Nissan Qashqai: Fahrbericht

So fährt der Nissan Qashqai mit neuem Benziner

Einst erfand Nissan mit dem Qashqai das Kompakt-SUV. Seit 2018 fährt er mit neuen, sauberen Benzinern. So funktionieren die 1,3-Liter-Aggregate im Qashqai.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 07/29/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Facelift aus Japan, nach der neuen Abgasnorm
Quelle: Nissan Facelift aus Japan, nach der neuen Abgasnorm

Der Nissan Qashqai ist kein weiteres Kompakt-SUV. Er hat das Segment im Grunde erfunden und spielt darin noch heute höchst erfolgreich mit. Seit 2017 verkauft Nissan das Facelift der zweiten Qashqai-Generation, Ende 2018 legten die Japaner neue 1,3-Liter-Benzinmotoren nach. Grund: Die neue Abgasnorm. Die bisherigen Aggregate mit 1,2 und 1,6 Liter Hubraum steckten bislang in 84 Prozent aller Qashqai, waren aber mit der Abgasnorm Euro 6b seit September 2018 nicht mehr zulassungsfähig.

Das neue Aggregat hat damit keine Probleme, mit Otto-Partikelfilter erreicht es die EUro-6d-Temp-Klassifizierung, Der Turbomotor wird seitdem mit 140 oder 163 PS angeboten. Der starke Benziner kann mit einem selbstschaltenden Doppelkupplungsgetriebe kombiniert werden. Wir fuhren beim Fahrtermin alle neuen Benziner-Antriebskombinationen. Und so viel vorweg: Mitunter vermissten wir eine zusätzliche, leider nicht erhältliche Version.

Nissan Qashqai mit 140 PS: Nichts für Schaltfaule

An die Stelle des vorherigen Basismotors tritt relativ gesehen ein Kraftpaket: 140 PS und 240 Newtonmeter Drehmoment sind eine ordentliche Schippe extra im Vergleich zu 116 PS und 190 Nm. Zudem liegt die Kraft bereits bei 1.600 Umdrehungen an - laut Datenblatt also kurz nach dem Ampelstart. Gefühlt schiebt der neue Einstiegsbenziner allerdings erst bei rund 2.300 Umdrehungen überzeugend an. Bis zum Drehzahllimit ändert sich das zum Ausgleich nicht wirklich.

Diesseits der 2.300 Touren arbeitet der Motor angenehm leise, wirkt aber - zumal für seine Leistungsklasse - etwas schwachbrüstig, wenn es darauf ankommt. Aus dem Loch im unteren Drehzahlbereich findet der Vierzylinder nur etwas zäh heraus. Da hilft nur Zurückschalten, damit der Hintermann nicht allzu ungeduldig wird. Wer das berücksichtigt, wird mit dem 140-PS-Motor im mindestens 1.300 Kilogramm schweren Kompakt-SUV aber zurechtkommen.

Die Schaltung wirkt leider etwas schwammig, vor allem dann, wenn der Hebel in die Gassen für die Gänge 5 und 6 biegen soll. Die Länge der Schaltwege stimmt zum Ausgleich.

Vor dem Motorenwechsel gab es den Basis-Benziner optional mit Automatik, jetzt nicht mehr. Die Qual der Wahl hat nun der Kunde des stärkeren Benziner-Qashqai. Wählt er den Handschalter, erhält er das gleiche Getriebe wie beim Basismotor. Ebenso den gleichen Normverbrauch von  5,3 Liter auf 100 Kilometer. Auf der Testfahrt konnten wir die Herstellerangabe erwartungsgemäß nicht ganz erreichen. Zum Trinken neigt dieser Qashqai dennoch in beiden Handschalter-Varianten nicht: Bei gemütlicher Fahrt auf der Autobahn und durch insgesamt herrlich flüssigen Stadtverkehr standen am Ende etwas weniger als sechs Liter auf 100 Kilometer im Display des Bordcomputers. Für ein Fahrzeug dieser Größe ein günstiger Verbrauch.

Der sehr ähnliche Verbrauch hat technische Ursachen: Technisch unterscheiden sich die Motorvarianten nur bei der Software, alles andere ist identisch. Der Motor stammt aus der Entwicklungsgemeinschaft zwischen Nissans Allianzpartner Renault und dem deutschen Daimler-Konzern. Er steckt auch unter der Haube von Renault Scenic, Renault Grand Scenic oder Mercedes A 180 und A 200.

Automatik funktioniert einwandfrei. Nur beim Kick-down fehlt etwas Geschwindigkeit
Quelle: Nissan Automatik funktioniert einwandfrei. Nur beim Kick-down fehlt etwas Geschwindigkeit

Nissan Qashqai mit 160 PS: Optional mit Doppelkupplung

Die 160-PS-Version mit 160 PS und 260 Newtonmeter Drehmoment bei 2.000 Umdrehungen unterscheidet sich subjektiv und auf alltäglichen Fahrten nur minimal von der 140-PS-Variante. Im niedrigen Drehzahlbereich überzeugt der Motor aber mehr und stellt das entscheidende Extra an Souveränität beim Anfahren und Beschleunigen bereit. Das Loch unterhalb von 2.300 Umdrehungen existiert, aber dieser Qashqai befreit sich besser daraus.

Neu im Qashqai ist ein Doppelkupplungsgetriebe. Diese Form der Automatik bot Nissan bisher nur im Supersportwagen GT-R an, den Qashqai konnten schaltfaule Kunden mit einem stufenlosen CVT-Automatikgetriebe bestellen. Der Qashqai zieht hier nun mit seinen Schwestermodellen von Renault gleich. Im Nissan Qashqai gibt es nichts an der Automatik auszusetzen: sie schaltet flüssig durch die Gänge und vermeidet übertrieben langes Kupplungs-Schleifen. Lediglich bei einem abrupten Kick-down könnte sie den Kraftschluss noch etwas schneller herstellen.

Die Vorderachse hätte dann allerdings noch etwas mehr zu arbeiten: Schon so kommt ihr die Kraft auf unserer Testfahrt meist zu plötzlich. Einsetzender Regen offenbart Traktionsschwächen beim gutmütigen Nissan Qashqai. Antriebseinflüsse in der Lenkung nehmen sensible Fahrer auch bei trockenem Asphalt wahr.

Dagegen hilft eine sanftere Gangart - oder ein Allradantrieb. Den bietet Nissan jedoch nur in Verbindung mit dem 150-PS-Diesel an. Schade - damit scheidet der Benzin-Qashqai trotz seiner ordentlichen Anhängelast von 1.500 Kilo (1.300 kg mit 140 PS) für manchen Wohnwagenbesitzer als potenzielles Zugfahrzeug aus.

Apropos Diesel: Auch hier ersetzte Nissan 2018 einen Motor. Neues Spitzenaggregat ist ein 1,7-Liter-Vierzylinder mit 150 PS. Der kostspieligste Qashqai-Antrieb (ab 31.665 Euro) kann mit einer Handschaltung oder einer CVT-Automatik bestelt werden. Nicht jedem gefällt die stufenlose Lösung, daher legte Nissan wohl das manuelle Getriebe nach.

Quahl der Wahl bleibt beim Kunden. Handschaltung oder CVT-Automatik
Quelle: Nissan Quahl der Wahl bleibt beim Kunden. Handschaltung oder CVT-Automatik

Qashqai-Einstiegs-Benziner: 24 PS stärker, 860 Euro teurer

Zu den neuen Motoren wertet ein moderneres Infotainment den Nissan-Bestseller auf. Nissan Connect bietet eine Sprachsteuerung und mehr Möglichkeiten zur Kopplung mit kundeneigenen Smartphones. An Innenraum und Außendesign des 2017 gelifteten Qashqai ändert sich vorerst nichts. Weiterhin fasst der Kofferraum geräumige 430 bis 1.585 Liter. Weiterhin bietet der Qashqai guten Reisekomfort und genug Platz für vier Erwachsene. Weiterhin trägt der Innenraum mit seinem geringfügig erhöhten Hartplastik-Anteil dem Preisabstand zu deutschen Konkurrenten wie Ford Kuga oder VW Tiguan Rechnung.

Denn der Preis ist weiterhin eines der stärksten Argumente für den Nissan. Das 140-PS-Modell startet bei 21.350 Euro, das sind 860 Euro mehr als für den alten, schwächeren Basis-Benziner. Wer im Alltag mehr Durchzug benötigt, sollte sich die 160 PS-Version für mindestens 27.765 Euro genauer ansehen. Klingt nach einem hohen Preissprung, aber: Dafür steigt der stärkere Motor direkt eine Ausstattungsvariante höher ein. Das Doppelkupplungsgetriebe kostet 1.700 Euro Aufpreis.

Fazit Nissan Qashqai: Der Preis bleibt heiß

Die seit September 2018 lieferbaren Motoren bieten mehr Leistung und zukunftsfeste Filtertechnik, kosten aber kaum mehr. An der Positionierung des Nissan Qashqai im Segment kompakter CIty-SUV ändert sich dadurch nichts. Vereinfacht formuliert, bietet er mehr Ausstattung als die Koreaner und kostet weniger als praktisch der gesamte Rest. Damit wird der Qashqai auch in Zukunft seine Käufer finden. Achja, unser Wunsch: Wir können uns vorstellen, dass der 140-PS-Motor ein Doppelkupplungsgetriebe vertragen könnte. Einen Benziner mit Allrad würden wir uns auch wünschen - verstehen aber, dass Nissan diese Kombination für etwas zu exotisch halten könnte.



Technische Daten des Nissan Qashqai

ModellNissan Qashqai 1,3 Turbo (140 PS) Der „kleine“ 1,3-BenzinerNissan Qashqai 1,3 Turbo (160 PS) Der „große“ 1,3-Benziner
Motor1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit OPF1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit OPF
Getriebe6-Gang-Handschaltung, Frontantrieb6-Gang-Handschaltung oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb
Leistung140 PS (103 kW) bei 5.000 Umdrehungen160 PS (118 kW) bei 5.500 Umdrehungen
Drehmoment240 Nm bei 1.600 Umdrehungen260 Nm bei 2.000 Umdrehungen (270 Nm mit Doppelkupplungsgetriebe)
Verbrauch5,3 l/100 km (WLTP laut Hersteller)5,3 l/100 km - Automatik-Variante 5,4 l/100 km (WLTP laut Hersteller)
CO2121 g/km121 g/km (122 g/km bei Automatik-Variante)
AbgasnormEuro 6 d-Temp ab Okt. 2018Euro 6 d-Temp
0 – 100 km/h10,5 s8,9 s (9,9 mit Doppelkupplungsgetriebe)
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h200 km/h
Länge4.390 mm4.390 mm
Breite1.810 mm1.810 mm
Höhe1.590 mm (ohne Dachreling)1.590 mm (ohne Dachreling)
Radstand2.650 mm2.650 mm
Leergewicht (EU)1.300 – 1.435 kg1.300 – 1.435 kg
Kofferraum430 - 1.585 l430 - 1.585 l
GrundpreisAb 21.350 EUR (in der Basis-Ausstattungslinie „Visia“)23.400 EUR / 25.100 mit Automatik (jeweils in der Basis-Ausstattungslinie „Visia“)
MarkstartAb sofort erhältlichAb sofort erhältlich

Nissan Qashqai Fahrbericht 2018

  • Kaum Aufpreis durch Upgrade. Der günstige seiner Sparte
    Quelle: Nissan Kaum Aufpreis trotz des Upgrades. Der Günstige seiner Sparte
  • Facelift aus Japan, nach der neuen Abgasnorm
    Quelle: Nissan Facelift aus Japan, nach der neuen Abgasnorm
  • Neu an Bord ist ein Doppelkupplungsgetriebe
    Quelle: Nissan Neu an Bord ist ein Doppelkupplungsgetriebe
  • Außen bleibt alles so wie es ist. Keine Änderungen am Gehäuse und im Innenraum
    Quelle: Nissan Außen bleibt alles so wie es ist. Keine Änderungen am Gehäuse und im Innenraum
  • Automatik funktioniert einwandfrei. Nur beim Kick-down fehlt etwas Geschwindigkeit
    Quelle: Nissan Automatik funktioniert einwandfrei. Nur beim Kick-down fehlt etwas Geschwindigkeit
  • Quahl der Wahl bleibt beim Kunden. Handschaltung oder CVT-Automatik
    Quelle: Nissan Quahl der Wahl bleibt beim Kunden. Handschaltung oder CVT-Automatik
  • Mehr Leistung, bessere Filterung und kaum teurer
    Quelle: Nissan Mehr Leistung, bessere Filterung und kaum teurer