Tarife, Selbstbeteiligung, Anmeldegebühr

Carsharing-Anbieter im Vergleich

Besitz belastet und Autos stehen die meiste Zeit des Tages ohnehin rum. Daher nutzen viele Städter Carsharing. Doch welcher Anbieter kann was? Ein Vergleich.

  • Sabine Stahl
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  • Veröffentlicht am 03/06/2020, 1:22 PM
Ein VW E-Golf fährt bei Sonnenschein eine Straße in Berlin entlang.
Quelle: dpa / Picture Alliance Mit VW E-Golf geht WeShare, das Carsharing von Volkswagen zunächst an den Start, bevor auf den ID.3 umgestellt wird

Autos sollten fahren. Dafür wurden sie gebaut und Bewegung tut auch Autos gut. Dennoch stehen Fahrzeuge die meiste Zeit des Tages still. Eine Lösung dafür sowie für überfüllte Innenstädte verspricht Carsharing – ein Auto, das von vielen genutzt wird. In Deutschland gibt es aktuell rund 180 Anbieter, die nach diesem Prinzip arbeiten.

Deutschlands Carsharing-Hauptstadt heißt Karlsruhe. Hier fahren rechnerisch 3,23 Carsharing-Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner durch die Stadt. Auf den weiteren Rängen folgen München, Hamburg und Berlin. Insgesamt gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing (bcs) rund 2,46 Millionen Carsharing-Nutzer in Deutschland. Es gibt zwei verschiedene Arten von Carsharing: stationsbasiert und Free Floating.



Stationsbasiert oder Free Floating: Das sind die Unterschiede

Bei stationsbasierten Angeboten musst Du die Fahrzeuge an einer bestimmten Station abholen und auch dorthin wieder zurückbringen. Beim Free Floating stehen die Autos verteilt über das ganze Geschäftsgebiet. Freie Fahrzeuge in der Nähe kannst Du per Smartphone suchen, sie reservieren und auch öffnen.

Vor- und Nachteile von stationsbasiertem Carsharing

Bei diesen Angeboten kannst und musst Du im Voraus planen. Eine spontane Fahrt, weil Du den Bus verpasst hast, ist nicht möglich. Diese Angebote sind vielmehr für den Wochenendausflug oder den Urlaub gedacht. Auch für die Fahrt zum Baumarkt kannst Du das Angebot nutzen und Dir beispielsweise einen Transporter mieten. Im Vergleich zum Free Floating ist das stationsbasierte Carsharing deutlich günstiger. 

Die Vor- und Nachteile von Free Floating

Free Floating ist teurer als stationsbasiertes Carsharing. Doch damit kaufst Du volle Flexibilität. Das nächste freie Fahrzeug kannst Du ruckzuck mieten und musst es nicht wieder an seinen ursprünglichen Parkplatz zurückstellen. Irgendein öffentlicher Parkplatz reicht. Dies macht das Angebot vor allem für spontane Fahrten durch die Stadt attraktiv und ersetzt beispielsweise eine teurere Taxifahrt. Der Nachteil ist, dass Du nie weißt, wo das nächste freie Fahrzeug steht. Vor allem am Stadtrand musst Du unter Umständen weit laufen, um ein freies Auto zu finden. Außerdem kannst Du nicht im Voraus planen.


Mercedes GLA J.W. Handelsgesellschaft mbH
Mercedes GLA-Klasse

Die erste Generation des GLA von Mercedes-Benz: Kompaktes SUV mit Stern.


Carsharing Anbieter: Free Floating

ShareNow

Die beiden bekanntesten Anbieter in Deutschland machen mittlerweile gemeinsame Sache. Aus DriveNow von BMW und Car2Go von Daimler wurde im Februar 2019 ShareNow, das mit Abstand das größte Angebot an Fahrzeugen und Fahrzeugmodell im Vergleich zu den anderen Unternehmen auf dem deutschen Markt bietet.

Anfangs bemerkten die Nutzer nicht viel von der Fusion, da die Apps von DriveNow und Car2Go weiterhin genutzt werden konnten. Nun gibt es die gemeinsame ShareNow-App. Mit dieser können alle freien Fahrzeuge von Daimler und BMW gemietet und gefahren werden. Daimler bietet den Smart sowie die Mercedes-Modelle A-Klasse, B-Klasse, CLA und GLA an.


BMW i3
Der i3 rollt emissionsfrei

Der alltagstaugliche Elektro-Kleinwagen von BMW.


BMW hat wie damals mit DriveNow auch den Mini in allen Variationen im Angebot sowie die BMW-Modelle i3, 1er, 2er Active Tourer, 2er GranTourer, 2er Cabrio, X1 und X2. Die Preise für die Miete auf Zeit variieren je nach Modell und Nachfrage. Der günstigste Tarif beträgt 19 Cent pro Minute für einen Smart. Für ein Auto von Mercedes oder BMW werden mindestens 31 Cent pro Minute abgerechnet. Zusätzlich kosten die teuren Modelle 0,99 Euro pro Miete extra. Das rfeduziert den Selbstbehalt von 1.000 auf 750 Euro. Das Registrieren ist kostenlos.

ShareNow gibt es in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Frankfurt und im Rheinland mit insgesamt mehr als 7.000 Fahrzeugen. Weltweit erstreckt sich das Angebot auf 14 Länder.

Ein Smart und ein BMW i3 stehen in einer Messehalle am Stand von ShareNow nebeneinander.
Quelle: dpa / Picture Alliance Aus DriveNow (BMW) und Car2Go (Daimler) wurde Ende 2019 ein gemeinsames Carsharing-Projekt namens ShareNow

WeShare

Die Carsharing-Flotte von Volkswagen besteht ausschließlich aus Elektrofahrzeugen. Aktuell umfasst sie 1.500 VW E-Golf, die ausschließlich in Berlin als Free-Floation-Autos gemietet werden können. Pro Minute kostet die Fahrt 0,19 Cent, auch wenn Du parkst. Pro Miete kassiert WeShare zusätzlich einen Euro, die Selbstbeteiligung beträgt 450 Euro. Für einen ganzen Tag berechnet der Anbieter nie mehr als 39 Euro. Du kannst das Auto aber maximal 72 Stunden behalten. Die Registrierung ist kostenlos.  



Carsharing Anbieter: Stationsbasiert

Flinkster

Hinter Flinkster steht die Deutsche Bahn. Der Anbieter vermietet Fahrzeuge in mehr als 400 Städten in Deutschland mit mehr als 2.500 Stationen. Das System ist ein stationsbasiertes, bei dem Du die Autos an einer festen Station abholst und auch dorthin zurück bringst. Die Mietpreise beginnen bei 1,50 Euro pro Stunde für einen Kleinwagen. Hinzu kommen mindestens 0,18 Cent pro Kilometer. Ein größeres und komfortableres Auto kostet mindestens 3 Euro pro Stunde. Pro Tag gibt es Fahrzeuge ab 39 Euro. Wenn Du möchtest, kannst Du ein Auto telefonisch buchen, das kostet 1,50 Euro. Bringst Du das Auto zu spät zurück, bezahlst Du 12,50 bis 25 Euro Strafe.

Das Angebot an Fahrzeugen beginnt mit dem Toyota Aygo. Das größte Fahrzeug im Fuhrpark ist ein Ford Transporter, den es auch als Neunsitzer gibt. Die Registrierung bei Flinkster ist gebührenpflichtig und kostet 29 Euro. Wer eine BahnCard besitzt, zahlt nichts. Zudem verlangt Flinkster weitere 20 Euro für die Überprüfung des Führerscheins. Der Selbstbehalt im Falle eines Schadens beträgt 1.500 Euro. Er kann für 90 Euro pro Jahr auf 300 Euro gesenkt werden.

Cambio

Das Angebot von Cambio steht in 28 Städten in Deutschland zur Verfügung. Zur Nutzung der stationsgebundenen Fahrzeuge benötigst Du eine Kundenkarte und eine PIN. So kannst Du die Fahrzeuge jederzeit abholen und sie zum vereinbarten Termin wieder abstellen. Die Mietdauer reicht von einer Stunde bis maximal 30 Tage. Die Anmeldegebühr beträgt einmalig 30 Euro. Eine Grundgebühr gibt es nur in den Tarifen Aktiv (10 Euro) und Comfort (25 Euro).

Eine Stunde kostet je nach Fahrzeugkategorie mindestens 1,10 Euro. Nachts gibt es Fahrzeuge schon ab 50 Cent pro Stunde. Je gefahrener Kilometer kommen 23 Cent hinzu. Ab dem 101. Kilometer sind es mindestens 17 Cent. Für 50 Euro pro Jahr und pro Person kannst Du die Selbstbeteiligung von 1.000 Euro auf 200 Euro reduzieren. Die Flotte von Cambio beinhaltet je nach Stadt auch Elektroautos. Hier musst Du bei der Buchung die voraussichtliche Reichweite angeben.

Stadtmobil

Dieser Carsharing-Anbieter vereint stationsbasiertes Carsharing und Free Floating. Das Mieten eines Autos kostet mindestens 50 Cent pro Stunde zuzüglich 20 Cent pro gefahrenem Kilometer. Eine Tagesmiete gibt es ab 19 Euro. Für das Anmelden werden 29 Euro fällig. Zudem gibt es eine monatliche Gebühr von Minimum 10 Euro. Stadtmobil kooperiert mittlerweile mit fast allen großen Carsharing-Anbietern wie etwa Cambio und unterhält eine Flotte von 3.100 Fahrzeugen in ganz Deutschland.

Greenwheels

Greenwheels ist als Nachfolger der Stattauto CarSharing GbR der älteste Carsharing-Anbieter Deutschlands. Aktuell gibt es Autos von Greenwheels in 7 Bundesländern in Deutschland. Die Flotte startet mit VWs Kleinstwagen Up. Des Weiteren sind Golf Variant, Caddy und teilweise auch eGolf verfügbar. Du kannst zwischen drei Abonnements wählen. Wer selten ein Auto braucht, kann ohne Grundgebühr einsteigen. Für 10 Euro oder gar 25 Euro monatliche Grundgebühr reduziert sich der Mietpreis pro Stunde. Im Basistarif bezahlst Du mindestens 1,99 Euro pro Stunde. Hinzu kommen 27 Cent pro Kilometer. Im nächsthöheren Tarif beträgt die Mindestmiete 1,49 Euro pro Stunde zuzüglich 24 Cent pro Kilometer. Nachts sind die Mieten deutlich günstiger. Für einen ganzen Tag verlangt Greenwheels mindestens 19 Euro. Die Selbstbeteiligung kann von 1.000 auf 200 Euro reduziert werden. Das kostet 6 Euro pro Monat.

Eine junge Frau öffnet die Tür eines roten Mini Coopers von Teilauto.
Quelle: dpa / Picture Alliance Es gibt sogenanntes Freefloating Carhsharing, bei dem die Autos überall im Geschäftsgebiet angemietet und abgestellt werden. Beim stationsbasierten Carsharing muss das Auto dorthin zurück, wo man es abgeholt hat

Carsharing Preisvergleich:


NameAnmeldenPreis pro Minute/Stunde   Preis/TagMonatliche GrundgebührPreis/kmSelbst-beteiligung
ShareNow-           ab 0,19 € / minab 24,99-           -           500 – 750 €
WeShare-           0,19 €/min + 1 € pro Mietemax. 39 €-           -           450 €
Greenwheels-           ab 1,99 €/hab 19 €0/10/25 €ab 0,27 €1.000 € oder 200 € gegen Gebühr
Cambio30 €ab 1,10 €/hab 21 €0/10/25 €ab 0,23 €1.000 € oder 200 € gegen Gebühr
Flinkster29 € / 0 € mit Bahncardab 1,50 €/hab 39 €-           ab 0,18 €1.500 € oder 300 € gegen Gebühr
Stadtmobil (Hannover)29 €0,50 Cent / Stundeab 19 €ab 0,20 € 900 € oder 300 € gegen Gebühr

Worauf sollte bei der Carsharing Auswahl geachtet werden?

Sehr wichtig ist es, sich bei Carsharing-Anbietern die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchzulesen. Dabei solltest Du vor allem auf die Selbstbeteiligung achten. Denn diese ist sehr unterschiedlich hoch und beträgt schnell einen vierstelligen Betrag, wie etwa bei Mercedes-Fahrzeugen. Flinkster verlangt sogar bis zu 1.500 Euro pro Schaden.

Sehr wichtig ist auch, sich über das Prozedere für mögliche Schäden zu informieren. Du bist verpflichtet, das Fahrzeug vor jeder Fahrt auf Schäden zu kontrollieren. Doch wie und wo kannst Du das melden? ShareNow gibt sich auf der Internetseite recht kulant und erlaubt das Melden eines Schadens vor oder nach der Fahrt und das auch nur dann, wenn der Schaden mindestens so groß wie eine Kreditkarte ist.  

Was ist mit Verschmutzungen? Müssen diese gemeldet werden und fallen Reinigungsgebühren an, wenn Du es nicht meldest und am Ende Du für den Dreck verantwortlich gemacht wirst? WeShare etwa verlangt eine Strafgebühr von 50 Euro, wenn Du die Batterie des E-Golfs vollständig leer fährst.

Nützliche Tipps

Häufig lohnt es sich, mit dem Carsharing-Auto zur Tankstelle zu fahren. Denn manche Anbieter belohnen es, wenn Du ihnen die Arbeit abnimmst und das Auto tankst. ShareNow schenkt Dir 5 Euro Guthaben, wenn Du Autos mit weniger als 40 Prozent Füllstand tankst. Bei Elektroautos gilt das bereits ab 60 Prozent Restreichweite. Für das Bezahlen von Kraftstoff steckt meist eine Tankkarte im Auto. Mit dieser kannst Du den getankten Sprit bezahlen.

Carsharing Vergleich auf einen Blick: 

AnbieterVorteileNachteile
ShareNowGroßes Flotte Große Auswahl an   Modellen Rund um die Uhr verfügbar Flexibel, kann jederzeit abgestellt werden Freiminuten für TankenVerhältnismäßig teuer Erst nach 1 Jahr Führerscheinbesitz möglich Für manche Fahrzeuge gilt ein höheres Mindestalter Nur 20 Minuten Reservierung möglich
WeShareEinfache Preisgestaltung Maximalgebühr bei ungeplanter Tagesmiete Komplett elektrischNur in Berlin Nur ein Fahrzeugmodell verfügbar Maximal 72 h Parken kostet gleich viel wie fahren
GreenwheelsDrei verschiedene Abos Diverse Angebote für Tage oder für WochenendenRelativ kleine Auswahl an Fahrzeugen
CambioOpen-End-Angebote Buchen per Telefon möglich 180 Tage vorab buchbar Auch Neunsitzer verfügbar Teilweise auch E-Autos 1h bis 30 Tage MietdauerAnmeldegebühr
FlinksterViele Städte Viele Stationen Elektroautos verfügbarVerspätung kostet bis zu 25 Euro Registrierung kostet Führerschein-Check kostet
Stadtmobil HannoverKombiniert Stationen und Free FloatingNicht deutschlandweit Anmeldegebühr