Eine Wallbox erleichtert das Laden von Elektroautos sehr

Als Wohnungsmieter das E-Auto laden: So kommst Du zu einer Wallbox

Neben der Reichweitenangst bremst mangelnde Ladeinfrastruktur den Erfolg der E-Mobilität. Wer eine eigene Garage mit Stromversorgung besitzt, hat Glück. Mit einem Stellplatz für das Auto in der Tiefgarage gestaltet sich die Sache schwieriger. Denn um dort eine Wallbox mit Steckdose zum Stromtanken zu installieren, muss man rechtliche Hürden nehmen und gut argumentieren können. Eine Anleitung. 

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  • Veröffentlicht am 07/30/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Mit einer Wallbox kannst Du Dein Elektroauto auch zuhause laden. In der Regel kosten sie zwischen 500 und 1.000 Euro.
Quelle: picture alliance / Stephan Goerl Mit einer Wallbox kannst Du Dein Elektroauto auch schnell zu Hause laden. In der Regel kosten sie zwischen 500 und 1.000 Euro

Mehrere Tausend Euro Fördergeld hin oder her – für viele potenzielle Käufer eines Elektroautos stellt sich eine entscheidende Frage, die ihnen den Pioniergeist gleich wieder aushauchen könnte: Wo kann ich mein Elektroauto laden? Womöglich hat der Arbeitgeber eine Lademöglichkeit oder es kann in Büronähe eine öffentliche Ladesäule angezapft werden – doch zu Hause? Wer keine eigene Garage mit Steckdose hat, dem werden derzeit viele Steine in den Weg gelegt.

Nachrüsten möglich

Für Mieter eines Parkplatzes in einer Tiefgarage besteht die Möglichkeit, dort nachträglich eine Wallbox zu installieren, um für das Elektroauto Strom zu tanken. Das ist nicht billig und muss nach dem Wohnungseigentumsgesetz (WEG) als bauliche Veränderung mit den Eigentümern der Immobilie abgestimmt werden. 
Viele Elektroauto-Fahrer mit dem Wunsch nach der eigenen Stromtankstelle müssen diesen Weg gehen. Denn während bei Neubauten mittlerweile immer öfter auf Ladeanschlüsse geachtet wird, bieten die vielen Millionen Stellplätze auf Garagenhöfen oder in Tiefgaragen älteren Datums für E-Mobility keine Steckdosen an.

Noch gibt es in vergleichsweise wenigen Tiefgaragen Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge
Quelle: Picture Alliance Noch gibt es in vergleichsweise wenigen Tiefgaragen Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge. Durch Vorgaben der Politik kann sich das in Zukunft ändern

Kein Rechtsanspruch

Einen Rechtsanspruch auf eine Lademöglichkeit für Strom hat der E-Autofahrer nicht, dies gehört schlicht nicht zum Mindeststandard einer Wohnung. So sind Stellplatzmieter in den meisten Fällen darauf angewiesen, dass andere Mieter und Eigentümer mitspielen – doch die haben oft kein gesteigertes Interesse an baulichen Veränderungen für E-Autos. Es braucht also viel Überzeugungskraft. Das beste Argument ist, wenn der Elektroauto-Fahrer in Aussicht stellt, die notwendigen Kosten allein zu tragen. 
Technisch ist die Installation einer Wallbox für Strom in der Tiefgarage meist kein Problem – wenngleich eine erfahrene Firma beauftragt werden sollte. Denn nur ein bewanderter Elektriker darf eine Wandladestation installieren. Der Fachmann gewährleistet, dass alle Vorschriften eingehalten werden, etwa zum Brandschutz. Parallel kann so sichergestellt werden, dass die abgezapften Kilowattstunden einem Verbraucher eindeutig zugeordnet werden können. Dazu wird ein extra Zähler montiert – wer lädt, der zahlt. Gängige Ladestationen kosten je nach Hersteller zwischen 500 und 1000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Elektroinstallation sowie den Einbau von Wallbox und Stromzähler. Dafür kann nochmal mehr anfallen als für die Geräte selbst.

In den meisten Städten gibt es inzwischen öffentliche Ladesäulen für Elektrofahrzeuge
Quelle: Picture Alliance In den meisten Städten gibt es inzwischen öffentliche Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Den Stromer zu Hause zu tanken, ist hingegen nicht immer einfach

Unterschiede bei den Wallboxen

Bei der Auswahl der Boxen gilt es, ein paar Punkte zu beachten. Denn wie der ADAC in einem Test feststellte, gibt es bei Ladestationen große Qualitätsunterschiede. Der Club testete Boxen mit Ladeleistungen zwischen 3,7 bis 22 Kilowatt (kW), doch sprach für die Hälfte keine Empfehlung aus. Er rät zu 11-kW-Boxen, die einen guten Kompromiss aus Leistung und Kosten darstellen. Die Installation einer 22-kW-Schnelllade-Box hingegen erfordere zum Beispiel die  Genehmigung des örtlichen Netzbetreibers. Ein bürokratischer Schritt, den man sich sparen kann, wenn man etwa vorwiegend länger über Nacht lädt. 
Mit Förderprogrammen kann der finanzielle Aufwand sinken. Wenn Du zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen privat eine Wallbox für Dein Elektroauto montierst, kann diese mit bis zu 50 Prozent bezuschusst werden. Generell gibt es auch Steuervorteile. Denn Vermieter können Aufwendungen zur Ausstattung von Garagen mit Elektrizität steuerlich abschreiben. Auch der Handwerkerlohn darf als "haushaltsnahe Dienstleistung" in der Steuererklärung angesetzt werden, so drückt er direkt die Steuerlast.
Eine Kostenfalle kann jedoch zuschnappen, wenn der Mieter einmal auszieht. Denn der Vermieter kann den Rückbau einer Ladestation verlangen. Im Zweifel hilft auch dann das Argument nicht weiter, dass ein Ladepunkt ein wertsteigerndes Merkmal der Mietsache ist und am Wohnungsmarkt einen Wettbewerbsvorteil verspricht. Mieter beugen an dieser Stelle am besten vor, indem sie sich schriftlich bestätigen lassen, dass die Ladestation bleiben kann.    

Wenn Du für Dein Elektroauto einen Stellplatz in einer Tiefgarage hast, kannst Du eine Wallbox installieren
Quelle: Picture Alliance Wenn Du für Dein Elektroauto einen Stellplatz in einer Tiefgarage hast, kannst Du eine Wallbox installieren

Keine Sicherheitsbedenken für Ladestationen

Laut Sachverständigen-Organisationen gibt es kaum Grund für Sicherheitsbedenken für das Nachladen von Elektrofahrzeugen. Batterien moderner Elektroautos gasen nicht mehr aus. Auch sei die Ladetechnik von Serienfahrzeugen mittlerweile so ausgereift, dass ein Überladen der Batterie und ein damit eingehender Brand nahezu ausgeschlossen sei. Allerdings gilt es zu überprüfen, ob das Stromnetz die zusätzliche Last bewältigt. Fachkundige Elektriker überprüfen, inwieweit hohe Ladeleistungen möglich sind, die die Ladedauer gegenüber einer Haushalts-Steckdose deutlich senken. 
Zugleich kann auch die Frage geklärt werden, ob der Anschluss mehrerer E-Autos technisch problemlos möglich wäre. Denn laden viele gleichzeitig, dann kann das Stromnetz überlastet sein – selbst, wenn nur normale Schuko-Stecker genutzt werden. Das Problem verschärfen Wandladestationen mit höheren Ladeleistungen. Ladelastmanagement-Systeme schaffen an dieser Stelle Abhilfe. Sie steuern den Ladevorgang, indem Ladeströme limitiert werden und die Autos nicht alle gleichzeitig Strom zapfen. Doch sie sind teuer, hinzu kommen Kosten für die Wartung. Das Teilen der Anschlusskapazität lässt sich nur umgehen, wenn man das gesamte Netz erneuert – aber das ist ebenfalls teuer. Und es bedarf wiederum der Zustimmung der Eigentümer.

Anspruch auf Ladestationen in privaten Tiefgaragen geplant

Doch die rechtlichen Hürden für die Installation einer eigenen Ladestation auf dem Mietstellplatz könnten bald sinken. Die Bundesregierung hatte 2018 im Koalitionsvertrag festgehalten: „Den Einbau von Ladestellen für Elektrofahrzeuge von Mieterinnen und Mietern sowie Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümern werden wir rechtlich erleichtern.“ 2018 hat das Bundesjustizministerium mit einer Vorlage die Diskussion zu einem „Gesetz zur Förderung von Barrierefreiheit und Elektromobilität im Miet- und Wohnungseigentumsrecht“ angestoßen. Ähnliches hat auch schon die EU-Kommission gefordert. Sie schlug für Immobilien mit mehr als zehn Pkw-Stellplätzen im Zuge größerer Sanierungsmaßnahmen Vorverkabelungen vor. Ladepunkte ließen sich dann deutlich einfacher einrichten. Doch noch lässt der gesetzliche Anspruch auf Ladestationen in privaten Tiefgaragen auf sich warten.



Checkliste: Der Weg für Mieter zur eigenen Wallbox 

  1. Den oder die Eigentümer und Vermieter schriftlich um Zustimmung zur geplanten Installation bitten. Dabei die Vorteile in den Vordergrund stellen (Wertsteigerung der Mietsache!)
  2. Die Installation in der Eigentümerversammlung beantragen. Auch hier ist Überzeugungsarbeit gefragt. Sind vielleicht weitere Interessenten dabei?
  3. Wird der Antrag bejaht, für die Installation einen einschlägig erfahrenen Elektroinstallateur wählen, Kostenvoranschlag einfordern
  4. Wallboxen anhand von Testergebnissen vergleichen, das Gerät muss zum eigenen Elektroauto passen 
  5. Gibt es Förderprogramme? Die Möglichkeiten, wenn gegeben, unterscheiden sich je nach Kommune oder Bundesland 

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