Mercedes SLC gegen SLK

Mercedes SLK und SLC R172 (2016): Vergleich

Lohnt sich das "C" am kleinen Roadster?

Der gemopfte Mercedes SLK heißt SLC, ändert sich aber sonst kaum. Lohnt sich der neue Roadster trotzdem? Wir haben gemeinsam mit einem großen Fan beide Autos verglichen.

10. Juni 2016

Jochen hat sich längst entschieden. Er ist SLK-Fan seit dem ersten Modell, aktuell fährt er seinen vierten Mercedes-Roadster. Der fünfte kommt im Oktober 2016. Dann bringt der 53-jährige seinen Mercedes SLK 200 zum Händler und fährt mit einem SLC 200 wieder nach Hause. Immer den neuesten haben, ein exklusives Hobby. Schließlich bedeutet es: etwa alle drei Jahre ein neues Auto.
Bisher war es das wert, findet Jochen. Deshalb hat er den SLC bestellt, bevor er ihn Probe fahren konnte. Nach drei Tagen mit dem Facelift-Testwagen der MOTOR-TALK-Redaktion will er aber nochmal mit seinem Verkäufer reden. „Der projiziert einen Mercedes-Stern auf den Boden, wenn man einsteigt“, strahlt er. „Das will ich auch haben.“ Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, an denen man den Fan erkennt.
 

Mercedes SLC: Facelift-Modell mit neuem Namen

Insgesamt ändert sich wenig am kleinen Roadster. Eine Modellpflege eben: Ein neues Basismodell, weniger Zylinder in der Spitzenmotorisierung. Dazu ein neues Navigationssystem, schöne Augen, große Schürzen und ein überarbeiteter Kühlergrill. Technisch ist der Roadster nach wie vor eng mit der mittlerweile ersetzten Mercedes C-Klasse W204 verwandt. Seine Antriebe stammen aber aus dem aktuellen Modell.
Jochen runzelt die Stirn. Im direkten Vergleich findet er seinen SLK schöner. Mit dem neuen Grill mag er sich nicht anfreunden und die tiefere Frontschürze verträgt sich nicht mit den Bordsteinen in seiner Straße. Beim Testauto kommt noch ein Sportfahrwerk mit einem Zentimeter Tieferlegung hinzu. „Das ist schon mit meinem knapp. Den Neuen würde ich nicht mehr vorwärts einparken.“
Am Kofferraum ändert sich mit der Modellpflege nichts. Mit offenem Dach passen 225 Liter Ladung in die Luke, bei geschlossenem Verdeck immerhin 335 Liter. Damit liegen SLK und SLC irgendwo zwischen Klein- und Kompaktwagen – und bieten genug Platz für Jochens Bassgitarre.

Neue Funktionen am elektrischen Blechdach

An anderer Stelle modernisiert Mercedes den Kofferraum. Der SLK öffnet sein Dach nur, wenn eine manuell betätigte Kofferraumabtrennung in der passenden Position sitzt. Mercedes wollte damit verhindern, dass sich das eingeklappte Dach an der Ladung stößt. Im SLC schiebt sich die Abtrennung selbstständig nach unten, wenn kein Hindernis im Weg liegt – und das passende Extra bezahlt wurde („Komfortbedienung des Variodachs“, 226,10 Euro).
Das Dach bekommt ebenfalls ein Update. Bisher ließ es sich nur im Stand öffnen und schließen. Auch beim SLC lässt sich die Betätigung des Dachs nur im Stand starten. Während die Mechanik arbeitet, erlaubt die Software aber das Losfahren - und Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h. Der komplette Vorgang dauert weiterhin 20 Sekunden.

Den Innenraum hat Mercedes in Details überarbeitet. Der SLC bekommt den kleinen Schalthebel des Mercedes SL und ein moderneres Infotainmentsystem. Die Mittelkonsole bleibt fast gleich. Jochen stellte allerdings bei der Bedienung des Zahlenfeldes im SLC eine Verzögerung fest.
Bei der Sitzverstellung berücksichtigt der SLC den Raum hinter der Rückenlehne. Wenn die Sitzfläche zurückfährt, stellt sich die Lehne ab einem gewissen Punkt gerader, um nicht hinten anzustoßen. Das Leder des Facelift-Modells knarzte trotzdem bei einigen Gelegenheiten unschön an der Rückwand der Fahrgastzelle. In Jochens SLK gibt es diese Geräusche nicht, trotz gleicher Sitzform und Kontakten mit der Rückwand.
 

Zwei neue Motoren zur Modellpflege

Die wichtigsten technischen Neuerungen im Roadster führte Mercedes bereits vor der Modellpflege ein. Die Euro-5-Motoren liefen Anfang 2015 aus, ihre Nachfolger und die Neungang-Automatik sind seit fast eineinhalb Jahren auf dem Markt. Wirklich neu sind nur Einstiegsmotorisierung (SLC 180) und Topmodell (AMG SLC 43).
Trotzdem ändert sich für Jochen einiges. In seinem frühen SLK arbeitet noch ein 1,8-Liter-Vierzylinder mit 184 PS und 270 Newtonmetern Drehmoment, gekoppelt an eine Siebengang-Automatik. Sein zukünftiges Auto fährt mit einem 2,0-Liter-Turbobenziner und zwei zusätzlichen Gängen im Getriebe. Auf dem Papier soll der Verbrauch um 0,4 Liter pro 100 Kilometer sinken. Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit ändern sich nicht spürbar.
Für uns hat Jochen den nächststärkeren Benziner ausprobiert: Im SLC 300 leistet ein 2,0-Liter-Vierzylinder 245 PS und 370 Newtonmeter. Der brummt tiefer und lauter aus dem Auspuff als Jochens SLK, dröhnt auf Dauer aber unangenehm. Außerdem schiebt er spürbar flotter an. Jochen bleibt trotzdem lieber bei seinem 200er. „Für mich reicht der, mehr PS brauche ich nicht.“ Der 180er sei ihm jedoch zu klein.
 

Kleiner Roadster mit großem Kofferraum

Der SLC lässt den SLK nicht alt aussehen. Trotzdem gibt es einige neue Funktionen, zum Beispiel Fahrmodi und ein adaptives Fahrwerk. Mit dem Modellwechsel sinkt der Einstiegspreis des kleinen Mercedes-Roadsters auf 34.926,50 Euro. Grund ist ein neuer Basisbenziner mit 156 PS. Der 200er kostet inklusive Neungang-Automatik (2.499 Euro Aufpreis) 42.304,50 Euro, zuzüglich Extras. Unmittelbar vor dem Modellwechsel kostete das gleiche Auto als SLK laut Liste 42.084,35 Euro.
Und insgesamt, Jochen? Lohnt sich das Facelift-Modell? „Eigentlich würde ich meinen SLK noch ein paar Jahre fahren“, fasst er zusammen. „Aber mein Vertrag läuft aus. Und eine Alternative gibt es aktuell für mich nicht.“ Jochen mag kleine Stahldach-Roadster mit genug Platz im Kofferraum.
„Einiges gefällt mir am SLC sehr gut, zum Beispiel die schnelle Automatik. Auf die Assistenzsysteme könnte ich verzichten“, sagt Jochen. Ärgerlich: Zum Modellwechsel tauscht Mercedes die Position von Blinker- und Tempomathebel. Jochen hatte bei der Testfahrt Probleme, sich daran zu gewöhnen. Immerhin bleibt der Automatikwählhebel auf der Mittelkonsole. „Da gehört er hin“, findet er.
 

Text: Constantin Bergander
 
 
 

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