Euro-6d-Diesel wirken: Abgaswerte sinken

Weniger Stickoxide: Luft in Städten wird besser

Die Luft in deutschen Städten wird besser, meldet das Umweltbundesamt. Hauptgrund: Mehr saubere Diesel im Straßenverkehr. Haben Fahrverbote damit ausgedient?

  • Björn Tolksdorf
  • 0
  • Veröffentlicht am 02/13/2020, 6:03 PM
Zu sehen ist die Leipziger Straße in Berlin. Dort gilt Tempolimit 30 zur Luftreinhaltung
Quelle: Picture-Alliance Das hohe Aufkommen von Pkw und Nutzfahrzeugen mit Dieselmotoren im Straßenverkehr gilt als Hauptursache der Stickoxid-Belastung in Innenstädten. An besonders belasteten Abschnitten testen einige Städte Tempo-30-Zonen

Sie können wieder aufatmen. Nicht nur Fußgänger und Radler, auch Dieselfahrer und Autohändler. Denn die Dieselkrise erledigt sich langsam von selbst, so scheint es. Das Umweltbundesamt bestätigt mit offiziellen Messungen den Trend: Die Belastung der Innenstädte mit Stickoxiden sinkt weiter. 2018 wurden die Grenzwerte von Stickstoffdioxid (NO2) im Jahresdurchschnitt an 42 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. 2019 waren es nur noch 20 Prozent.

Hauptquelle der Stickoxide in Städten ist der Straßenverkehr, namentlich Pkw und Nutzfahrzeuge mit Dieselmotor. Und hier tut sich eine Menge: „Heute haben moderne Diesel-Autos der Abgasnorm Euro 6d-Temp auch auf der Straße niedrige Stickstoffoxid-Emissionen, was zur Abnahme der NO2-Belastung beiträgt“, kommentiert der Präsident des Umweltbundesamtes Dirk Messner die Entwicklung.   


Diesel mit Euro 6d-Temp

Dieselfahrzeuge mit aktueller Schadstoffnorm tragen dazu bei, die Luftbelastung zu senken


Die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 6d-Temp für Stickoxide betragen 80 mg/km bei Diesel-Pkw und 60 mg/km bei Benzinern. Beim Feinstaub dürfen beide Motorarten 4,5 mg/km ausstoßen. Doch bei der Feinstaub-Diskussion ist langsam die Luft raus. 2019 gab es erstmals keine Überschreitungen des geltenden Grenzwertes. Außerdem geraten andere Verschmutzer als der Verkehr zunehmend ins Visier: „Während der Ausstoß von Feinstaub aus Verbrennungsmotoren schon länger zurückgeht, sollten besonders die Emissionen aus der Landwirtschaft und aus Holzfeuerungen reduziert werden“, sagt Messner. 

Fahrverbote noch zeitgemäß? 

Insgesamt macht es diese Entwicklung zunehmend unwahrscheinlicher, dass Gerichte weiterhin von Städten die Verhängung von Fahrverboten verlangen. Bislang erachteten einige Kommunen diese Maßnahmen als notwendig, um die Schadstoffbelastung ausreichend senken zu können. Ein Umweltverein hatte eine Vielzahl von Kommunen daraufhin verklagt.  

Aber in Zukunft? Der Anteil von Fahrzeugen mit geringem Schadstoffausstoß wird weiter steigen. Müssen Neuwagen seit September 2019 die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllen, tritt ab 1. Januar 2021 die noch strengere Abgasnorm Euro 6d in Kraft. Daher übrigens das seltsame Kürzel „Temp“: die aktuelle Norm ist nur „temporär“, also nur vorübergehend gültig. Bedingung für die Erteilung der Typgenehmigung ist ein niedriger Schadstoffausstoß auch im realen Fahrbetrieb. 



Gebrauchtwagenangebot steigt 

Viele dieser Fahrzeuge fahren bereits seit 2018 mit dieser Abgasnorm, kommen also nach und nach als Leasingrückläufer und junge Gebrauchte auf den Markt. Eine vollständige Liste, seit wann welches Modell die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllt, findet sich auf der Seite des ADAC.

Bei mobile.de findest Du solche Dieselmodelle über den Filter „Schadstoffklasse ab“ unter der Rubrik „Umwelt“. Wer diese Einstellung in Kombination mit der Kraftstoffart Diesel wählt, erhält aktuell (Stand: Februar 2020) rund 85.000 Angebote. Wobei allerdings nicht alle Händler die Abgasnorm auch angeben. In jedem Fall steigt die Anzahl der sauberen Selbstzünder auf dem Gebrauchtmarkt deutlich. Diesel mit der bisher nicht von Fahrverboten betroffenen Abgasnorm Euro 6 bilden inzwischen die Mehrzahl der Dieselautos auf dem Gebrauchtmarkt. Im Gegenzug sind Händler wieder eher bereit, ältere Diesel anzukaufen und in Zahlung zu nehmen. Das berichtet die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) im November 2019. 


Ein Citroen C3 steht vor einer Wand mit Graffiti.
Sparsame Benziner

Mit diesen Autos sparst Du an der Tankstelle, denn sie verbrauchen maximal 5 Liter Benzin pro 100 km


Mehr Verkehr, höhere Reduktion 

Die sukzessive Erneuerung der Autoflotte verbessert die Luft in den Städten. Ein interessantes Phänomen zeigt die ausführliche Darstellung der Entwicklung der Luftreinheit an allen Messpunkten

An den meisten Punkten entwickeln sich die Werte zwischen 2015 und 2019 in kleinen Schritten zurück. Beispiel Berlin: Im Bezirk Berlin-Schöneberg sank der gemessene Wert von 26 auf 21 Mikrogramm je Kubikmeter. Der Bezirk liegt also weit unter dem Grenzwert von 40.  

Deutlich stärker jedoch sinken die Werte in den stark belasteten Gebieten Berlins. Etwa am zentralen Hardenbergplatz in der City West von 53 (2015) auf 34 (2019) oder auf der Ausfallstraße Mariendorfer Damm von 49 auf 39. Je stärker der Verkehr, desto stärker wirken die Maßnahmen von Politik und Autoindustrie.  



Fahrverbote als „ultima ratio“ der Umwelt- und Verkehrspolitik könnten also ausgedient haben. Ohnehin gibt es in Deutschland aktuell nur vier Städte mit Durchfahrverboten für ältere Diesel. In Berlin, Hamburg und Darmstadt gelten sie für einzelne Straßen.  

Stuttgart hat seit dem Januar 2019 die komplette Umweltzone für Diesel der Abgasnorm Euro 4 und schlechter gesperrt. Mit Erfolg, wie die Zahlen vom Neckartor zeigen. Die Belastung sank von 71 Mikrogramm pro Kubikmeter auf 53 und damit um mehr als 25 Prozent. Spannend dürfte es werden, wenn die Zahlen unter den Grenzwert sinken. Ob die Umweltzone dann wieder für ältere Diesel geöffnet wird? Wir vermuten: nein. 

Bilder zum Diesel-Fahrverbot

  • Zu sehen ist ein Diesel-Fahrverbot-Schild
    Quelle: Picture-Alliance Aktuell gibt es in Deutschland vier Städte mit Durchfahrverboten für ältere Diesel
  • Zu sehen ist die Leipziger Straße in Berlin. Dort gilt Tempolimit 30 zur Luftreinhaltung
    Quelle: Picture-Alliance Das hohe Aufkommen von Pkw und Nutzfahrzeugen mit Dieselmotoren im Straßenverkehr gilt als Hauptursache der Stickoxid-Belastung in Innenstädten. An besonders belasteten Abschnitten testen einige Städte Tempo-30-Zonen
  • Zu sehen ist das Logo des Umweltbundesamtes
    Quelle: Picture-Alliance Das deutsche Umweltbundesamt bestätigt den Rückgang der Stickoxid-Belastung in den Innenstädten
  • Zu sehen ist ein Auspuff
    Quelle: Picture-Alliance Bei Kraftfahrzeugen mit Dieselmotoren beträgt der Grenzwert der Abgasnorm Euro 6d-Temp für Stickoxide 80 mg/km. Bei Benziner sind es 60 mg/km
TreibstoffartenNeuigkeitenAbgasnormDiesel