Damit die Kleinsten gut gesichert sind

Kindersitz-Test: Das sind die Testsieger

Es gibt viele gute Kindersitze und einige wenige mit Schwächen. So lassen sich die Ergebnisse der Kindersitz-Tests der Stiftung Warentest und des ADAC zusammenfassen. Es gab viele Bewertungen mit „gut“, ein Kindersitz wurde mit „sehr gut“ bewertet. Die besten Kindersitze für Dein Fahrzeug von Gruppennorm bis i-Size findest Du hier.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Bei der Wahl des richtigen Kindersitz-Modells musst Du einige Dinge beachten.
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand ((c) dpa) Bei der Wahl des richtigen Kindersitz-Modells musst Du einige Dinge beachten. Vor allem das Alter und die Größe beziehungsweise das Gewicht Deines Kindes sind ausschlaggebend

Für frischgebackene Eltern ist es auf den ersten Blick etwas schwierig, die besten Kindersitze für das Fahrzeug zu finden. Das richtige Modell für Dein Auto entsprechend dem Alter und der Größe bzw. dem Gewicht Deines Kindes zu finden, kann mitunter kompliziert werden und verlangt etwas Geduld. Und die ist notwendig, denn während der Fahrt im Auto muss Dein Kind bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr bzw. bis zu einer Größe von 1,50 Metern mit einem Kindersitz gesichert sein. Dazu gibt es von der EU für Kindersitze fünf verschiedene Kategorien bzw. Gewichtsgruppen und seit 2013 zusätzlich eine Verordnung, die die Größe der Kinder zum Maßstab nimmt. Bei dieser Norm, genannt i-Size, gilt auch, dass Kinder bis zum 15. Monat rückwärts gerichtet im Auto untergebracht sind. In dieser Position ist gerade für Kleinkinder das Verletzungsrisiko geringer, sagt die Stiftung Warentest. Denn: Die meisten Unfälle mit dem Auto sind Frontalkollisionen. Dabei werden die Kinder mit dem Rücken in die Lehne gedrückt und geringer belastet. Bei der Position in Fahrtrichtung hingegen kommt es zu starken Belastungen der Halswirbel, ausgelöst durch den überdurchschnittlich großen Kopf der Kleinkinder im Vergleich zum Restkörper samt einer schwach ausgeprägten Muskulatur im Halsbereich.

Stiftung Warentest testete zusammen mit dem ADAC 31 Kindersitze für Neugeborene und für Kinder bis zu einem Gewicht von 36 Kilogramm bzw. einer Größe von 150 Zentimetern. Für eine bessere Einordnung der Ergebnisse der Kindersitz-Tests zunächst ein Blick auf die Kategorien.

Das sind die verschiedenen Kategorien von Kindersitzen

i-Size

GruppeGrößeInformationen
i-Size Phase 140 bis 105 ZentimeterKinder bis zu 15 Monaten müssen im sogenannten Reboarder sitzen, also rückwärts gerichtet im Fahrzeug.
i-Size Phase 2100 bis 150 Zentimeter

Gruppennorm

GruppeGewichtInformationen
Babyschalen 0+bis 13 Kilogramm GewichtDies entspricht Kindern bis zu etwa 15 Monaten. Ragt der Kopf des Kindes über den Schalenrand, ist die Schale zu klein.
Gruppe Ivon 9 bis 18 KilogrammEntspricht Kindern mit einer Größe zwischen 96 und 112 Zentimetern. In diesem Bereich sind mitwachsende Kindersitze ein guter Kauf, bei denen Breite, Höhe und Gurtverlauf flexibel eingestellt werden können.
Gruppe IIvon 15 bis 25 KilogrammDas entspricht einer Größe von 108 bis 127 Zentimeter. Auch hier sind mitwachsende Sitze empfehlenswert, idealerweise mit Rückenlehne und Kopfstütze.
Gruppe IIIvon 22 bis 36 KilogrammEntspricht Kindern zwischen 139 und 168 Zentimetern. Ab einer Größe von 150 Zentimetern kann der Nachwuchs normal den Sicherheitsgurt benutzen. Dabei sollte die Höhe des Gurtes individuell angepasst werden, damit er nicht am Hals einschneidet.

Quelle: Auto Bild

Bei dem Kindersitz-Test werden Crashtests durchgeführt, genauer Frontal- sowie Seitencrashtests. Beim Frontalcrash prallen die Dummys mit 64 km/h gegen die Wand. Zusätzlich werden die Sitzmaterialien auch nach Schadstoffen untersucht.

Bei Kindersitz-Tests werden Crashtests durchgeführt, genauer Frontal- sowie Seitencrashtests.
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand ((c) dpa) Bei Kindersitz-Tests werden Crashtests durchgeführt, genauer Frontal- sowie Seitencrashtests. Beim Frontalcrash prallen die Dummys mit 64 km/h gegen die Wand

Das sind die Testsieger

In der Gruppe „Geburt bis 13 kg Körpergewicht“ gewann das Modell Cybex Aton 5 mit der Gesamtnote „gut“ (1,6) unter den vom ADAC und der Stiftung Warentest getesteten Sitzen. Bei den Themen „Unfallsicherheit“ und „Schadstoffe“ erhielt dieses Modell die Bestnote. Der durchschnittliche Verkaufspreis des Cybex Aton 5 liegt bei 130 Euro. In der getesteten Kategorie „Geburt bis 36 kg Körpergewicht“ schnitt Klippan Kiss 2 plus mit der Bewertung „gut“ (2,5) am besten ab. Der Klippan gehört mit einem Durchschnittspreis von 500 Euro zu den teureren Kindersitzen. Gute Noten gab es für die Unfallsicherheit und Ergonomie, Schwächen bei der Handhabung. Das Modell Kiddy Phoenixfix 3 war der Sieger in der Gruppe „9 kg bis 36 kg Körpergewicht“, das mit einem „Gut“ (1,7) bewertet wurde und in den Testkriterien durchweg gut abschnitt. Allerdings handelt es sich hier um ein etwas älteres Modell, dessen Test schon 2016 stattfand und dessen aktuelle Version dezente Änderungen beim Bezug bekam. Der Preis des Kiddy Phoenixfix 3 liegt bei etwa 200 Euro. In der Gruppe „15 kg bis 36 kg Körpergewicht“ des Kindersitz-Tests lag der Britax Römer Kidfix III M vorne. Es gab das Gesamturteil „gut“ (1,7) und bei den einzelnen Themen auch durchweg gute Bewertungen. Den ersten Platz teilt sich der Britax Römer mit dem Cybex Solution M-Fix SL, dem Cybex Solution M SL und dem Cybex Solution S-Fix. Alle vier Kindersitze bekamen von ADAC und Stiftung Warentest durchweg gute Bewertungen. Während die Cybex-Modelle im Durchschnittspreis zwischen 170 Euro und 190 Euro liegen, rangiert der Britax mit 230 Euro leicht höher.

Getestet wurden auch die i-Size-Modelle, bei denen es nach der Körpergröße geht. Hier gibt es die Kategorie bis 105 Zentimeter Körpergröße, die mit zahlreichen Testkandidaten bestückt war. Da wurde der Testsieger der Maxi-Cosi Jade + 3wayFix mit der Bewertung „sehr gut“ (1,5). Übrigens der einzige Kindersitz, den die Tester von ADAC und Stiftung Warentest mit „sehr gut“ bewertet haben. Dazu haben die sehr gute Unfallsicherheit und auch sonst gute Bewertungen beigetragen. Dieser Sitz ist für Kinder in der Größe zwischen 40 und 70 Zentimetern geeignet. Mit einem Durchschnittspreis von 420 Euro liegt der Maxi-Cosi deutlich über jenen der nachfolgenden und kaum schlechter bewerteten Konkurrenzmodelle von Cybex, Peg Perego und Britax Römer. In dieser Kategorie fällt die hohe Qualitätsdichte beim Test auf. Da gab es immerhin 15 verschiedene Kindersitze, die mit Bewertungen von 1,6 und 1,7 nur knapp hinter dem Testsieger liegen. Ganz anders in der zweiten Gruppe der i-Size-Modelle bis 150 Zentimeter Körpergröße: Hier gab es nur einen Testkandidaten mit dem BeSafe iZi Flex Fix. Das Modell, das einen Größenbereich von 100 Zentimeter bis 150 Zentimeter abdeckt, erhielt die Gesamtbewertung „gut“ (1,9) und dabei durchweg gute Einzelnoten. Der Durchschnittspreis dieses Sitzes liegt bei 340 Euro.

In fast jeder Kategorie gibt es Modelle mit guten Testresultaten und günstigen Preisen, die so ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Das sind ganz besonders der Nania Beone SP für durchschnittlich 50 Euro in der Gruppe „Geburt bis 13 kg Körpergewicht“, der Joie Traver Shield für 165 Euro in der Gruppe „9 bis 36 kg Körpergewicht“ und der Britax Römer Adventure für 80 Euro in der Gruppe „15 bis 36 kg Körpergewicht“. Bei den i-Size-Sitzen bis 105 Zentimeter Körpergröße fallen der Cybex Aton Q i-Size und der Maxi-Cosi Rock mit jeweils 200 Euro positiv auf.

Von der EU gibt es für Kindersitze fünf verschiedene Kategorien beziehungsweise Gewichtsgruppen.
Quelle: Guido Kirchner (picture alliance/dpa) Von der EU gibt es für Kindersitze fünf verschiedene Kategorien beziehungsweise Gewichtsgruppen und seit 2013 zusätzlich eine Verordnung, die die Größe der Kinder zum Maßstab nimmt

Was beim Test noch auffiel

Zu den erfreulichen Innovationen gehört laut Stiftung Warentest und ADAC der Maxi-Cosi Jade, der wie eine Babyschale quer zur Fahrtrichtung auf dem Rücksitz des Autos montiert wird, etwas mehr Platz benötigt, dafür aber praktisch und sicher ist, sich auch als Aufsatz für den Kinderwagen einsetzen lässt. Dafür gab es im Kindersitz-Test die einzige Bewertung mit einem „Sehr gut“. Eine weitere Neuerung ist der Apramo All Stage, der als Sitz für das ganze Kinderleben beworben wird in der Gruppe „Geburt bis 36 kg Körpergewicht“. Allerdings leidet unter der Flexibilität die Sicherheit. „Beim Frontalaufprall machten die Tester ein erhöhtes Verletzungsrisiko aus. Das Gesamturteil ist daher nur ausreichend“, monierten Stiftung Warentest und ADAC. Gute Resultate in Sachen Sicherheit erreichte der Maxi-Cosi Tobifix, der aber bei der Schadstoffprüfung durchfiel. Im Test entdeckte man das Flammschutzmittel TCPP, das im Verdacht steht, Krebs zu verursachen. Da der Messwert höher lag als der für Spielzeuge geltende Grenzwert der Richtlinie 2014/79/EU, wurde der Sitz mit „mangelhaft“ bewertet. Das Modell Chicco Oasys versagte bei der Sicherheitsprüfung des ADAC: Der Dummy flog in weitem Bogen durch den Testraum.

Tipps für den Kauf

Es gibt noch einige praktische Tipps, um den besten Kindersitz für Dein Auto zu finden. Wichtig ist es, dass Du Dein Kind vor dem Kauf in dem ausgewählten Produkt Probe sitzen lässt. Ideal wäre es laut ADAC, wenn Du den Sitz in das eigene Auto einbauen kannst, um zu sehen, ob genügend Platz für den Einbau ist, ob die Gurte lang genug sind und auch ausreichend Zugang zu dem Sitz besteht. So kannst Du auch schon vorab klären, wie viel Platz noch für andere Passagiere im Auto übrig bleibt. Beim Kauf solltest Du auf das Prüfsiegel ECE R 44 mit der Prüfnummer 03 oder 04 achten, empfiehlt Stiftung Warentest. Mit diesem orangefarbenen Aufkleber ist gewährleistet, dass der Sitz nach neuesten Normen getestet und zugelassen ist, sagt die Stiftung. Auch die i-Size- Kindersitze haben eine eigene Prüfnorm mit der Bezeichnung ECE R 129. Die Sitze sollten möglichst stramm und standsicher im Auto positioniert werden. Bei älteren Fahrzeugmodellen können die langen Gurtschlossbefestigungen das korrekte Anschnallen des Sitzes beeinträchtigen. Bei Babyschalen ist es besonders wichtig, dass die Gurte lang genug sind, um den Sitz sicher anzuschnallen. Andernfalls könnte es besser sein, wenn man eine Babyschale mit separater Basis montiert, empfiehlt der ADAC. Und noch ein Tipp der ADAC-Experten: Bei Sitzerhöhungen mit Rückenstütze kann es vorkommen, dass sich der Gurt nicht mehr selbstständig aufrollt, wenn sich das Kind nach vorne beugt. Versuche es dann besser mit einem anderen Modell für Dein Auto.

Ergänzend zum Kindersitz kannst Du zusätzlich ein Befestigungssystem, genannt Isofix (auch ISOFIX), kaufen. Dieses System stellt eine Verbindung zwischen dem Kindersitz und der Karosserie Deines Fahrzeugs her. Isofix wird dabei unterschieden in eine fahrzeugspezifische Zulassung und eine Universal-Zulassung. Bei der ersten Variante musst Du zuvor prüfen, ob Dein Fahrzeug für das Isofix-System zugelassen ist.

Gebrauchte Sitze solltest Du nur kaufen, wenn Du über die Herkunft des Sitzes genau Bescheid weißt. Wichtig ist auch, dass sämtliche Gurte und Polster vorhanden sind und dass es auch eine Gebrauchsanweisung gibt. Von Kindersitzen, die bereits einen Unfall absolviert haben, raten Stiftung Warentest und ADAC kategorisch ab. Feine Risse im Material können das Sicherheitsniveau des Sitzes beeinträchtigen.

Was bei Kindersitzen wichtig ist

  • Gute und sichere Kindersitze für Dein Fahrzeug müssen nicht automatisch teuer sein
  • Ist das Prüfsiegel ECE R 44 vorhanden?
  • Bei i-Size-Sitzen gibt es ein eigenes Prüfsiegel ECE R 129 
  • Sitz im eigenen Auto probeweise montieren und Zugang und Gurtverlauf testen
  • Sitz muss stramm und standsicher montierbar sein
  • Gebrauchte Sitze nur kaufen, wenn Herkunft bekannt
  • Keine gebrauchten Sitze, die schon einen Unfall hatten



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