Kein optimaler Zeitpunkt für den Diesel - oder?

Diesel verkaufen oder nicht? Pro und Kontra

Dieselfahrer haben es nicht leicht in Deutschland. Seitdem das Bundesverwaltungsgericht im Februar 2018 Dieselfahrverbote ermöglicht hat, verhängen die Gerichte sie in vielen Städten. Ist es jetzt Zeit, das eigene Dieselauto zu verkaufen? 

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  • Veröffentlicht am 09/03/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Das Gefühl, die Umwelt zu verschmutzen und drohende Fahrverbote veranlassen viele Dieselbesitzer, ihr Auto zu verkaufen
Quelle: Christin Klose (picture alliance / dpa Themendienst) Das Gefühl, die Umwelt zu verschmutzen und drohende Fahrverbote veranlassen viele Dieselbesitzer, ihr Auto zu verkaufen

Mit den Dieselfahrverboten wächst die Unsicherheit der Besitzer: Wird der Diesel an Wert verlieren? Kann ich mein Auto sinnvoll nachrüsten, um die Fahrverbote zu umgehen? Oder sollte ich meinen Diesel lieber schleunigst verkaufen? Fragen, die Dieselfahrern auf dem Herzen liegen, beantwortet Dir der folgende Überblick über die aktuelle Lage der Dieselfahrverbote.

Worum geht es eigentlich beim Dieselfahrverbot?

Um diese Frage zu beantworten, muss man ins Jahr 2010 zurückblicken. Seitdem ist es in der Europäischen Union beschlossene Sache, dass die Luft höchstens 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter enthalten darf. Der Grund dafür ist, dass in vielen Städten die Belastung mit Schadstoffen ganz einfach zu hoch ist. Deutschland hat sich zur Einhaltung der von der EU beschlossenen Richtlinien verpflichtet und muss nun einen Weg finden, die Grenzwerte nicht zu überschreiten. Das geschieht derzeit mit Fahrverboten. 
Vor allem ältere Dieselmotoren sind wegen ihres hohen Stickoxidausstoßes von diesen Fahrverboten betroffen. Der Gedanke dahinter: Verbietet man Dieselautos in den Abschnitten, in denen die Grenzwerte überschritten sind, wird die Luft dadurch sauberer. Dazu muss man aber sagen, dass auch Ottomotoren betroffen sein können. Kontrolliert werden Dieselfahrzeuge anhand von Stichproben. Dieselfahrer müssen dann der Polizei ihre Fahrzeugpapiere vorlegen. Diskutiert wird immer mal wieder die blaue Plakette. Die Idee ist, dass „saubere“ Dieselautos – also Autos, die die Schadstoffgrenzen einhalten – diese Plakette erhalten, um die Kontrollen zu erleichtern. 
Sicher vor einem Fahrverbot sind nach aktuellem Stand nur Dieselautos mit der Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP beziehungsweise Euro 6d. Hier ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass für diese Dieselautos in den nächsten Jahren Fahrverbote gelten. 

Alternativ zum direkten Verkauf kannst Du Deinen Diesel jedoch auch mit einem neun Katalysator nachrüsten.
Quelle: Kai Remmers (picture alliance / dpa Themendienst) Alternativ zum direkten Verkauf kannst Du Deinen Diesel jedoch auch mit einem neun Katalysator nachrüsten

Wer ist vom Dieselfahrverbot betroffen?

Das Verbot betrifft alle Diesel mit der Abgasnorm Euro-4 und älter. Diese Städte sind unter anderen betroffen:

  • Hamburg: Seit 2018 dürfen Dieselautos mit Abgasnorm Euro-4 auf zwei Hauptverkehrsstraßen nicht mehr fahren. 
  • Stuttgart: Hier ist seit Anfang 2019 die Einfahrt ins Stadtgebiet verboten, wenn ein Auto die Abgasnorm Euro-4 oder schlechter besitzt. Geplant ist, diese Regelung ab 2020 auch auf Dieselautos mit der Norm Euro-5 auszuweiten. 
  • Essen: Ab Juli 2019 sind in Essen 18 Stadtteile von Dieselfahrverboten betroffen. Dieselautos unter der Abgasnorm Euro-5 sowie Benzinfahrzeuge unter Euro-3 werden vom Verkehr ausgeschlossen.
  • Köln und Bonn: Die Städte Köln und Bonn haben wegen hoher Luftverschmutzung seit April 2019 Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge eingeführt. 
  • Berlin: Dieselfahrverbote für insgesamt elf Straßenabschnitte auf acht Straßen sind angeordnet. 
Das Fahrverbot in den deutschen Städten betrifft alle Dieselautos mit der Abgasnorm Euro-4 und älter.
Quelle: Revierfoto (picture alliance/dpa) Das Fahrverbot in den deutschen Städten betrifft alle Dieselautos mit der Abgasnorm Euro-4 und älter

Was bedeutet das Fahrverbot für die Dieselfahrer?

Rund 15 Millionen Menschen fahren in Deutschland ein Dieselmodell. Zurzeit sind die Dieselfahrzeuge eher zu Ladenhütern geworden – und viele Dieselbesitzer spielen mit dem Gedanken, ihr Auto zu verkaufen. Zurzeit wählen Autofahrer lieber Benziner und sogar Hybrid- und Elektrofahrzeuge – aus Angst vor den Dieselfahrverboten.
Besonders zu knabbern haben Unternehmer, die viel beruflich unterwegs sind, und kleine Handwerksbetriebe. Ein Großteil von ihnen besitzt vor allem die spritsparenden Dieselfahrzeuge. Was sollen Dieselfahrer nun also tun? Verkaufen oder erst mal abwarten? 

Dieselauto behalten? Das sind die Vorteile

Was gegen das Verkaufen des Dieselautos spricht, sind beispielsweise die aktuellen Steuervorteile. Pro Liter zahlen Autofahrer für Diesel nämlich weniger Energiesteuer als für Benzin. Hier muss man allerdings im Hinterkopf behalten, dass Politik und Autobranche immer stärker darüber nachdenken, wie zeitgemäß diese Diesel-Bevorteilung überhaupt noch ist. Es kann also gut sein, dass der Steuervorteil nicht mehr lange besteht – was dann wiederum ein Grund sein könnte, um sein Dieselauto zu verkaufen.
Auch der Preis für Diesel ist zurzeit insgesamt etwas niedriger. Der Verbrennungsmotor von Dieselautos ist effizienter und energiereicher als Benzinmotoren. Er verfügt über einen 15 bis 20 Prozent höheren Wirkungsgrad. Die Folge: Dieselautos brauchen weniger Treibstoff. Ihre Besitzer kommen beim Tanken besser weg. Wer also mit seinem Dieselauto vor allem lange Strecken fährt, bei denen der Spritverbrauch eine entsprechende Rolle spielt, kann überlegen, seinen Diesel nicht zu verkaufen.

Tipp für Dieselbesitzer

Nicht in Panik verfallen! Wer jetzt überstürzt sein Dieselauto verkaufen will, wird höchstwahrscheinlich nicht das dafür bekommen, was das Auto eigentlich wert ist. Du musst zurzeit mit erheblichen Abschlägen rechnen. Falls Du Dich dennoch für das Verkaufen entscheidest und sogar planst, ein neues Dieselfahrzeug zu kaufen, dann empfiehlt der ADAC ausschließlich Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 6d-TEMP oder Euro 6d. 

Dieselauto verkaufen? Das sind die Vorteile

Der triftigste Grund, um eventuell Dein Dieselauto zu verkaufen, ist ganz klar die Umwelt. Ein Dieselfahrzeug erzeugt zwar einen relativ niedrigen CO2-Ausstoß, produziert dafür aber große Mengen an gesundheitsschädlichen Stickoxiden, die unseren Schleimhäuten und Atemwegen arg zusetzen und noch dazu mitverantwortlich für die Luftverschmutzung sind. Die vom Diesel produzierten Stickoxide verstärken zusätzlich die Erderwärmung.
Ein zweiter Grund, der dafür sprechen könnte, Dein Dieselauto wieder zu verkaufen, ist die eingeschränkte Flexibilität. wegen der Fahrverbote, die nun verstärkt für Städte in Deutschland ausgesprochen werden, können Dieselfahrer nicht einfach so überall hinfahren. Sie müssen sich vorab genauestens erkundigen, wo sich verbotene Zonen befinden, müssen alternative Routen suchen oder ihr Auto ganz stehen lassen. Damit ist das Fahren mit einem Diesel deutlich umständlicher und weniger erfreulich geworden.



Umrüsten als Alternative zum Verkauf?

Bevor in der Zukunft nun viele Autofahrer ihre Autos verkaufen oder auch jede Menge Dieselautos verschrottet werden müssen, weil sie zu viel Stickoxid in die Luft jagen, könnten neue Katalysatoren diese Autos vor diesem Ende bewahren. Allerdings ist das nicht so einfach – das Thema beschäftigt Politik und Industrie. Zugelassene Nachrüstsysteme zur Reduzierung der Emissionen gibt es noch nicht.
Konkret könnte das Umrüsten eventuell so aussehen: In alte Dieselautos würden ein Katalysator und ein Tank für Harnstoff eingebaut. Der Harnstoff reagiert im Katalysator bei sehr hohen Temperaturen mit dem Stickstoffdioxid im Abgas zu Wasser und harmlosem Stickstoff. 
Wie eine solche Umrüstung vonstatten gehen könnte, ist noch nicht klar. Die Autohersteller sind bislang nicht zu Nachrüstungen verpflichtet. Einige große Autobauer wollen in den von schlechter Luft betroffenen Städten zum Beispiel mehrere 1.000 Euro je Dieselfahrzeug für sogenannte Mobilitätslösungen zahlen. Damit ist eine Nachrüstung mit Katalysatoren bei Nachrüstfirmen gemeint. Dazu laufen noch Umtauschprämien.
Generell lässt sich sagen: Nachrüstungen sind gemessen am Wert der betroffenen Dieselautos teuer. Vermutlich kosten sie zwischen 1.400 und 3.300 Euro. Auch hat der Gesetzgeber noch keine Rahmenbedingungen zur Anerkennung umgerüsteter Dieselfahrzeuge geschaffen. 

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