Bußgeldbescheide aus dem Ausland

Bußgeldbescheide aus dem Ausland: Das solltest Du wissen

Muss man Bußgelder aus dem Ausland auch in Deutschland bezahlen? Was Du über Bußgelder und Bußgeldbescheide aus dem Ausland wissen solltest, liest Du hier.

  • Inga Sievers
  • Veröffentlicht am 12.11.2021, 14:46
Jemand öffnet auf seinem Laptop den Bußgeldbescheid aus dem Ausland und überprüft das angehängte Foto
Quelle: Montage | mobile.de & unsplash.com Schon geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen können im EU-Ausland für ein Blitzerfoto sorgen

Von Österreich bis Italien: Höhere Bußgelder in den EU-Ländern

Vor der Reise ins europäische Ausland lohnt sich ein Blick auf die spezifischen Verkehrs- und Bußgeldregelungen der einzelnen Länder. Im Vergleich zu Deutschland fallen in der Regel deutlich höhere Strafen für Verkehrsverstöße an. Absoluter Bußgeld-Spitzenreiter ist Großbritannien. Wer mit 20 km/h zu schnell im Vereinigten Königreich geblitzt wird, muss mit bis zu 1.170 Euro Geldstrafe rechnen. Bei über 50 km/h zu schnell sind sogar bis zu 2.890 Euro fällig. Doch auch in Österreich, Frankreich und weiteren EU-Ländern musst Du bei Verkehrsdelikten mit hohen Bußgeldern rechnen.

Geldstrafen für die häufigsten Verkehrsverstöße im Ausland

LandGeschwindigkeitAlkoholfahrtRotlicht-Missachtung Handy am Steuer Parkverstöße
Österreich29 – 5.000 €Ab 300 €Ab 70 €Ab 50 €Ab 20 €
Italien *10 – 680 €Ab 530 €Ab 170 €Ab 160 €Ab 40 €
Frankreich68 – 3.750 €135 €135 €135 €35 – 135 €
Niederlande  Ab 165 €Ab 360 €240 €230 – 2.000 €Ab 90 €
Dänemark **Ab 135 €Bis zu einem Netto-Monatseinkommen270 €200 €Ab 70 €
Schweiz **37 – 250 €Ab 576 €231 €92 €37 – 111 €

*In der Zeit von 22 bis sieben Uhr liegen die Bußgelder für Verstöße circa ein Drittel höher.
** Höhe abhängig vom Wechselkurs

Keine einheitlichen Bußgelder bei Geschwindigkeitsdelikten in Österreich

Wirst Du in der Alpenrepublik geblitzt, kann dies je nach Bundesland oder Verwaltungsbezirk unterschiedlich teuer für Dich werden. Dies liegt daran, dass es in Österreich keine einheitlichen Bußgeldregelungen für Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt. Bist Du mit 40 km/h innerorts zu schnell gefahren, kann Dich das beispielsweise von 150 bis zu 5.000 Euro kosten. Bei Parkverstößen kommen Verkehrssünder deutlich besser weg. Die Strafzettel fürs Falschparken kosten in Österreich ab 20 Euro aufwärts. Wer allerdings glaubt, dass er die Bescheide nicht begleichen muss, liegt falsch. Bußgelder aus Österreich können im Gegensatz zu anderen Nachbarländern bereits ab einer Höhe von 25 Euro vollstreckt werden.

Nachts teurer: Geschwindigkeitsüberschreitungen in Italien

Wer sich in Italien in der Nacht eine Temposünde erlaubt, muss mit weitaus höheren Sanktionen rechnen. Bis zu einem Drittel höher sind die Bußgelder für überhöhte Geschwindigkeiten zwischen 22 Uhr abends und sieben Uhr morgens. Bei 10 km/h zu schnell auf Innerortsstraßen wären dann statt 15 Euro direkt 45 Euro fällig. Ebenfalls teuer wird es in Italien grunsätzlich für säumige Bußgeldzahler. Nach 60 Tagen muss man für Bußgeldbescheide aus Italien bereits das Doppelte zahlen. Moderat, allerdings teurer als in Deutschland, sind hingegen die Strafzettel für Parkverstöße in Italien. Hier geht es ab 40 Euro los.


Ein Autofahrer im Straßenverkehr benutzt sein Smartphone.
Handy am Steuer

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Bußgelder in Frankreich: Geschwindigkeitslimits für Fahranfänger

Selbst geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen können im Nachbarland Frankreich hohe Bußgelder nach sich ziehen. Bist Du 20 km/h innerorts zu schnell gefahren, drohen bereits 135 Euro Geldstrafe. Ab 50 km/h Geschwindigkeitsüberschreitung sind grundsätzlich sogar 1.500 Euro fällig. Die Besonderheit: Die Höhe des Tempolimits ist in Frankreich an die Dauer des Führerscheinbesitzes gebunden. Wer als Fahranfänger in Frankreich mit dem Auto fährt, darf in den ersten drei Jahren nach Führerscheinerwerb auf Autobahnen nur 110 km/h und auf Schnellstraßen nur 100 km/h fahren. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Bußgeld. Günstiger kann ein Strafzettel fürs Falschparken in Frankreich ausfallen. Dafür sind mindestens 35 Euro fällig.

Bußgelder in den Niederlanden: Landesweit zahlreiche Kontrollsysteme

In den Niederlanden solltest Du nahezu flächendeckend mit Radarkontrollen rechnen. Neben herkömmlichen Radargeräten wird per Section Control, auch Streckenradar genannt, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf längeren Strecken gemessen. Bei Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um 5 km/h und mehr wird ein Bußgeld verordnet. Mit mindestens 165 Euro solltest Du bei Tempoverstößen in den Niederlanden rechnen. Strafzettel für Parkverstöße fallen im Vergleich hingegen geringer aus: Ab 90 Euro musst Du dafür bezahlen.

Dänemark: Bei fehlendem Tagfahrlicht droht Bußgeld

In insgesamt 20 europäischen Ländern ist es gesetzlich vorgeschrieben, auch tagsüber mit Licht zu fahren. Dänemark ist eines davon. Bei Regelmissachtung droht ein Bußgeld, das ungefähr 134 Euro entspricht. Darüber hinaus werden in Dänemark unterschiedlich hohe Bußgelder je nach Verkehrsdelikt verhängt. Während Geschwindigkeitsüberschreitungen mit einer Höhe ab 135 Euro im EU-Mittel liegen, kann das Fahren unter Alkoholeinfluss bis zu einem Netto-Monatseinkommen kosten. Wer sein Fahrzeug im Parkverbot abstellt und ein Knöllchen erhält, sollte mit circa 70 Euro Bußgeld rechnen. Eine vergessene Parkscheibe ist nochmals teurer. Hierfür sind 100 Euro fällig.

Keine Kulanz für Raser in der Schweiz

Seit 2012 gilt in der Schweiz die „Via Sicura“. Die Verkehrssicherheitsmaßnahme sieht besonders hohe Strafen für Raser vor. So werden Fahrer, die mit 200 km/h auf der Autobahn unterwegs sind, (grundsätzlich gilt hier 120 km/h) mit einer einjährigen Haftstrafe und zwei Jahren Führerscheinentzug bestraft. Obwohl es sich dabei in Deutschland nur um eine Ordnungswidrigkeit handelt, kann die Strafe unter Umständen dennoch vollstreckt werden (Urteil des OLG Stuttgarts vom 25.04.2018). Bei Parkverstößen sind unsere Nachbarn etwas kulanter. Ab circa 37 Euro sind hier fällig – beispielsweise für das Parken ohne Parkschein auf gebührenpflichtigen Parkplätzen.

Das Bild zeigt ein Fahrzeug, das in einer Küstenstraße parkt. Daneben steht ein Parkverbots-Schild.
Quelle: Peter Besser Das Bußgeld für Verstöße wie Falschparken oder Geschwindigkeitsüberschreitungen sind in den EU-Ländern vergleichsweise höher.

Bescheide aus dem Ausland nicht ignorieren

Wer im EU-Ausland die Verkehrsregeln missachtet und ein Bußgeld kassiert, kann sich beim Überqueren der Grenze nicht in Sicherheit wiegen – ein Ignorieren der Bescheide ist definitiv keine gute Idee. Denn die Strafen können bei Verkehrskontrollen vollstreckt werden, wenn Du regelmäßig im Ausland unterwegs bist. Auch bei Passkontrollen an Flughäfen ist eine Vollstreckung der Bußgelder möglich. Laut einem EU-weiten Vollstreckungsabkommen können Bußgelder zusätzlich grundsätzlich in Deutschland vollstreckt werden.

Voraussetzung dafür ist, dass der Bußgeldbescheid einen Wert ab 70 Euro beinhaltet. Dabei werden Verwaltungskosten zum eigentlichen Bußgeld hinzugerechnet. Noch schneller greifen die österreichischen Bußgelder. Bereits ab einer Höhe von 25 Euro können unsere Nachbarn die Strafzahlung in Deutschland geltend machen. Punkte und Fahrverbote sind allerdings grundsätzlich nur im jeweiligen Land umsetzbar. Bußgeldbescheide aus dem Ausland sind daher reine Geldstrafen.

Seit 2003 gibt es in der EU eine einheitliche Datenbank in der Verkehrsverstöße, die besonderen Einfluss auf die Verkehrssicherheit haben, erfasst werden. Dazu zählen Geschwindigkeitsüberschreitungen, Alkoholfahrten und Rotlichtverstöße. Bist Du im Ausland zu schnell oder unter Alkoholeinfluss gefahren oder hast Du eine rote Ampel missachtet, können die ausländischen Behörden Dich mit Hilfe der Datenbank schneller ausfindig machen. In den meisten anderen Fällen kann es aber trotzdem mehrere Monate lang dauern, bis Dich der Bußgeldbescheid erreicht. Da Bußgelder erst nach einer gewissen Zeit verjähren – in Italien beispielsweise erst nach fünf Jahren, in Spanien nach vier – kann es allerdings schnell nach hinten losgehen, wenn Du die Strafe aus dem Ausland nicht bezahlst.

Bußgeldbescheide schnell bezahlen kann sich lohnen

Verspätete Bußgeldzahlungen sind mit spürbaren Aufschlägen verbunden. Ein schnelles Begleichen der Bußgeldchuld ist hingegen in vielen Fällen vorteilhaft. So kann es sich lohnen, wenn Du Dein Knöllchen fürs Falschparken bereits direkt vor Ort begleichst. Aber auch das schnelle Bezahlen von Bußgeldbescheiden, die Dich zu Hause erreichen, ist lohnenswert. Denn in manchen Ländern sind bis zu 50 Prozent Rabatt drin, wenn Du innerhalb einer vorgegebenen Frist den Betrag zahlst. Besonders großzügig zeigen sich beispielsweise Italien, Frankreich oder auch Spanien.

Das Bußgeld stimmt nicht mit den Regelungen des Landes überein? Oder sind darin hohe Zusatzgebühren für Anwälte und Inkasso-Unternehmen enthalten? Wenn Du an der Richtigkeit des Bescheids zweifelst, solltest Du möglichst schnell agieren und bei Bedarf auch juristischen Beistand suchen. Und in jedem Fall solltest Du Bußgeldbescheide aus Österreich, Italien und weiteren EU-Ländern sorgsam aufheben.

Denn die Unterscheidung zwischen Halter- und Fahrerhaftung in manchen Ländern kann letztlich auch dazu führen, dass Du den Bescheid nicht begleichen musst. Wirst Du als Halter des Fahrzeugs belangt und kannst nachweisen, dass Du nicht selbst gefahren bist, wird die Vollstreckung auch nicht durchgeführt. Einzige Ausnahme: Das Verkehrsdelikt ist auch in Deutschland an die Halterhaftung gebunden.



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