Wer haftet für welchen Schaden?

Probefahrt-Vertrag: Warum er absolut notwendig ist

Zu jedem Autokauf gehört eine Probefahrt – und zu jeder Probefahrt ein Vertrag. Der schützt Dich und den Besitzer vor Ärger und unnötigen Kosten.

  • Fabian Hoberg
  • Veröffentlicht am 05/27/2020, 04:11 PM
Eine Frau sitzt am Steuer eines Cabrios von BMW während ein Autoverkäufer ihr Dinge übers Auto erklärt.
Quelle: dpa / Picture Alliance Auch bei der Probefahrt bei einem Händler werden in der Regel Probefahrt-Verträge vereinbart. Darauf solltest Du auch beim Privatkauf bestehen

Bei jeder Fahrt kann ein Unfall geschehen, auch bei einer Probefahrt. Wenn Du bei der Testfahrt mit Deinem neuen Wunsch-Kfz hinterm Steuer sitzt, musst Du auch für den Schaden aufkommen. Grundsätzlich ist der Fahrer für alle verschuldeten Unfälle verantwortlich. Das heißt aber nicht, dass er die Haftung übernehmen muss.


VW Golf 7
Der Golf 7

Der Klassenprimus unter den Kompakten: Der VW Golf VII.


Warum ist ein Probefahrt-Vertrag wichtig?

In der Regel bist Du als Fahrer bei der Probefahrt über die Haftpflicht- oder Teilkaskoversicherung des Halters versichert. Das setzt voraus, dass das Auto angemeldet ist. Die Versicherung des Verkäufers übernimmt bei einem angemeldeten Auto in der Regel die Kosten, sofern nicht eine Testfahrt in der Police ausgeschlossen wurde. Du solltest dennoch vor der Fahrt klären, wie das Fahrzeug versichert ist und wer im Falle eines Unfalles haftet. Dazu zählen die Kosten der Selbstbeteiligung und die für eine eventuelle Rückstufung der Versicherung. Das erspart beiden Parteien nach einem eventuellen Unfall Diskussionen und Ärger.

Ein Mechaniker steht an einem roten VW Passat Gebrauchtwagen.
Quelle: dpa / Picture Alliance In den meisten Fällen passiert bei einer Probefahrt nichts, doch wenn etwas passiert, wie ein Unfall oder ein anderer Schaden, wird es kompliziert

Was sollte unbedingt in diesen Vertrag aufgenommen werden?

Ganz gleich, von wem das Fahrzeug stammt, das Probe gefahren werden soll: In den Vertrag gehören genaue Daten zum Fahrer, Halter (Verkäufer) und zum Fahrzeug. Dazu kommt die Vereinbarung, wer im Falle eines Unfalls die Kosten trägt.

Dabei ist es unerheblich, ob Du den

  • Probefahrt-Vertrag beim Händler
  • Probefahrt-Vertrag im Autohaus
  • Probefahrt-Vertrag bei privatem Kauf / Verkauf

abschließt.

Für alle Vertragsnehmer gilt:

1. Die Probefahrt selbst ist kostenlos. Auslagen und Kraftstoffkosten gehen jedoch zu Lasten des Probefahrers.

2. Das Fahrzeug dient ausschließlich dem Zweck einer Probefahrt. Während der Probefahrt darf nur der genannte Fahrer das Fahrzeug führen.

3. Der Fahrer besitzt eine gültige Fahrerlaubnis, hat keinerlei Beschränkungen hinsichtlich der Fahrberechtigung und ist mit dem Führen des Fahrzeugs vertraut. Er versichert, dass er während der Fahrt das Fahrzeug sorgfältig behandeln wird.

4. Der Fahrer ist in vollem Umfang fahrsicher und seine Fahrtüchtigkeit ist weder durch Alkohol, Drogen oder Medikamente eingeschränkt.

5. Bei Störungen, Unfällen oder sonstigen Auffälligkeiten informiert der Fahrer umgehend den Halter. Tritt Gefahr im Verzug auf, veranlasst der Fahrer sofort alle erforderlichen Hilfsmaßnahmen, auch wenn er notfalls mit den Kosten in Vorlage treten muss.

6. Für alle während der Probefahrt auftretenden Schäden haftet der Fahrer. Dazu zählen auch Folgeschäden. Ausgenommen sind nachweisliche Betriebsstörungen.

7. Der Fahrer haftet auch bei Diebstahl des Fahrzeugs, es sei denn, es besteht eine Teilkaskoversicherung. Dann haftet der Fahrer lediglich für eine mögliche Selbstbeteiligung.  

Ein roter ferrari parkt auf einer Asphaltfläche bei Sonnenschein.
Quelle: dpa / Picture Alliance In diesem durch die Medien bekannt gewordenen Fall einer Probefahrt fuhr der vermeintliche Kaufinteressent einfach davon und stahl den Ferrari

8. Der Halter haftet für Schäden, die der Fahrer während der Probefahrt infolge des Fahrzeugs und seines Zustandes erleidet. Das gilt nur dann wenn der Halter den Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht hat und soweit keine Versicherung für den Schaden in Anspruch genommen werden kann.

9. Nach Beendigung der Probefahrt gibt der Fahrer das Fahrzeug mangelfrei, nachgetankt und gereinigt zur vereinbarten Uhrzeit und am vereinbarten Ort dem Halter zurück.

Darauf solltest Du bei der Probefahrt achten

Bei einer Probefahrt gibt es einiges zu beachten. Neben den modellspezifischen und technischen Dingen ist auch Folgendes wichtig:

1. Fahrzeug gründlich kontrollieren

Vor der Probefahrt sollten Probefahrer (Interessent) und Verkäufer gemeinsam das Auto sorgfältig auf Beschädigungen kontrollieren und die Schäden schriftlich festhalten. So vermeidest Du einen eventuellen Streit, ob der Schaden bei der Probefahrt entstanden ist.

2. Führerschein zeigen lassen

Der Fahrer sollte vor dem Fahren dem Halter seinen gültigen Führerschein zeigen.



3. Pfand vereinbaren

Fährt der Halter bei der Probefahrt nicht mit, sollte er ein ausreichend großes Pfand in Anspruch nehmen.

4. Vorsichtig fahren

Das Auto ist für Dich unbekannt, daher fahr lieber vorsichtiger. Bremse, Lenkung, Schalter und Getriebe kennst Du nicht und weißt deshalb nicht, wie sie reagieren.

5. Cool bleiben

Vielleicht bist Du nervös und aufgeregt. Dabei können Fahrfehler passieren. Versuch Dich schon vor der Probefahrt zu entspannen und cool zu bleiben.


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6. Genau hinhören

Bei der Probefahrt bleibt das Radio aus. Unterhaltungen mit dem Verkäufer solltest Du auf ein Minimum beschränken, denn sie können Dich ebenso wie zu laute Musik vom Fahren ablenken. Konzentriere Dich lieber voll und ganz auf Straße und Auto.

7. Verkehrsregeln

Halte Dich bei der Probefahrt genau an die Verkehrsregeln sowie an die gültigen Geschwindigkeitsbestimmungen. Bei grob fahrlässiger Fahrweise wie stark überhöhter Geschwindigkeit droht Ärger mit der Versicherung. 

Fazit

Wenn bei einer Probefahrt etwas passiert, wie ein Unfall oder ein anderer Schaden, wird es kompliziert. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, fülle vor Fahrtbeginn einen Probefahrt-Vertrag aus.


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