VW ID.3 und e-Golf: Modellwechsel 2020

Attraktive Angebote für e-Golf und e-Up

Bei VW könnte die Software-Entwicklung den Modellwechsel vom e-Golf zum neuen ID.3 verzögern. VWs CO2-Ziele erzwingen so attraktive Angebote für e-Up und e-Golf.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 04/15/2020, 12:37 PM
Volkswagen ID.3 Seitenansicht dynamisch
Quelle: Volkswagen AG Der ID.3 soll VW in die Elektro-Zukunft führen: Hohe Reichweite, viel Platz, wegweisende Assistenz, attraktive Preise. Der größte Akku speichert 77 kWh. Laut WLTP-Zyklus schafft der ID.3 damit 550 Kilometer

In der Corona-Krise verschiebt sich manches, aber diese Verspätung hat nur wenig mit der globalen Pandemie oder den Maßnahmen zu ihrer Eindämmung zu tun: VW baut das Elektroauto VW e-Golf einige Monate länger als ursprünglich erwartet. 2014 kommt der elektrische VW Golf auf Basis des Golf 7 auf den Markt, in diesem Jahr soll er vom neuen VW-Elektroauto ID.3 abgelöst werden.

Ursprünglich hatten Beobachter den Modellwechsel zum Sommer 2020 erwartet. Höchste Zeit, schließlich basiert der e-Golf noch auf dem Golf 7 – in den Autohäusern steht längst der Golf 8. Von dem ist keine Elektro-Version geplant, weil der ID.3 auf seiner reinen Elektro-Plattform zahlreiche Vorteile gegenüber dem umgerüsteten e-Golf aufweist. Er wiegt weniger, bietet mehr Platz und soll außerdem preiswerter sein.

Durchgesickert ist nun, dass VW den e-Golf mindestens noch bis Anfang November 2020 bauen will – und damit weit über die Werksferien hinaus, in denen üblicherweise die Werke auf neue Modelle umstellen. VW sagt, die Produktion des e-Golf sei von vornherein bis zum Jahresende 2020 vorgesehen gewesen. So oder so: Wer sich aktuell auf die Suche nach einem neuen e-Golf begibt, findet mehrere Händler mit echten Kampfpreisen.


VW eGolf dreiviertel-frontansicht
Der Elektro-Golf

Auf Basis des Golf 7 gebaut, erkennt man den e-Golf an den C-förmigen Tagfahrleuchten.


Volkswagen ID.3 (2020): Marktstart, Produktion

Den geplanten Marktstart des ID.3 im Sommer 2020 will VW bisher nicht aufgeben, aber es ist absehbar, dass die Wolfsburger die Definition von Sommer lockerer fassen müssen. Es könnte der „Indian Summer“ werden, der ja in einen kalendarischen Herbstmonat fällt.

Der Grund: Software-Probleme. Die Entwicklung neuer Features samt Fehlerbehebung verlangsamt nicht nur die Auslieferung beim neuen Golf 8. Dies hatte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh bereits im März 2020 öffentlich gemacht. Software-Probleme zeigten sich bei unserem Test eines Vorserien-Golf, darunter leidet offenbar auch der noch komplexere ID.3.

Deshalb produziert VW den ID.3 derzeit zwar wie geplant in Zwickau, aber auf Halde – ohne aktuelle Software. In Zwickau, Emden und an weiteren Standorten warten die Autos laut „Handelsblatt“ auf die fertige Software. Schafft es VW nicht rechtzeitig, diese fertigzustellen, prüft der Konzern demnach, ob sich ihre Komplexität verringern lässt. Einzelne Funktionen würden dann deaktiviert und erst bei späteren Software-Updates in Betrieb genommen. Problem: Der ID.3 würde dann gegenüber anderen Elektroautos im Leistungsumfang zurückfallen. Wenn die Software fertig ist, muss sie zudem auf bereits produzierten ID.3 installiert werden. Das verzögert den Prozess weiter.

VW ID.3 bei der Produktion
Quelle: dpa/Picture Alliance Die Produktion des ID.3 läuft - an der komplexen Software tüftelt der Hersteller jedoch noch

VW ID.3 (2020): Probleme mit der Software

Für die Verzögerung gibt es mehrere Gründe. VW denkt beim Thema Elektromobilität groß: 100.000 ID.3 will der Hersteller bis Jahresende verkauft haben. Sie sollen in einem komplett auf die Elektromobilität und die VW-Elektro-Plattform spezialisierten Werk gebaut werden. Neben dem Auto selbst befindet sich daher die massenhafte Produktion von Elektroautos in den Endzügen der Entwicklung: Lieferströme müssen synchronisiert, Montageschritte verfeinert werden. All das ist komplex und wurde so zuvor bei VW noch nie gemacht. Bei e-Golf und e-Up profitiert der Hersteller bislang von kleineren Stückzahlen, ebenso vom Plattform-Sharing mit den konventionell angetriebenen Modellen.



Der Hauptgrund jedoch: Die Komplexität der zahlreichen neuen Funktionen und Assistenten bereitet noch Probleme. Der ID.3 erhält wie der neue Golf ein großes Infotainment, ein großes Head-up-Display, viele neue Assistenzsysteme. Die dafür nötige Rechenleistung liegt um ein Vielfaches über der früherer Modelle. Selbst simple Ausstattungen wie die Echtzeit-Berechnung der Restreichweite können da zum Problem werden – VW will es beim Erstling auf Basis der neuen Elektro-Plattform besonders gut machen. Die Corona-Krise hilft natürlich nicht, wenn die personellen Ressourcen in der Software-Entwicklung ohnehin am Anschlag arbeiten, um das neue Modell auf die Straße zu bekommen.

VW e-Up und VW e-Golf: Preise Mitte 2020

In den USA soll es vorerst keinen ID.3 geben. In Europa benötigt VW zumindest länger eine Alternative zum neuen ID.3 als erwartet. Eigentlich war der e-Golf bereits 2019 aus dem Konfigurator verschwunden. Vermeintliche Restexemplare hat der Hersteller in großer Stückzahl in die Flotte des eigenen Carsharing-Dienstens „WeShare“ geschoben. Kunden bereitet VW seit Ende September 2019 in einer Kampagne auf den ID.3 vor: moderner, geräumiger, leistungsstärker und preislich attraktiver als der e-Golf wird der Neue. Warum also den Vorgänger in Betracht ziehen?


VW e-up! dreiviertel-frontansicht
Der e(lektro)-Up!

In 3,5 Sekunden beschleunigt der Stadt-Flitzer von 0 auf 50 km/h.


Ein Grund: VW muss seine Zulassungsziele bei Elektroautos erfüllen, um Strafzahlungen aufgrund überhöhter CO2-Flottenemissionen zu vermeiden. Dafür will der Hersteller voraussichtlich nicht auf den ID.3 warten, sonst wird es sehr teuer. Aktuell können VW-Elektro-Interessenten lediglich den kleinen e-Up konfigurieren, zu Preisen ab rund 22.000 Euro. Nur knapp darüber landet der e-Golf, wenn Interessenten von aktuellen Inseratspreisen auf mobile.de die staatliche Förderung (bis 6.000 Euro bei Neuwagen, 5.000 Euro bei Gebrauchtwagen) abziehen. Mehrere Händler bewerben den E-Golf als Neuwagen sogar mit einem Kampfpreis von 22.000 Euro. Den e-Up gibt es aktuell zu "Hauspreisen" ab 16.000 Euro. Wer sich jetzt mit einem e-Golf oder e-Up anstelle des neuen ID.3 anfreunden kann, darf offenbar mit einem Entgegenkommen der Händler rechnen.

VW ID.3 und E-Golf in Bildern

  • VW ID.3 bei der Produktion
    Quelle: dpa/Picture Alliance Für den VW ID.3 sowie für künftige Elektro-Modelle hat VW das Werk Zwickau zum reinen Elektroauto-Werk umgerüstet
  • VW ID.3 bei der Produktion
    Quelle: Volkswagen AG Der ID.3 steht als erstes VW-Modell auf der reinen Elektroauto-Plattform des Konzerns
  • Volkswagen e-Golf dreiviertel-frontansicht dynamisch
    Quelle: Volkswagen AG Noch bis Anfang November 2020 soll der e-Golf voraussichtlich produziert werden
  • Volkswagen ID.3 Seitenansicht dynamisch
    Quelle: Volkswagen AG Der ID.3 soll VW in die Elektro-Zukunft führen: Hohe Reichweite, viel Platz, wegweisende Assistenz, attraktive Preise. Der größte Akku speichert 77 kWh. Laut WLTP-Zyklus schafft der ID.3 damit 550 Kilometer
  • VW ID.3 bei der Produktion
    Quelle: dpa/Picture Alliance Die Produktion des ID.3 läuft - an der komplexen Software tüftelt der Hersteller jedoch noch