Das woll wichtigste Sicherheitsfeature im Auto

Was Du zum Airbag wissen solltest

Nach dem Sicherheitsgurt ist der Airbag das wohl bedeutendste Sicherheitsfeature im Auto. So leistet das in der Fachsprache SRS („Supplemental Restraint System“, englisch für „Ergänzendes Rückhaltesystem“) genannte System einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Sicherheit im Fahrzeug. Wir erklären, was ein Airbag genau ist, wie er funktioniert und ab welcher Geschwindigkeit Airbags automatisch auslösen.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Nach dem Sicherheitsgurt ist der Airbag das wohl bedeutendste Sicherheitsfeature überhaupt im Auto.
Quelle: Andrea Warnecke (picture alliance / dpa Themendienst) Nach dem Sicherheitsgurt ist der Airbag das wohl bedeutendste Sicherheitsfeature überhaupt im Auto

Etwa 20 Prozent der schweren oder tödlichen Verletzungen bei Frontalkollisionen in den Jahren 1990 bis 2000 hätten mit einem Airbag vermieden werden können. Das ergab eine Studie, die der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC), der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und die IFM-Unternehmensgruppe gemeinsam erstellt haben. Das Bundesamt für Straßenwesen hat die Studie 2004 veröffentlicht.

Crashtests, bei denen das gleiche Fahrzeug einmal mit und einmal ohne Airbag getestet wurde, zeigten zudem eine deutlich höhere Belastung der Insassen im Fahrzeug ohne Airbag. Es steht also außer Frage, dass der Airbag Leben retten kann. Was genau aber macht ein Airbag-System eigentlich aus?

Was ist ein Airbag-System?

Wie der Sicherheitsgurt gehört der Airbag zu den Insassenrückhaltesystemen in Kraftfahrzeugen. Ein Airbag besteht aus einem Kunststoffsack, der sich im Fall eines Unfalls ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h innerhalb von Millisekunden zwischen dem Insassen und der Stelle des Innenraums, an der der Airbag verbaut ist, entfaltet. Es gibt Fahrer-Airbags, Beifahrer-Airbags, Kopf-Airbags und Knie-Airbags, um nur einige Varianten zu nennen. Neben dem Luftsack selbst ist der wichtigste Bestandteil des Airbag-Systems das Steuergerät. Es befindet sich in der Regel im Armaturenbrett oder im Mitteltunnel. Airbags gehören heute in allen Fahrzeugklassen zum Standard.

Binnen weniger Millisekunden entfaltet sich der Airbag zwischen dem Insassen und Fahrzeug.
Quelle: Fotoreport DaimlerChrysler ((c) dpa) Binnen weniger Millisekunden entfaltet sich der Airbag zwischen dem Insassen und der Stelle des Innenraums, an der er verbaut ist

Funktionsweise eines Airbags

Der Lenkrad-Airbag besteht unter anderem aus einem Luftsack mit einem Volumen von knapp 70 Litern, aus dem Luftsackhalter, dem Generator auf dem Generatorträger und der Airbag- oder Lenkradabdeckung. Bei einem Unfall wird der Generator vom Steuergerät gezündet. Durch einen Zündstrom wird dabei ein dünner Draht erhitzt, der die Zündpille aktiviert. Allerdings kommt es nicht zu einer Explosion, sondern zu einem Abbrand der Treibladung, die aus Natriumazid besteht. Das nun entstehende Gas expandiert und reagiert mit dem Oxidator zu fast reinem Stickstoff, der schließlich den Luftsack füllt. Da Natriumazid stark gesundheitsschädlich ist, greift man auch auf andere Festbrennstoffe als Treibladung zurück. 

Wie funktionieren die Airbag- Sensoren?

Die Crash- oder Beschleunigungssensoren sitzen meist direkt im Steuergerät. Um Fehlauslösungen des Systems zu vermeiden, sind immer mindestens zwei Airbag Sensoren verbaut. Meist arbeiten die Sensoren nach dem Feder-Masse-System. Dabei befindet sich im Sensor eine Gewichtsrolle, die mit genormten Gewichten gefüllt wird. Diese Gewichtsrolle ist meist mit einem Bronzefederband umwickelt, deren Ende jeweils an der Gewichtsrolle und dem Gehäuse des Airbag Sensors befestigt ist. Diese Konstruktion aktiviert die Gewichtsrolle nur dann, wenn die Krafteinwirkung aus einer bestimmten Richtung kommt. Bei einer Krafteinwirkung rollt die Gewichtsrolle dann entgegen der Bronzefederkraft aus und schließt mittels eines Kontaktes den Stromkreis zum Steuergerät. 

Von den Crashsensoren zu unterscheiden sind die Drucksensoren. Diese Sensoren werden in den Türen des Autos verbaut. Kommt es zu einem Unfall und damit auch zu einer Gefahr für die Passagiere im Auto, reagieren die Sensoren auf den auf die Türen ausgeübten Druck. Experten warnen eindringlich davor, nach Arbeiten an den Türen die Türabdichtungsfolien nicht wieder ordnungsgemäß einzubauen. Kommt es aufgrund einer falsch montierten Türabdichtungsfolie während eines Unfalls zu einem Druckverlust, so kann die Funktion der Sensoren beeinträchtigt werden. Das kann zu einer Gefahr für die Passagiere im Auto werden.

Der ins Steuergerät integrierte Safing-Sicherheitssensor schließlich löst keinen Airbag aus. Die Funktion dieses Airbagsensors ist, ein unbeabsichtigtes Auslösen des Airbags zu vermeiden. Dafür schließt er den Zündkontakt mithilfe eines Magneten. 

Im Fall eines Unfalls wird der Airbag durch den Aufprall aktiviert und entfaltet. Dazu bläst er sich mit Luft auf.
Quelle: Fotoreport DaimlerChrysler ((c) dpa) Im Fall eines Unfalls wird der Airbag durch den Aufprall aktiviert und entfaltet. Dazu bläst er sich mit Luft auf

Wie schnell reagieren Airbags?

Die theoretische Funktionsweise eines Airbags ist das eine; doch letztendlich kommt es vor allem auf die Reaktionszeit des Airbags in Gefahrensituationen an. Der Fahrer- beziehungsweise Lenkrad-Airbag wird innerhalb von 30 Millisekunden ausgelöst; nach 55 Millisekunden ist er vollständig aufgeblasen. Die Auslösung des Beifahrerairbags erfolgt zehn Millisekunden, nachdem der Fahrer-Airbag gezündet hat. Grund dafür ist, dass der Beifahrer durch das fehlende Lenkrad einen größeren Abstand und damit einen längeren Weg zum Armaturenbrett hat. Die Seiten-Airbags dagegen zünden viel schneller; sie sind schon nach 22 Millisekunden in Gänze gefüllt. Das erklärt sich dadurch, dass die Fahrzeugseite im Gegensatz zur Fahrzeugfront keine Knautschzone hat und so schneller deformiert wird.

Auslöseschwellen

Moderne Steuergeräte speichern Informationen, die aus diversen Crashtests gewonnen wurden. So ist es möglich, Unfälle nach ihrer „Crashschwere“ einzuteilen. Man unterscheidet vier Kategorien:

  • „Crashschwere 0“ steht für einen leichten Unfall ohne Airbag-Auslösung.
  • „Crashschwere 1“ meint einen mittleren Unfall, bei dem eine Airbag-Auslösung in der ersten Stufe möglich sei.
  • Bei „Crashschwere 2“, schwerer Unfall, werden die Airbags in der ersten Stufe ausgelöst.
  • Bei einem sehr schweren Unfall werden die Airbags in der ersten und zweiten Stufe ausgelöst. Dann spricht man von „Crashschwere 3“.

Kinder und Airbags

Große Sorgfalt ist beim Einsatz eines rückwärtsgerichteten Kindersitzes auf dem Beifahrersitz vonnöten. Hier muss der Beifahrerairbag zwingend deaktiviert werden. Geschieht das nicht, kann es bei einem Unfall durch die Sitzbelegungserkennung zu einer Auslösung des Airbags und damit zu schweren Verletzungen kommen, warnt der ADAC. Ist eine Abschaltung nicht möglich, muss der Kindersitz auf dem Rücksitz transportiert werden.

Am Ende ist der Airbag vollständig aufgeblasen und hat sein Gesamtvolumen von knapp 70 Litern erreicht.
Quelle: Fotoreport DaimlerChrysler ((c) dpa) Am Ende ist der Airbag vollständig aufgeblasen und hat sein Gesamtvolumen von knapp 70 Litern erreicht

Was bedeutet die Airbag-Kontrollleuchte?

Leuchtet die Airbag-Kontrollleuchte, liegt ein Problem am Sicherheitssystem vor. Es muss sich aber nicht zwingend um einen Defekt handeln. Auch eine entladene Batterie, ein Problem mit dem Kontakt des Airbags oder ein wegen des Kindersitzes deaktivierter Beifahrerairbag kann die Ursache sein. Falls es sich aber tatsächlich um einen dauerhaften Systemfehler handelt, solltest Du den Fehlerspeicher in einer Werkstatt auslesen lassen.

Die Geschichte des Airbags

Schon 1951 erhielt der Münchner Erfinder Walter Linderer ein Airbag-Patent. Zwei Jahre später folgte der Amerikaner John W. Hetrick mit seiner Variante. Serienreif waren diese Systeme aber nicht. Sie scheiterten daran, den Luftsack in kürzester Zeit mit Druckluft zu füllen. Die Entwicklung der heute üblichen pyrotechnischen Gasgeneratoren begann erst 1968 mit dem Amerikaner Allen K. Breed, der nun einen deutlich verbesserten Airbag vorstellte. Ab 1974 bot General Motors gegen Aufpreis für viele Modelle das „Air Cushion Restraint System“ (ACRS) an.

1981 war die Mercedes S-Klasse das erste deutsche Auto mit Airbag. 1988 kam der Beifahrer-Airbag, 1995 der Seiten-Airbag, 1997 der Vorhang-Airbag, 2001 der Knie-Airbag, 2002 der Sitzpolster-Airbag und 2009 der Heck-Airbag. Ein Gurt-Airbag ist in Entwicklung.

Airbag-System-Komponenten

  • Luftsack
  • Wickelfeder
  • Sitzbelegungserkennung
  • Airbag Verkabelung
  • Gurtstraffer
  • Gurtkraftbegrenzer
  • Batterieabschaltung