Alles, was Du über den Gebrauchtwagenkauf wissen solltest

Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Egal, ob Du Dein Wunschauto in einer Fahrzeugbörse wie mobile.de suchst oder bei einem Gebrauchtwagenhändler: Ein Gebrauchtwagenkauf wird am Ende klassisch abgewickelt - anschauen, fahren, verhandeln und kaufen. Dabei solltest Du ein paar Dinge beachten, denn schließlich möchtest Du Deine Entscheidung später nicht bereuen.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Viele Hersteller bieten ihre Gebrauchtwagen in speziellen Verkaufsprogrammen an.
Quelle: dpa / Picture Alliance Viele Hersteller bieten ihre Gebrauchtwagen in speziellen Verkaufsprogrammen an.

Worauf musst Du achten, damit Du möglichst lange Freude an Deinem neuen Gebrauchtwagen hast? Wir geben Dir die richtigen Gebrauchtwagen Tipps und sogar eine Checkliste mit an die Hand.



Gebrauchtwagen: Bis zu welcher Laufleistung kaufen?

Ein Gebrauchtwagen kann je nach Typ, Verarbeitung und Motorisierung mit einem Tachostand von 100.000 Kilometern in seinen besten Jahren sein oder kurz vor dem Ende seiner maximalen Laufleistung. Deshalb ist der Kilometerstand alleine kein Entscheidungskriterium für einen Gebrauchtwagenkauf.

Daran kannst Du Dich orientieren – unsere Gebrauchtwagen Tipps

  • Motoren hochwertiger Fahrzeuge halten meist länger als die von billigen Kleinwagen – vorausgesetzt die Pflege stimmt.
  • Bei einem Gebrauchtwagen, der seine Kilometer vor allem auf Autobahnen sammelte, verschleißen einige Bauteile weniger als bei einem Kurzstrecken-Stadtauto. Denn Stop-and-Go, Kaltfahrten und Kurzstrecken strapazieren das Material stärker.
  • Eine gute Pflege wirkt sich positiv auf die Lebensdauer eines Autos aus. Mit regelmäßigen Ölwechseln und Wartungen sowie einer motorschonenden Fahrweise kann der Verschleiß verlangsamt werden.
  • Achtung Tachomanipulation! Laut TÜV ist der Tacho jedes dritten Gebrauchtwagens manipuliert. Deshalb solltest Du den Kilometerstand kritisch betrachten. Vor allem, wenn der Wagen älter aussieht, als sein Tacho vermuten lässt.

Natürlich hat auch der gepflegteste Gebrauchtwagen-Motor seine Altersgrenze. Ein Auto mit einem Tachostand von über 200.000 Kilometern solltest Du besser nicht kaufen. Allenfalls für wenig Geld und mit dem Wissen, dass Du nicht mehr viel von ihm erwarten kannst – oder es ist ein Sammlerstück.

 Eine durchgesessene Sitzwange kann auch ein Indiz für eine sehr hohe Laufleistung sein. 
Quelle: Fabian Hoberg Eine durchgesessene Sitzwange kann auch ein Indiz für eine sehr hohe Laufleistung sein.

Gebrauchtwagen privat oder beim Händler kaufen?

Ein Gebrauchtwagenkauf vom Händler ist meist teurer als von einem Privatverkäufer. Deshalb ist es aber nicht automatisch besser, von Privat zu kaufen. Im Unterschied zu Privatleuten sind Händler dazu verpflichtet, eine Gewährleistung zu übernehmen. Für mindestens ein Jahr nach dem Kauf hast Du eine gewisse Absicherung für den Fall, dass es mit Deinem Gebrauchtwagen technische Probleme gibt. Manche Händler bieten gegen Aufpreis eine erweiterte Gebrauchtwagengarantie. Die gibt Dir zusätzliche Sicherheit. Außerdem kannst Du im Härtefall einen Gebrauchtwagen nach Kauf an den Händler zurückgeben. Nur windige Händler reden sich mit dem Zusatz „im Kundenauftrag zu verkaufen“ raus – dann zählt die Gewährleistung nämlich nicht. Seriöse Händler haben wenig Interesse, Dich beim Verkauf eines Gebrauchtwagens zu betrügen. Sie möchten, dass Du wiederkommst und sie weiterempfiehlst. Ob ein Händler vertrauenswürdig ist, dafür geben Bewertungen im Internet Anhaltspunkte oder Empfehlungen aus dem Freundeskreis.

  Wer die Möglichkeit hat, sollte den Gebrauchtwagen auf die Hebebühne fahren um den Unterboden besser beurteilen zu können
Quelle: Fabian Hoberg Wer die Möglichkeit hat, sollte den Gebrauchtwagen auf die Hebebühne fahren um den Unterboden besser beurteilen zu können

Privat kaufen – was muss ich beachten?

Auch, wenn Du keine Gewährleistung bekommst und den Gebrauchtwagen nach dem Kauf nicht mehr zurückgeben kannst: Ein Gebrauchtwagenkauf von Privat ist meist günstiger. Für Dein geplantes Budget kannst Du Dir dann mehr leisten, wie ein jüngeres Fahrzeug oder eine bessere Ausstattung. Mit unseren Gebrauchtwagenkauf Tipps ist es leichter als Du denkst, alles Wichtige zu beachten und ein Schnäppchen zu machen.

Wir geben Dir hier einen Überblick, damit Du entspannt und mit einem sicheren Gefühl zu Deinem Besichtigungstermin gehen kannst. Welche Gebrauchtwagenkauftipps gilt es zu beachten?

Auf kleine Details achten, z.B. auf den turnusmäßigen Wechsel der Verschleißteile am Motor
Quelle: Fabian Hoberg Auf kleine Details achten, z.B. auf den turnusmäßigen Wechsel der Verschleißteile am Motor

Nimm Dir Zeit bei der Besichtigung

Lass Dich beim Gebrauchtwagenkauf nicht unter Druck setzen. Unter Zeitdruck neigen Interessenten dazu, vorschnelle Entscheidungen zu treffen und Mängel an einem Fahrzeug zu übersehen.

Gehe in Begleitung

Wer alleine kommt, ist in einer schlechteren Verhandlungsposition. Zu zweit ist es nicht nur psychologisch günstiger, denn Du trittst selbstbewusster und stärker auf. Auch kannst Du Dich in Ruhe mit dem Käufer unterhalten, während Deine (möglichst autoerfahrene) Begleitung den Gebrauchtwagen sorgfältig untersucht und vor Blendern und Fehlentscheidungen bewahrt.

Prüfe Lack- und Unfallschäden

Unfallautos erkennst du bei Gebrauchtwagen an nachlackierten Karosserieteilen. Prüfe deshalb den Farbton, die Lackarbeit und am besten die Lackdicke. Ein Schichtdick-Messgerät kosten rund 100 Euro. Stell Dich vor das Fahrzeug, gehe in die Knie und kontrolliere, wie der Lack an den Seiten beschaffen ist und ob die Karosserie Unregelmäßigkeiten zeigt. Öffne die Motorhaube und achte auf abgeplatzten Lack, verschlissene Schrauben oder Lackspritzer. Die deuten darauf hin, dass hier nachträglich repariert wurde. Einen untrüglichen Hinweis auf einen größeren Schaden können auch die Seitenscheiben liefern. Ihr Herstellungsdatum kann nicht nach dem Jahr der Erstzulassung liegen.

Check den Kilometerstand

Wie viele Kilometer der Gebrauchtwagen tatsächlich gelaufen hat, verrät nicht immer der Kilometerstand. Jeder dritte Tacho wird laut ADAC manipuliert. Anhand von Rechnungen, HU-Protokollen und Wartungsbelegen lässt sich eine Historie aber gut zurückverfolgen. Ein ausgefülltes Scheckheft steigert den Wert eines Gebrauchtwagens. Fehlen Belege, lassen sich mit speziellen Adaptern und Apps wie von Carly Steuergeräte auslesen. Da Betrüger meist nur den Haupttacho manipulieren, kannst Du über versteckte Kilometerstände in den Daten der Steuergeräte sehen, wieviel der Wagen wirklich gelaufen hat.

Mache den Reifentest

Die Reifen eines Gebrauchtwagens sagen viel über das Auto aus. Deshalb schaue Dir das Profil genau an. Ist es unregelmäßig abgefahren, kann das ein Hinweis auf ein verstelltes Fahrwerk sein – oder auf eine sehr sportliche Fahrweise. Sind nur einzelne Stellen auffällig stark abgefahren, sind möglicherweise die Stoßdämpfer nicht in Ordnung. Dass die Reifen generell noch genügend Profil haben sollten, versteht sich. Der Gesetzgeber schreibt mindestens 1,6 Millimeter vor.

Prüfe die Gebrauchtwagen-Papiere

Nimm Dir für die Kontrolle der Unterlagen wie Rechnungen und HU-Prüfberichte Zeit. Die Belege geben Dir Sicherheit darüber, dass der Gebrauchtwagen regelmäßig gewartet wurde. Du kannst vermutlich auch davon ausgehen, dass der Käufer generell gut auf das Auto aufgepasst hat. Zumindest sollte das Serviceheft vollständig und ordentlich ausgefüllt sein.

Sind die Reifen des Gebrauchten noch zu gebrauchen?
Quelle: Fabian Hoberg Sind die Reifen des Gebrauchten noch zu gebrauchen?

Mache eine Probefahrt

Und zwar unter allen Umständen! Dabei kannst Du den Gebrauchtwagen ruhig stärker beschleunigen und abbremsen sowie ruckartig lenken. Achte dabei darauf, wie das Auto reagiert. Bleibt es in der Spur? Greifen die Bremsen vernünftig? Hörst Du ungewöhnliche Geräusche? Um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob alles stimmt, musst Du kein Profi sein. Übrigens: Manche Verkäufer fahren den Gebrauchtwagen vorher ein paar Runden, denn ein warmer Motor läuft immer besser als ein kalter. Fass also ruhig mal prüfend auf die Motorhaube, bevor Du losfährst.

Hole einen Expertenrat ein

Wenn immer es möglich ist, lass den Gebrauchtwagen Deiner Wahl von einer Prüforganisation oder einem Gutachter untersuchen, bevor Du einen Kaufvertrag unterschreibst. Ein Profi sieht nicht nur mehr Dinge als Du oder Deine Begleitung, er kann den Wagen auch professionell von unten checken. Vielleicht hat er zusätzlich ein paar Gebrauchtwagen-Tipps auf Lager.

Nimm eine Checkliste mit

Wir empfehlen Dir eine Checkliste mitzunehmen. Ausführliche Gebrauchtwagen Tipps haben wir als Liste. Als kleine Gedächtnisstütze kann Dir aber auch unsere smarte Kurz-Checkliste dienen. Wir wünschen viel Erfolg beim Autokauf und noch mehr Spaß mit Deinem Gebrauchtwagen!

Gebrauchtwagenkauf-Checkliste

  • Hast Du genügend Zeit für Deinen Gebrauchtwagenkauf eingeplant?
  • Begleitet Dich ein Freund/eine Freundin mit Auto Sachverstand?
  • Hast Du den Wagen nach Lack- und möglichen Unfallschäden untersucht?
  • Ist der Kilometerstand realistisch oder hast Du eine Prüfung per App und Adapter vorgenommen?
  • Sind die Reifen gleichmäßig abgefahren und haben ausreichend Profiltiefe?
  • Ist das Serviceheft vollständig ausgefüllt?
  • Hast Du eine Probefahrt gemacht und geprüft
    • ob der Wagen ungewöhnliche Geräusche macht?
    • wie der Wagen beschleunigt und bremst?
    • ob der Wagen die Spur gut hält?
  • Bist Du mit dem Wagen zu einem Experten gefahren und hast ihn dort prüfen lassen?
  • Hast Du am Ende ein gutes Gefühl? Wenn nicht, höre auf Deinen Bauch und verzichte lieber auf einen Kauf. Bei mobile.de findest Du eine große Auswahl weiterer toller Gebrauchtwagen.