Eine solide Alternative zum Tiguan

Ford Kuga Mk. II (2.0 TDCI) im Alltagstest

Der Ford Kuga gehört zu den beliebtesten SUV im Land. Ein Facelift 2016 hat den Kölner noch einmal aufgewertet. Der Kuga 2.0 TDCI im Alltagstest.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 08/28/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Im Test verlangte der Kuga II acht Liter auf 100 Kilometer
Quelle: Peter Besser für mobile.de Im Test verlangte der Kuga II acht Liter auf 100 Kilometer

Fords Volltreffer: Mit dem Kuga landete Ford einen Erfolg im wachsenden Markt der Kompakt-SUV. Familientauglich, komfortabel, zuverlässig und in seinem Segment attraktiv bepreist: Kein Wunder, dass die zweite Generation des Ford Kuga vor allem in Deutschland außerordentlich beliebt ist. Ein harter Wettbewerber und eine echte Alternative zum VW Tiguan.

Die zweite Generation des Ford Kuga kam 2012 auf den Markt und erhielt Ende 2016 ein umfassendes Facelift. Im Frühjahr 2019 stellte Ford die dritte Generation des Kuga vor, die ab Anfang 2020 bei den Autohändlern stehen wird. Ein guter Zeitpunkt, sich die ausgereifte, zweite Generation genauer anzuschauen. Wie sich das Kompakt-SUV im Alltag schlägt, lest Ihr in unserem Test.



Abmessungen, Platzangebot, Karosserie

Zum Modelljahr 2017 erhielt der Kuga einen markanteren Kühlergrill. Steht ihm gut, ändert aber nichts an den Proportionen und Abmessungen des Kuga. Das SUV bietet viel Platz auf allen Sitzen. Geht es auf große Familienfahrt, kann es angesichts von rund 450 Litern Kofferraumvolumen mit dem Gepäck knapp werden. Da bieten klassische Kompakt-Kombis wie Opel Astra Sports Tourer oder Ford Focus Turnier mehr. Kinderwagen oder Dreirad zusätzlich zum Gepäck? Eher nicht. 

Der Mittelplatz im Ford Kuga eignet sich nur als Notsitz
Quelle: Peter Besser für mobile.de Der Mittelplatz im Ford Kuga eignet sich nur als Notsitz

Die Passagiere sitzen dafür auf langen Strecken bequem, auch große Autofahrer mit 1,90 Meter Körperlänge fühlen sich nicht beengt im Kuga-Cockpit. Im Fond eckt man ebenso wenig an, der mittlere Platz ist allerdings eher ein Notsitz. 

Die Rundumsicht im Ford Kuga ist akzeptabel, mit einer Einschränkung. Beim Abbiegen schaut man an der breiten C-Säule nicht so gut vorbei. Vor allem im Stadtverkehr kann das gefährlich sein, wenn rechts Radfahrer von hinten nahen. 

Innenraum, Verarbeitung, Materialien

Das Bedienkonzept, mit dem der zweite Ford Kuga an den Start ging, erntete viel Kritik. Mit dem Facelift räumte Ford auf und verschlankte die Knopflandschaft deutlich. Alles ist nun übersichtlich angeordnet. Zwar findet sich viel Kunststoff im Kuga, billig wirkt das Cockpit dennoch nicht. 

Schön: Auch auf den Rücksitzen mit verstellbarer Lehne lassen sich lange Strecken gut aushalten. Im Staufach unter der Mittelarmlehne verbergen sich zwei USB-Anschlüsse.  Unpraktisch: In die Getränkehalter in der Mittelkonsole passen leider keine Ein-Liter-Flaschen.

Infotainment, Radio, Konnektivität

Zur Neuordnung des Cockpits gehört ein acht Zoll großer Touchscreen an der Stelle des bisherigen Mäusekinos. Der neue Bildschirm erkennt wie das Handy neben Tippbefehlen auch Wischbewegungen. Die dritte Generation von Ford Sync erlaubt die Kopplung des Smartphones über Android Auto oder Apple Carplay und besitzt eine deutlich verbesserte Sprachsteuerung. 

Das System liefert tatsäch brauchbare Ergebnisse auf Befehle wie “ich möchte tanken” oder "wo ist der nächste Supermarkt?”. Natürlich muss man Sync nicht per Sprache bedienen - auch über den Touchscreen funktioniert die Suche im Navi gut. Trotzdem muss man sich an das umfangreiche System erst einmal gewöhnen.

Assistenzsysteme und Sicherheit

TÜV und ADAC stellen dem Kuga gute Noten aus: In punkto Zuverlässigkeit schneidet er gut ab und steht als eines der zuverlässigsten Kompakt-SUV in den jeweiligen Ranglisten. 

Dabei wirbt Ford ausdrücklich für seine „modernsten Technologien und hochentwickelte Fahrzeug-Strukturen“, die Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern gleichermaßen zugutekämen.

Sehr gut funktioniert das multifunktionale Scheinwerfersystem, das seit dem Facelift im Ford Kuga verfügbar ist. Es kostet im Paket mit dem Sync-System, einer automatischen Heckklappe und einer Rückfahrkamera 1.650 Euro. Es arbeitet allerdings noch in Xenon-Technik, LED-Hauptscheinwerfer bietet Ford im Kuga nicht an. Zuverlässig passt es jedoch den Leuchtwinkel der Scheinwerfer an die Lichtverhältnisse, die Fahrsituation und die Verkehrssituation an. 

LED-Scheinwerfer sind für den Kuga nicht verfügbar. Die Lichtanlage arbeitet noch mit Xenon-Technik
Quelle: Peter Besser für mobile.de LED-Scheinwerfer sind für den Kuga nicht verfügbar. Die Lichtanlage arbeitet noch mit Xenon-Technik

Etliche Sicherheitsfeatures bündelt Ford im Fahrassistenz-Paket für rund 2.000 Euro Aufpreis. Für die einfache “Trend”-Ausstattung ist es nicht lieferbar. Im Paket stecken etwa ein Notbremssystem, ein adaptiver Abstandstempomat, Toter-Winkel-Assistent, Verkehrszeichen-Erkennung und eine Spurhaltehilfe. 

Leider funktionieren nicht alle Systeme im Alltag optimal. Die Verkehrszeichenerkennung kam mit sich ändernden zulässigen Höchstgeschwindigkeiten nicht immer mit. Folgt der Kuga selbständig einem vorausfahrenden Fahrzeug, gibt er unvermittelt Gas, wenn es hinter einer Kurve verschwindet. Auf der Landstraße greift der Assistent bei minimalem Überfahren der Mittellinie etwas ruppig ein - wenn man nicht blinkt. Ausgereiftere Systeme erkennen zusätzlich eine bewusste Lenkbewegung.

Antrieb, Motor, Getriebe, Fahrleistungen

Rund 1,6 Tonnen wiegt der Ford Kuga. Angesichts dieser Gewichtsklasse ist der von uns gefahrene 150-PS-Diesel mit 2,0 Liter Hubraum die empfehlenswerteste Motorisierung. 370 Newtonmeter maximales Drehmoment reichen bequem für zügige Überholmanöver, der laufruhige Motor passt prima zum komfortablen Charakter des Kuga. Auf der Autobahn bleibt er bis etwa 170 km/h Reisegeschwindigkeit angenehm im Hintergrund. Darüber wird es etwas laut. 

Rund 1,6 Tonnen bringt der Kuga auf die Waage
Quelle: Peter Besser für mobile.de Rund 1,6 Tonnen bringt der Kuga auf die Waage

Das automatische Direktschaltgetriebe koppelt Ford beim 2,0-l-Diesel leider an den Allradantrieb, aber die manuelle Schaltung harmoniert gut mit dem drehmomentstarken Motor. Auf Autobahnetappen fordert die große Stirnfläche des SUV jedoch ihren Tribut: Wer es bei 120 km/h belässt, kann mit rund 7 Liter Diesel auf 100 Kilometer auskommen. Wer sich deutschem Autobahntempo anpasst und eine Reisegeschwindigkeit zwischen 130 und 160 km/h anpeilt, braucht rund einen Liter mehr. Den Normverbrauch gibt Ford mit 5,8 l/100 km an. 

Ford bietet den Kuga Diesel auch mit 120 oder 180 PS, stets bei 2,0 l Hubraum. Die schwächere Variante könnte zu kämpfen haben, den stets an einen Allrad-Antrieb gekoppelten Spitzendiesel muss man nicht bezahlen. Schließlich ist der Ford Kuga ein  gemütlicher Charakter. Bei der Anhängelast bietet der stärkste Diesel ebenfalls keine Vorteile gegenüber dem mittleren Diesel mit Allrad.

Fahrverhalten, Fahrwerk, Lenkung

Ford findet eine schöne Balance: Im Grundcharakter fährt der Kuga gelassen und komfortabel. Trotzdem stimmen die Kölner ihn dynamisch genug ab, um ihn nicht träge wirken zu lassen. Die Lenkung arbeitet in allen Varianten recht direkt, bei der sportlicher abgestimmten ST-Line mitunter etwas nervös. In der meistgekauften Titanium-Variante findet Ford die goldene Mitte. 

Das Fahrwerk arbeitet eher straff. Über gröbere Bodenwellen holpert der Kuga mitunter unangenehm, auf schlechten Straßen dämpft er mitunter etwas hölzern. Zum Ausgleich lässt sich der Kuga selbst voll beladen erstaunlich agil durch den Verkehr bewegen.

Ausstattung und Preise

Der Einstiegspreis nach Preisliste liegt beim Kuga bei 24.350 Euro. Dafür bekommt man einen 120-PS-Benziner (1,5 l Hubraum) und die Basisausstattung „Trend“. Der Einstiegsdiesel (120 PS) kostet sind es 28.800 Euro. Zur Serienaussuattung zählen etwa Klimaanlage und Audiosystem sowie Tempomat - und Stahlfelgen.

Die meistgekaufte „Titanium“-Ausstattung kostet mindestens 30.450 Euro, die sportliche “ST-Line” beginnt bei 32.650 Euro. Beide Ausstattungen sind nicht mit den Basismotoren kombinierbar: Mindestens 150 PS sind immer an Bord. 

Fazit zum Ford Kuga 2.0 TDCI

Wichtig für alle, die bei möglichen künftigen Fahrverboten auf der sicheren Seite sein wollen: Ford hat den Kuga stufenweise auf die seit September 2018 gültige Abgasnorm Euro 6d-Temp umgestellt. Die 1,5-Liter-Benziner (120 PS, 150 PS, 176 PS) werden seit August 2018 mit der zukunftsfesten Norm ausgeliefert. Den Spitzenbenziner mit 2,0 Liter Hubraum gibt es erst seit April 2019 mit Euro 6d-Temp. Die Diesel-Palette steht erst seit Mai 2019 mit der neuen Abgasnorm bereit.

Unterm Strich bleibt der zweite Kuga in seinem letzten Modelljahr ein guter Allrounder, mit großem Motorenangebot und - gegen Aufpreis - viel zeitgemäßer Technik. Dabei achtet Ford darauf, stets die günstigere Alternative zu vergleichbar ausgestatteten VW Tiguan anzubieten. Traditionell senkt Ford die Listenpreise über fortlaufende Aktionsangebote. Aktuell startet das SUV Ford, abweichend von der Preisliste, bei 19.990 Euro. 

Technische Daten: Ford Kuga 2.0 TDCI

  •     Motor: 2,0-Liter-Turbodiesel
  •     Leistung: 150 PS (110 kW) bei 3.500 U/min
  •     Drehmoment: 370 Nm bei 2.000 bis 2.500 U/min
  •     Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
  •     0 – 100 km/h: 10,1 s
  •     Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h
  •     Normverbrauch: 5,4-5,8 l/100 km
  •     Testverbrauch: 8,0 l/100 km
  •     Kofferraum: 456 – 1.653 l
  •     Leergewicht (EU-Norm): 1.614 kg
  •     Länge: 4.524 mm
  •     Breite: 2.086 mm
  •     Höhe: 1.736 mm
  •     Radstand: 2.690 mm
  •     Tankinhalt: 60 l
  •     Basispreis Kuga 2.0 TDCI: 30.300 Euro (Ausstattung „Trend“)

Ford Kuga Mk. II (2.0 TDCI) im Test

  • Unser Testwagen wurde von einem 2,0-Liter Turbodiesel mit 150 PS angetrieben
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Unser Testwagen wurde von einem 2,0-Liter Turbodiesel mit 150 PS angetrieben
  • Im Test verlangte der Kuga II acht Liter auf 100 Kilometer
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Im Test verlangte der Kuga II acht Liter auf 100 Kilometer
  • LED-Scheinwerfer sind für den Kuga nicht verfügbar. Die Lichtanlage arbeitet noch mit Xenon-Technik
    Quelle: Peter Besser für mobile.de LED-Scheinwerfer sind für den Kuga nicht verfügbar. Die Lichtanlage arbeitet noch mit Xenon-Technik
  • Rund 1,6 Tonnen bringt der Kuga auf die Waage
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Rund 1,6 Tonnen bringt der Kuga auf die Waage
  • TÜV und ADAC bescheinigen dem Ford-SUV gute Noten im Bereich der Zuverlässigkeit
    Quelle: Peter Besser für mobile.de TÜV und ADAC bescheinigen dem Ford-SUV gute Noten im Bereich der Zuverlässigkeit
  • Weniger Knöpfe, bessere Anordnung: Das viel kritisierte Bedienkonzept räumte Ford mit dem Facelift auf
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Weniger Knöpfe, bessere Anordnung: Das viel kritisierte Bedienkonzept räumte Ford mit dem Facelift auf
  • Vorne sitzt man auch mit einer Körperlänge von 1,90 Metern noch bequem
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Vorne sitzt man auch mit einer Körperlänge von 1,90 Metern noch bequem
  • Der Mittelplatz im Ford Kuga eignet sich nur als Notsitz
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Der Mittelplatz im Ford Kuga eignet sich nur als Notsitz
  • Im Kuga stehen zwischen 456 und 1.653 Liter Stauraum zur Verfügung
    Quelle: Peter Besser für mobile.de Im Kuga stehen zwischen 456 und 1.653 Liter Stauraum zur Verfügung