Im Audi RS Q3 gibt es jetzt die volle Leistung

Der Audi RS Q3 Sportback (2019) im Test

Die Probezeit ist rum: Audi verlängert den RS Q3 auf Generation zwei. Was das kompakte Power-SUV kann und wo es schwächelt, steht im Test.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 07/02/2020, 07:15 AM
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Quelle: TeamOn GmbH Angetrieben wird der Audi RS Q3 Sportback von einem 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbobenziner mit 400 PS

Das Experiment ist geglückt. Der erste Audi RS Q3 von 2013 beweist, dass die Kombination aus Kompakt-SUV und sportlichen Genen ein valides Geschäftsmodell ist. Es folgt die zweite Generation. Die Idee bleibt, aber das Auto wächst. Und es kommt in zwei Varianten: Neben der normalen Karosserieform bietet der Hersteller den RS Q3 mit flacher Dachlinie und coupéhaften Einflüssen als RS Q3 Sportback an.

Der Audi RS Q3 Quattro in Kürze

  • Audi RS Q3 Sportback: Kompakt-SUV mit Tiguan-Maßen
  • Fünfzylinder-Turbobenziner mit 400 PS
  • Traumhafte Klangkulisse nach der Warmlaufphase
  • Starker Antrieb, zahme Bremsen
  • Basispreis Audi RS Q3 Sportback: 65.000 Euro

Um das SUV fest in der RS-Palette zu verankern, steckt wieder ein Stück Tradition im Motorraum. Ein Fünfzylinder, herrlich kernig und bärenstark – fast wie damals, als Audi große Erfolge im Rallyesport einfuhr. Wie sich 400 PS in einem Auto mit Tiguan-Maßen anfühlen, warum es in einigen Punkten aus der üblichen RS-Norm ausbricht und was uns in zwei Wochen mit dem RS Q3 Sportback aufgefallen ist, liest Du in unserem Test.


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Audi RS Q3 Sportback

• Motor: 2,5-l-Fünfzylinder-Turbo
• Leistung: 400 PS
• 0-100 km/h: 4,5 s | Vmax: 250 km/h


RS Q3 Sportback: Kofferraumvolumen, Platzangebot, Abmessungen

Das Wort Sportback kann bei Audi vieles bedeuten. Für den RS Q3 gilt: Der Sportback hat weniger Platz, aber einen hübscheren Rücken. Die A-Säule steigt weniger steil an, das Dach ist etwa vier Zentimeter flacher und fällt früher ab. Das kostet Kopffreiheit im Fond und Raum über der Kofferraumabdeckung. Audi rechnet vor, dass darunter alles gleich bleibt. Effektiv passt trotzdem weniger hinein als in den RS Q3 ohne Sportback. Und hinten müssen Erwachsene den Kopf einziehen.

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Quelle: TeamOn GmbH Fällt die Rückbank, bietet der Audi RS Q3 1.400 Liter Stauraum

Es gibt noch weitere Unterschiede, zum Beispiel bei den Sicken. Letztlich bleibt der Sportback aber ein Q3: vierfünfzig lang, ganz schön hoch und mit genug Platz für Koffer und Knie. Vorn fällt das nicht auf – es ist also nur für Mitfahrer relevant.

Üblicherweise erkennt man einen RS auf den ersten Blick an der breiten Karosserie. Beim RS Q3 ist das nicht so. Kunststoff an den Radläufen trägt etwas auf, Schürzen und Schweller sorgen für einen bulligen Look. Immerhin: Die zweite Auflage des RS Q3 bekommt zwei ovale Endrohrblenden. Beim Vorgänger passt die doppelflutige Anlage nicht in die Architektur.

Innenraum, Verarbeitung, Materialien im Audi RS Q3

Edel sieht es aus im RS Q3. Allerdings kaum edler als im normalen Q3. Audi lockert das Cockpit mit einem geschickt platzierten Alcantara-Streifen auf, setzt Carbon-Spangen ein, bezieht Sportsitze mit elegant abgestepptem Leder und das Lenkrad mit feinem Alcantara. Das Infotainmentsystem ist hübsch in eine schwarz lackierte Fläche integriert und macht ordentlich Eindruck.

Unterm Strich vergisst man dennoch nicht, dass der Q3 zur Kompaktklasse gehört. Kunststoff ist ein Thema, auch wenn Audi ihn gut kaschiert. Dennoch klappert oder knirscht nichts, im Griffbereich fühlen sich die Oberflächen angenehm an und sehen schick aus. Hier und da zitiert Audi die schnelle Zeit von damals, zum Beispiel mit der alternativen Tachoanzeige. Die bringt keinen echten Mehrwert, sieht aber schick aus.

Audi RS Q3 Sportback: Infotainment, Radio, Bedienung mit Touch und Ton

Ein großes Display in der Armaturenbrett-Mitte steuert die meisten Funktionen des schnellsten Q3. Hier versammeln sich Navi, Musik, Telefon und Fahroptionen. Audi gestaltet das System übersichtlich, an die Struktur hat man sich schnell gewöhnt. Wie bei den größeren Modellen ist der Touchscreen elegant in das Cockpit eingelassen. Leider ist die Position ein Kompromiss aus Übersicht und Bedienbarkeit. Mit dem Ergebnis, dass beides nicht ideal gelöst ist.

Der Bildschirm sitzt nicht so recht im Blickfeld. Wer ihn während der Fahrt bedienen möchte, muss sich umständlich auf Schalthebel oder Alcantara-Leiste abstützen – oder er tippt einfach und hofft, dass er die passende Schaltfläche trifft. Die sind ausreichend groß, um die Fehlerquote klein zu halten. Das System erkennt Handschrift erstaunlich gut. Am besten funktioniert für komplizierte Befehle jedoch die Spracheingabe.

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Quelle: TeamOn GmbH Der Innenraum wirkt edel, einen Quantensprung zwischen Q3 und RS Q3 sollte man allerdings nicht erwarten

Ebenfalls hilfreich: Die Vielfältigkeit des digitalen Cockpits gleicht aus, dass der Infotainment-Monitor so weit unten sitzt. Statt eines klassischen Tachos gibt es einen weiteren Bildschirm. Er stellt geschickt die Navikarte dar, zeigt einen umfangreichen Bordcomputer oder die aktuelle Musik an. Viel lässt sich also mit den Tasten am Lenkrad bedienen. Beim RS Q3 gehören sogar die Fahrmodi dazu – eine spezielle RS-Taste schaltet durch zwei frei konfigurierte Programme.


Audi e-Tron dreiviertel-frontansicht
Audi Elektro-SUV

Der Audi e-Tron fährt bis zu 436 km rein elektrisch


Assistenzsysteme und Sicherheit im Audi RS6 2019

Die wichtigsten Helfer gibt es im RS Q3 serienmäßig: Er überwacht den Bereich vor der Motorhaube und warnt, wenn ein Aufprall droht. Beim Parken piepst er vor Hindernissen, am Berg rollt er nicht zurück und er warnt vor dem Spurwechsel. Gegen Aufpreis hält er Geschwindigkeit, Spur und Abstand. Insgesamt tut er das souverän und klug, manchmal etwas voreilig.

Audi RS Q3 (2019): Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Da ist sie, die Reminiszenz an die Vergangenheit. Fünfzylinder liebt Audi, weil sie so schön nach Tradition klingen. Das asymmetrische Brummen, das Röhren aus dem Pott und das Zwitschern des Turbos – all das gehört zur Bauform. Deshalb dröhnt im RS Q3 ein Sound in den Innenraum, der sich nach Rallyesport anfühlt. Sein Motor ist ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht markenintern, sondern insgesamt. Die Konkurrenz nimmt einen Zylinder mehr oder weniger. Wie gewöhnlich!

Audi betreibt viel Aufwand, um Individualität und Tradition zu sichern. Der Fünfzylinder wiegt in seiner aktuellen Entwicklungsstufe kaum mehr als ein Vierpötter mit gleicher Kraft. Dafür besteht der Block aus Alu, Lager sind reduziert, Wellen hohlgebohrt. Kürzlich bekam er einen Partikelfilter für saubere Abgase. Die sind allgemein nicht so wild, wie man es bei 400 PS erwarten könnte: Auf der sachte gefahrenen Pendelstrecke spritzt der RS Q3 9,3 Liter pro 100 Kilometer ein. Mit mehr Spaß und Tempo oder auf kurzer Strecke werden es allerdings 12 bis 15 Liter.

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Quelle: TeamOn GmbH Im Test verbraucht der RS Q3 9,3 Liter auf 100 Kilometer

Der moderne Fünfzylinder mag den Kaltstart nicht so recht. Dann tickert und klackert er, lärmt aber nicht. Später, mit der Temperatur wird aus dem Geräusch eine Melodie. Besonders unter Last: Erst holt der Turbo tief und gut hörbar Luft, dann prescht das Auto vorwärts. Gewaltig, mit enormer Kraft und toller Traktion. Ab zwei, vielleicht zweieinhalb tausend Touren trällert der fünfzylindrige Chor das Lied von damals aus allen Endrohren.

Beschleunigen geht gut im RS Q3. Sein Bordcomputer misst 4,8 Sekunden bis Tempo 100 – zu zweit und mit Gepäck. Da verzeihen wir ihm, dass er nicht die angegebenen 4,5 Sekunden schafft. Das Doppelkupplungsgetriebe legt flott die Gänge nach, im Sportmodus sogar mit einem kleinen Ruck. Dass man in einem mopsigen SUV sitzt, vergisst man dabei völlig. Besonders bei (optionalem) Tempo 280.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten des Audi RS Q3 Sportback

Sobald sich die Richtung ändert, erinnert man sich schnell wieder an Karosserieform und Gewicht. Zum Beispiel beim Bremsen auf der Autobahn. Während unseres Tests wird die Keramikbremse des RS Q3 zwar nicht schwammig, wir stellen kein Fading fest. Aber sie packt nicht so rabiat zu, wie wir es uns von einem RS-Modell gewünscht hätten. Der Druckpunkt kommt spät und der Zug an der Scheibe wirkt zu zahm. Wer gewaltig sprintet, sollte auch gewaltig verzögern können.

Der RS Q3 bringt eben eine Menge Masse mit, außerdem einen hohen Schwerpunkt – keine gute Basis für ein Auto mit sportlichem Anspruch. Audi kämpft mit der Abstimmung von Fahrwerk und Allradantrieb gegen Neigung und Nicken. In flott gefahrenen Kurven bremst das SUV vorn innen ab, um mehr Kraft nach außen zu bekommen. Verlädt man ihn geschickt, lässt er sich aus der Reserve locken. Wird es ihm zu bunt, regelt er aber die Leistung raus – trotz ESP in Spaß-Stellung.

Es ist ein Zielkonflikt: Der RS Q3 soll sportlich fahren, aber SUV bleiben. Seine Karosserie liegt tiefer als die der Basismodelle, er kämpft ordentlich gegen die Fliehkräfte. Aber er schafft es eben nicht, sich so handlich anzufühlen wie ein Kompakter. Dafür ist seine Bremse zu zäh, die Masse zu hoch, der Schwerpunkt zu präsent. In seinem Segment haben allerdings alle ein Gewichtsproblem.


Audi Q3 Sportback
Audi Q3 Sportback

SUVs mit hübschem Rücken liegen im Trend. Darauf reagiert Audi und verpasst dem Q3 die Coupé-Silhouette.


Ausstattung, Preise, Kosten, Fazit zum Audi RS Q3 Sportback

Wir sind zwiegespalten. Der RS Q3 ist ein verdammt schnelles Auto mit Gänsehaut-Sound. Und er nimmt das RS-Thema wörtlicher als sein kompromissbehafteter Vorgänger. Offenbar haben viele Menschen nach einem kompakten Performance-SUV gefragt – andernfalls wäre Generation zwei vor der Entwicklung gescheitert. Das Gegenteil ist passiert: Es gibt jetzt zwei von dieser Sorte.

Andererseits macht das Auto fahrerisch alles schlechter als ein vergleichbarer Kompakter. Der wäre (im Falle des kürzlich ausgelaufenen Audi RS3) leichter, flinker, agiler und sparsamer. Die Vorteile eines SUVs (Übersicht, Höhe) haben in einem Auto mit sportlichem Anspruch nichts zu suchen. Sie sind aber die Antwort auf eine konkrete Nachfrage. Wenn es also unbedingt ein SUV sein muss und man nicht bis 2021 auf den neuen RS3 warten kann, dann ist der RS Q3 eine solide Option – abzüglich der Macken.

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Quelle: TeamOn GmbH Für den Audi RS Q3 in der Ausstattung unseres Testwagen verlangt Audi 89.649 Euro

Der RS Q3 kostet mindestens 63.500 Euro, als Sportback 65.000 Euro. Serienmäßig steckt allerdings noch nicht viel im Auto. Audi spendiert immerhin ein großes Radio – es gibt also kein Ablage-Loch im Armaturenbrett wie beim Basis-Q3. Parkpiepser und Sportsitze sind ebenfalls drin. Allerdings spannt Kunstleder auf den Stühlen, der Klimaanlage fehlt die Automatik. Und das digitale Cockpit ist kein Upgrade zum Serienmodell. Insgesamt fehlt also viel, um glücklich zu sein.

Dazu sollte auf jeden Fall das adaptive Fahrwerk zählen – dem RS-Sportfahrwerk sagt man unangenehme Härte nach. Erfahrungsgemäß darf es bei Audi gern die maximale Bremsleistung sein. Keramik vorn kostet knapp 5.000 Euro extra. Dazu noch ein bisschen Assistenz, Komfort und viel Optik. In unserem Testwagen summiert sich das auf rund 90.000 Euro.

Etwas günstiger geht es mit dem normalen RS Q3. Der startet mit identischer Ausstattung bei 63.500 Euro und ist geräumiger als der Sportback. In den Basismodellen rechtfertigt Audi den Preisunterschied zwischen den Karosserieformen mit der sportlicheren Ausstattung des Sportback. Die ist im RS-Modell hinfällig.

Audi RS Q3 Sportback Quattro: Technische Daten

ModellAudi RS Q3 Sportback (F3, 2019)
Motor2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbobenziner
Leistung400 PS (294 kW) b. 5.850-7.000 U/min 
Drehmoment480 Nm b. 1.950-5.850 U/min 
AntriebSiebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad 
0-100 km/h4,5 s 
Geschwindigkeit250 km/h (optional: 280 km/h)
Verbrauch8,8 l/100 km (NEFZ)
CO2-Ausstoß202 g/km 
Testverbrauch9,3 l/100 km 
Länge4.507 mm 
Breite1.851 mm (mit Spiegeln: 2.024 mm)
Höhe1.557 mm 
Radstand2.680 mm 
Leergewicht1.775 kg 
Anhängelast1.900 kg 
Kofferraumvolumen530-1.400 l 
Basispreis Audi Q3 Sportback34.400 Euro
Basispreis Audi RS Q3 Sportback65.000 Euro 
Preis des Testwagens89.649,98 Euro 

Der Audi RS Q3 Sportback in Bildern

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    Quelle: TeamOn GmbH Keramikbremsen stoppen den Audi RS Q3
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    Quelle: TeamOn GmbH Die Rückleuchten gestaltet Audi kantiger als beim Vorgänger
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    Quelle: TeamOn GmbH Der Basispreis für den Audi RS Q3 beträgt 65.000 Euro
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  • Audi RS Q3 (16)
    Quelle: TeamOn GmbH Fällt die Rückbank, bietet der Audi RS Q3 1.400 Liter Stauraum
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    Quelle: TeamOn GmbH Der Innenraum wirkt edel, einen Quantensprung zwischen Q3 und RS Q3 sollte man allerdings nicht erwarten
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