So schlägt sich das große Seat-SUV im Alltag

Der Seat Tarraco im Alltagstest

Mit dem Tarraco fährt Seat Richtung Mittelklasse. Reichlich Raum auf reichlich Höhe und Länge zeichnen ihn aus. Seats größtes SUV im Test.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 08/01/2019, 1:30 PM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Der Seat Tarraco in silber in der Dreiviertel-Front-Ansicht
Quelle: Peter Besser Wir haben den Seat Tarraco für unseren Test zwei Wochen lang mit dem kräftigsten Diesel im Alltag bewegt

Großfamilien mit Vorliebe für Spanien hatten es bis Anfang 2019 leicht. Seat hatte nur den Alhambra für sie im Angebot. Wer viel Platz brauchte, wählte den großen Van. Punkt. Inzwischen gibt es eine Alternative. Seat hat das Angebot an SUVs nach oben ausgebaut. Zu Arona und Ateca kommt der Tarraco. Das Mittelklasse-SUV bietet Platz für bis zu sieben Personen, viel Kofferraumvolumen und ein paar praktische Details. Wir waren für unseren Seat-Tarraco-Test zwei Wochen mit dem stärksten Diesel im Alltag unterwegs.

Abmesssungen, Platzangebot, Karosserie

Mit einer Länge von fast 4,74 Metern überragt der Tarraco die Konzernbrüder VW Tiguan Allspace und Skoda Kodiaq auf gleicher technischer Basis knapp in der Länge. In unseren Fünfsitzer passen 760 Liter Gepäck, bei umgelegter Rückbank - das funktioniert per Hebel im Kofferraum oder über Zugschlaufen an den Sitzen - werden es 1.920 Liter. Der Allspace kann genauso viel einladen, der Kodiaq schafft mehr als 2.000 Liter, der Alhambra 2.430 Liter. Er ist allerdings 11 Zentimeter länger.

Die Gepäckhaken im Kofferraum sitzen leider etwas zu tief, um Taschen festhalten zu können, die Kofferraumabdeckung wird leider nicht in einer Schiene geführt. Praktisch: Unter dem doppelten Kofferraumboden gibt es eine Aussparung für das ausgebaute Rollo, am doppelten Boden einen Haken, um ihn aufgestellt in der Heckklappe einzuhängen. Die Ladekante liegt enorm hoch, der Extra-Platz unter der Bodenplatte enttäuscht etwas.

Seat Tarraco Innenraum: Blick auf die Rücksitzbank
Quelle: Peter Besser Die Beinfreiheit auf den Rücksitzen des Tarraco fällt großzügig aus, die Bank lässt sich verschieben, die Lehne neigen

Enorm geräumig sitzen Passagiere auf der Rückbank, Knie und Kopf stoßen nirgends an. Die Bank lässt sich um ein gutes Stück verschieben, die Lehnen sind in der Neigung verstellbar. Selbst in vorderster Position reicht der Raum für bequemes Reisen, wenn Fahrer und Mitfahrer nicht allzu lang sind. Das Panoramaglasdach in unserem Testwagen lässt dazu noch viel Licht in den Innenraum. Leider weigerte sich das elektrische Dach zwischenzeitlich, sich zu schließen.

Innenraum, Verarbeitung und Materialien im Seat Tarraco

Design und Materialauswahl im Tarraco sind typisch Volkswagen. Das Armaturenbrett ist unterschäumt, die Oberfläche fühlt sich gut an. Die Zierleiste in matter Holzoptik sieht hübsch aus, dazu gibt es viele bekannte Knöpfe und Schalter aus dem Konzernregal. Stimmt also alles. Lediglich der aufgesetzte Bildschirm des Infotainmentsystems überzeugt nicht ganz, der glänzende Rahmen wirkt nicht besonders hochwertig und liebt Fingerabdrücke.

Die Ellenbogen liegen auf gepolsterten Armlehnen, Hartplastik findet man nur im unteren Bereich der Mittelkonsole. Unser Testwagen kam mit Ledersitzen (1.500 Euro) auf denen man auf langen Strecken bequem sitzt.

Infotainment, Radio, Bedienung

Das Infotainmentsystem im Seat Tarraco stammt ebenfalls aus dem Konzernregal, machte im Test jedoch immer wieder leichte Probleme bei der Kopplung mit dem Telefon. Oft funktionierte die Verbindung über Android Auto erst nach mehreren Versuchen. Der sonstige Funktionsumfang ist ordentlich, genau wie bei VW und Skoda. Die Bedienung über die Kacheln oder den Homescreen gelingt flüssig und übersichtlich. 

Die Grafiken gestaltet Seat selbst, leider nicht besonders gut. Sie sehen billiger aus als bei den anderen Konzernmarken, die Schrift franst zum Teil an den Kanten aus. Der digitale Instrumenträger mit 10,25-Zoll-Diagonale wirkt dagegen scharf und deutlich schicker. Verschiedene Anzeigestile lassen sich einstellen, darunter nur einer mit “klassischen” Rundinstrumenten, die beiden anderen Varianten gestaltet Seat moderner und mit mehr Platz für viele Infos.

Assistenzsysteme und Sicherheit

Seat packt serienmäßig einen Notbremsassistenten in den Tarraco, einen Spurhalter und die Müdigkeitserkennung. Unser Testwagen in der Ausstattung Xcellence hatte dazu den Abstandstempomaten, Rückfahrkamera und einen Einparkpiloten an Bord. Außerdem das Fahrassistenzpaket (Fernlichtassistent, Toter-Winkel-Warner, Querverkehrswarner) und das Assistenzpaket Plus (Stauassistent und Verkehrsschilderkennung). Also alles, was die Ausstattungsliste bei Seat hergibt.

Das Cockpit des Seat Tarraco
Quelle: Peter Besser Das Cockpit des Seat Tarraco wirkt aufgeräumt und schlicht, die Materialauswahl passt

Der Fernlichtassistent funktioniert jedoch nicht immer zuverlässig. Wir blendeten mehrfach den Gegenverkehr, weil er das Fernlicht zu spät ausschaltete, bei freier Bahn dauerte es manchmal zu lang, bis das Licht anging. Der Abstandstempomat fuhr einmal direkt in seine eigene Auffahrwarnung, anstatt rechtzeitig vorher die Geschwindigkeit zu reduzieren. Der Lenkassistent reagiert außerdem schon nach kurzer Zeit ohne Hände am Lenrkad mit einem plötzlichen Bremsruck. Eine zweite rein akustische Warnstufe mit größerer Lautstärke wäre schön.

Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

In unserem Test-Tarraco sitzt der “größte” Diesel mit 190 PS aus 2,0 Litern Hubraum. 400 Newtonmeter Drehmoment stehen zwischen 1.750 und 3.250 Umdrehungen zur Verfügung, alle vier Räder werden angetrieben. Klingt üppig genug, übermotorisiert fühlt der Tarraco sich damit nicht an. Er wiegt ja auch mehr als 1,8 Tonnen, zudem schaltet das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zuweilen etwas schleppend und das SUV nimmt bei niedrigen Drehzahlen träge Gas an.

Trotzdem: Die Kraft reicht locker aus. Mit der etwas schwächeren 150-PS-Version des Motors dürften gemütliche Fahrer ebenfalls noch zurecht kommen. Viel fordern mag man ohnehin nicht vom Tarraco, dann klingt der Diesel etwas angestrengt. 

Dass er gut zu tun hat mit den gut 1,8 Tonnen und dem Allradantrieb, merkt man am Verbrauch. Bei konstanter Autobahnfahrt und 160 km/h Reisegeschwindigkeit, nimmt er sich 10 Liter auf 100 Kilometern. Im Stadtverkehr können es je nach Betrieb zwischen 7,5 und gut 9 Litern werden. Im Test über Autobahn, Landstraße und Stadt landeten wir bei 7,5 Litern.

Fahrwerk, Lenkung, Federung, Fahrverhalten

Gewicht und Höhe kann der Seat Tarraco auch beim Fahrverhalten nicht verstecken. Er federt zwar halbwegs komfortabel und rollt akzeptabel ab, doch Federn und Dämpfer wirken auf buckligen Straßen schnell etwas überfordert. Dann kippelt und wankt der Aufbau merklich, manchmal poltert es aus den Radhäusern. 

Seat Tarraco in Titanium Beige in der Seitenansicht
Quelle: Peter Besser Mit einer Länge von 4,74 Metern nimmt der Tarraco recht viel Platz im Straßenraum ein

Der Sportmodus strafft die Dämpfer unseres adaptiven Fahrwerks deutlich und hält dadurch die Karosserie besser in der Waage. Für den Alltag federt er dann jedoch zu straff. Stöße und Buckel werden allzu deutlich durchgereicht, die Karosserie wackelt. Nein, er ist kein Sportler, der Tarraco. Markenimage hin oder her.

Preise, Ausstattung, Kosten

Seat verlangt mindestens 29.980 Euro für den Tarraco. Dann treibt ein 150 PS starker Benziner nur die Vorderräder an, geschaltet wird manuell. Unser Topdiesel ist derzeit nicht im Angebot, weil gerade auf die neue leicht verschärfte Abgasnorm Euro 6d-Temp umgestellt wird. Im herbst sollte er jedoch wieder verfügbar sein. Dann für 43.800 Euro in der Ausstattung Xcellence.

Abgesehen von den Assistenzpaketen und einem Navi fehlt dann kaum noch etwas. Der Tarraco verfügt über eine Klimaautomatik mit drei Zonen, Abstandstempomat, Rückfahrkamera und Parkpilot. Schon die Basis Style leuchtet mit LED-Scheinwerfern, verfügt über ein anständiges Infotainment mit 8-Zoll-Bildschirm und allen gängigen Smartphone-Standards sowie die digitalen Instrumente.

Der VW Tiguan Allspace startet mit 150-PS-Benziner bei knapp 34.000 Euro, der Diesel mit 190 PS, Allrad und 7-Gang-DSG liegt bei 42.540 Euro, ist aber viel magerer ausgestattet. Den Skoda Kodiaq bekommt man allerdings günstiger. Nicht insgesamt, weil es ihn nicht mit dem 150-PS-Benziner gibt, aber als 2.0 TDI mit Allradantrieb und DSG steht er für 37.440 Euro in der Preisliste. Rund 1.000 Euro weniger als für den Tarraco fällig werden.

Fazit Seat Tarraco SUV: Viel Platz zum guten Preis

Hintensitzer werden den Tarraco lieben. So viel Platz wie hier findet man in wenigen Autos. Wer viel einladen will, reduziert die Beinfreiheit, stellt die Lehnen steil oder legt sie gleich um. Praktisch, keine Frage. Doch für viel Raum braucht das SUV viel Platz und viel Blech. Die 4,74 Meter Länge spürt man bei der Parkplatzsuche, das Gewicht und den hohen Aufbau bei Verbrauch und Fahrverhalten. Klassische SUV-Probleme, die nur wenige Autokäufer davon abhalten, sich für die Fahrzeugklasse zu entscheiden. Sie finden im Tarraco ein gutes Angebot, bei Bedarf sogar mit bis zu sieben Sitzplätzen (plus 800 Euro). Der Alhambra kann zwar mehr, doch er ist noch länger und teurer. Außerdem gibt es den Van nicht als Plug-in-Hybrid - das SUV ab 2020 schon.



Seat Tarraco 2.0 TDI 4Drive: Technische Daten, Preise

  • Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel
  • Leistung: 190 PS (140 kW) b. 3.500-4.000 U/min
  • Drehmoment: 400 Nm b. 1.750-3.250 U/min
  • Antrieb: Allrad, 7-Gang-Doppelkupplung
  • 0-100 km/h: 8,0 s
  • Geschwindigkeit: 210 km/h
  • Verbrauch: 5,6 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 147 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp (07/2019)
  • Testverbrauch: 7,5 l/100 km
  • Länge: 4.735 mm
  • Breite: 1.839 mm
  • Höhe: 1.674 mm
  • Radstand: 2.790 mm
  • Kofferraumvolumen: 760-1.920 l
  • Gewicht: 1.816 kg
  • Basispreis Seat Tarraco: 29.980 Euro
  • Preis Seat Tarraco 2.0 TDI 4Drive (190 PS): 43.800 Euro
  • Preis des Testwagens: 55.584 Euro

Der Seat Tarraco im Alltagstest - Bildergalerie

  • Der LED-Scheinwerfer des Seat Tarraco in der Frontansicht
    Quelle: Peter Besser Der Seat Tarraco leuchtet serienmäßig mit LED-Scheinwerfern, der Fernlichtassistent arbeitet jedoch unzuverlässig
  • Seat Tarraco in Titanium Beige in der Seitenansicht
    Quelle: Peter Besser Mit einer Länge von 4,74 Metern nimmt der Tarraco recht viel Platz im Straßenraum ein
  • Blick auf die Vordersitze mit Lederbezug im Seat Tarraco
    Quelle: Peter Besser Auf den Sitzen des Seat Tarraco hält man es auch auf langen Strecken gut aus
  • Seat Tarraco Innenraum: Blick auf die Rücksitzbank
    Quelle: Peter Besser Die Beinfreiheit auf den Rücksitzen des Tarraco fällt großzügig aus, die Bank lässt sich verschieben, die Lehne neigen
  • Das Cockpit des Seat Tarraco
    Quelle: Peter Besser Das Cockpit des Seat Tarraco wirkt aufgeräumt und schlicht, die Materialauswahl passt
  • Seat Tarraco 2.0 TDI - Heckansicht
    Quelle: Peter Besser An unserem Testwagen öffnet die Heckklappe elektrisch und sensorgesteuert, die Ladekante liegt sehr hoch über der Erde
  • Blick unter den Kofferraumboden des Seat Tarraco
    Quelle: Peter Besser Der Tarraco kann viel einladen, vom Fach unter dem Kofferraumboden hatten wir jedoch mehr erwartet
  • Seat Tarraco 2.0 TDI: Blick in den Kofferraum
    Quelle: Peter Besser Das Kofferraumvolumen des Seat Tarraco mit fünf Sitzen liegt bei 760 Litern
  • Der Seat Tarraco in silber in der Dreiviertel-Front-Ansicht
    Quelle: Peter Besser Wir haben den Seat Tarraco für unseren Test zwei Wochen lang mit dem kräftigsten Diesel im Alltag bewegt
  • Blick auf den digitalen Instrumententräger des Seat Tarraco
    Quelle: Peter Besser Serienmäßig baut Seat einen volldigitalen Instrumententräger ins Cockpit des Tarraco
  • Seat Tarraco in der frontalen Frontansicht
    Quelle: Peter Besser Hinter dem Kühlergrill unseres Test-Tarraco arbeitet ein 2,0-Liter-Diesel mit 190 PS