Das ist Aquaplaning und so verhinderst Du es

Aquaplaning: Wie reagierst Du richtig

Am besten verhindert man Aquaplaning mit einer angepassten Fahrweise im Vorhinein. Wenn es doch zum Aufschwimmen kommt, hilft die richtige Reaktion.

  • Maximilian Barcelli
  • Veröffentlicht am 11.08.2022, 16:30
  • Aktualisiert am 05.09.2022, 06:20
Eine Abbildung mit drei Reifen in verschiedenen Situationen: beim sicheren Straßenkontakt, bei reduzierter Bodenhaftung und bei Aquaplaning.
Quelle: mobile.deKann der Reifen das Wasser auf der Fahrbahn nicht verdrängen, entsteht ein Wasserkeil, der den Reifen „aufschwimmen“ lässt. Dadurch verliert das Fahrzeug den Kontakt zur Straße.

Eben noch reagiert das Fahrzeug auf Lenkbewegungen sowie Gas- und Bremsbefehle, doch dann ist die Haftung zur Gänze weg: Aquaplaning – auch Wasserglätte genannt – ist für viele Autofahrer ein Schockmoment. Doch wer sich richtig verhält, kann auch eine solch brenzlige Situation lösen.

Was ist Aquaplaning?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich die Aufgaben der Reifen ansehen. Diese verdrängen Wasser auf einer nassen Fahrbahn. Dafür ist auch das Reifenprofil zuständig. Kann der Reifen das Wasser allerdings nicht mehr verdrängen, weil zum Beispiel die Geschwindigkeit zu hoch ist, dann schwimmt dieser auf. Das bedeutet, dass zwischen Rad und Fahrbahn kein Kontakt mehr besteht, weil sich ein Wasserkeil zwischen diesen geschoben hat. Das nennt man Aquaplaning oder auch Wasserglätte. Wichtig: Durch Aquaplaning lässt sich ein Fahrzeug nicht mehr steuern.

Darum kommt es zu Wasserglätte

Der Reifen hat einen enormen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt zu Wasserglätte kommt. Vor allem folgende Eigenschaften sind bedeutend: Reifenbreite, -druck und -profil. Je schmaler der Reifen ist, desto weniger Wasser muss er verdrängen. Deshalb kommt es bei breiteren Reifen schneller zu Aquaplaning. Auch der Reifendruck ist entscheidend: Ist dieser zu hoch oder zu niedrig, steigt das Risiko aufzuschwimmen. Denn bei zu geringem Druck ist die Fläche breiter, mit der der Reifen die Fahrbahn berührt. Durch zu hohem Druck nutzt sich der Reifen ungleichmäßig ab. Und weil eine Hauptaufgabe des Reifenprofils die Wasserverdrängung ist, sollte es nicht abgefahren sein.

Ein Mechaniker des TÜV Rheinland misst die Profiltiefe an einem Autoreifen.
Das Reifenprofil

Das Profil beeinflusst maßgeblich, wie viel Wasser der Reifen verdrängen kann. Deshalb ist die richtige Profiltiefe besonders wichtig.

Das verringert das Aquaplaning-Risiko

Der richtige Reifen hat einen Einfluss auf das Aquaplaning-Risiko. Schmale Reifen mit ausgeprägtem Profil sind beispielsweise weniger Aquaplaning-anfällig als breite und abgefahrene. Doch selbst mit schmaleren Reifen, in denen zudem der richtige Druck herrscht, kann es dazu kommen. Denn entscheidend ist die Geschwindigkeit, mit der das Auto über Nässe fährt. Beim Aquaplaning fährt das Fahrzeug zu schnell, um ausreichend Wasser zu verdrängen. Aquaplaning und Geschwindigkeit hängen also direkt zusammen, denn je schneller das Auto fährt, desto mehr Wasser muss es verdrängen. Ein breiter und abgefahrener Reifen schwimmt im Gegensatz zu schmaleren, profilierten schon bei geringerem Tempo auf.

Einflussfaktoren auf die Aquaplaning-Wahrscheinlichkeit

  • Breite des Reifens
  • Reifendruck
  • Profiltiefe

Aquaplaning: Wo kommt es häufig vor?

Neben dem Fahrzeug spielen auch die äußeren Bedingungen eine Rolle. Grundsätzlich gilt: Je heftiger es regnet, desto wahrscheinlicher schwimmt ein Fahrzeug auf. Außerdem tragen auch Spurrillen Aquaplaning herbei. Dabei handelt es sich um Vertiefungen, die der Fahrtrichtung entlang laufen. In diesen Spurrillen kann sich Wasser sammeln. Auch anderweitige Unebenheiten begünstigen Wasserglätte. Des Weiteren kommt Aquaplaning häufiger auf Straßen mit geringer Längs- und Querneigung, sprich besonders ebenen Fahrbahnen, vor. Das Wasser kann dort nämlich nicht optimal abrinnen. Oft weist das Verkehrszeichen „Schleudergefahr bei Nässe“ auf problematische Fahrbahnen hin.

Ein Lkw und ein Pkw fahren an einem Verkehrszeichen vorbei, das auf Spurrillen und die damit verbundene Gefahr durch Aquaplaning hinweist.
Quelle: picture-alliance/ dpa | Rolf VennenberndDas Zusatzzeichen 1007-53, das unter einem klassischen Verkehrszeichen angebracht ist, macht auf Spurrillen auf der Fahrbahn aufmerksam.

Was tun bei Aquaplaning?

Wenn das Fahrzeug aufschwimmt, hilft eine adäquate Reaktion, um einen Unfall durch Aquaplaning zu verhindern. So sollte man weder beschleunigen noch stark bremsen. Auch starke Lenkbewegungen sollte man unterlassen, damit das Fahrzeug nicht ins Schleudern gerät, wenn es wieder Kontakt zur Fahrbahn hergestellt hat. Bei Autos mit manuellem Getriebe hilft es, auszukuppeln. Bei Automatik-Fahrzeugen sollte man lediglich vorsichtig vom Gas gehen. Grundsätzlich gilt in einer Aquaplaning-Situation, das Auto behutsam zu steuern.

Die wichtigsten Fahrtipps zusammengefasst

  • Lenkung gerade halten
  • Vorsichtig vom Gas gehen
  • Gar nicht oder nur leicht bremsen
  • Auskuppeln

Jede Aquaplaning-Situation ist verschieden. Deshalb sind diese Tipps in der Regel hilfreich, aber es gibt auch Ausnahmen. Wenn etwa unmittelbar eine Kollision droht, kann es helfen, wenn man stark bremst. Wenn das Auto wiederum ins Schleudern gerät, sollte man versuchen, dies vorsichtig mit der Lenkung zu korrigieren. Es kann zudem helfen, wenn man sich mit solchen Situationen bei einem Fahrsicherheitstraining vertraut macht. Am besten ist aber Aquaplaning mit einer vorausschauenden Fahrweise und einer angepassten Geschwindigkeit gar nicht zuzulassen. Das gelingt, in dem man auf Spurrillen achtet und gegebenenfalls versetzt von diesen fährt, seine Reifen in Schuss hält und mehr Abstand hält.