Überblick, Funktionen, Einzelheiten

Notruf-Apps: Was können sie? Wie helfen sie im Notfall?

Eine App für alle Fälle. Die Smartphone-Programme unterstützen Dich auf Wunsch in allerlei Lebenslagen. Das gilt auch beim Absetzen eines Notrufs.

  • Sabine Stahl
  • 0
  • Veröffentlicht am 03/24/2020, 02:44 PM
Jemand wählt über die Notfall-Hilfe-App den Notruf.
Quelle: PASS Consulting Group Die App „Notfall-Hilfe“ unterstützt Dich beim Absetzen eines Notrufs und den damit verbundenen W-Fragen: Wer? Wo? Wann? Wie viele? Was?

Ein ganzes Leben im Hosentaschen-Format: Smartphones können mittlerweile bei allem helfen: Beim Einkaufen, Abnehmen, beim Einschlafen und bei Deinen Finanzen. Sie helfen Dir dabei, den richtigen Weg zu finden, beim Parken, im Stau und beim Erinnern an Termine. Kein Wunder also, dass sie Dich auch in Notsituationen unterstützen können – und das bei allen möglichen Gefahren: Von einer Panne am Straßenrand über Erste Hilfe nach einem Unfall bis hin zu einem stillen Alarm – alles mit Hilfe von Notruf- und Rettungs-Apps.


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Welche Funktionen haben Notruf-Apps?

Das Angebot an Notruf-Apps ist im Gegensatz zu anderen App-Angeboten wie etwa die Navigation überschaubar. Die hier besprochenen Apps haben sich jeweils auf eine bestimmte Notsituation spezialisiert. Das hat den Vorteil, dass sie zielgerichtet erarbeitet wurden und auch so funktionieren. Der Nachteil ist, dass unter Umständen mehrere Apps auf dem Smartphone installiert werden müssen, um alle Eventualitäten abzudecken. Aus diesem Grund gliedern wir die Apps nach dem Grund des Notrufs.

Funktion 1: Notruf nach Panne oder Autounfall

Die App „Notfall-Hilfe“ unterstützt Dich beim Absetzen eines Notrufs und den damit verbundenen W-Fragen: Wer? Wo? Wann? Wie viele? Was? Der Notruf kann direkt im Sperrbildschirm gestartet werden. Um einen falschen Alarm an den Rettungsdienst zu vermeiden, gibt es einen Countdown, in dem Du einen unabsichtlich begonnen Notruf abbrechen kannst. Zusätzlich wird Deine Position angezeigt und kann direkt übermittelt werden.



Bist Du ein Ersthelfer und zu einem Unfall hinzugekommen? Dann zeigt Dir die App, was Du tun solltest. Übersichtlich und mit Bildern. Dabei kannst Du wählen zwischen Wiederbelebung, stabile Seitenlage, Schock, Vergiftung und Feuer. Die App gibt dabei Audio-Anweisungen, damit Du beide Hände frei hast und Dich auf die Erste Hilfe konzentrieren kannst. Bei einer Wiederbelebung zählt sie den richtigen Takt für die Herz-Rhythmus-Massage.

Falls Du selbst in einer Notsituation bist, hält die Rettungs-App alle von Dir zuvor gespeicherten persönlichen Informationen für andere Ersthelfer bereit. Für Reisen ins Ausland können Deine Daten in eine andere Sprache übersetzt werden. Zudem kannst Du mit Hilfe des Programms einen Arzt, Krankenhäuser oder eine Apotheke im Umkreis suchen und es kann eine standortbezogene Rufnummer aktiviert werden.

An einem Unfallort kommt gerade ein Rettungswagen an.
Quelle: dpa / Picture Alliance Nach einem Unfall zählt jede Sekunde - eine App kann Dich im Fall der Fälle unterstützen

Funktion 2: Notruf in einer Gefahrensituation

Mit der App „Handhelp“ können Smartphone-Besitzer schnell und vor allem barrierefrei um Hilfe rufen. Dies gilt auch im Ausland. Bei einem Notruf kann entweder die Polizei, die Feuerwehr oder ein Rettungsdienst oder auf Wunsch eine Vertrauensperson auf Knopfdruck informiert werden. Die App wählt automatisch die nächstgelegene Notruf-Station. Bei der Variante „Handhelp Lifecare“ müssen diese Infos zuvor manuell eingegeben werden.

Sobald Du tatsächlich einen Notruf mit der App „Handhelp“ abschickst, wird automatisch ein Foto gemacht und eine Tonaufnahme gestartet. Zusätzlich wird Dein genauer Standort inklusive Zeitangabe übermittelt. Du kannst in Deinem Profil auch einen Kontakt hinterlegen und bei einem Notfall einen Video-Anruf mit diesem Kontakt starten. Eine Besonderheit ist der mobile Knopf, mit dem ein stiller Alarm ausgelöst werden kann. Der Knopf ist über Bluetooth mit dem Handy verbunden.

Des Weiteren bietet die App die Möglichkeit, ein persönliches Notfall-Profil anzulegen. Mit einer Testfunktion kannst Du die App und den Ablauf eines Notfalls ausprobieren. Am Ende des Tests erhältst Du eine Mail und kannst sehen, welche Informationen im Ernstfall bei einem Notruf verschickt worden wären.


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Funktion 3: Warnung vor Katastrophen

Die App „Nina“ wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz betrieben und ist die wohl bekannteste Notfall-App. Sie warnt alle Nutzer vor bundesweit bestehenden Gefahren, wie zum Beispiel Hochwasser, Unwetter, Stromausfall, Feuer und Bombenfunde. Des Weiteren gibt NINA Handlungsempfehlungen. Auf Wunsch kann das Programm den aktuellen Standort berücksichtigen. Die Abkürzung NINA steht für Notfall-Informations- und Nachrichten-App. Als Informationsquelle nutzt NINA das modulare Warnsystem des Bundes. Eine Alternative zu „NINA“ ist die App „Katwarn“, die behördliche Warnungen übermittelt und etwa vom Deutschen Wetterdienst benutzt wird.

Funktion 4: Medizinscher Notfall

Die App „Notfall-ID“ eignet sich vor allem für chronisch kranke Personen oder Allergiker. Sie wurde von Ärzten und Feuerwehrleuten entwickelt und liefert allen Ersthelfern des Rettungsdienstes wichtige Informationen, etwa über eine vorhandene Diabetes-Erkrankung des in Not geratenen Menschen. Im Profil der App kannst Du alle persönlichen Informationen speichern, wie etwa Blutgruppe, Krankheiten sowie Medikamente, die Du regelmäßig nimmst. Mit einer speziellen Funktion können die persönlichen Informationen im Startbildschirm angezeigt werden, sodass Ersthelfer und Rettungskräfte diese auch ohne PIN lesen können.

Hierbei solltest Du Dir allerdings im Klaren sein, dass im Falle eines Diebstahls Unbekannte an diese Informationen gelangen können. Deshalb nutze diese App nur, wenn Du krank oder Allergiker bist. Eine Premium-Funktion bietet einen Notruf per SMS oder Anruf an zuvor gespeicherte Kontakte. Die App ist aktuell nur für Android-Telefone erhältlich. Eine Alternative fürs iPhone ist die App Notfall-ID-Notfallpass. Hier wird ein online hinterlegter Notfallpass über die App mit dem Handy verbunden.



Funktion 5: Notruf bei Vergiftungen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bietet in der App „BfR-Vergiftungsunfälle“ zum einen hilfreiche Informationen, wie Eltern einer Vergiftung bei ihren Kindern vorbeugen können. Zum anderen hilft die App im Notfall, bietet Erste-Hilfe-Maßnahmen und verbindet Dich telefonisch mit einem Giftzentrum. Liegt eine Vergiftung vor, kannst Du in unterschiedlichen Rubriken nach Hilfe suchen. Entweder alphabethisch, nach Haushaltsprodukten wie Chemikalien oder Fremdköpern, nach Pflanzen und Pilzen oder nach Medikamenten.

Funktion 6: Internationaler Notruf

Du bist auf Reisen und gerätst in eine Notsituation? Dann stellt sich zuerst die Frage: Wie lautet die richtige Notrufnummer? In diesem Fall hilft die App „Echo 112“. Sie zeigt weltweit die richtige Notfallnummer an. Zudem kannst Du im Vorfeld persönliche Notfallnummern hinterlegen. In einer Gefahrensituation wird Dein aktueller Standort übermittelt. Ist keine Internetverbindung möglich, kann die Info auch per SMS übertragen werden.

Ersetzt eine Notruf App den normalen Notruf?

Nach Angaben der Polizei ist der klassische Notruf per Telefon in vielen Situationen die beste Wahl. Das gilt sowohl für die Notfall-Nummer 110 bei einer Gefahrensituation als auch für die Telefonnummer 112 bei einem medizinischen Notfall. Bei Apps steht meist ein Drittanbieter hinter dem Service, was wertvolle Zeit kosten kann.

Andererseits bieten Apps in manchen Situationen Vorteile: Was, wenn Du im Ausland bist und die Notfallnummer nicht kennst? Was, wenn Du die Sprache nicht sprichst oder sprachbehindert bist? Auch beim Thema Erste Hilfe nach einem Unfall können Apps hilfreiche Informationen liefern. Aus diesem Grund ist die Einführung einer bundesweiten Notfall-App geplant. Wann genau diese App eingeführt wird, ist noch nicht bekannt.

An einer Autobahn steht eine orangene Notrufsäule.
Quelle: dpa / Picture Alliance Kann die Notfall-App den klassischen Notruf per Telefon oder an der Notrufsäule ersetzen? Zum Teil ja - wenn es schneller geht

Worauf sollte man beim Gebrauch der App achten?

Achte bei der Wahl der Rettungs-App und vor allem bei der Eingabe und Speicherung Deiner Daten im Vorfeld auf Datenschutz. Wie und wo werden die Daten gespeichert? Nur auf Deinem Telefon oder auf einem externen Server? Werden die Infos in einem Sperrbildschirm angezeigt?

Überblick: Welche Notruf- und Rettungsdienst-Apps gibt es?

Notruf AppIOSAndroidBesonderheit
Notfall Hilfe 112JaJaErste-Hilfe-Maßnahmen mit Anleitung
NINAJaJaWarnt vor Gefahren wie Unwetter und Sturm
Notfall-ID-         JaVon Rettungskräften für Rettungskräfte. Geeignet vor allem für chronisch Kranke
Notfall-ID NotfallpassJaJaVerbindet den online Notfallpass mit dem Handy
Handhelp / Handhelp Life CareJaJaDirekte Notfallmeldung an Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst – auch wortlos zu bedienen
Vergiftungsfälle BfRJaJaHilft Eltern im Falle einer Vergiftung von Kindern. Notruf und Erste-Hilfe-Maßnahmen
Echo112JaJaInternationale Übermittlung des Standortes sowie Auskunft über nahegelegene Notfallstationen


Sicherheit im Auto