Weicher Schwede mit großem Durst

Volvo XC60 D5 AWD (2018) Alltagstest

Volvo setzt beim Mittelklasse-SUV XC60 auf Komfort statt Dynamik. Und vergisst die Effizienz. Wie sich der XC60 D5 AWD im Alltag fährt, Liest Du im Test.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 08/02/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Der Volvo XC60 ist das Zugpferd der Schweden. 2018 entfielen etwa ein Drittel der Verkäufe auf das SUV
Quelle: Peter Besser für mobile.de Der Volvo XC60 ist das Zugpferd der Schweden. 2018 entfielen etwa ein Drittel der Verkäufe auf das SUV

Hübsch sind die neuen Volvos ja alle irgendwie. Doch so wichtig wie der XC60 ist kein anderes Auto der Schweden. 2018 entfiel ein Drittel der Verkäufe auf das Mittelklasse-SUV. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr, doch seitdem hat Volvo den kleinen Konkurrenten XC40 gebracht. Insgesamt konnte Volvo seinen Absatz um fast 50 Prozent steigern. Wir sind den Bestseller XC60 als D5 AWD zwei Wochen im Alltag gefahren.

Karosserie, Platzangebot, Abmessungen

Im Vergleich zur Konkurrenz sitzen Hinterbänkler gut im Volvo XC60. Anders als BMW X3 oder Mercedes GLC baut Volvo den Motor quer unter die Haube, das spart Platz, der sich hinten auszahlt. Hinter der zweiten Reihe wird es jedoch enger. Die schräg stehende Heckscheibe raubt Ladevolumen. 505 Liter passen ins Heck, bei umgelegter Rückbank bis zu 1.432 Liter. Das liegt im Klassenvergleich am unteren Ende.

Die Handhabung fällt dafür denkbar angenehm aus. Vom Kofferraum aus lassen die Lehnen sich per Knopfdruck elektrisch umlegen. Die schmalen Kopfstützen klappen zuvor nach vorne, damit sie nicht an den Vordersitzen anecken. Wer 1.100 Euro für das Laderaum-Paket Pro anlegt (oder 750 bei höheren Ausstattungen), bekommt eine automatische Heckklappe, eine 12-Volt-Steckdose sowie ein Gepäckraum-Trennnetz. Außerdem ist der schlüssellose Zugang Teil des Pakets. Das machte das Leben mit unserem Testwagen angenehm.

Innenraum, Verarbeitung, Materialien

In der Topausstattung Inscription bezieht Volvo das Armaturenbrett mit hübschem Leder-Imitat, das lässt den Innenraum besonders hochwertig erscheinen. Im Testwagen spannte dazu hellbeiger Stoff an Himmel und Säulen, außerdem cremefarbenes Leder mit Perforation über den Sitzen. Dazu gab es helle Teppiche. Im Alltag eine empfindliche Kombination, von der man vor allem dann Abstand nehmen sollte, wenn man Kinder hat oder öfter Grobes transportiert. Das helle Leder auf den Sitzen scheint zudem leicht die Hosenfarbe des Fahrers anzunehmen.

Fondansicht des Volvo XC60. Auf der Rückbank gibt es auch für längere Reisen ausreichend Platz
Quelle: Peter Besser für mobile.de Beim Kofferraumvolumen sticht der Volvo XC60 im Klassenvergleich zwar nicht hervor. In der zweiten Reihe aber gibt es auch für längere Reisen ausreichend Platz

Die Haptik passt im XC60. Lediglich die Oberflächen einiger Knöpfe und Schalter könnten etwas hübscher verarbeitet sein. Die Zierleisten in hellem, offenporigen Holz gefielen uns sehr gut.

Assistenzsysteme und Sicherheit

Volvo rüstet den XC60 schon serienmäßig mit vielen Assistenzsystemen aus. Er bremst im Notfall, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Das System erkennt auch Tiere und Fahrradfahrer. Dazu unterstützt ein Lenkassistent beim Ausweichen. Nach einem Unfall bremst der XC60 automatisch bis zum Stillstand, um Folgeunfälle zu vermeiden. Er hilft, die Spur zu halten, erkennt Verkehrszeichen und schützt vor dem versehentlichen Verlassen der Fahrbahn. Serienmäßig baut Volvo LED-Scheinwerfer ans Auto.

Unser Testwagen kam zusätzlich mit dem Assistenzpaket Intellisafe Pro. Für 1.750 Euro fährt der XC60 dann unter anderem teilautonom Dank “Pilot Assist”. Bis zu Geschwindigkeiten von 130 km/h soll der XC60 weitgehend eigenständig lenken können. 

In der Praxis überzeugt das System jedoch nicht. Es lenkt zum Teil aufdringlich und mit viel Kraft gegen die natürlichen Bewegungen des Fahrers. Man kämpft zu oft dagegen an, weil es eine Linie wählt, die weder gewünscht noch vorteilhaft ist. Im Paket sind jedoch auch Toter-Winkel-Warner und Querverkehrswarner, dazu erkennt das System einen drohenden Heckaufprall und bereitet den Innenraum darauf vor, um Verletzungen der Insassen zu mildern.

Infotainment, Radio, Bedienung

Schon im Basismodell versenkt Volvo einen Bildschirm mit 9-Zoll-Diagonale hochkant im Armaturenbrett. Das System namens Sensus Connect wird per Fingerwisch bedient. Das lenkt etwas mehr vom Verkehrsgeschehen ab, als ein Dreh-Drück-Steller. Die Struktur funktioniert ähnliche wie beim Handy, aber besser organisiert: Auf dem Homescreen werden die wichtigsten Menüpunkte gruppiert, nach links wischt man zu allen Einstellungen für Fahrfunktionen, rechts zum Infotainment im engeren Sinn. Wer vom oberen Bildschirmrand nach unten wischt, greift auf Grundeinstellungen zu.

Cockpitansicht des Volvo XC60
Quelle: Peter Besser für mobile.de Das Infotainment ist logisch aufgebaut und intuitiv bedienbar. Ab der Ausstattung Momentum Pro gibt es zudem das Navigationssystem serienmäßig dazu

Das Navigationssystem gibt es ab der zweiten Ausstattung Momentum Pro serienmäßig, zeitgleich finden die Smartphone-Standards Apple Carplay und Android Auto ins Fahrzeug. Schon Momentum wird inzwischen mit dem digitalen Instrumententräger ausgeliefert. Ursprünglich gab es den nur gegen Aufpreis ode in höheren Ausstattungen. Heißt also: Freunde analoger Instrumente, werden beim Volvo nicht mehr fündig.

Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Für den Antrieb unseres XC60 mit Allradantrieb ist ein 2,0-Liter-Diesel mit 235 PS und 480 Nm Drehmoment zuständig, der aktuell  (06/2019) nicht im Angebot ist. Dabei passt der Motor recht gut zu dem SUV. Das wiegt mit etwa zwei Tonnen ganz schön viel für die Mittelklasse. Doch reichlich Drehmoment und ordentlich Leistung drücken den Allradler flott nach vorne. Allerdings hört er sich dabei ziemlich rau an. Die Achtgang-Automatik schaltet komfortabel, aber nicht übermäßig schnell.

Das hohe Gewicht und der Allradantrieb machen sich leider beim Verbrauch bemerkbar. Im dichten Stadtverkehr oder auf der Autobahn zeigt der Bordcomputer schnell fast 10 Liter auf 100 Kilometern an. Auf der Landstraße flossen bei entspannter Fahrt immer noch mehr als sieben Liter im Schnitt aus dem Tank. Im Mix sollen es nach dem strengen WLTP-Standard rund 6,0 Liter sein. Das dürfte kaum erreichbar sein.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten

Volvo legt den XC60 in jeder Hinsicht komfortabel aus. Die Lenkung bietet wenig Rückmeldung und nur geringen Gegendruck. Im Stadtverkehr fühlt der XC60 sich dadurch leicht an. Auf der Landstraße kann das SUV seine zwei Tonnen dann nicht mehr verstecken und die indifferente Lenkung stört ebenfalls ein wenig. Auf der Autobahn läuft das SUV jedoch gut geradeaus.

Unser Testwagen federte mit dem optionalen Luftfahrwerk. Das bügelt Kanten und Schläge  vorbildlich aus und lässt ihn geschmeidig über allerlei Verwerfungen gleiten. Der XC60 kippelt nie ungelenk über Verwerfungen und rollt trotz der großen Räder recht ordentlich ab. Der Dynamik-Modus strafft das Fahrwerk, verhärtet es aber nicht unangenehm.

Ausstattung, Preise, Kosten

Aktuell (06/2019) hat Volvo den kräftigen D5 nicht im Angebot. Der mit 190 PS und 400 Newtonmetern ausreichend kräftige D4 kostet mit Allrad und Achtgang-Automatik 47.800 Euro. Wir empfehlen ehr die Ausstattung Momentum Pro für 1.900 Euro. Die getestete Inscription-Ausstattung kostet mit dem D4 mindestens 54.000 Euro. Das muss nicht sein, bringt aber mit dem Armaturenbrett in Lederoptik, Echtholzeinlagen und Ledersitze eine Menge Luxus ins Auto.

Wer darauf verzichten kann, wird schon mit Momentum Pro recht glücklich. Das große Infotainmentsystem ist an Bord, viele Sicherheitsassistenten und die elektrische Heckklappe. Das große Sicherheitspaket Intellisafe Pro treibt den Preis (1.750 Euro), auf die adaptiven Voll-LED-Scheinwerfer würden wir ebenfalls nicht verzichten wollen, sie kosten im Paket mit Ambiente-Licht 1.500 Euro. Das tolle Luftfahrwerk steht mit knapp 2.300 Euro in der Preisliste. Auf Nappaleder-Sitze muss man bei Momentum Pro leider verzichten. Alles in allem ist der Volvo XC60 ganz schön teuer. Unser Testwagen landete bei fast 80.000 Euro. Ausstattungsbereinigt zahlt man jedoch auch nicht mehr, als für einen vergleichbaren BMW X3, Audi Q5 oder Mercedes GLC.

Fazit zum Volvo XC60: Premium-SUV zum hohen Preis

Wer ein sportliches SUV sucht, ist beim Volvo XC60 D5 AWD wohl nicht an der richtigen Adresse. Mehr als bei anderen SUV der Klasse steht das Gewicht allzu viel Dynamik im Weg. Damit kann man gut leben. Volvo legt den XC60 zum Gleiten aus, nicht zum Jagen. Passt also. Der hohe Verbrauch stört das Gesamtbild nachhaltiger. Andere SUVs in der Klasse kommen trotz Allrad mit weniger aus.
 
Trotzdem stellt Volvo mit dem XC60 eine schöne Alternative zu Audi, BMW und Mercedes auf die Räder. Der XC60 kann Komfort besser als viele, bei der Sicherheit fährt er ebenfalls vorne mit - wenn man das teilautonome Fahren ausklammert.



Technische Daten Volvo XC60 D5 AWD

  • Antrieb: 2,0-l-Vierzylinder-Diesel, Turbo
  • Leistung: 235 PS (173 kW) bei 4.000 U/min
  • Drehmoment: 480 Nm bei 1.750-2.250 U/min
  • Getriebe: Achtgang-Automatik, Allradantrieb
  • 0-100 km/h: 7,2 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
  • Verbrauch: 5,6-6,0 l/100 km
  • CO2: 147-158 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  • Testverbrauch: 8,8 l/100 km
  • Länge: 4.688 mm
  • Breite: 1.902 mm (2,117 inkl. Spiegel)
  • Höhe: 1.658 mm
  • Radstand: 2.865 mm
  • Kofferraum: 505-1.432 l
  • Leergewicht: 1.990 kg (Inscription)
  • Zuladung: 419 kg
  • Anhängelast: 2.400 kg
  • Basispreis Volvo XC60 T4 (06/2019): ab 45.100 Euro
  • Basispreis Volvo XC60 D5 AWD (03/2018): ab 53.000 Euro
  • Preis des Testwagens (03/2018): 79.110 Euro

Volvo XC60 (2018) Test

  • Seitenansicht des Volvo XC60 stehend am Strand. Im Hintergrund ist das Meer zu sehen.
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Unter der Motorhaube unseres Testwagens mit Allradantrieb sitzt ein 2,0-Liter-Diesel mit 235 PS und 480 Nm Drehmoment. Aktuell ist dieser leider nicht im Angebot (Stand: Juni 2019)
  • Kotflügel des XC60 auf Bodenhöhe fotografiert. Das linke Vorderrad liegt in der Mitte des Bildes
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Auf der Autobahn und im Stadtverkehr überzeugt das Fahrverhalten des XC60 mit seiner komfortablen Abstimmung. Auf der Landstraße werden die rund zwei Tonnen Gewicht jedoch spürbar
  • Beim Verbrauch kann der XC60 auf der Autobahn und im dichten Stadtverkehr nicht punkten.
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Das hohe Gewicht des Schweden-SUVs macht sich im Verbrauch bemerkbar. Im Stadtverkehr oder der Autobahn steigt die Verbrauchsanzeige in unserem Test auf bis zu 10 Litern auf 100 Kilometer
  • Cockpitansicht des Volvo XC60
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Das Infotainment ist logisch aufgebaut und intuitiv bedienbar. Ab der Ausstattung Momentum Pro gibt es zudem das Navigationssystem serienmäßig dazu
  • Der Volvo XC60 ist das Zugpferd der Schweden. 2018 entfielen etwa ein Drittel der Verkäufe auf das SUV
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Der Volvo XC60 ist das Zugpferd der Schweden. 2018 entfielen etwa ein Drittel der Verkäufe auf das SUV
  • Im Klassenvergleich liegt der XC60 mit 1.432 Litern Ladevolumen am unteren Ende
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Maximal stehen im Volvo XC60 1.432 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Im Klassenvergleich liegt das Premium-SUV damit am unteren Ende
  • Einsicht bei geöffneter Fahrertür des Volvo XC60. Der Innenraum ist in hellen Farben gehalten
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Helle Teppiche und helles Leder. Wer den XC60 für lange Urlaubsfahrten mit Kindern anschafft, sollte von dieser Kombination lieber Abstand nehmen
  • Fondansicht des Volvo XC60. Auf der Rückbank gibt es auch für längere Reisen ausreichend Platz
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Beim Kofferraumvolumen sticht der Volvo XC60 im Klassenvergleich zwar nicht hervor. In der zweiten Reihe aber gibt es auch für längere Reisen ausreichend Platz
  • Seitenansicht des Volvo XC60, fahrend am Strand
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Mit dem aufpreispflichtigen "Pilot Assist" fährt der XC60 bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h teilautonom