Kannst Du selbst ein Elektroauto bauen?

Wie Du Dein Auto in ein Elektroauto verwandeln kannst

Immer mehr Autobesitzer bauen ihre konventionellen Autos mit Verbrennungsmotor in Elektroautos um. Das wundert kaum, denn einerseits gewinnen Elektroantriebe immer mehr an Akzeptanz. Außerdem wird das Fahren gerade mit älteren Verbrennungsmotoren immer weiter eingeschränkt. Die Modifikation ist jedoch mit viel Arbeit und entsprechend viel Zeit verbunden. Zudem ist technisches Know-how gefragt. Wir sagen Dir, worauf Du achten musst.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Immer mehr Menschen lassen ihr Auto zu einem Elektroauto umrüsten.
Quelle: Ulrich Perrey (dpa) Immer mehr Menschen lassen ihr Auto zu einem Elektroauto umrüsten

Eine atemberaubende Schönheit, keine Frage. Der Jaguar E-Type mit geöffnetem Stoffdach lauert auf dem Asphalt und scheint zum Sprung bereit. Gleich wird der 50 Jahre alte Sechszylinder des Autos knurren und beim Start laut aufheulen. Doch dann passiert – nichts. Beim Fahren gibt das Auto nicht mehr als ein leises Summen von sich.
Der E-Type, eine Ikone der Sechziger- und Siebzigerjahre, hat eine moderne – und vor allem elektrische – Technik unter der Haube. Der sogenannte „E-Type Zero“ ist eine neue Kreation von Jaguar. Dafür hat der Automobilhersteller aus einem Modell der Serie 1,5 von 1968 den Sechszylinder-Reihenmotor aus- und stattdessen einen elektrischen Motor eingebaut. Dieser leistet 300 PS und damit deutlich mehr als das ursprüngliche Triebwerk. Ein 40-kWh-Lithium-Ionen-Akku liefert die Energie für den emissionsfreien Klassiker der Marke. Fans des britischen Königshauses kennen den elektrischen E-Type von der Hochzeitsfeier für Prinz Harry und Meghan Markle.

Warum Umrüstungen auf Elektroantrieb immer beliebter werden

Der Jaguar ist kein Einzelfall. Immer mehr Autofans rüsten klassische Automobile auf einen modernen Elektroantrieb um. Denn einerseits werden Elektroautos aus ökologischen Gründen immer beliebter. Andererseits fürchten Besitzer von klassischen Oldtimern künftige Restriktionen, zum Beispiel Fahrverbote.
Außerdem lockt in Deutschland eine Befreiung von der Kfz-Steuer für zehn Jahre. Im Prinzip lässt sich jedes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zum Elektroauto umrüsten. Ob aktuelles Modell oder Oldtimer spielt dabei keine Rolle.
Allerdings handelt es sich dabei um ein technisch aufwendiges Projekt, das viel Zeit braucht. Das Fahrzeug sollte in einem guten technischen Zustand sein, damit der Umbau zum E-Auto auch langfristig sinnvoll ist. Wenn Du selbst Hand anlegen willst, solltest Du über technisches Know-how verfügen – sowohl, was die Mechanik angeht, als auch beim Thema Elektrotechnik. Alternativ kannst Du die Hilfe von spezialisierten Werkstätten in Anspruch nehmen, die solche Umbauten schlüsselfertig anbieten.
Generell ist es einfacher, ältere Fahrzeuge zum Elektromobil umzubauen. Das liegt an der deutlich weniger komplexen Technik. Elektroniksysteme wie Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), Notbremsassistent oder Wegfahrsperre haben sie in der Regel nicht. Auch bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe ist der Umbau deutlich einfacher als bei Wagen mit Automatikgetriebe. Zudem sind ältere Autos meist deutlich leichter als moderne. Ein wichtiger Aspekt: Das umgebaute Elektrofahrzeug darf das zulässige Höchstgewicht nicht überschreiten.

Für eine Umrüstung sind, neben der Batterie, zusätzliche Komponenten notwendig.
Quelle: Ulrich Perrey (dpa) Für eine Umrüstung sind, neben der Batterie, zusätzliche Komponenten notwendig

Darauf kommt es beim Umbau zum Elektrofahrzeug besonders an

„Am besten eignen sich Fahrzeuge bis zum Baujahr 2002 oder älter, da die Elektronik dann in der Regel nicht so viele Probleme macht. Auch neuere Fahrzeuge lassen sich dank EMV-geprüfter Komponenten umbauen“, empfiehlt die Lorey Maschinenbau GmbH. Das Offenbacher Unternehmen ist auf den Umbau zum elektrischen Auto spezialisiert. Inklusive TÜV-Abnahme rechnet Lorey mit einer Umbauzeit von einigen Wochen. Länger kann es dauern, wenn zum Beispiel Batterien nicht schnell genug geliefert werden.
Mit dem Einbau des elektrischen Motors und vor allem der schweren Akkus kann der Wagen deutlich an Gewicht zulegen. Beim eigenhändigen Umbau solltest Du deshalb vor allem darauf achten, das zulässige Gesamtgewicht nicht zu überschreiten. Genauso wichtig ist, dass ausreichende Gewichtskapazitäten für Passagiere und Gepäck bleiben. Je geringer das Gewicht, desto niedriger später der Verbrauch. Gleichzeitig steigt die Reichweite. Entsprechend solltest Du die Dimensionierung des Akkus planen. Ein großer Akku hält länger, bedeutet aber auch mehr Gewicht und lange Ladezeiten. Ein kleiner Akku spart Gewicht, reduziert aber auch die mögliche Fahrdistanz. Letzteres lohnt sich also eher für Elektroautos im Kurzstreckenbetrieb. Der Alltagsverkehr in der Stadt ist aber ohnehin eine klassische Domäne von Elektroautos.

Bausatz oder selber planen – was für den Umbau notwendig ist

Damit Elektromotor und Batterien zuverlässig arbeiten, brauchst Du zusätzliche Komponenten. Dazu gehören beispielsweise ein stabiler Behälter für die Batterien, verschiedene Controller und ein Batteriemanagementsystem. Auch ein Adapter für das Getriebe, ein Gaspedal mit Steuerung, Verkabelungen sowie eine Anzeige für den Ladezustand der Batterie sind notwendig.
Wenn Du den Einbau eigenhändig angehst, hast Du zwei Alternativen. Du kannst alle Komponenten selbst beschaffen oder Dich für einen Bausatz entscheiden. Ersteres kann Geld sparen, ist aber deutlich zeitaufwendiger und erfordert technischen Sachverstand. Leichter wird es mit einem Bausatz, der bereits alle erforderlichen Komponenten enthält.
Wichtig ist auch die Frage, welchen Ladeanschluss Du wählst. In den USA ist der Typ 1 verbreitet, in Europa eher Typ 2. Alternativ kannst Du einen stärkeren, auf Gleichstrom erweiterten Anschluss verbauen.

Nachdem Du dein Auto zum Elektromobil umgerüstet hast solltest Du darauf achten dein Auto regelmäßig aufzuladen.
Quelle: Ulrich Perrey (dpa) Nachdem Du dein Auto zum Elektromobil umgerüstet hast solltest Du darauf achten dein Auto regelmäßig aufzuladen

Preise: Das kostet die Umrüstung 

Welche Kosten am Ende für den Umbau fällig sind, hängt von der Dimensionierung des Elektromotors und der Akkus ab. Sie sind die größten Posten in der Rechnung; starke Motoren und Akkus können den Preis enorm in die Höhe treiben. Auch die erforderlichen Controller sind vergleichsweise teuer. Elektromotoren mit rund 30 Kilowatt (kW) Leistung beginnen bei etwa 2.000 Euro. Für Akkus solltest Du mit 6.000 bis 8.000 Euro rechnen. Für den kompletten Bausatz solltest Du mindestens 10.000 Euro einplanen. Willst Du mehr Leistung und Reichweite für Dein neues Auto, können die Gesamtkosten auch bei 20.000 Euro liegen – bei eigenhändigem Zusammenbau.
Die ohnehin verhältnismäßig hohen Kosten steigen noch an, wenn Du ein Unternehmen beauftragst. Spezialisierte Fachbetriebe haben aber einen großen Vorteil: Das Risiko, dass der Umbau nicht funktioniert beziehungsweise nicht vom TÜV abgenommen wird, liegt nicht bei Dir. Für die Dienstleistung berechnet beispielsweise die Firma Fleck Machines in Pfarrkirchen rund 4.000 Euro – ohne Materialkosten.

Nach der Umrüstung: Ein komplett neues Fahrgefühl

Die Fahrt in einem Elektroauto ist ein ganz anderes Erlebnis als in einem herkömmlichen Fahrzeug. Elektromotoren sind leise, leisten viel Drehmoment und das unmittelbar und sehr eindrucksvoll. Ihre Beschleunigung ist auch bei schwachen Motoren eine Offenbarung.
Zentrales Thema bei der Elektromobilität ist nach wie vor die Reichweite. Sie variiert stark und liegt zwischen 100 und 500 Kilometern. Da spontanes Auftanken nicht immer möglich ist, solltest Du längere Fahrten gut planen beziehungsweise das Elektroauto regelmäßig über Nacht aufladen. Bei längeren Fahrten musst Du auch die Topografie der Strecke einkalkulieren: Bergauf leert sich der Akku rascher. Beim Fahren bergab lädt er sich mittels Rekuperation wieder auf. Wird die Ladung des Akkus knapp, kannst Du die Klimaanlage und andere Verbraucher ausschalten. Auch die Klimabedingungen spielen eine Rolle. Je kälter es ist, desto geringer ist die Reichweite. Das spielt vor allem im Winter eine große Rolle.

Das brauchst Du für die Umrüstung

  • Elektromotor
  • Motorcontroller
  • Konverter
  • Batterie
  • Batteriemanagementsystem
  • Vakuumpumpe
  • Getriebeadapter
  • Gaspedal mit Steuerung
  • Anzeige Ladezustand
  • Halterungen für Motor und Batterien
  • Kabel
  • Sicherungen



Umgerüstetes E-Auto: Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
100 Prozent emissionsfreihoher Kostenaufwand für die Umrüstung; ggf. lohnt die Anschaffung eines „fertigen“ Modells (zum Beispiel Audi e-tron oder e-Golf von Volkswagen)
reduzierte Steuerbeiträge; unter anderem entfällt die Kfz-Steuer für zehn Jahre, danach zahlst Du reduzierte Beiträge gefährlicher Umbau (zum Beispiel wegen Hochvoltbatterie)
niedrigere Wartungskosten, weil das E-Auto weniger Verschleißteile (zum Beispiel Zylinder, Anlasser oder Auspuff) hatGesamtgewicht des Autos darf nicht überschritten werden; Batterien im E-Motor sind aber oft sehr schwer
keine Ölwechsel mehr notwendigwenn der TÜV das Elektrofahrzeug nicht zulässt, können teure Nachbesserungen nötig sein
fertige Bausätze für die Umrüstung vorhanden
keine Umweltplaketten notwendig