Sport-SUV mit Seat-Genen im Fahrbericht

Sag nicht Seat zum Cupra Ateca

Seit 2018 ist Cupra die Sub-Marke für sportliche Seat-Modelle. Erstes Modell ist ein geschärftes Kompakt-SUV. Der Cupra Ateca im Test.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Cupra Ateca dynamisch im Profil
Quelle: Seat Allradantrieb und ein Doppelkupplungsgetriebe gibt es serienmäßig im Cupra Ateca

Lange bezeichnete Cupra als Zusatzname die scharfen Versionen regulärer Seat-Modelle. Anfang 2018 wurde der Namenszusatz zur Tochter-Marke des spanischen Herstellers. Unüblich sind derartige Sub-Marken-Ausgliederungen in der Automobilbranche nicht: Toyota hat Lexus, Nissan in einigen Märkten Infiniti. Die Unterschiede: Bei den beiden Gegenbeispielen geht es vornehmlich um Luxus, Cupra steht (historisch folgerichtig) für Sport. Außerdem handelt es sich bei Cupra nicht zwingend um eigene Modelle, ein Teil der Palette wird aus geschärften Seats bestehen.

Sport, das ist bei einem Kompakt-SUV in optischen Belangen kein Selbstläufer. Cupra gibt sich viel Mühe, das erste „eigene“ Modell aggressiv wirken zu lassen. Der Skoda-Karoq-Konkurrent Ateca erhält hier breitere Schürzen und Schweller, große Räder und vier Auspuff-Endrohre. Was sich nicht kaschieren lässt, ist die Höhe – unabhängig davon, wie tief die Designer das Plastik auch ziehen.

Aus fahrdynamischer Sicht ist der Schwerpunkt entscheidend – jedenfalls wenn ein Auto glaubwürdig als Sportler gelten soll. Cupra legte den Ateca einen Zentimeter tiefer. Außerdem kommt das Modell mit adaptivem Fahrwerk, inklusive straffen Fahrprogrammen für möglichst wenig Rollbewegung im Aufbau.

300 PS im Cupra Ateca

Im Motorraum arbeitet ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit 300 PS, gekoppelt an ein Siebengang-DSG und Allradantrieb. Ähnliche Antriebe gibt es in zahlreichen flotten Ablegern innerhalb des VW-Konzerns. Etwa im Audi S3, VW Golf R und Seat Leon Cupra ST 4Drive. Gut, diese Hot-Hatches unterscheiden sich in Bezug auf PS-Zahl und Getriebevariante geringfügig vom Ateca. Doch der kleinere Audi SQ2 ist ein (antriebs)technischer Zwilling.

Cupra Ateca: Frontansicht
Quelle: Seat Der Cupra Ateca liegt 10 Millimeter tiefer als die normale Variante

Bei allen Verwandtschaftsverhältnissen: Konzernintern ist der Cupra Ateca zumindest das erste Sport-SUV der Kompaktklasse. Mit dem hohen Aufbau und dem Leergewicht von 1.632 Kilogramm (inklusive Fahrer) kommt der Antrieb gut zurecht: Er schiebt das SUV in 5,2 Sekunden auf Tempo 100.

Die Kraft setzt früh ein, ab 2.000 Umdrehungen steht das volle Drehmoment bereit. Cupra stimmt das Getriebe clever ab. Schaltzeitpunkte und –Logik sind so gewählt, dass der aufgeladene Vierzylinder praktisch nie ins Turboloch fällt.



Straffe Abstimmung und eine gefühlvolle Lenkung

Auf der Geraden macht der Cupra Ateca seine Sache hervorragend – auch akustisch. Der kernige Sound ist echt, wird nicht etwa von schwingenden Bauteilen oder einem Sound-Generator künstlich erzeugt. Cupra setzte viel daran, den Spaß mit in die Kurve zu nehmen. Neben Tieferlegung und straffer Abstimmung (der Sport-Fahrmodus fühlt sich sehr hart an, der für Comfort immer noch straff) gelingt das über die Kraftverteilung des Allradantriebes. Im Detail bremst die Elektronik das kurveninnere Rad ab, lenkt so mehr Kraft nach außen. Die Lamellenkupplung an der Hinterachse schließt bei Bedarf, Vorder- und Hinterachse werden dann gleichmäßig angetrieben.

Klar, ein 1,60 Meter hohes SUV fährt nicht so flott durch Kehren wie ein geduckter Pkw. Aber im Ateca geht das querdynamische Erlebnis in Ordnung. Das Auto stützt sich sauber nach außen ab, wankt verhältnismäßig wenig. Hinzu kommt eine fein abgestimmte, gefühlvolle und direkte Lenkung. Gemessen an Klasse und Höhe macht er seine Sache gut.

Wer räubern will, wird mit dem kleineren Leon Cupra mit Frontantrieb glücklicher. Dafür kann der Ateca dezent mit dem Heck wedeln. Im schärfsten Fahrmodus sind auf losem Untergrund feine Drifts möglich. Das Heck lässt sich mit einem flotten Gasstoß aber schnell wieder einfangen.

Cupra Ateca Innenraum
Quelle: Seat Das Armaturenbrett stammt unverändert aus dem Ateca. Die sportlichen Details gibt es aber nur im Cupra

Ausstattung und Innenraum des Cupra Ateca

Die Innenraumgestaltung passt zum sportlichen Anspruch  Besonders die Halbschalensitze gefallen, bieten tollen Seitenhalt. Außerdem verteilt Seat Carbon-Elemente auf Sitze, Lenkrad und Spiegel. Doch die scharfen Hocker (ab 1.875 Euro) und einschlägiger Zierrat kosten extra. Sportlich ambitionierte sollten auch bei der großen Brembo-Bremse über ein Häkchen in der Aufpreisliste nachdenken.
 
Das Navi mit acht Zoll großem Bildschirm, adaptiven Dämpfern sowie das virtuelle Cockpit mit 360-Grad-Kamera und Parkpiepsern gibt es dagegen serienmäßig. Damit ist das Basis Modell vernünftig ausgestattet, vor allem mit Blick auf die Marken-internen Alternativen mit ähnlichem Aggregat. Der erste Cupra – der nicht Seat heißt – kostet ab 42.850 Euro.

Cupra Ateca 2.0 TSI DSG 4Drive: Technische Daten

  • Motor: 2,0-Liter-Turbobenziner
  • Leistung: 300 PS (221 kW) b. 5.300 – 6.500 U/min
  • Drehmoment: 400 Nm b. 2.000 – 5.200 U/min
  • Abgasnorm: Euro 6 d-Temp EVAP
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • 0 – 100 km/h: 5,2 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 247 km/h
  • Leergewicht (EU-Norm): 1.632 kg
  • Länge: 4.367 mm
  • Breite: 1.841 mm
  • Höhe: 1.611 mm
  • Radstand: 2.631 mm
  • Kofferraumvolumen: 485 l
  • Basispreis: 42.850 Euro

Cupra Ateca: Bildergalerie

  • Cupra Ateca: Frontansicht
    Quelle: Seat Der Cupra Ateca liegt 10 Millimeter tiefer als die normale Variante
  • Cupra Ateca dynamisch im Profil
    Quelle: Seat Allradantrieb und ein Doppelkupplungsgetriebe gibt es serienmäßig im Cupra Ateca
  • Cupra Ateca: Ansicht Dreiviertel hinten
    Quelle: Seat Merkmal der Cupra-Modelle, nicht erst seit der Beförderung zur eigenen Marke: Vier Auspuff-Endrohre
  • Cupra Ateca: Front
    Quelle: Seat Für ein SUV bewegt sich der Cupra Ateca recht flott
  • Cupra Ateca: Felgen und Bremsen
    Quelle: Seat Auffällige Alu-Felgen und Brembo-Bremsen am Cupra Ateca
  • Digitales Cockpit im Cupra Ateca
    Quelle: Seat Digitales Cockpit im Cupra Ateca
  • Cupra Ateca Armaturenbrett
    Quelle: Seat Das Cockpit des schnellen Ateca: Kein Seat-S, dafür ein Cupra-Tribal
  • Cupra Ateca Innenraum
    Quelle: Seat Das Armaturenbrett stammt unverändert aus dem Ateca. Die sportlichen Details gibt es aber nur im Cupra
  • Die Sportsitze des Cupra Ateca
    Quelle: Seat Bequeme Sportsitze mit guten Seitenhalt im Cupra Ateca