Das Praktische und das Sinnlose: GLA 45 S AMG

Mercedes-AMG GLA 45: Kompakt-SUV mit 421 PS im Test

Mercedes-AMG bläst das Kompakt-SUV GLA auf 421 PS auf. Das macht zwar keinen Sinn, aber manchmal viel Spaß. Wie er fährt, liest Du hier.

  • Heiko Dilk
  • Veröffentlicht am 07/22/2020, 01:13 PM
Mercedes-AMG GLA 45 Frontansicht dynamisch
Quelle: Daimler AG Mercedes-AMG pflanzt dem Kompakt-SUV GLA auch in 2. Generation einen aufgeblasenen 2,0-Liter-Vierzylinder ein. Er leistet im GLA 45 S 421 PS

Eigentlich wird er ja praktischer. Der Mercedes GLA wird in zweiter Generation größer, bietet mehr Platz im Kofferraum und auf der Rückbank. Bei AMG, dem Sportverein vom Daimler, setzen sie die Prioritäten typischerweise anders. Wie viel PS lassen sich aus dem Motor holen? Wie schnell ist die Beschleunigung auf 100 km/h? Und überhaupt: Wie sportlich kann ein Kompakt-SUV sein? Die Antworten gibt der Mercedes-AMG GLA 45 S 4Matic+.

Mercedes-AMG GLA 45 (S) 4Matic+ im Überblick

  • Sportliche Topversion des Kompakt-SUVs Mercedes GLA
  • Als GLA 45 mit 387 PS und als GLA 45 S mit 421 PS
  • Beide Modelle mit Allradantrieb 4Matic+
  • Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe serienmäßig
  • Marktstart im Spätsommer 2020
  • Mercedes-AMG GLA 45 Preis: ab 61.190 Euro

Maximal 421 PS holt Mercedes-AMG aus dem 2,0-Liter-Vierzylinder. 500 Newtonmeter liegen an, maximal fährt der GLA 45 bis zu 270 km/h schnell – abgeregelt. Im Standard-GLA-45 ohne das „S“ leistet der Turbo noch 387 PS, das Drehmoment liegt bei 480 Nm. In jedem Fall wird die Kraft über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe an alle vier Räder weitergereicht. In 4,3 Sekunden peitscht der GLA 45 S auf 100 km/h, der kleine GLA 45 braucht eine Zehntelsekunde länger.


Mercedes GLA 45 AMG
Stuttgarter Kompakt-SUV

• Modell: GLA 45 AMG
• Motor: Zweiliter-Vierzylinder-Turbo
• Leistung: 360 PS
• 0-100 km/h: 4,8 s


Mercedes-GLA 45 S 4Matic+ im ersten Test

Wir fahren die große Variante. Rein in den eng geschnittenen Sportsitz, Startknopf drücken – und der Motor rotzt los. Kernig, kräftig klingt der Kleine. Aber nur beim Start – und unter Last. Doch wir rollen erst mal gemächlich vom Hof Richtung Autobahn. Er macht das recht entspannt. Das Verstellfahrwerk hat Mercedes-AMG gründlich überarbeitet, die Radführung wurde modifiziert, der Vorderwagen versteift. Die Dämpfer lassen sich in drei Stufen verstellen und passen sich automatisch der Fahrsituation an. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt das komfortabler und agiler.

Mercedes spreizt die Fahrprogramme Comfort, Sport und Sport+ weit auf. Der Unterschied zwischen sanft und sportlich fällt nun größer aus. Auf der Autobahn mögen wir Comfort. Der GLA schluckt Wellen und Kanten gut weg, stößt sie nie zu hart durch und wirkt dabei satt angebunden und stabil bis in hohe Geschwindigkeiten.

Mercedes-AMG GLA 45 Cockpit
Quelle: Daimler AG Der Fahrer greift im GLA 45 AMG in das gleiche AMG-Lenkrad wie in größeren Modellen. Es kommt optional auch mit Alcantara und gelber Markierung für 12 Uhr

Doch uns interessieren die Kurven. Runter von der Autobahn, rauf auf die Alm. Der Sport-Modus schärft den GLA 45 S ordentlich nach. Als würde er die Muskeln anspannen, straffen sich Lenkung, Fahrwerk und Getriebe. Ein, zwei Gänge schaltet das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe herunter, dann hängt der GLA gierig am Gas. Er reagiert spontan auf Pedaldruck, schiebt vehement an und schnauft dazu wie ein Dampfkochtopf. Der Turbo grüßt fröhlich.

Dass der GLA ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat (er wiegt fast 1,8 Tonnen), kaschiert der Motor locker. Beeindruckender ist nur noch der Gleichmut, mit dem sich der GLA in die Haarnadelkurven legt. Tatsächlich neigt er sich nämlich kaum. Er geht aufrecht und knackig ums Eck. Kein Über- und kaum Untersteuern lassen vermuten, dass der GLA so hoch baut, wie er eben gewachsen ist. Wobei wir, wie stets an dieser Stelle, einschränken müssen: Für ein SUV fährt der GLA erstaunlich agil und verbindlich. Den direkten Vergleich mit einem A 45 S 4Matic+ möchten wir ihm trotzdem ersparen.



Allradantrieb und Fahrprogramme im Mercedes-AMG GLA 45

An der Technik scheitert es nicht. Der Allradantrieb 4Matic+ ist voll variabel ausgelegt. An der Hinterachse sorgt ein Getriebe mit zwei Lamellenkupplungen dafür, dass die Kraft zwischen den Rädern verteilt wird. Genau wie beim Ausgleich zwischen Vorder- und Hinterachse erfolgt die Regelung elektromechanisch. Dabei werden Parameter wie Geschwindigkeit, Quer- und Längsbeschleunigung, Lenkwinkel und Drehzahldifferenz zwischen den Rädern einbezogen. Je nach gewähltem Fahrmodus fährt der GLA 45 mal mehr, mal weniger agil.

Einen Driftmodus wie bei den großen AMG-Modellen, bei denen die Vorderachse komplett ausgehängt wird und nur die Hinterräder angetrieben werden, gibt es im GLA 45 selbstredend nicht. Die Kompakt-Plattform fährt standardmäßig mit Vorderradantrieb.

Insgesamt gibt es wie bei allen neueren AMG-Top-Modellen sechs Fahrprogramme (Glätte, Comfort, Sport, Sport+, Individual und Race). Hierfür hat AMG den Marketing-Begriff „AMG Dynamics“ erfunden. Die Einstellungen heißen Basic, Advanced, Pro und Master. Beeinflusst werden Gaspedalreaktion, Schaltzeiten und Schaltpunkte, Lenkung, Fahrwerk, Allradantrieb, ESP-Einstellung und der Klang der Abgasanlage.

Zu kompliziert? Vielleicht reicht es zu wissen, dass „Basic“ auf Stabilität und Sicherheit ausgelegt ist, während „Master“ maximale Agilität auf der Rennstrecke bringen soll.


DE-83471 Berchtesgaden 22222 43333
Audi RS Q3 Sportback

• Motor: 2,5-l-Fünfzylinder-Turbo
• Leistung: 400 PS
• 0-100 km/h: 4,5 s | Vmax: 250 km/h


Panamericana-Grill und 12-Uhr-Markierung für den GLA

Äußerlich erkennt man den Mercedes-AMG GLA 45 am Panamericana-Grill mit senkrechten Streben und großzügigem Heckflügel. Die Frontschürze mit großen Lufteinlässen und die Heckschürze mit Diffusor-Einsatz sowie angetäuschten Luftauslässen hinter den Radkästen sind weitere Merkmale, die den 45er von den zahmen GLA-Modellen abheben. Wer das S-Modell vom GLA 45 ohne S unterscheiden will, muss auf den Auspuff achten: Beim GLA 45 S kommen vier ovale Endrohrblenden mit 90 Millimetern Durchmesser zum Einsatz. Sonst sind sie rund und etwas kleiner.

Fahrer und Beifahrer sitzen im GLA 45 serienmäßig auf Sportsitzen mit roten Akzenten. Im GLA 45 S sollen gelbe Highlights den „Rennsport-Charakter“ betonen. Dazu passt das serienmäßige AMG- Performance-Lenkrad mit gelber Kontrastnaht und gelber 12-Uhr-Markierung.

Das Infotainment MBUX übernimmt der GLA AMG vom Standard-GLA. Wie gehabt kombiniert Mercedes zwei Bildschirme zum Widescreen-Display. Die Anzeige-Stile weichen jedoch ab. Neben „Klassisch“ gibt es „Sport“ und „Supersport“ mit zentralem Drehzahlmesser und balkenförmigen Zusatzanzeigen. Beim S-Modell ist zudem der Datenlogger AMG Track Pace serienmäßig an Bord. Der sammelt auf der Rennstrecke wichtige Daten und hilft so bei der Optimierung der Rundenzeit.



Mercedes-AMG GLA 45 und GLA 45 S: Preise und Marktstart

Es bleibt dabei: Wer seine Rundenzeit auf dem Rundkurs wirklich optimieren will, sollte zu einem anderen Auto greifen. Die Kompaktlimousine Mercedes-AMG A 45 fährt, wie gesagt, mit derselben Technik. Aber mit weniger Gewicht und niedrigerem Schwerpunkt. Damit hat sie die Physik auf ihrer Seite – und kommt sportlicher um die Ecken.

Darum geht es vermutlich den wenigsten SUV-Käufern, AMG-Topmodell hin oder her. Die größere Präsenz auf der Straße, mehr Platz und die höhere Sitzposition dürften den Ausschlag bei der Wahl A 45 vs. GLA 45 geben. Wobei GLA-Käufer definitiv mehr ausgeben müssen. Mercedes-AMG verlangt nach der Mehrwertsteuer-Senkung ab 61.190 Euro für den schwächeren GLA 45 AMG. Der GLA 45 S 4Matic+ kostet 66.642 Euro.

Die Konkurrenz ruft ähnliche Preise auf. Ein Audi RS Q3 startet bei rund 62.390 Euro. Er leistet zwar „nur“ 400 PS und 480 Nm, Tempo 100 erreicht er nach 4,5 Sekunden. Aber: Ihn treibt ein 2,5-Liter-Fünfzylinder mit etwas mehr Charakter an. Außerdem gibt es das Kompakt-SUV dort wahlweise als RS Q3 Sportback mit hübscherem coupéartigem Heck. Womit die direkten Gegner schon benannt wären. BMW verzichtet in der Kompaktklasse auf ein echtes M-SUV, der X2 M35i fährt mit 306 PS weit hinterher. Marktstart für den Mercedes-AMG GLA 45 ist im Sommer 2020.

Mercedes-AMG GLA 45 4Matic+: Technische Daten

ModellGLA 45 4Matic+GLA 45 S 4Matic+
Motor2,0-l-Vierzylinder-Turbobenziner 2,0-l-Vierzylinder-Turbobenziner
Leistung285 kW/387 PS b. 6.500 U/min310 kW/421 PS b. 6.750 U/min
Drehmoment480 Nm b. 4.750-5.000 U/min500 Nm b. 5.000-5.250 U/min
Antrieb8-Gang-Doppelkupplung, Allradantrieb8-Gang-Doppelkupplung, Allradantrieb
0-100 km/h4,4 s4,3 s
Geschwindigkeit250 km/h270 km/h
Verbrauch9,2-9,1 l/100 km9,3-9,2 l/100 km
CO2-Ausstoß211-209 g/km212-210 g/km
Länge4.436 mm4.436 mm
Breite1.849 mm1.849 mm
Höhe1.588 mm1.588 mm
Radstand2.729 mm2.729 mm
Kofferraumvolumen435-1.430 l435-1.430 l
Gewicht1.745 kg1.765 kg
MarktstartSommer 2020Sommer 2020
Preisab 61.190 Euroab 66.642 Euro

Der Mercedes-AMG GLA 45 in Bildern

  • Mercedes-AMG GLA 45 Seitenansicht
    Quelle: Daimler AG Der Mercedes-AMG GLA misst weniger als 4,40 in der Länge – und kann vergleichsweise harmlos aussehen, wie dieses Modell ohne Extra-Verspoilerung zeigt
  • Mercedes-AMG GLA 45 Cockpit
    Quelle: Daimler AG Der Fahrer greift im GLA 45 AMG in das gleiche AMG-Lenkrad wie in größeren Modellen. Es kommt optional auch mit Alcantara und gelber Markierung für 12 Uhr
  • Mercedes-AMG GLA 45 digitales Cockpit
    Quelle: Daimler AG Die Anzeigen im Mercedes-AMG GLA 45 unterscheiden sich etwas von denen im Standardmodell, die Funktionalität erweitert AMG um sportliche Komponenten
  • Mercedes-AMG GLA 45 Fahrersitz
    Quelle: Daimler AG Die Sportsitze im AMG GLA 45 sitzen eng, aber nicht zu knapp. Der Seitenhalt ist gut, längere Strecken sollten ebenfalls kein Problem sein
  • Mercedes-AMG GLA 45 Frontansicht dynamisch
    Quelle: Daimler AG Mercedes-AMG pflanzt dem Kompakt-SUV GLA auch in 2. Generation einen aufgeblasenen 2,0-Liter-Vierzylinder ein. Er leistet im GLA 45 S 421 PS
  • Mercedes-AMG GLA 45 Dreiviertel-Heckansicht dynamisch
    Quelle: Daimler AG Der GLA 45 gibt sich für ein SUV überraschend agil. Er bleibt lange neutral und leistet sich wenig Seitenneigung
  • Mercedes-AMG GLA 45 Dreiviertel-Frontansicht dynamisch
    Quelle: Daimler AG Tempo 100 erreicht der AMG GLA 45 S nach 4,3 Sekunden, das Modell ohne S braucht 0,1 Sekunden länger
  • Mercedes-AMG GLA 45 Dreiviertel-Heckansicht dynamisch
    Quelle: Daimler AG Der Sound aus den beiden Doppelendrohren der Auspuffanlage geht in Ordnung, bei hoher Last klingt der Motor jedoch etwas angestrengt
  • Mercedes-AMG GLA 45 Blick unter die Motorhaube
    Quelle: Daimler AG Ein Mann, eine Maschine: Auch die kleinen Motoren werden bei AMG von einem Mitarbeiter gebaut und signiert