Von O bis O - Ostern bis Oktober - sagt eine Redewendung

Wann ist es an der Zeit für den Reifenwechsel?

Der Reifenwechsel gehört zu den ersten Autofahrerpflichten: Zwei Mal im Jahr – zum Sommer und zum Winter – müssen die zu Jahreszeit und Witterungsverhältnissen passenden Pneus an die Achsen. Das hat vor allem Sicherheitsgründe, beeinflusst aber auch den Fahrspaß. Einen fest vorgeschriebenen Zeitpunkt, wann Du die alten Reifen Deines Autos wechseln solltest, gibt es jedoch nicht. Was Du dennoch beachten musst, findest Du hier.

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  • Veröffentlicht am 11/11/2019, 12:15 AM
  • Aktualisiert am 11/15/2019, 2:26 PM
Einen fest vorgeschriebenen Zeitpunkt für einen Reifenwechsel gibt es nicht
Quelle: Picture Alliance Einen fest vorgeschriebenen Zeitpunkt für einen Reifenwechsel gibt es nicht

Der April macht ohnehin, was er will, und dann macht das Wetter in Zeiten des Klimawandels noch weitere Kapriolen. Kurzum: Die Witterungsverhältnisse untergraben die alte Reifenwechsel-Faustformel „Von O bis O“ immer öfter, nach der Sommerreifen von Ostern bis Oktober gefahren werden sollten und in der übrigen Zeit die Winterreifen.

Reifenwechsel je nach Witterung

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt vor, dass Autofahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen, also Schnee, Eis und Glätte, mit Winterreifen unterwegs sein müssen. Ansonsten drohen Bußgelder. Legt man sich neue Winterreifen zu, sollten sie das Alpine-Symbol aufweisen (Schneeflocke in Bergpiktogramm). Pneus mit der älteren Kennzeichnung „M+S“ für Matsch und Schnee dürfen aber noch bis 2024 benutzt werden.
Wann der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel gekommen ist, lässt sich am besten am Wetterberichts erkennen. Sind die nächtlichen Temperaturen schon länger nicht mehr unter sieben Grad gefallen, ist die Zeit für die Sommerbereifung gekommen. Umgekehrtes gilt für den Wechsel zum Winterreifen.
Dass Du die Reifen überhaupt wechseln musst, liegt an den jeweils auf ein Optimum an Sicherheit abgestimmten Gummimischungen: Diese ist bei Winterreifen weicher, weist Lamellenprofil auf und bietet damit bei niedrigen Temperaturen bessere Bodenhaftung. Wird es wärmer, haben Sommerreifen mehr Grip und den deutlich kürzeren Bremsweg auf trockener Fahrbahn. Wer dann noch mit Winterreifen unterwegs ist, stellt im Ernstfall ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr dar. Das gilt selbstredend auch für den Einsatz von Sommerreifen im Winter. Außerdem verschleißen die weichen Winterpneus bei sommerlichen Temperaturen schneller und erhöhen den Treibstoffverbrauch – was am Ende auch die Kosten in die Höhe treibt. Nicht ganz unerheblich: Mit mangelnder Kurvenstabilität schmälert sich der Fahrspaß.

ei winterlichen Straßenverhältnissen, also Schnee, Eis und Glätte, solltest Du auf jeden Fall mit Winterreifen unterwegs sein
Quelle: Picture Alliance Bei winterlichen Straßenverhältnissen, also Schnee, Eis und Glätte, solltest Du auf jeden Fall mit Winterreifen unterwegs sein

Die richtige Profiltiefe

Die Witterungsverhältnisse dienen zur ersten Orientierung für den Zeitpunkt des Reifenwechsels. Ebenso wichtig ist die Profiltiefe. Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter. Experten empfehlen, nicht erst abgefahrene Reifen zu wechseln. Verkehrsclubs wie der ADAC nennen für Sommerreifen als Empfehlung drei Millimeter und für Winterreifen vier Millimeter. Das empfohlene Mindestmaß an Sommerpneus können Autofahrer mit einer Ein-Euro-Münze selbst ermitteln, denn deren abgesetzter konzentrischer Rand ist drei Millimeter breit. Verschwindet dieser, wenn man die Münze aufrecht im Profil versenkt, musst Du die Reifen noch nicht wechseln.
Wenn Schäden am Reifen vorliegen, muss er ebenfalls von der Felge. Grund können eingefahrene Nägel oder Schrauben sein. Kleine Löcher lassen sich oft einfach reparieren. Ist der Reifen an der Flanke verletzt, muss ebenfalls Ersatz her, denn der Reifen könnte platzen.
Auch wenn er Luft lässt, sollte er von einem Fachmann überprüft werden. Wenn der Reifendruck nachlässt, kann das auch von Materialermüdung herrühren, etwa durch übermäßige UV-Strahlung, weil der Reifen die letzte Saison über nicht wie empfohlen im Dunkeln gelagert wurde. Oft schwächelt das Material aber mit steigendem Reifenalter. Wie alt ein Reifen sein darf, ist ebenfalls nicht vorgeschrieben, doch fest steht: Mit den Jahren härtet das Gummi aus, was sich negativ auf Fahreigenschaften und Bremsweg auswirkt. Die Bodenhaftung leidet.

Eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter ist gesetzlich vorgeschrieben und sollte unbedingt eingehalten werden
Quelle: Picture Alliance Eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter ist gesetzlich vorgeschrieben und sollte unbedingt eingehalten werden

Altes Gummi neigt zum Aushärten

Experten empfehlen, Autoreifen spätestens nach acht bis zehn Jahren zu erneuern. Sicherer sei es aber, sich schon nach sechs Jahren nach neuen Modellen umzusehen. Das Alter, genauer: die Woche, in der der Reifen hergestellt wurde, lässt sich an der Reifenflanke anhand der vierstelligen DOT-Nummer ablesen: Die ersten beiden Ziffern geben die Kalenderwoche an, die letzten beiden das Jahr.
Stimmt das Alter noch, müssen nicht alle vier Reifen neu gekauft werden: Häufig erleiden die Reifen an der Antriebsachse den höheren Verschleiß, sodass zunächst sie dran sind, die anderen beiden halten in der Regel etwas länger.
Ein Termin fürs Reifen- oder Räderwechseln sollte früh mit der Werkstatt vereinbart werden. Denn oft herrscht zur Saison Hochbetrieb bei den Reifenmonteuren. Um den Trubel zu umgehen, kannst Du den Termin auch für einen etwas späteren Zeitpunkt vereinbaren. Das kann langes Warten vor Ort ersparen. Und den Winterreifen im Zweifel etwas länger zu fahren, kann Vorteile haben, wenn doch noch mal ein Kälteeinbruch kommt. Denn ist Schnee und Matsch auf der Straße, müsste man das Auto mit Sommerreifen nach Recht und Ordnung stehen lassen.

Checkliste: Fünf Gründe, die den Reifenwechsel erfordern

  • Witterungsverhältnisse: Bei Schnee, Eis und Glätte sind Winterreifen laut Straßenverkehrsordnung (StVO) zwingend vorgeschrieben.
  • Mangelnde Profiltiefe: Laut Gesetz sind 1,6 Millimeter Pflicht. Experten empfehlen eine Mindestprofiltiefe von drei Millimetern bei Sommer- und vier Millimetern bei Winterreifen.
  • Das Alter: Sind Reifen älter als sechs Jahre, sollten sie ausgetauscht werden. Mit den Jahren verschlechtern sich Eigenschaften wie Grip und Bremsweg.
  • Schäden: Ist der Reifen nach einem Unfall oder einer Panne beschädigt und verliert Luft, muss meist Ersatz her.
  • Materialermüdung: Ist das Gummi spröde oder rissig, könnte der Reifen platzen.

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