Porsche Macan GTS (2020) im Test: Motor, Preise, Daten, Bilder

Der GTS ist der heimliche Top-Macan

Eigentlich soll der Porsche Macan GTS die Nummer zwei im Modellprogramm sein. Tatsächlich macht er den Macan Turbo überflüssig. Erste Fahrt im SUV-Geheimtipp.

  • Constantin Bergander
  • Veröffentlicht am 08/05/2020, 02:59 PM
Porsche Macan GTS Frontansicht
Quelle: Porsche In 4,7 Sekunden sprintet das SUV von 0 auf 100 km/h

Manchmal geht es nicht um Zahlen, sondern um das beste Paket. Papier ist geduldig, aber das Gefühl sagt sofort: Mehr Macan als im GTS muss es nicht sein. Ja, ihm fehlen 60 PS zum Spitzenmodell. Ja, das sieht man seinen Messwerten an. Aber: Nein, das stört nicht. Und es spart einen Haufen Geld.

Denn technisch sind sich die beiden stärksten Motorisierungen von Porsches Mittelklasse-SUV sehr ähnlich. Der Macan Turbo fühlt sich nach etwas mehr Krawall an, der Macan GTS sieht etwas mehr nach Krawall aus. Es erstaunt ganz allgemein, wie gut Porsche die Themen SUV und Sport verbindet. Und wie modern sich der Macan bewegt, obwohl er eigentlich gar nicht mehr so frisch ist. Er ist schließlich seit 2014 auf dem Markt – mit einer Plattform aus 2008.


Porsche Macan GTS
Porsche Macan GTS

• Motor: 2,9-Liter-V6-Turbobenziner
• Leistung: 370 PS
• 0-100: 4,9 s | Vmax: 261 km/h


Porsche Macan GTS mit halb modernem Innenraum

Man erkennt sein Alter am Innenraum. Hier treffen zwei Porsche-Welten aufeinander: die alte, in der jede Funktion einen eigenen Knopf hat, die in einer Batterie auf der Mittelkonsole drapiert sind. Und die neue, die lieber mit Berührungen arbeitet. Zum Facelift kommt zwar ein großer Touchscreen ins Auto, doch die Tasten bleiben. Porsche rollt die Überarbeitung seit Ende 2018 aus. Zunächst in den Basismodellen Macan und Macan S, kürzlich im Macan Turbo, nun im GTS. Dieselmotoren sind nicht mehr im Programm.

Den Innenraum gestaltet Porsche zum großen Teil klassisch. Hinter dem Lenkrad stecken drei Rundinstrumente. Im Zentrum dominiert der Drehzahlmesser, nur die rechte Uhr arbeitet digital. Das ist nicht der aktuelle Stand, aber trotzdem stimmig. Drum herum fühlt sich alles nach Porsche an: feines Leder, straffe Sitze, Zündschlüssel links. Nur beim Einsteigen muss man nicht so tief runter, sondern ein bisschen klettern.



Porsche fokussiert sich klar auf die erste Reihe im Macan. Dahinter wird es enger, als man anhand der Abmessungen des SUVs vermuten würde. Sein Kofferraum lädt so viel ein wie ein Mittelklasse-Kombi. Für Paare ist er groß genug, mit Kindern funktioniert er ebenfalls. Vier Erwachsene fahren lieber mit einem Cayenne. Der ist preislich nicht weit entfernt. Er kommt aber fahrdynamisch nicht hinterher.

Zackige Fahreigenschaften im Porsche Macan GTS

Porsche bringt ordentlich Schwung in das kleine SUV. Natürlich merkt man ihm seinen hohen Schwerpunkt an. Aber der Macan GTS tut viel dafür, diesen Makel zu kaschieren. In Kurven neigt er sich kaum nach außen. Man spürt kein Wanken, nur das Ziehen der Fliehkräfte an der schweren Karosserie. Dabei lässt er sich angenehm präzise positionieren. Die typische SUV-Schwammigkeit beim Einlenken ist höchstens in Ansätzen vorhanden.

Er lässt sich sogar dazu überreden, sachte mit dem Heck zu zucken. Wer im richtigen Moment die Last wechselt und aufs Gas steigt, provoziert die Hinterachse zu rutschen. Nicht genug, um die Kontrolle zu verlieren – das feinfühlige ESP würde ohnehin Weiteres verhindern. Aber genug, um den sportlichen Eindruck zu festigen. Er schiebt nicht stur nach vorn, sondern geht agil ums Eck. Gemessen an Höhe und Gewicht eine beachtenswerte Fähigkeit.


Boxster
Porsche 718 Boxster GTS

Der Bezeichnung "Boxster" setzt sich aus dem Wort Boxer und der zweiten Silbe des Wortes Roadster zusammen.


All das realisiert Porsche ohne übertriebene Härte. Mancher Konkurrent legt die Federung in dieser Klasse betont hart aus, damit sich das Auto schnell anfühlt. Das hat der Macan GTS nicht nötig, obwohl ihn Porsche serienmäßig eineinhalb Zentimeter tieferlegt. Optional kommt ein Luftfahrwerk mit einem zusätzlichen Zentimeter Tieferlegung ins Auto. Der Macan GTS schafft Verbundenheit mit der Straße, ohne unangenehm an den Bandscheiben zu rütteln. Seine Sportlichkeit zeigt er lieber mit flotten Kurvengeschwindigkeiten.

2,9-Liter-V6-Benziner mit viel Kraft

Seinen Antrieb teilt sich der Macan GTS im Prinzip mit dem Macan Turbo. In beiden arbeitet ein V6-Benziner mit 2,9 Litern Hubraum und zwei Turboladern. Der Turbo fährt mit 440 PS vorweg, im GTS leistet das Aggregat 380 PS. Die maximale Kraft von 520 Newtonmetern Drehmoment liegt zwischen 1.750 und 5.000 Umdrehungen konstant an.

Die Power genügt dem SUV trotz eines Leergewichts von fast zwei Tonnen. Der Motor kann den Macan GTS mit Gewalt nach vorn prügeln oder ihn geschmeidig und angenehm brummig bewegen. Das Doppelkupplungsgetriebe passt sich an. Es schaltet spät und schnell – oder kaum spürbar bei niedrigen Touren. Es benimmt sich sogar bei langsamer Fahrt und unangenehmen Lastwechseln.

Porsche Macan GTS Seitenansicht
Quelle: Porsche Der GTS liegt trotz des SUV-typischen, hohen Massenschwerpunktes verblüffend agil in den Kurven

Allradantrieb gibt es serienmäßig im Macan. Porsche entwickelte ihn selbst, um sich vom Plattformbruder Audi Q5 abzuheben. Er ist heckbetont ausgelegt, um an die Sportwagen der Marke zu erinnern. Große Bremsscheiben (36 bzw. 33 cm Durchmesser) und Sechskolben-Sättel an der Vorderachse fangen die Kraft sicher ein. Optional bekommen die Scheiben eine Wolfram-Carbid-Beschichtung. Damit arbeiten sie griffiger und stauben weniger.

Der bessere Porsche Macan

Letztlich findet Porsche dann doch eine Linie, die den GTS von der Macan-Spitze abgrenzt. Wer den Turbo kauft, möchte das schnellste verfügbare Auto haben. Und er möchte trotz der Kraft nicht auf Komfort verzichten. Im GTS darf es zackiger zugehen. Nicht so schnell geradeaus, aber dafür straffer und spitzer. Porsche erlaubt ihm die eine oder andere Kante – optisch und im Fahrverhalten. Das stärkt seinen Charakter und fühlt sich stimmig an.



Wer mit etwas mehr Aufregung in der Optik umgehen und auf ein paar PS verzichten kann, findet im GTS den besten Macan. Er kostet 77.880 Euro. Bei Porsche ist er damit ein gutes Angebot, das Spitzenmodell kostet gut 14.000 Euro mehr. Andererseits ist die Konkurrenz deutlich günstiger: Der Mercedes-AMG GLC 43 4Matic mit 390 PS startet bei 68.335,75 Euro. Ein BMW X4 M40i mit 360 PS kostet 70.800 Euro.

Lange will Porsche diesen Wettstreit aber nicht fortsetzen. Der nächste Macan steht bald an: 2022 startet der Nachfolger. Er wird als reines Elektroauto zunächst parallel zum klassischen Macan laufen, ihn aber langfristig ersetzen.

Porsche Macan GTS: Technische Daten

ModellPorsche Macan GTS (2020)
Motor2,9-Liter-V6-Turbobenziner
Leistung380 PS (280 kW) bei 5.200-6.700 U/min
Drehmoment520 Nm bei 1.750 bis 5.000 U/min
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK), Allradantrieb
0-100 km/h4,7 s
Geschwindigkeit261 km/h
Verbrauch9,6 l/100 km
CO2-Emissionen218 g/km
Länge4.866 mm
Breite1.926 mm (2.098 mm mit Außenspiegeln)
Höhe1.624 mm
Radstand2.807 mm
Leergewicht1.985 kg
Kofferraumvolumen488 bis 1.503 l
Preis77.880 Euro

Der Porsche Macan GTS in Bildern

  • Porsche Macan GTS Frontansicht
    Quelle: Porsche Unter der Motorhaube befindet sich ein 2,9-Liter-V6-Benziner mit 380 PS
  • Porsche Macan GTS Vogelperspektive
    Quelle: Porsche Zum Marktstart kostet der Macan GTS mindestens 77.880 Euro
  • Porsche Macan GTS Frontansicht
    Quelle: Porsche In 4,7 Sekunden sprintet das SUV von 0 auf 100 km/h
  • Porsche Macan GTS Heckansicht
    Quelle: Porsche Geschaltet wird mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Porsche Macan GTS Seitenansicht
    Quelle: Porsche Der GTS liegt trotz des SUV-typischen, hohen Massenschwerpunktes verblüffend agil in den Kurven
  • Porsche Macan GTS Seitenansicht
    Quelle: Porsche Zwar bietet der GTS weniger Platz als ein Porsche Cayenne, dafür aber deutlich mehr Fahrspaß
  • Porsche Macan GTS Seitenansicht
    Quelle: Porsche Porsche verkauft den Macan seit 2014 als agilere Alternative zum Cayenne