Das hat der Audi A3 Sportback noch drauf

Der Audi A3 Sportback (8V) im Alltag: Preis, Test, Daten

Der Audi A3 Sportback geht in die letzte Runde. Bevor 2020 der Nachfolger kommt, muss er noch einmal zeigen, was er kann. Der Audi A3 Sportback im Test.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 01/07/2020, 06:30 AM
Audi A3 35 TFSI in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
Quelle: Jonas Seidel 2017 verpasste Audi dem A3 ein leichtes Facelift

Gerade hat Volkswagen den Golf 8 auf den Markt gebracht. Für den technisch eng verwandten Audi A3 Sportback heißt das: Es wird Zeit zu gehen. Er basiert noch auf der siebten Golf-Generation. Das letzte Facelift stammt von 2017. Audi erneuert damals vor allem die digitale Technik. Ein neues Infotainment, ein digitaler Instrumententräger und ein bisschen frische Assistenz finden ins Auto. Äußerlich ändert sich wenig und an der Innenraumgestaltung nichts. Gut so.

Wir haben den Sportback mit dem frischen 1,5-Liter-Benziner als 35 TFSI für zwei Wochen im Alltag bewegt. Manches freute uns, auf das wir beim Nachfolger vermutlich verzichten müssen. Wie sich der Audi A3 Sportback im Alltag schlägt, liest Du in unserem Test.

Abmessungen, Kofferraumvolumen, Platzangebot

Mit 4,31 Metern ist der Audi A3 ein gutes Stück länger als der Golf 7. In der sogenannten Premiumklasse muss sich das nicht im Raumangebot niederschlagen. 380 Liter passen ins Heck des Sportback. Die Fläche ist groß, nicht zerklüftet und bei umgelegter Rückbank wird sie fast eben. Die Ladekante liegt etwas hoch. Mangels doppelten Bodens plumpst schweres Gepäck dahinter nach unten.


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Stuttgarter Kompakt-SUV

• Modell: GLA 45 AMG
• Motor: Zweiliter-Vierzylinder-Turbo
• Leistung: 360 PS
• 0-100 km/h: 4,8 s


Fahrer und Beifahrer sitzen luftig, aufgrund der schön schmalen und nicht allzu hohen Mittelkonsole. Vorne positionieren sich zwei gut platzierte Becherhalter, davor befindet sich ein schmales, gummiertes Fach, dessen Sinn sich nicht erschließt. Smartphones lassen sich hier nicht schlingerfrei unterbringen, ohne dass sie sich im Innenraum selbstständig machen. Das Fach unter der Mittelarmlehne beherbergt zwei USB-Anschlüsse und ist groß genug für moderne Handys. Allerdings nur, solange man sie nicht einstöpselt.

Innenraum, Materialien, Verarbeitung im Audi A3

Der Audi A3 ist nicht mehr ganz frisch. Das merkt man im Positiven wie im Negativen. Das Cockpit-Design wirkt im Vergleich zu jüngeren Audi-Modellen, sagen wir: klassisch. Hochglänzende Oberflächen, große Touchscreens und metallisch schimmernde Zierflächen gibt es im Audi A3 nicht. Er wirkt im Vergleich schlicht und aufgeräumt. Der Bildschirm des Infotainmentsystems versteckt sich sogar im Armaturenbrett, bis man den Motor startet. Erst dann fährt er ins Blickfeld.

Die runden Lüftungsdüsen wirken sportlich. Die Schalter und Knöpfe sitzen genau dort, wo man sie sucht, und schmeicheln sehr angenehm den Fingerkuppen. Sie klicken fein und rasten gut definiert. Diese Verarbeitungsqualität und Oberflächengüte findet man in jüngeren Audi nicht mehr. Selbst das harte Plastik wirkt wie gefräst, nichts knarzt und knirscht. Den Klopftest besteht der Sportback an jeder beliebigen Stelle. Der Audi A3 Sportback stammt, so der Eindruck, aus einer anderen Audi-Epoche – einer besseren.



Infotainment, Radio, Bedienung

Man muss sich erst wieder kurz gewöhnen ans MMI-System von Audi und freut sich wenig später über die nachvollziehbare Bedienlogik. Mit Drehen, Drücken und Kippen am runden Knopf auf der Mittelkonsole hangelt man sich zügig wie intuitiv durchs System. Ein paar weitere Knöpfe für die Direktwahl komplettieren das System.

Cockpit-Ansicht des Audi A3 35 TFSI
Quelle: Jonas Seidel Das Bord-Navi lässt sich auch im Display des Instrumententrägers anzeigen

Funktional fehlt nur wenig. Das Navi im Audi A3 rechnet schnell genug, kennt aber nicht immer die aktuellen Verkehrsbehinderungen. Macht nichts, Apple CarPlay und Android Auto für die Verbindung zum Smartphone funktionieren tadellos. Wer das eingebaute Navi nutzt, kann sich die Karte groß im digitalen Instrumententräger anzeigen lassen. Oder andere Dinge. Das „Audi virtual Cockpit“ fand mit dem Facelift 2017 ins Auto und funktioniert gut. Einzig die Grafiken der Navikarte wirken zuweilen etwas grobschlächtig.

Assistenzsystem und Sicherheit

Bei der Assistenz kommt der Audi A3 nicht ganz an neue, größere Modelle heran. Aber immerhin: Mit Abstandstempomaten, Spurhalter und Doppelkupplungsgetriebe S Tronic fährt der A3 im Stau fast alleine, im Notfall bremst er allein bis zum Stillstand. Verkehrszeichen erkennt der Sportback ebenfalls. All das steckt im Assistenzpaket für 1.750 Euro und funktioniert nicht schlechter als in neueren Modellen. Was heißt: Im Ernstfall sollte man sich nicht auf alles verlassen.

Im Testwagen fehlt die Rückfahrkamera, die es für 410 Euro Aufpreis gibt. Im Grunde ist sie nicht nötig. Der Audi A3 lässt sich mit akustischer und visueller Einparkhilfe gut in Lücken steuern. Das Steuer komplett übernehmen kann der A3 mit Parkassistenten auch, doch die 900 Euro muss man nicht ausgeben. Einmal bremst das System beim rückwärts Einparken plötzlich ohne ersichtlichen Grund, was für einen Schreckmoment sorgt.

Antrieb, Motor, Getriebe und Fahrleistungen

In unserem Sportback steckt der moderne 1,5-Liter-Benziner aus dem Volkswagen-Regal, der 150 PS und 250 Newtonmeter mobilisiert. Ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (S Tronic) schickt die Kraft an die Vorderräder. Meistens zuverlässig und berechenbar. Kurz nachdem die Start-Stopp-Automatik den Motor wieder angeworfen hat, landet jedoch oft zu viel Kraft an den Rädern. Ein bekanntes Problem der S Tronic. Genau wie die Entscheidungsschwäche in unklaren Situationen bei Schleichfahrt oder allgemein geringen Lastwechselbereichen. Insgesamt nervt das Getriebe jedoch selten und schaltet meist komfortabel.

Audi A3 35 TFSI in der Frontansicht, stehend
Quelle: Jonas Seidel Für den A3 Sportback verlangt Audi mindestens 25.800 Euro

Kraft genug bietet der Vierzylinder-Turbo ebenfalls, unter Last klingt er zuweilen etwas kernig. Was auch viel mit der Charakteristik des DSG zu tun hat. So richtig sparsam zeigt sich der Motor im Test nicht, was jedoch zum Teil an den kühlen Temperaturen liegt. Der Stadtverkehr muss schon gut fließen, damit der Verbrauchswert im Sportback eine 8 vor dem Komma erhält, auf langen Strecken lassen sich zwischen sechs und sieben Litern herausfahren. Falls man nicht schneller als 160 km/h fährt. Im Schnitt lagen wir bei 6,9 Litern.


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Fahrverhalten, Lenkung, Fahrwerk

Audi stimmt den A3 angenehm ab. Der Testwagen rollt in der Ausstattung „Sport“ auf den Redaktionsparkplatz, also eigentlich mit Sportfahrwerk. Doch in diesem Fall steckt das optionale Serienfahrwerk im Auto. Gut so. Der Sportback trägt zwar den Sport im Namen, macht aber komfortabel mehr Freude im Alltag. Die recht leichtgängige Lenkung passt prima zum Charakter. Buckel und Schlaglöcher schluckt das Fahrwerk verbindlich, jedoch ohne harte Stöße.

Bei flotter Fahrt im kurvigen Gelände neigt sich der A3 spürbar, bleibt aber stets sicher. Lieber rutscht er über die Vorderräder, als dass das Heck aus der Reihe tanzt. Für Sportler gibt es andere Angebote, der Audi wählt auch mit Frontantrieb den sicheren Pfad (als Quattro bietet Audi ohnehin nur noch die „großen“ A3 40 TFSI, 40 TDI und S3 an). Macht nichts, dafür fährt er ruhig, leise und unkompliziert.

Ausstattung, Preis und Fazit

Bei 25.800 Euro beginnt die Preisliste des Audi A3 Sportback, der günstigere Dreitürer ist nicht mehr im Programm. Dann treibt ihn ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 116 PS an. Zu wenig im Premium-Kompaktwagen, finden wir. Der 1,5-Liter-Motor mit 150 PS im A3 35 TFSI (27.800 Euro) passt besser zum Auto. Die S Tronic macht ihn im Alltag unkomplizierter, lässt allerdings den Preis um weitere 2.000 Euro wachsen. In der Ausstattung „Sport“ liegt der für unseren Testwagen bei mindestens 31.700 Euro.



Alternativ zu „Sport” bietet Audi die Ausstattung „Design“ für den gleichen Preis und mit etwas anderer Optik – Geschmackssache. Notwendig ist beides nicht. Von optischen Details wie speziellen Rädern, Sitzbezügen oder Dekors abgesehen bietet Audi sämtliche Extras auch für den Basis-A3 an. Einzige Ausnahmen: Alles, was mit „S“ anfängt (S Line Sportpaket, S-Sportsitze etc.) gibt es nur für die Ausstattung „Sport”.

Im Testwagen fällt mit 3.100 Euro vor allem das „Technology Selection“-Paket ins Gewicht. Der digitale Instrumententräger (Audi Virtual Cockpit), das Smartphone Interface (Apple CarPlay, Android Auto) und das große Navigationssystem (MMI Navigation Plus) sind die wichtigsten Elemente – den Preis hat Audi inzwischen auf 1.800 Euro gesenkt. Das Assistenzpaket (1.750 Euro), die Audi Matrix-LED-Scheinwerfer (1.790 Euro) treiben den Preis weiter, der Rest läppert sich. Macht insgesamt 45.510 Euro für den Testwagen bzw. 44.210 Euro nach der Preissenkung für die Technology Selection.

Im Vergleich zu den üblichen Verdächtigen in der Kompaktklasse ist das ein gutes Angebot für ein fast volles Auto. Ein ähnlich ausgestatteter BMW 1er sprengt die 50.000-Euro-Grenze, eine fast komplette A-Klasse geht auf die 60.000 Euro zu. Klar, beide sind nach ihren Modellwechseln moderner. Doch dem Audi A3 Sportback fehlt kaum etwas. Und bei Verarbeitung und Oberflächen-Behandlung schlägt der alte A3 die neueren Kompaktwagen sogar.

Audi A3 Sportback 35 TFSI S Tronic: Preis, technische Daten

ModellAudi A3 Sportback 35 TFSI S Tronic
Motor 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner
Leistung 150 PS (110 kW) b. 5.000-6.000 U/min
Drehmoment 250 Nm b. 1.500-3.500 U/min
Antrieb Vorderradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (S Tronic)
Geschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 8,2 s
Verbrauch (NEFZ-korreliert) 5,3-5,1 l/100 km
CO2-Ausstoß 121-116 g/km
Verbrauch (WLTP) 6,9-6,2 l/100 km
CO2-Ausstoß 157-141 g/km
Länge 4.313 mm
Breite 1.785 mm
Höhe 1.426 mm
Radstand 2.637 mm
Kofferraumvolumen 380-1.220 l
Gewicht 1.345 kg
Preis Audi A3 Sportback (8V) ab 25.800 Euro
Preis Audi A3 Sportback Sport 35 TFSI ab 29.700 Euro
Preis des Testwagens 44.210 Euro

Der Audi A3 in Bildern

  • Audi A3 35 TFSI in der Seitenansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Nach 8,2 Sekunden erreicht der A3 Tempop 100. Bei 220 km/h ist Schluss
  • Audi A3 35 TFSI in der Ansicht von vorne-rechts, stehend
    Quelle: Jonas Seidel 2017 verpasste Audi dem A3 ein leichtes Facelift
  • Audi A3 35 TFSI in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Für den A3 Sportback verlangt Audi mindestens 25.800 Euro
  • Blick auf den linken Scheinwerfer des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Die Audi Matrix-LED-Scheinwerfer baut Audi für 1.790 Euro Aufpreis ein
  • Blick in den Motorraum des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Der 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner in unserem Testwagen leistet 150 PS
  • Audi A3 35 TFSI in der Heckansicht, stehend
    Quelle: Jonas Seidel Den Audi A3 in der von uns gefahrenen Ausstattung gibt Audi für 44.210 Euro ab
  • Blick auf das 35 TFSI-Emblem am Heck des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Nach dem WLTP-Zyklus gemessen, verbraucht der A3 zwischen 6,9 und 6,2 Liter auf 100 Kilometer
  • Blick in den Innenraum des Audi A3 35 TFSI bei geöffneter Fahrertür
    Quelle: Jonas Seidel Beim Cockpit-Design hängt der A3 etwas der Zeit hinterher
  • Blick auf die Rückbank des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Als Dreitürer bietet Audi den A3 nicht mehr an
  • Blick in den Kofferraum des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Im Kofferraum stehen im Audi A3 Sportback 380 Liter zur Verfügung
  • Blick in den Kofferraum des Audi A3 35 TFSI bei umgeklappter Rückbank
    Quelle: Jonas Seidel Wird die Rückbank umgelegt, erweitert sich der Stauraum im A3 auf 1.220 Liter
  • Ansicht des Infotainment-Bildschirms des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Der Bildschirm für das Infotainment versteckt sich im Armaturenbrett. Wird der Motor gestartet, fährt der Bildschirm aus
  • Cockpit-Ansicht des Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Das Bord-Navi lässt sich auch im Display des Instrumententrägers anzeigen
  • Blick auf den Schalthebel im Audi A3 35 TFSI
    Quelle: Jonas Seidel Im Audi A3 überträgt ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe die Kraft an die Vorderachse