Nirgends gibt es mehr Liter pro Euro

Dacia Dokker SCe100 im Alltagstest

Möglichst viel Platz für wenig Geld? Das ist ein Kernversprechen der Renault-Marke Dacia. Alltagstest im Dacia Dokker - in der Basisversion.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Im Test verbrauchte der Dokker 7,3 Liter auf 100 Kilometer
Quelle: Fabian Hoberg Im Test verbrauchte der Dokker 7,3 Liter auf 100 Kilometer

Das erste, was man in diesem Auto lernen kann: wie viel man in anderen Autos mitunter mitbezahlt, zum Fahren aber gar nicht benötigt. Radio und elektrische Fensterheber zum Beispiel. Der Dacia Dokker bietet, das ist die wichtigste Zahl, bis zu 3.000 Liter Ladevolumen für 8.990 Euro. Den Preis hat Dacia seit Jahren nicht verändert. Für große Familien und kleine Gewerbebetriebe ist er ein wichtiges Argument. Wir testete den Dokker als Familienauto - also als Fünfsitzer mit großem Kofferraum.



Karosserie und Platzangebot

Die 4,36 Meter Länge des Dokker entsprechen ungefähr der eines Kompaktklassefahrzeugs. Die Höhe von 1,80 Metern weniger. Im Grunde hat der Innenraum also die Form eines Würfels. Gute Voraussetzungen für viel Platz. Trotz schmaler Türen fällt der Einstieg vorn leicht, denn die Türen öffnen weit und die Sitze sind hoch montiert. Die Rückbank erreichen Passagiere durch eine Schiebetür auf der rechten Seite. Auf der linken Seite fehlt eine Schiebetür. befindet sich auf der rechten Seite Der Fond lässt sich nur über eine rechte Schiebetür erreichen – eine auf der linken Seite fehlt. Nervig, wenn man zwei Kinder anschnallen muss - aber der Preis entschädigt, wenn man den Basis-Dokker ordert. Ab der zweiten Ausstattung baut Dacia eine zweite Schiebetür ein.

Bei eingebauter Rückbank fasst der Kofferraum im Dokker 800 Liter
Quelle: Fabian Hoberg Bei eingebauter Rückbank fasst der Kofferraum im Dokker 800 Liter

Die Flügeltür am Heck gefällt uns prima, der 800 Liter große Kofferraum lässt sich hervorragend beladen. Auf dem Boden liegt eine abriebfeste Matte, die Ladekante ist niedrig. Ein Kinderwagen zum beispiel lässt sich fahrbereit einladen. Wer die Rückbank ausbaut, bekommt bis zu 3.300 Liter in den Dokker. Eine asymmretrisch geteilte Rücksitzbank gehört, wie die zweite Schiebetür, erst ab der zweiten Ausstattungslinie zum Serienumfang.

Innenraum, Materialien, Verarbeitung

Über die robuste Schlichtheit eines Dacia-Cockpits sollte man nicht scherzen. Der Blick aufs Armaturenbrett versetzt Insassen gefühlt sich in die 1980er-Jahre. Harter, kratzfester Kunststoff, weit auseinanderliegende Passungen Manche Verklebungen lösen sich bereits. Auch die Polster wirken einfach, aber robust und pflegeleicht. Für Auflockerung im Cockpit sorgt der lebensbejahende Farbmix grau und schwarz. Aber die nüchternen Oberflächen lassen sich leicht abwischen, Abrieb und Kratzer nimmt man schulterzuckend hin. Zum pragmatischen Dokker entwickelt man schnell einen pragmatischen Zugang.

Infotainment, Konnektivität, Radio

Die Frage nach dem Zugang zu Information und Unterhaltung beantwortet sich im Basis-Dokker leicht: Es existieren eine Radiovorbereitung sowie ein tiefes Loch in der Mittelkonsole. Ein Radio ließe sich also privat nachrüsten oder beim Renault-Händler mitbestellen. In unserem Testwagen wurde daher zumeist mit der Tochter ein Lied gesungen.

Das Cockpit im Dokker wirkt spartanisch. Ist es auch
Quelle: Fabian Hoberg Das Cockpit im Dokker wirkt spartanisch. Ist es auch

Erst in der höheren “Essential” Ausstattung belegt Dacia den Radioslot serienmäßig mit einem Radio, das immerhin einen USB-Anschluss und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung hat. Wer Wert auf zeitgemäßes Infotainment legt, muss noch eine Ausstattungslinie höher (“Comfort”) einsteigen. Hier lässt sich für 350 Euro ein Infotainmentsystem mit Navi, 7-Zoll-Touchscreen, Apple Carplay und Android Auto ordern. In der Topversion “Stepway” gehört es zum Serienumfang.

Assistenzsysteme und Sicherheit

Bei den Assistenz- und Sicherheitssystemen des Dokker beschränkt sich Dacia auf die gesetzlich vorgeschriebenen Systeme, wie ABS, ESP, Tagfahrlicht und eine Reifendruckkontrolle. Daneben bietet der Dacia-Van immerhin eine Berganfahrhilfe und Isofix-Halterungen für Kindersitze. Keine Frage: wer moderne Sicherheits- und Assistenzsysteme wünscht, sollte sich nach einem anderen Fahrzeug umsehen.

Antrieb, Motor, Getriebe

Das gleiche gilt im Grunde für zeitgemäße Antriebstechnik. Zumindest im Basismodell “Access” gibt es die nicht. Der Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum und 102 PS klingt rau und kernig und nach gestern. Der träge Motor benötigt viel Drehzahl, damit der Dokker überhaupt mal aus den Füßen kommt. Das maximale Drehmoment von 150 Newtonmeter liegt bei 4.000 Touren an, die maximale Leistung bei 5.500 Touren.

Auf dem Papier lesen sich die Fahrleistungen gar nicht übel: Bei voll durchgetretenem Pedal schafft der Dokker die 100-km/h-Marke in 12,3 Sekunden. Die Spitze liegt bei 170 km/h. Die Realität fühlt sich anders an. Gefühlt sollte man nicht schneller als 130 km/h fahren. Dann liegen Lärm und Vibrationen im erträglichen Rahmen, ebenso wie der Verbrauch. Bei höherem Tempo leisten Motor und Karosse dagegen lautstarke Schwerarbeit. Im Schnitt benötigten wir 7,33 Liter auf 100 Kilometer. Den Normverbrauch gibt Dacia mit 6,8 l/100 km an. Das liegt nicht weit auseinander, aber für ein nur 1.224 Kilogramm schweres Fahrzeug ist das kein Traumwert.

Fahrwerk, Lenkung, Fahrverhalten

Das Signature-Geräusch des Dacia: Dreht man das dünne Kunststoff-Lenkrad Richtung Maximalanschlag, knackt irgendwo in der Lenkung Kunststoff. Beim ersten Mal erschrickt man, aber keine Sorge: Es geht nichts kaputt. Was nichts daran ändert, dass die Lenkung staksig, gefühllos und indirekt agiert. Kaum zu glauben, dass der Dokker technisch eng mit präzise abgestimmten Modellen wie Nissan Juke oder Renault Clio IV verwandt ist.

Auch das Fahrwerk stimmt Dacia eher grob ab. Und zwar nicht nur, um die Zuladung von 550 kg zu ermöglichen - beladen federt der Dokker ebenfalls rustikal ab, wenn auch nicht ganz so hart wie unbeladen. Stöße reicht der Van fast ungefiltert durch, während es auf langen Bodenwellen und in Kurven auch mal schaukelig wird. Komfort geht anders - aber vorwärts geht es.

Ausstattung, Preise, Kosten

Dacia nimmt den Begriff “Basisausstattung” noch ernst. Die Version “Access” bietet im Wesentlichen vier Räder, fünf Sitzplätze und ein Lenkrad. Kein Radio, keine Klimaanlage und keine elektrischen Fensterheber. Dafür aber einen kompromisslos günstigen Basispreis von 8.990 Euro für alle, die keinen Wert auf Komfort und Luxus legen. Sondern auf ein praktisches, billiges Auto für jeden Tag.

Die Fondpassagiere betreten das Auto durch eine Schiebetür
Quelle: Fabian Hoberg Die Fondpassagiere betreten das Auto durch eine Schiebetür

Das klingt zunächst spartanisch, kann aber durchaus entspannen. Nichts piepst, kein Assistent teilt mit, wann der Fahrer müde auf ihn wirkt. Der Fahrer bleibt mit sich und dem Auto allein. Nicht einmal ein Bordcomputer informiert über Verbrauch und Fahrstrecke. Interessant: Trotz der Sparausstattung halten zwei Gasdruckdämpfer die Motorhaube oben. Auch Start-Stopp-Automatik gehört inzwischen zur Serienausstattung.

Die nächsthöhere Ausstattung “Essential” ab 10.600 Euro sollten sich Interessenten schon gönnen. Darin enthalten sind elektrische Fensterheber vorne und ein Radio mit Freisprecheinrichtung. Die Rücksitzbank lässt sich nun asymmetrisch umklappen und zwei Schiebetüren mit Ausstellfenster erleichtern den Zugang. Eine Klimaanlage kann für 600 Euro mitbestellt werden.

Fazit zum Dacia Dokker SCe 100: Kompromisslos günstig - und neu

Der Dacia Dokker bietet wenig Komfort, auch in gehobenen Ausstattungen keine modernen Assistenzsysteme  - und in der Basis ein Triebwerk, das deutlich aus der Zeit gefallen ist. Er bietet aber auch sehr viel Platz, ein wenig Komfort zu niedrigen Aufpreisen und eine Dreijahres-Garantie. Wenn es zum schmalen Kurs ein Neuwagen sein soll, der vor allem Transportaufgaben erfüllen muss, dann ist der Dacia Dokker ein bedenkenswertes Angebot. Kein anderer Neuwagen im Segment bietet mehr Raum für so wenig Geld. Echte Konkurrenz gibt es in diesem preislichen Umfeld nicht. Egal ob Opel Combo, VW Caddy oder Renault Kangoo: Sie alle bieten mehr Ausstattung, sind aber deutlich teurer. Als gute Gebrauchte aber auch ernsthafte Konkurrenz zum rustikalen Dacia.

Dacia Dokker SCe100: Technische Daten

  • Motor: 1,6-Liter-Vierzylinder
  • Leistung: 102 PS (75 kW) bei 5.500 U/min
  • Drehmoment: 150 Nm bei 4.000 U/min
  • Antrieb: Fünfgangschaltung, Frontantrieb
  • 0-100 km/h: 12,3 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
  • Verbrauch: 6,8 l/100 km
  • CO2: 156 g/km
  • Testverbrauch: 7,33 l/100 km
  • Länge: 4.363 mm
  • Breite: 1.751 mm
  • Höhe: 1.804 mm
  • Radstand: 2.810 mm
  • Leergewicht (EU-Norm): 1.224 kg    
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.794 kg
  • Kofferraum: 800 bis 3.000 l
  • Basispreis: 8.990 Euro

Dacia Dokker SCe100 im Alltagstest

  • 1,80 Meter misst der Dokker in der Höhe
    Quelle: Fabian Hoberg 1,80 Meter misst der Dokker in der Höhe
  • Im Test verbrauchte der Dokker 7,3 Liter auf 100 Kilometer
    Quelle: Fabian Hoberg Im Test verbrauchte der Dokker 7,3 Liter auf 100 Kilometer
  • Wird die Rückbank ausgebaut, bietet der Dokker bis zu 3.300 Liter Stauraum an
    Quelle: Fabian Hoberg Wird die Rückbank ausgebaut, bietet der Dokker bis zu 3.300 Liter Stauraum an
  • Die Fondpassagiere betreten das Auto durch eine Schiebetür
    Quelle: Fabian Hoberg Die Fondpassagiere betreten das Auto durch eine Schiebetür
  • In der Basisausstattung kostet der Dacia Dokker SCe100 8.990 Euro
    Quelle: Fabian Hoberg In der Basisausstattung kostet der Dacia Dokker SCe100 8.990 Euro
  • Über der 130 km/h-Marke werde Gespräche im Dokker anstrengend. Lärm und Vibration werden kaum erträglich
    Quelle: Fabian Hoberg Über der 130 km/h-Marke werde Gespräche im Dokker anstrengend. Lärm und Vibration sind kaum zu ertragen
  • Das Cockpit im Dokker wirkt spartanisch. Ist es auch
    Quelle: Fabian Hoberg Das Cockpit im Dokker wirkt spartanisch. Ist es auch
  • Kompromisslos günstiger Basispreis. Dafür aber kein Radio, keine Klimaanlage und keine elektrischen Fensterheber
    Quelle: Fabian Hoberg Kompromisslos günstiger Basispreis. Dafür aber kein Radio, keine Klimaanlage und keine elektrischen Fensterheber
  • Bei eingebauter Rückbank fasst der Kofferraum im Dokker 800 Liter
    Quelle: Fabian Hoberg Bei eingebauter Rückbank fasst der Kofferraum im Dokker 800 Liter
  • Mit dem 1,6-Liter-Vierzylinder ist bei 170 km/h im Dokker Schluss
    Quelle: Fabian Hoberg Mit dem 1,6-Liter-Vierzylinder ist bei 170 km/h im Dokker Schluss