Jeep Compass 2018: Fahrbericht

Der Jeep Compass fährt am besten bergauf

Der Jeep Compass muss gleich zwei andere Jeeps ablösen – und macht das vor allem dann richtig gut, wenn es bergauf geht.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 07/07/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Compass und kompakt. Der Jeep ist kleiner als sein Vorgänger und spezalisiert sich auf sein Grundkonzept.
Quelle: Jeep Compass und kompakt. Der Jeep ist kleiner als sein Vorgänger und spezalisiert sich auf sein Grundkonzept

Der neue Jeep Compass ersetzt nicht nur den direkten Vorgänger, sondern mit ihm auch den Jeep Patriot. Damit streicht Jeep eine weitere klassische Karosserie im Portfolio und entlockt damit manchem eingefleischten Hardcore-Fan eine vorgeschobene Unterlippe. Wenn nun noch das Wort SUV im Zusammenhang mit Jeep fällt, könnte das zu einer Falte zwischen den Augenbrauen führen. Dennoch müssen wir uns in Anbetracht des anhaltenden SUV-Trends die Frage stellen: Passt der neue Compass zur Nachfrage nach klobig aussehenden, aber weniger klobig fahrenden Modellen?

Hier geht es zu einem ausführlichen Test des Jeep Compass

Wer die Tasten Lock und Low drückt, das passende Terrain-Programm wählt und die asphaltierte Straße hinter sich lässt, ahnt die Antwort schnell. Der Compass basiert zwar auf der gleichen italienischen Plattform wie der Jeep Renegade, fährt im Gelände aber dennoch wie ein Amerikaner. Zwar steuert die Lock-Taste kein Mitteldifferenzial, aber sie sorgt für permanenten Allradantrieb. Ohne sie hilft die Hinterachse lediglich dann, wenn es die Vorderräder nicht alleine schaffen.



Snow? Sand? Mud oder Rock?

Hinter Low verbirgt sich auch keine niedrige Getriebeübersetzung, sondern lediglich ein verändertes Schaltverhalten der Neungang-Wandler-Automatik. Sie wechselt deutlich langsamer die Gänge, teilweise erst im dunkelroten Bereich. „Normalerweise bleibst du im steilen Gelände im niedrigeren Gang. Oft reicht der erste“, sagt ein Jeep-Techniker. Zudem verändert sich durch die Low-Taste das Motor-Mapping und stellt sich auf herausfordernde Anstiege ein.

Dadurch liegt mehr Power im niedrigen Drehzahlbereich an, das Gaspedal wird deutlich sensibler. Sanftes Tippen auf das Bremspedal und noch sanfteres auf das Gas genügen, und der Jeep Compass gleitet in die wildesten Senken – und wenn alles nach Plan verläuft auch wieder hinaus. Klappt das nicht, sollte der Fahrer ein anderes Programm für den Untergrund wählen. Snow, Sand, Mud oder Rock? Wobei die Namen der Programme nicht wörtlich zu verstehen sind. Wir fahren bei 30 Grad durch Sand und kommen mit „Snow“ am besten voran.

Topmodell Jeep Compass Trailhawk

So viel Auswahl gibt es allerdings nur beim Topmodell Jeep Compass Trailhawk. Die Variante mit den größten Offroad-Talenten kostet mindestens 41.200 Euro. Dafür bekommen Käufer unter anderem eine um 25 mm auf 216 mm gewachsene Bodenfreiheit. Auf den ersten Blick erkennt man den Trailhawk an der mattschwarz beklebten Motorhaube sowie steiler abfallenden Front- und Heckschürzen. Einzige verfügbare Motor-Getriebe-Variante ist der 170 PS starke 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit Automatik.

Der Jeep Compass mag enge Kurven lieber

Die gleiche Kombination gibt es auch im zivileren Compass Limited. Zudem bietet Jeep einen weiteren 2,0-Liter-Selbstzünder mit Allradantrieb an. Der leistet 140 PS und kann wahlweise mit der Wandlerautomatik oder einem manuellen Sechsgang-Getriebe bestellt werden. Wir haben die Version mit Automatik getestet (ab 37.700 Euro) und sind mit der Geländetauglichkeit zufrieden. Im Vergleich zum Trailhawk verfügt der Limited allerdings nur noch über die Lock-Taste, und der kleinere Diesel hat im niedrigen Drehzahlbereich weniger Kraft. Bergab vermissen wir den Bergabfahr-Assistenten, den es nur beim Trailhawk gibt.

Zurück zum SUV-Vergleich: Als Allrad-Variante gewinnt der Jeep Compass in seinem Segment wohl jede Offroad-Challenge. Das gilt allerdings nur abseits des Asphalts. Geht es schnell auf befestigten und geschwungenen Straßen bergauf, zeigt sich der Compass behäbig und die Lenkung gibt wenig Rückmeldung an den Fahrer.

Am Ende der Kurve greift der Allradantrieb und hilft beim sauberen Herausbeschleunigen. Der Motor mit 140 PS leidet jedoch ein wenig unter den 1,6 Tonnen des Compass. Gut, dass in den meisten Fällen die Automatik den richtigen Gang parat hält. Allerdings arbeitet der Drehmomentwandler träge und kuppelt oft schleifend ein. Das gilt für die 140-PS-Version genauso wie für den Motor mit 170 PS. Beim Top-Triebwerk hilft jedoch das um 30 Nm höhere Drehmoment von 380 Nm (bei 1.750 U/min).

In der Regel werden neue Modelle länger als die alten. Nicht so beim Compass. Er ist um rund sechs Zentimeter auf 4,39 m geschrumpft. Dafür wurde er breiter (1,87 m), beim Radstand hat sich wenig verändert. Sowohl vorne als auch hinten haben die Insassen des Compass' genügend Platz. Nur das in zwei Ausstattungs-Paketen enthaltene Panorama-Glasschiebedach stört bei größeren Mitfahrern auf der Rückbank und kommt deren Köpfen deutlich zu nahe. Die Sitze sind bequem, könnten allerdings mehr Seitenhalt bieten. Im Innenraum des Compass' finden Jeep-Fans kaum Neues. Unschönes Plastik sieht nur, wer weit nach unten blickt.

Fazit: Der Jeep Compass findet seine Nische

Das Angebot an kompakten SUV ist aufgrund der anhaltenden Nachfrage groß. Gut, dass Jeep deshalb eine Lücke ansteuert und sich auf das besinnt, was Jeep gut kann: Geländegängigkeit. Zudem sind die Preise vergleichsweise niedrig: Der günstigste Compass kostet 25.700 Euro. Dafür gibt es einen 1,4-Liter-Benziner mit 140 PS. Wer gerne einen Diesel hätte, muss mindestens 27.200 Euro bezahlen für einen 120 PS starken 1,6-Liter-Motor. Beide Versionen werden nur über die Vorderräder angetrieben. Wer sich für einen 4x4-Antrieb interessiert, muss mindestens 32.200 Euro investieren. Dafür bekommen Käufer einen 2,0-Liter-Diesel mit 140 PS und Handschalter.

Technische Daten Jeep Compass

ModellJeep Compass Limited 2,0 MultiJetJeep Compass Trailhawk 2,0 MultiJet
Motor2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit Speicherkatalysator2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit Speicherkatalysator
Getriebe9-Stufen-Wandlerautomatik mit Allradantrieb9-Stufen-Wandlerautomatik mit Allradantrieb
Leistung140 PS bei 4.000 Umdrehungen170 PS bei 4.000 Umdrehungen
Drehmoment350 Nm bei 1.750 Umdrehungen380 Nm bei 1.750 Umdrehungen
Verbrauch5,7 l/100 km (NEFZ)5,7 l/100 km (NEFZ)
CO2194 - 205 g/km (WLTP)208 g/km (WLTP)
0 – 100 km/h10,5 s10,1 s
Höchstgeschwindigkeit196 km/h196 km/h
Länge4.390 m4.390 mm
Breite1.820 mm1.820 mm
Höhe1.640 mm1.660 mm
Radstand2.640 m2.640 mm
Leergewicht (EU)1.615 - 1.816 kg1.706 kg
Kofferraum438 l (ohne Reserverad bei aufrechter Rückbank)438 l (ohne Reserverad bei aufrechter Rückbank)
Grundpreis Testwagen36.200 Euro41.200 EUR
Basispreis25.700 Eurok.A.
Markstart7. Juli 20177. Juli 2017

Jeep Compass Fahrbericht

  • Der Compass hat mit einer Länge von 4,39m, Breite von 1,82m und Höhe von 1,64m ein praktisch, quadratisches Format. 
    Quelle: Jeep Der Compass hat mit einer Länge von 4,39 m, Breite von 1,82 m und Höhe von 1,64 m ein praktisch, quadratisches Format
  • Der Jeep Compass gewinnt jede Offroad-Challenge in seiner Sparte, jedoch nicht auf der Straße.
    Quelle: Jeep Der Jeep Compass gewinnt jede Offroad-Challenge in seiner Sparte, jedoch nicht auf der Straße
  • Die 4 S: Schnee, Sand, Schlamm und Stein. Alle Optionendie der Compass für beschwerliche Wege bietet.
    Quelle: Jeep Die 4 S: Schnee, Sand, Schlamm und Stein. Alle Optionen, die der Compass für beschwerliche Wege bietet.
  • Lock und Low, mit diesen Funktionen passen Sie den Compass mit dem Terrain-Programm an die Fahrsituation an.
    Quelle: Jeep Lock und Low, mit diesen Funktionen passen Sie den Compass mit dem Terrain-Programm an die Fahrsituation an
  • Geländegängigkeit definiert den Jeep Compass in seiner Nische.
    Quelle: Jeep Geländegängigkeit definiert den Jeep Compass in seiner Nische
  • Der Jeep Compass füllt nicht nur die Lücke im Gelände, sondern auch die im Markt.
    Quelle: Jeep Der Jeep Compass füllt nicht nur die Lücke im Gelände, sondern auch die im Markt
  • Compass und kompakt. Der Jeep ist kleiner als sein Vorgänger und spezalisiert sich auf sein Grundkonzept.
    Quelle: Jeep Compass und kompakt. Der Jeep ist kleiner als sein Vorgänger und spezalisiert sich auf sein Grundkonzept
  • Mit 140 PS und 1,6 Tonnen erklimmt der Compass auch eher ruhig steiles Gelände.
    Quelle: Jeep Mit 140 PS und 1,6 Tonnen erklimmt der Compass auch eher ruhig steiles Gelände