Tiguan-Schreck Dacia Striker: Mehr Auto für 15.000 Euro weniger?
Der neue Dacia Striker fordert den VW Tiguan III heraus – mit Hybrid-Allrad, 600 Litern Kofferraum und einem Einstiegspreis unter 25.000 Euro. Ob der Preisunterschied von rund 15.000 Euro gerechtfertigt ist, zeigt dieser erste Vergleich.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Dacia Striker startet unter 25.000 Euro – der VW Tiguan III kostet mindestens 39.385 Euro.
- Beide Fahrzeuge bieten rund 600 Liter Kofferraumvolumen und Platz für fünf Personen.
- Der Striker setzt ausschließlich auf elektrifizierte Antriebe – Diesel gibt es nicht.
- Der Tiguan bietet als PHEV bis zu 125 km elektrische Reichweite und lädt per DC mit bis zu 50 kW.
Das C-Segment war lange eine Domäne von Volkswagen. Der Tiguan ist seit Jahren eines der meistverkauften SUVs in Deutschland.
Dacia hingegen hat in den vergangenen Jahren systematisch aufgeholt: erst mit dem Duster, dann mit dem Bigster, jetzt mit dem Striker. Der neue Crossover-Kombi ist das bisher ambitionierteste Modell der Marke und greift den Tiguan direkt an.
Der Tiguan III ist das meistverkaufte Kompakt-SUV Deutschlands – mit breiter Antriebspalette und fünf Euro-NCAP-Sternen.
Beide Fahrzeuge richten sich an Familien, die ein geräumiges Alltagsauto mit erhöhter Sitzposition suchen. Der VW setzt auf den klassischen SUV-Aufbau mit breiter Antriebspalette und hohem Komfortniveau.
Der Dacia wählt einen anderen Weg: flacher, aerodynamischer, konsequent elektrifiziert und deutlich günstiger.
Der grundlegende Unterschied liegt nicht im Platzangebot oder der Ausstattungsliste, sondern in der Philosophie: Volkswagen verkauft ein Premiumversprechen, Dacia verkauft Nutzwert.
Ob dieser Unterschied 15.000 Euro wert ist, hängt vom Käuferprofil ab.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Dacia Striker | VW Tiguan III |
|---|---|---|
| Karosserieform | Crossover-Kombi (5-türig) | SUV/Kombi (5-türig) |
| Länge/Breite/Höhe | 4,62 m/1,82 m/1,53 m | 4,54 m/1,84 m/1,66 m |
| Radstand | nicht kommuniziert | 2.677–2.680 mm |
| Motorkonzept (Basis) | 1,2-l-R3-Turbo + 48V-Mildhybrid (LPG) | 1,5-l-R4-Turbo + 48V-Mildhybrid |
| Systemleistung (Basis) | 103 kW/140 PS | 96 kW/130 PS |
| Motorkonzept (Top-HEV) | 1,8-l-R4 + 2 E-Motoren (Vollhybrid) | 1,5-l-R4 + E-Motor (PHEV) |
| Systemleistung (Top-HEV) | 114 kW/155 PS | 150 kW/204 PS bzw. 200 kW/272 PS |
| 0–100 km/h | nicht kommuniziert | ab 7,1 s (204-PS-TSI) |
| Vmax | 180 km/h (alle Varianten) | 198–242 km/h |
| Batterie (PHEV/HEV) | 1,4 kWh (Hybrid 155); 0,8 kWh (MHV) | 19,7 kWh (PHEV) |
| Systemspannung | 280 V (Hybrid 155); 48 V (MHV) | nicht kommuniziert |
| Elektr. Reichweite WLTP | entfällt (kein PHEV) | bis zu 125 km (PHEV) |
| DC-Laden | entfällt | bis zu 50 kW (PHEV) |
| AC-Laden | entfällt | bis zu 11 kW (PHEV) |
| 10–80 % Ladezeit | entfällt | nicht kommuniziert |
| Verbrauch WLTP | ca. 4,5 l/100 km (Hybrid 155, vorläufig) | 0,4–0,5 l + Strom (PHEV); 5,9–6,5 l (MHV) |
| Leergewicht | ca. 1.400 kg (vorläufig) | 1.598–1.890 kg |
| Kofferraum | 600 Liter | ca. 600–650 Liter |
| Sitze | 5 | 5 |
| Luftwiderstandsbeiwert | cw 0,29 | cw 0,28 |
| Basispreis DE | unter 25.000 Euro (UVP, vorläufig) | ab 39.385 Euro |
Hinweis: Der Dacia Striker befindet sich noch im Homologationsprozess. Alle Dacia-Angaben sind vorläufig und vorbehaltlich der finalen Zulassung (geplant: Dezember 2026). Verbrauchswerte nach WLTP stehen noch aus.
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Alltagstauglichkeit und Konzept
Dacia Striker
Mit 4,62 Metern Länge und 600 Litern Kofferraumvolumen positioniert sich der Striker klar als Familienfahrzeug. Die flache Bauhöhe von nur 1,53 Metern verbessert die Aerodynamik, kostet aber Kopffreiheit im Fond: Ab einer Körpergröße von 1,80 Metern wird es eng.
Das Cockpit ist horizontal gegliedert, physische Schalter für Klimaanlage und Fahrmodi bleiben erhalten. Das YouClip-System mit neun Befestigungspunkten und der integrierte Eiskratzer zeigen, dass Dacia Alltagsnutzen ernst nimmt.
Der dreiteilige Modulboden im Kofferraum mit Wende-Funktion ist ein praktisches Detail, das im Segment selten ist.
VW Tiguan III
Der Tiguan ist mit 4,54 Metern etwas kürzer, aber mit 1,66 Metern Höhe deutlich höher gebaut, was dem Innenraum mehr Kopffreiheit verschafft. Das MIB4-Infotainment mit 12,9-Zoll-Touchscreen ist technisch führend, setzt aber auf eine weitgehend touchbasierte Bedienung.
Die Verarbeitungsqualität liegt weiterhin über dem Dacia-Niveau, auch wenn der Sparkurs in Wolfsburg in Form härterer Kunststoffflächen sichtbar wird. Beide Fahrzeuge bieten fünf Sitzplätze und ein ähnliches Ladevolumen.
Fazit: Für die reine Alltagsnutzung liegen beide Fahrzeuge näher beieinander, als der Preisunterschied vermuten lässt. Der Tiguan gewinnt bei Komfort und Verarbeitungsqualität, der Striker bei Bedienbarkeit und Nutzwert-Effizienz.
Design
Der Dacia Striker ist das erste Fahrzeug der Marke, das nicht mehr entschuldigt werden muss. Die T-förmige LED-Lichtsignatur an allen vier Ecken, die straffe Schulterlinie und die leicht abfallende Dachlinie ergeben ein Gesamtbild, das eigenständig wirkt.
Das Design polarisiert: Wer einen klassischen Kombi erwartet, wird überrascht. Wer einen SUV erwartet, auch. Genau das ist die Stärke des Strikers – er ist beides und keines davon.
Die Bodenfreiheit von bis zu 20 Zentimetern und die Plastikbeplankung der Radhäuser signalisieren Robustheit, ohne in Geländewagen-Klischees zu verfallen.
Der VW Tiguan III ist handwerklich sauber, aber zunehmend gesichtslos. Das durchgehende Lichtband am Heck und die vier Ausstattungslinien geben dem Käufer Orientierung, aber kaum Überraschungen.
Der Tiguan sieht aus wie ein Tiguan. Das ist für viele Käufer ein Kaufargument, kein Kritikpunkt. Wer Status und Wiedererkennungswert sucht, ist beim VW richtig. Wer Eigenständigkeit sucht, findet sie beim Dacia.
Der Dacia Striker ist mit einem cw-Wert von 0,29 aerodynamischer als viele SUVs im C-Segment und nur minimal schlechter als der Tiguan III mit 0,28. Das Leergewicht von rund 1.400 kg ist ein Rekordwert für die Klasse.
Motorkonzept und Fahrdynamik
Dacia setzt beim Striker konsequent auf elektrifizierte Antriebe und verzichtet vollständig auf Diesel und reine Benzinmotoren. Der Einstieg erfolgt mit dem Mild-Hybrid-G 140 – einem 1,2-Liter-Dreizylinder mit 48-Volt-Technik und bivalentem LPG-Betrieb.
Die Kombination aus zwei je rund 50 Liter großen Tanks ermöglicht Gesamtreichweiten von bis zu 1.500 Kilometern. Neu ist die Verfügbarkeit mit Sechsgang-Automatik.
Das technische Highlight ist der Hybrid 150 4x4: Ein 1,2-Liter-Mildhybrid treibt die Vorderräder an, ein 31-PS-Elektromotor an der Hinterachse übernimmt den Allradantrieb – ohne Kardanwelle.
Das System entkoppelt die Hinterachse vollständig, wenn kein Allrad benötigt wird, und reduziert so Reibungsverluste. Bis 140 km/h steht der Allradantrieb zur Verfügung. Das Konzept ist für diese Preisklasse ungewöhnlich innovativ.
Volkswagen bietet beim Tiguan die größere Auswahl: Mildhybrid, Diesel, Turbobenziner und zwei Plug-in-Hybride mit bis zu 272 PS Systemleistung. Die Fahrdynamik liegt auf einem höheren Niveau. Der 265-PS-TSI mit 4Motion-Allrad beschleunigt in 5,9 Sekunden auf 100 km/h.
Für den Striker liegen noch keine offiziellen Beschleunigungswerte vor. Die Vmax ist bei 180 km/h abgeregelt.
Ladetechnik und Reichweite
Der Dacia Striker ist kein Plug-in-Hybrid und kein Elektroauto. Externe Lademöglichkeiten gibt es nicht. Die Hybridversionen laden ihre Batterie ausschließlich über Rekuperation und den Verbrennungsmotor.
Das ist kein Nachteil für Kunden ohne Ladeinfrastruktur, aber ein klares Ausschlusskriterium für alle, die auf Förderungen oder Dienstwagenvorteile durch PHEV-Technik angewiesen sind.
Der VW Tiguan eHybrid lädt per AC mit bis zu 11 kW und erstmals auch per DC mit bis zu 50 kW: ein Wert, der im PHEV-Segment bisher nicht selbstverständlich ist. Die elektrische Reichweite von bis zu 125 km nach WLTP macht den Tiguan für viele Alltagsfahrten zum nahezu vollwertigen Elektroauto.
Zum Vergleich: Ein BMW X1 xDrive25e lädt mit maximal 7,4 kW AC und bietet rund 89 km elektrische Reichweite. Der Tiguan liegt hier deutlich vorn.
Beim Striker ist der LPG-Antrieb das Reichweiten-Argument: Zwei Tanks mit je rund 50 Litern ermöglichen Gesamtreichweiten von bis zu 1.500 Kilometern.
LPG ist an deutschen Tankstellen verfügbar, aber nicht flächendeckend. Wer regelmäßig lange Strecken fährt und keine Ladeinfrastruktur hat, findet im Striker Mild Hybrid-G eine kostengünstige Alternative.
Batterietechnik
Der Striker Hybrid 155 nutzt eine 1,4-kWh-Batterie mit 280 Volt Systemspannung und zwei Elektromotoren. Das kupplungslose Multi-Mode-Getriebe ermöglicht rein elektrisches Anfahren und soll im Stadtverkehr bis zu 80 Prozent der Fahrzeit ohne laufenden Verbrennungsmotor auskommen.
Die Batterie ist nicht für die externe Ladung ausgelegt. Für den Alltagsbetrieb ist sie ausreichend dimensioniert.
Der VW Tiguan eHybrid setzt auf eine 19,7-kWh-Batterie mit Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Zellchemie (Li-NMC). Die Schnellladefähigkeit mit bis zu 50 kW Gleichstrom ist für einen Plug-in-Hybrid dieser Klasse ein Fortschritt.
Das Leergewicht steigt durch die Batterie auf bis zu 1.890 kg – rund 490 kg mehr als der Striker. Das wirkt sich auf Verbrauch und Fahrdynamik aus.
Ausstattung und Sicherheit
Dacia Striker
Bereits die Basisversion erfüllt die europäische Sicherheitsnorm GSR2 vollständig. Serienmäßig sind:
- automatisches Notbremssystem (Fahrzeuge, Fußgänger, Radfahrer, Motorräder),
- Verkehrszeichenerkennung,
- Einparkhilfe hinten,
- Spurhalteassistent,
- Müdigkeitserkennung,
- eCall,
- adaptiver Tempopilot.
Optional erhältlich: Toter-Winkel-Warner, Kreuzungsassistent, Querverkehrswarner und Multiview-Kamera. Euro-NCAP-Ergebnisse stehen noch aus.
VW Tiguan III
Bereits das Basismodell verfügt serienmäßig über
- LED-Scheinwerfer,
- digitale Instrumente,
- 12,9-Zoll-Infotainment,
- Einparkhilfe,
- Rückfahrkamera.
Assistenzsysteme wie Travel Assist, Lane Assist, Head-up-Display und Panoramadach sind ab der Ausstattung Life erhältlich. Im Euro-NCAP-Crashtest 2024 erhielt der Tiguan III fünf von fünf Sternen.
Der VW Tiguan III ist eines der wenigen Fahrzeuge im C-Segment, das 2024 alle fünf Euro-NCAP-Sterne erhalten hat. Für den Dacia Striker stehen die Ergebnisse noch aus. Der Marktstart ist für Dezember 2026 geplant.
Preisvergleich und Marktposition
Der Dacia Striker soll unter 25.000 Euro starten – eine unverbindliche Preisempfehlung, die noch nicht final bestätigt ist. Der Bestellstart ist für Oktober 2026 geplant, die Markteinführung für Dezember 2026. Gebrauchtmarktpreise sind noch nicht verfügbar.
Der VW Tiguan III beginnt bei 39.385 Euro. Wer das Fahrzeug mit sinnvoller Ausstattung – Life oder Elegance – kauft, landet schnell bei 45.000 bis 50.000 Euro.
R-Line-Modelle mit PHEV-Antrieb überschreiten regelmäßig die 55.000-Euro-Marke. Auf mobile.de sind gut ausgestattete Gebrauchte des Baujahrs 2024 ab rund 28.000 Euro erhältlich.
TCO-Einschätzung (5 Jahre, 15.000 km/Jahr): Der Striker profitiert von seinem niedrigen Kaufpreis, günstigem LPG-Kraftstoff und geringem Leergewicht. Der Tiguan PHEV kann bei vorhandener Ladeinfrastruktur durch niedrige Kraftstoffkosten punkten, hat aber höhere Anschaffungs- und Versicherungskosten.
Ohne Förderung und ohne regelmäßiges Laden ist der Tiguan PHEV teurer im Betrieb als der Striker Hybrid 155.
Pro und Contra
Dacia Striker
Stärken
- Einstiegspreis unter 25.000 Euro
- 600 Liter Kofferraum
- LPG-Option
- innovativer Allrad-Hybrid
- schlankes Crossover-Design
- physische Bedientasten
Schwächen
- Noch nicht homologiert
- finale Verbrauchswerte ausstehend
- kein Diesel
- kein PHEV
- Kopffreiheit im Fond ab 1,80 m knapp
Für wen eignet sich der Dacia Striker?
- Preisbewusste Familien
- LPG-Nutzer
- Kunden mit Fokus auf Nutzwert
- Gelegenheits-Offroader
VW Tiguan III
Stärken
- Große Antriebsvielfalt
- bis zu 125 km elektrische Reichweite (PHEV)
- 5 Sterne Euro NCAP
- hohe Verarbeitungsqualität
- breites Zubehörangebot
Schwächen
- Basispreis ab 39.385 Euro
- zunehmend harter Kunststoff im Innenraum
- Touchscreen-lastige Bedienung
- Aufpreis für viele Komfortfeatures
Für wen eignet sich der VW Tiguan III
- Vielfahrer
- Dienstwagennutzer
- PHEV-Nutzer mit Ladeinfrastruktur
- Anhängerbetrieb
Fazit und Kaufempfehlung
Technisch ist der VW Tiguan III das überlegene Fahrzeug: bessere Verarbeitungsqualität, größere Antriebsvielfalt, fünf Euro-NCAP-Sterne, höhere Fahrdynamik und – als PHEV – die einzige externe Lademöglichkeit im Vergleich.
Wer einen Dienstwagen mit PHEV-Vorteil sucht, wer regelmäßig Anhänger zieht oder wer auf Langstrecken maximalen Komfort erwartet, sollte zum Tiguan greifen.
Emotional und symbolisch punktet der Striker mit einem Argument, das sich nicht wegdiskutieren lässt: 15.000 Euro Preisunterschied.
Für Familien, die ein geräumiges Alltagsauto mit modernen Hybridantrieben und einfacher Bedienung suchen, ist der Striker eine ernsthafte Alternative – vorausgesetzt, die finalen Verbrauchs- und Sicherheitswerte halten, was die Pressemappe verspricht.
Kaufempfehlung:
- Tiguan für Vielfahrer, Dienstwagennutzer und Kunden mit Ladeinfrastruktur.
- Striker für preisbewusste Familien, LPG-Nutzer und alle, die Nutzwert über Prestige stellen.
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