellte.
Der DKW F 102 wurde 1966 als Audi F 103 weitergebaut: mit neuem Namen, aber weitgehend gleicher Karosserie. Die Marke DKW verschwand damit aus dem Pkw-Markt.
Das DKW-Motorrad RT 125 von 1939 gilt als das meistkopierte Motorrad der Welt. Nach dem Krieg wurde es u. a. von BSA in England und Harley-Davidson in den USA nachgebaut.
DKW ist einer der vier Gründungsbetriebe der Auto Union, bekannt für Zweitaktmotoren und Modelle wie den DKW F12.
Fisker Automotive 2007–2014
Fisker Automotive war ein US-amerikanischer Hersteller von Plug-in-Hybrid-Sportwagen, gegründet 2007 vom dänischen Automobildesigner Henrik Fisker.
Das einzige Serienmodell (der Fisker Karma) war eine viertürige Sportlimousine mit einem von Fisker entworfenen Karosseriedesign und einem Plug-in-Hybrid-Antrieb.
Produziert wurde der Karma beim finnischen Auftragsfertiger Valmet Automotive. Das Ende kam durch eine Verkettung von Problemen:
- Der Bankrott des Batterielieferanten A123 Systems legte die Produktion lahm.
- Rückrufkosten und Schäden durch Hurrikan Sandy belasteten die Finanzen zusätzlich.
Bis zur Produktionsunterbrechung 2012 wurden rund 2.000 Fahrzeuge verkauft. Am 22. November 2013 meldete Fisker Automotive Insolvenz an.
2014 erwarb Wanxiang wesentliche Vermögenswerte des Unternehmens. Daraus ging Karma Automotive hervor.
Fisker erhielt im Rahmen eines US-Bundesprogramms eine Kreditlinie von bis zu 529 Millionen US-Dollar. Tatsächlich ausgezahlt wurden rund 192 Millionen US-Dollar, von denen ein großer Teil nicht zurückgezahlt wurde.
US-amerikanischer Hersteller von Elektrofahrzeugen wie dem Fisker Karma und später dem Fisker Ocean.
Glas 1883–1969
Die Hans Glas GmbH aus Dingolfing begann 1883 als Landmaschinenfabrik und wandelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Fahrzeughersteller.
Bekannt wurde das Unternehmen durch das Goggomobil, einen Kleinstwagen mit bis zu 400 cm³ Hubraum, der ab 1955 in zahlreiche Länder exportiert wurde.
Technisch bemerkenswert war der Glas 1004 von 1961: Er war der erste Serien-Pkw der Welt mit einem Zahnriemen für den Nockenwellenantrieb.
Das Ende kam, weil Glas mit sportlichen Modellen wie dem Glas 1300 GT und dem V8-Coupé in Preissegmente vorstieß, für die das Unternehmen weder das nötige Ansehen noch die Kapitaldecke hatte.
BMW übernahm die Hans Glas GmbH zum 2. Januar 1967. Die Glas-Modelle wurden schrittweise eingestellt. Das letzte Goggomobil lief 1969 vom Band.
Das BMW-Werk Dingolfing, heute eines der größten Automobilwerke der Welt, entstand aus den ehemaligen Glas-Produktionsstätten.
Morris 1913–1984
Die Morris Motor Company wurde 1913 von William Richard Morris in Cowley bei Oxford gegründet. Durch günstige, zuverlässige Fahrzeuge und den Aufbau einer eigenen Fließbandfertigung wurde Morris in den 1920er-Jahren zum Marktführer in Großbritannien.
1952 fusionierte Morris mit Austin zur British Motor Corporation (BMC). Unter dem Dach des Konzerns wurde Morris zur reinen Marke ohne eigene Identität.
Die Fahrzeuge waren weitgehend baugleich mit Austin-Modellen, nur mit anderem Emblem.
Das sogenannte „Badge Engineering“ schadete dem Image beider Marken. Die Konzentration auf Austin und die wachsende Rover-Marke machte Morris überflüssig.
1984 wurde der letzte Morris – der Ital – eingestellt. Die Markenrechte liegen heute beim chinesischen Konzern SAIC.
In der ehemaligen Morris-Produktionsstätte in Cowley, heute als Plant Oxford bekannt, wird seit 2001 der neue Mini produziert – nun jedoch unter BMW-Konzernzugehörigkeit.
Britische Marke, die mit dem Morris Minor und Mini den britischen Nachkriegsmarkt prägte.
NSU Motorenwerke 1873–1985
Das Unternehmen NSU wurde 1873 in Riedlingen gegründet und später nach Neckarsulm verlegt. Daher kommt auch der Name Neckarsulmer Strickmaschinen-Fabrik AG (NSU).
Das Unternehmen war Mitte der 1950er-Jahre mit knapp 350.000 produzierten Zweirädern pro Jahr der weltgrößte Zweiradhersteller.
Ab den 1950er-Jahren stieg das Unternehmen NSU wieder in den Pkw-Bau ein. Technisch wegweisend war der NSU Ro 80 aus dem Jahr 1967: Die Limousine war ihrer Zeit weit voraus. Sie verfügte über:
- einen Wankelmotor,
- eine Keilform-Karosserie und
- einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,35.
Doch der Wankelmotor bereitete erhebliche Zuverlässigkeitsprobleme. Die Kosten für Garantieleistungen belasteten das Unternehmen schwer. 1969 fusionierte das Unternehmen NSU mit der Auto Union GmbH zur Audi NSU Auto Union AG.
Die Produktion von Pkw unter der Marke NSU endete 1977. 1985 verschwand der Name NSU auch aus der Firmierung, als das Unternehmen in Audi AG umbenannt wurde.
Der NSU Ro 80 gilt bis heute als eines der designtechnisch bedeutendsten Autos der Nachkriegszeit – trotz der massiven Motorprobleme, die dem Unternehmen letztlich das Genick brachen.
Neckarsulmer Hersteller, bekannt für den NSU Prinz und den NSU Ro80 mit Wankelmotor.
Rover 1884–2005
Rover blickt auf eine über 100-jährige Geschichte: 1884 als Fahrrad- und Dreirad-Hersteller gegründet, baute das Unternehmen ab 1904 Automobile. In den 1960er und 1970er Jahren galt Rover als britische Premiummarke.
1967 wurde Rover Teil der Leyland Motor Corporation und ging im Konglomerat British Leyland unter.
Qualitätsprobleme und Arbeitskämpfe schadeten dem Image. 1994 übernahm BMW die Rover Group, doch die erhoffte Sanierung scheiterte.
Im Jahr 2000 verkaufte BMW Rover für symbolische zehn Pfund an die Phoenix-Gruppe. Die neue MG Rover Group produzierte zuletzt noch 100.000 Fahrzeuge pro Jahr. Das war jedoch zu wenig für die Gewinnzone.
Am 7. April 2005 meldete MG Rover Insolvenz an. Die Markenrechte liegen heute bei Jaguar Land Rover, einem Tata-Unternehmen.
BMW behielt beim Verkauf von Rover im Jahr 2000 die Marke Mini und machte daraus eine der erfolgreichsten Markenneugründungen der Automobilgeschichte.
Britische Marke mit langer Geschichte, bekannt durch Modelle wie den Rover 75 und die Rover-SUV-Reihe.
Trabant 1958–1991
Der Trabant ist das bekannteste Symbol der DDR-Automobilindustrie. Von 1958 bis 1991 wurde er in Zwickau von Sachsenring gebaut.
Technisch fiel er durch seinen luftgekühlten Zweitaktmotor und die Karosserieverkleidung aus Duroplast auf: einem Kunststoff aus Baumwollfasern und Phenolharz.
Zur Zeit seiner Einführung galt der Trabant mit Frontantrieb und quer eingebautem Motor als moderner Kleinwagen. Doch die DDR-Führung verhinderte konsequente Weiterentwicklungen. Ein Politbürobeschluss von 1979 untersagte sogar Neuentwicklungen im Pkw-Sektor.
Nach der Wende 1989 brach die Nachfrage schlagartig ein. Der Trabant 1.1 mit VW-Viertaktmotor konnte den Imageschaden nicht mehr aufhalten. Am 30. April 1991 endete die Produktion.
1976 waren 47 Prozent aller in der DDR genutzten Pkw vom Typ Trabant. Kein anderes Fahrzeug mit Zweitaktmotor wurde länger gebaut.
DDR-Kultauto mit Duroplast-Karosserie und Zweitaktmotor, das von 1957 bis 1991 in Zwickau gebaut wurde.
Wartburg 1956–1991
Der Wartburg war neben dem Trabant das meistverbreitete Fahrzeug in der DDR. Produziert wurde er von 1956 bis 1991 im VEB Automobilwerk Eisenach.
Der Name leitet sich von der gleichnamigen Burg in Eisenach ab. Technisch basierte der Wartburg auf dem Vorkriegs-DKW F 9. Er wurde von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, bis 1988 der Wartburg 1.3 einen von Volkswagen entwickelten Viertaktmotor erhielt.
Obwohl bereits 1972 ein moderner Vierzylinder-Viertaktmotor fertig entwickelt war, verweigerte die DDR-Staatsführung die Umrüstung.
Nach der Wiedervereinigung war der Wartburg selbst mit dem neuen Motor unverkäuflich: Die Produktion kostete rund 14.400 Mark, der Verkaufspreis lag nur noch bei 7.600 Mark. Im April 1991 wurde die Produktion eingestellt.
Der Wartburg 311 wurde in den 1960er-Jahren sogar in die USA exportiert: 1960 wurden rund 1.215 Exemplare über einen Händler in Los Angeles zum Einstiegspreis von 1.799 US-Dollar verkauft.
DDR-Automarke, bekannt für den Wartburg 353, der bis 1991 mit Zweitaktmotor produziert wurde.
Verschwundene Autohersteller weltweit: eine Auswahl
| Marke/Hersteller | Land | Jahr des Endes | Grund |
|---|---|---|---|
| Borgward | Deutschland | 1961 | Insolvenz durch übermäßige Modellvielfalt und Liquiditätskrise |
| NSU | Deutschland | 1977/1985 | Pkw-Marke 1977 aufgegeben, Unternehmensname NSU bis 1985 in der Firmierung |
| DKW | Deutschland | 1966 | VW setzte nach der Übernahme der Auto Union konsequent auf den Markennamen Audi |
| Auto Union | Deutschland | 1985 | Fusion mit NSU zur Audi NSU Auto Union AG, seit 1985 Audi AG |
| Glas | Deutschland | 1969 | BMW-Übernahme 1967, letzte Glas-/Goggomobil-Modelle bis 1969 |
| Trabant/Sachsenring | DDR/Deutschland | 1991 | Ende der DDR, veraltete Konstruktion und fehlende Wettbewerbsfähigkeit |
| Wartburg | DDR/Deutschland | 1991 | Deutsche Wiedervereinigung, veraltete Technik und fehlende Wettbewerbsfähigkeit |
| Rover | Vereinigtes Königreich | 2005 | Insolvenz der MG Rover Group nach jahrelangen Verlusten |
| Austin | Vereinigtes Königreich | 1987/1994 | Ab 1987 nicht mehr als eigenständige Marke geführt, letzte Fahrzeuge bis 1994 |
| Morris | Vereinigtes Königreich | 1984 | Konzentration auf Austin und Rover; Badge Engineering schadete dem Image |
| Triumph Cars | Vereinigtes Königreich | 1984 | British-Leyland-Umstrukturierung, fehlende Modellperspektive |
| Wolseley | Vereinigtes Königreich | 1975 | British-Leyland-Umstrukturierung, Überschneidung mit anderen Marken |
| Hillman | Vereinigtes Königreich | 1976 | Chrysler Europe bündelte Marken und führte Talbot ein |
| Simca | Frankreich | 1980 | Übernahme durch Chrysler Europe, Umbenennung in Talbot |
| Panhard | Frankreich | 1967 | Übernahme durch Citroën, Pkw-Produktion eingestellt |
| Facel Vega | Frankreich | 1964 | Insolvenz durch hohe Produktionskosten und Absatzprobleme |
| DAF Pkw | Niederlande | 1975 | Volvo übernahm die Pkw-Sparte, Marke DAF verblieb bei Nutzfahrzeugen |
| Autobianchi | Italien | 1995 | Fiat integrierte die Marke in Lancia |
| Pegaso | Spanien | 1958 | Integration in ENASA, Pkw-Produktion aufgegeben |
| Fisker Automotive | USA | 2013 | Insolvenz durch Batterielieferanten-Bankrott, geringe Stückzahlen und hohe Produktionskosten |
Warum verschwinden Automarken?
Automarken verschwinden aus unterschiedlichen Gründen. Häufig spielen wirtschaftliche Probleme die entscheidende Rolle.
Zu geringe Verkäufe
Viele Hersteller scheitern an zu geringen Stückzahlen: Wer zu wenig Autos verkauft, kann die hohen Entwicklungskosten nicht refinanzieren.
Borgward ist dafür ein gutes Beispiel: Das Unternehmen bot ähnlich viele Modelle an wie Daimler-Benz, hatte aber nur einen Bruchteil der Verkaufszahlen.
Fusionen und Übernahmen
Fusionen und Übernahmen sind ein weiterer häufiger Grund. Austin und Morris fusionierten 1952 zur BMC. Im Konzerngeflecht verloren beide Marken ihr eigenständiges Profil.
Das sogenannte Badge Engineering, also der Verkauf baugleicher Autos unter verschiedenen Markennamen, schadete dem Image beider Marken langfristig.
Politik
Politische Eingriffe spielten bei den DDR-Marken Trabant und Wartburg eine entscheidende Rolle. Die Staatsführung verhinderte konsequente Weiterentwicklungen.
Als die Grenzen 1989 fielen, konnten die veralteten Fahrzeuge nicht mehr mit westlicher Konkurrenz mithalten. Die Nachfrage brach schlagartig ein.
Was passiert mit den Markenrechten verschwundener Hersteller?
Wenn ein Automobilhersteller verschwindet, bleiben die Markenrechte oft erhalten. Sie wechseln lediglich den Besitzer.
Austin und Morris gehören heute zum Markenportfolio von SAIC Motor. Die Rechte gelangten nach dem Zusammenbruch der MG Rover Group zunächst an Nanjing Automotive und mit deren Übernahme 2007 an SAIC Motor.
Eine laufende Serienproduktion unter den Marken Austin oder Morris gibt es derzeit nicht.
Rover gehört seit 2008 zu Jaguar Land Rover, einem Tochterunternehmen des indischen Konzerns Tata Motors. Die Marke wird derzeit nicht als eigenständige Pkw-Marke vermarktet. Die Namensrechte werden weiterhin gehalten.
Bei deutschen Marken wie Borgward gab es Wiederbelebungsversuche. Christian Borgward, Enkel des Gründers, veräußerte die Markenrechte 2014 an den chinesischen Nutzfahrzeughersteller Beiqi Foton Motor.
Unter dem Namen Borgward wurden ab 2015 in China SUV-Modelle verkauft; das Unternehmen wurde 2022 in China für insolvent erklärt.
Können verschwundene Automarken zurückkehren?
Grundsätzlich ist es möglich, dass ehemalige Automarken auf den Markt zurückkehren, aber eine erfolgreiche Rückkehr ist selten.
Die bekannteste Wiederbelebung ist der Mini. BMW behielt die Marke beim Verkauf der Rover Group im Jahr 2000 und machte daraus eine der erfolgreichsten Markenneugründungen der Automobilgeschichte.
Heute ist Mini eine eigenständige Premiummarke mit Werken in Oxford, Leipzig und anderen Standorten.
MG ist ein weiteres Beispiel. Die Marke gehört heute dem chinesischen Konzern SAIC und wird weltweit mit Elektroautos, Verbrennern und Hybridmodellen vermarktet.
In Europa ist MG mit verschiedenen elektrifizierten Modellen vertreten.
Borgward hingegen scheiterte ein zweites Mal. Die chinesisch-deutschen SUV-Modelle konnten sich nicht am Markt behaupten.
Das zeigt: Ein bekannter Markenname allein reicht nicht aus. Es braucht ein überzeugendes Produkt, ein stabiles Geschäftsmodell und ausreichend Kapital.
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