Der Erdgas-Leon im Test 2019

Der Seat Leon 1.5 TGI im Alltagstest

Seat optimierte den Gas-Leon. Der TGI erhielt den neuen 1,5-Liter-Vierzylinder sowie größere Tanks. Was der überarbeitete Kompakte kann? Erfährst Du im Test.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 08/22/2019, 8:15 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Der Seat Leon 1.5 TGI  besitzt zwar LED-Lampen, jedoch kein Fernlicht mit Maskierungsfunktion
Quelle: Peter Besser Der Seat Leon 1.5 TGI besitzt zwar LED-Lampen, jedoch kein Fernlicht mit Maskierungsfunktion

Theoretisch könnte der Seat Leon längst (teil-)elektrisch fahren. Alle Komponenten dafür befinden sich bereits im Serieneinsatz – nur eben nicht im Seat, sondern im auf gleicher Technik basierenden Golf. Aber Seat hat eine praktikable Alternative im Programm: Den Leon gibt es in einer Erdgas-Variante.

Niedrige Kraftstoffkosten und ein fairer Basispreis - das sind die Vorteile des Leon TGI. Doch die dürftige Leistung und eine zu knappe Erdgas-Reichweite gaben bislang Anlass zu Kritik. Kurz vor dem Modellwechsel auf die nächste Leon-Generation bietet Seat nun eine modifizierte Variante mit mehr Kraft. mehr Hubraum und größeren Gastanks an.

Wie schlägt sich der überarbeitete Variante? Genügen Reichweite und Kraft? Bietet der Leon 1.5 TGI deutliche Vorteile gegenüber dem Vorgänger? Und wie zeitgemäß ist der kompakte Spanier nach insgesamt sieben Jahren am Markt? Das ist unser Urteil nach zwei Wochen mit dem neuen Seat Leon TGI.

Antrieb, Motor, Getriebe und Fahrleistungen des Seat Leon TGI

Das Wichtigste zuerst: Die neue Motortechnik passt besser zum Leon als die alte. Der 1,5-Liter-Turbobenziner erreicht im Erdgas-Modell eine Leistung von 130 PS – 20 PS mehr als sein Vorgänger. Eine spürbare Verbesserung, die beim Sprint auf Tempo 100 eine Sekunde einspart. Das bringt mehr Souveränität ins Auto und gefällt bei kurzen Zwischenspurts.

Seat verbessert den Motor und vergrößert die Gastanks im Seat Leon TGI 
Quelle: Peter Besser Seat verbessert den Motor und vergrößert die Gastanks im Seat Leon TGI

Großen Durst können wir durch den Leistungszuwachs nicht feststellen. Beim Pendeln ins Berliner Umland liegt der Gasverbrauch bei 3,6 Kilogramm pro 100 Kilometer, allgemein im Stadtverkehr bei 4,5 Kilogramm. Mit den Werten eines früheren Tests lassen sich die Daten leider nicht vergleichen: Wir fuhren damals einen Kombi mit DSG im Winter, nun einen Hatchback mit Handschaltung im Sommer.

Das Urteil zum Thema Kraftstoffkosten bleibt: Der Erdgas-Leon fährt günstiger als ein vergleichbarer Diesel – zum einen durch den niedrigen Verbrauch, zum anderen durch einen durchschnittlichen Erdgaspreis von etwa 1,15 Euro pro Kilogramm. Ein Selbstzünder müsste auf der gleichen Pendelstrecke einen Verbrauch von 3,3 Litern pro 100 Kilometer erreichen, um gleichzuziehen. Erfahrungsgemäß ist das in dieser Fahrzeug- und Leistungsklasse unrealistisch.

Zurück zum Leon: Seit der Umstellung auf die neue Technik tankt er mehr Gas und weniger Sprit. Drei Druckbehälter speichern 17,3 Kilogramm CNG (vorher: 15 kg). Der Benzintank schrumpft von 50 auf neun Liter. Er soll nur noch im Notfall aushelfen. Nebeneffekt: Auf dem Papier gilt der Leon als monovalent, also als reines Gas-Fahrzeug. Damit muss er die Abgasnormprüfung nur mit Gas bestehen und kommt ohne Partikelfilter aus.

Die Gesamtreichweite sinkt von mehr als 1.000 auf etwa 550 Kilometer. Geschenkt, denn jetzt fährt er auf Gas weiter als bisher. Ganz deutlich sogar, denn die Volumenangabe fällt konservativ aus. Wer die letzten Kilometer vorsichtig fährt, tankt mehr nach, als laut Papier hineinpasst. Allerdings: Mit der kleinen Benzin-Reserve kann es im Ausland eng werden. In Dänemark wird man mit dem Leon TGI mangels Tankstellen nicht glücklich. In Deutschland sollten rund 850 Erdgas-Säulen ausreichen.

Insgesamt bewegt sich der Leon angenehm unauffällig. Der Turbomotor arbeitet leise und kräftig, er wählt die Antriebsart automatisch. Für den Einsatz mit Gas wurde er überarbeitet: Ventilsitze und Pleuellager sind stabiler als beim reinen Benziner. Analog zu diesem Motor arbeitet in der CNG-Variante ein Turbo mit variabler Turbinengeometrie.

Die manuelle Schaltbox gefällt mit guten Anschlüssen und knackiger Bedienung. Unterhalb von 1.500 Touren fehlt ihm Kraft, er fällt hier spürbar in ein Turboloch. Wer ganz sicher gehen will, bekommt optional ein Doppelkupplungsgetriebe. Wir halten es für unnötig, die richtigen Schaltdrehzahlen hat man schnell verinnerlicht.

Fahrwerk, Lenkung und Fahrverhalten

Dass der Leon ein paar Pfunde mehr mit sich rumschleppt, merkt man ihm kaum an. Er wiegt knapp 80 Kilogramm mehr als die gleichstarke Variante ohne Erdgas. Damit ist er leichter als ein Leon TDI. Kurzum: Die Tanks, Leitungen und Steuergeräte wirken sich nicht negativ auf das Fahrverhalten des Kompakten aus.

Seat baut ein straffes Fahrwerk in den Leon. Die optionale Dämpferverstellung ist für das Erdgas-Modell nicht verfügbar, fehlt aber auch nicht. Der Kompakte federt verbindlich und gibt eine gute Rückmeldung, die Lenkung arbeitet leichtgängig und präzise. Ein zweiter Fahrmodus, der mehr Gewicht ins Volant bringt wäre schön, den gibt es aber nicht.

Karosserie, Platzangebot und Abmessungen

An anderer Stelle spürt man den Erdgasantrieb recht deutlich: Der Kofferraum des Leon schrumpft gewaltig. Von ursprünglich 380 Litern bleiben noch 275 Liter übrig – viele Kleinwagen können das besser. Unter dem Kofferraumboden gibt es kein Fach, sondern die Abdeckung über den Gastanks. Ein Kompromiss, der im Alltag nur selten stört.

Der Seat Leon 1.5 TGI misst 4,28 Meter in der Länge
Quelle: Peter Besser Der Seat Leon 1.5 TGI misst 4,28 Meter in der Länge

Weiter vorn im Auto gleicht er einem normalen Leon wie ein Kolben dem anderen. Es gibt viel Platz und gute Ablagemöglichkeiten vorn sowie ausreichend Raum hinten. Zwei Erwachsene fahren problemlos im Fond mit, ein Dritter muss sich arrangieren. Für lange Strecken ist das nichts, in der Stadt geht es zur Not.

Innenraum, Verarbeitung und Materialien

Wie wohl man sich im Leon fühlt, hängt von der Ausstattung ab. Unser Testwagen kommt mit der optionalen „FR“-Linie. Die bringt sportliche Sitze mit gutem Seitenhalt mit. Das passt zum Image des Autos und zum straffen Fahrwerk. Drum herum erlaubt sich Seat kaum Patzer. Nur in der Mittelkonsole wünschen wir uns mehr Stabilität, sie verrutscht gern nach hinten.

Bei den Assistenten hängt der Seat Leon mittlerweile etwas hinterher, erst der Nachfolger wird aufholen
Quelle: Peter Besser Bei den Assistenten hängt der Seat Leon mittlerweile etwas hinterher, erst der Nachfolger wird aufholen

Bei den Türverkleidungen dürfte Seat ebenfalls nachlegen. Während am Armaturenbrett viel unterschäumter Kunststoff zum Einsatz kommt, wirken die Türtafeln lieblos. Große Flaschen passen nicht in die Fächer, der Ellenbogen findet nicht die richtige Position an der Fensterkante. Immerhin: Sonst gibt es am Innenraum nichts auszusetzen. Bedienung, Ergonomie und Funktionalität sind ausgereift und angenehm umgesetzt.

Infotainment, Radio und Bedienung

Das Infotainmentsystem des Leon stammt aus dem großen VW-Baukasten. Seat ergänzt am generell optionalen, in der Ausstattung „FR“ serienmäßigen 8-Zoll-System zwei Tasten und einen Lautstärkeregler – gut so, echte Hardware-Knöpfe tun der Bedienungsstruktur gut. Zumal der Bildschirm nicht unbedingt in Griffweite platziert ist. Dafür sitzt er aber weit oben im Armaturenbrett, der Blick ist zumindest in der Nähe der Straße.

Zum Teil ist die Menüführung nicht ganz eindeutig, nach etwas Eingewöhnung lässt sich das System aber prima bedienen. Die meisten Funktionen sind selbsterklärend. Für schmales Geld spiegelt das Display Smartphones und einige ihrer Apps, für gut 900 Euro gibt es ein fest eingebautes Navi. Auf einen Annäherungssensor verzichtet Seat im Leon. Ein digitales Cockpit gibt es optional, einen erweiterten Bordcomputer für CNG-Inhalte serienmäßig im TGI.

Assistenzsysteme und Sicherheit

Echte Autonomie ist nicht der Anspruch des Leon. Dafür war er nie ausgelegt. Sein Ziel ist: Unterstützen. In welchem Rahmen er das erledigt, hängt von der Ausstattung ab. Seat fasst die Optionen in vier Pakete zusammen. Das erste schaltet automatisch das Fernlicht und unterstützt beim Halten der Spur. Weitere erkennen Verkehrszeichen, halten den Abstand oder übernehmen das Steuer für kurze Zeit im Stau. Mehr ist technisch nicht machbar.

Der Innenraum kann sich zeigen lassen. Bedienung, Ergonomie und Funktionalität sind ausgereift und angenehm umgesetzt
Quelle: Peter Besser Der Innenraum kann sich sehen lassen. Bedienung, Ergonomie und Funktionalität sind ausgereift und angenehm umgesetzt

Insgesamt unterstützt der Leon nicht ganz auf Höhe der Zeit. Es gibt zwar LED-Lampen, aber kein Fernlicht mit Maskierungsfunktion. Die Rückfahrkamera erfüllt ihren Zweck, leitet aber nicht so gut wie jene moderner Autos. Ein Head-up-Display ist gar nicht verfügbar. Vieles davon wird sich mit dem Modellwechsel ändern. Auf Manches kann man durchaus verzichten.

Ausstattung, Preis und Fazit

Der Lohn für Zurückhaltung ist ein interessanter Preis. Laut Liste kostet der Erdgas-Leon mindestens 25.690 Euro in der Ausstattung „Style“. Aktuell lässt er sich nur mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe konfigurieren. Mit manueller Schaltbox liegt der Basispreis bei knapp 24.000 Euro. Damit kostet er ungefähr 1.500 Euro mehr als die Variante ohne Erdgas und gut 1.000 Euro weniger als der kleine Diesel (115 PS).

Bei Steuer und Kraftstoffkosten unterbietet er den Diesel ebenfalls. Mit einer Gas-Reichweite von rund 400 Kilometern wird das Reichweitendefizit geringer. Man sollte dennoch wissen, wo man Erdgas bekommt – der Benzintank ist nur für den Notfall gedacht und zeigt nach der Hälfte schon Reserve an.

Wer sich mit dem Tankstellennetz und dem kleineren Kofferraum arrangieren kann, sollte den Gas-Leon zumindest in Betracht ziehen. Unter den alternativen Antrieben gehört er zur praktischen Sorte, denn der Wechsel vom Benziner oder Diesel fällt nicht schwer.

Der Leon selbst zeigt langsam sein Alter. Ihm fehlen Extras, die in seiner Klasse mittlerweile dazugehören. Leichte Modernisierungen genügen nicht, um auf Dauer mitzuhalten. Sein Nachfolger wird das im kommenden Jahr besser machen. Bis dahin ist das aktuelle Modell aber ein solider Kandidat, vor allem mit Berücksichtigung der Rabatte.



Technische Daten: Seat Leon 1.5 TGI

  • Antrieb: 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, Erdgas
  • Leistung: 130 PS (96 kW) bei 5.000 – 6.000 U/min
  • Drehmoment: 200 Nm bei 1.400 – 4.000 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
  • 0 – 100 km/h: 9,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 206 km/h
  • Normverbrauch: 3,6 l/100 km
  • CO2 laut Norm: 98 g CO2/km
  • Testverbrauch: 3,6 l/100 km
  • Tankinhalt: 17,3 kg (CNG), 9,0 l (Benzin)
  • Länge: 4.282 mm
  • Breite: 1.816 mm
  • Höhe: 1.459 mm
  • Radstand: 2.636 mm
  • Kofferraum: 275 l
  • Basispreis Seat Leon: 20.410 Euro (1.0 TSI)
  • Basispreis Seat Leon 1.5 TGI DSG: 25.690 Euro
  • Testwagenpreis Seat Leon 1.5 TGI: 32.685 Euro


Der Seat Leon 1.5 TGI in Bildern

  • Der Seat Leon 1.5 TGI  besitzt zwar LED-Lampen, jedoch kein Fernlicht mit Maskierungsfunktion
    Quelle: Peter Besser Der Seat Leon 1.5 TGI besitzt zwar LED-Lampen, jedoch kein Fernlicht mit Maskierungsfunktion
  • Bei den Assistenten hängt der Seat Leon mittlerweile etwas hinterher, erst der Nachfolger wird aufholen
    Quelle: Peter Besser Bei den Assistenten hängt der Seat Leon mittlerweile etwas hinterher, erst der Nachfolger wird aufholen
  • Die Hinterbank bietet ausreichend Raum und gute Ablagemöglichkeiten
    Quelle: Peter Besser Die Rückbank bietet ausreichend Raum und gute Ablagemöglichkeiten
  • Der Innenraum kann sich zeigen lassen. Bedienung, Ergonomie und Funktionalität sind ausgereift und angenehm umgesetzt
    Quelle: Peter Besser Der Innenraum kann sich sehen lassen. Bedienung, Ergonomie und Funktionalität sind ausgereift und angenehm umgesetzt
  • Der Seat Leon 1.5 TGI misst 4,28 Meter in der Länge
    Quelle: Peter Besser Der Seat Leon 1.5 TGI misst 4,28 Meter in der Länge
  • Seat verbessert den Motor und vergrößert die Gastanks im Seat Leon TGI 
    Quelle: Peter Besser Seat verbessert den Motor und vergrößert die Gastanks im Seat Leon TGI
  • Das Kofferraumvolumen des Seat Leon 1.5 TGI wird durch die Erdgas-Tanks unter dem Kofferraumboden auf 275 Liter reduziert
    Quelle: Peter Besser Das Kofferraumvolumen des Seat Leon 1.5 TGI wird durch die Erdgas-Tanks unter dem Kofferraumboden auf 275 Liter reduziert
  • Der verfügbare Stauraum liegt im Durchschnitt der Mittelkassemodelle
    Quelle: Peter Besser Der verfügbare Stauraum liegt unter dem Durchschnitt in der Mittelkasse
  • Der Basispreis des Seat Leon 1.5 TGI liegt bei 25.690 Euro
    Quelle: Peter Besser Der Basispreis des Seat Leon 1.5 TGI liegt bei 25.690 Euro
  • Bei der Testfahrt lag der Verbrauch bei 3,6 Litern pro 100 Kilometer
    Quelle: Peter Besser Bei der Testfahrt lag der Verbrauch bei 3,6 Litern pro 100 Kilometer