Strom Tanken will noch gut geplant sein

So planst Du die Route mit dem Elektroauto

Weil das Netz an Ladestationen in Europa stetig wächst, kannst Du mittlerweile auch Urlaubsreisen mit dem Elektroauto zurücklegen. Jedoch erfordern längere Strecken nach wie vor eine durchdachte Planung entlang der Stromtankstellen. Die Planung der Elektroauto-Route hängt dabei von der Reichweite des Fahrzeu gsab. Auch über den Steckertyp, ob Schnellladungen möglich sind, sowie über die Zahlmethoden solltest Du Dir frühzeitig Gedanken machen. 

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Für die Langstrecke ist die Routenplanung entlang von Schnellladesäulen entscheidend.

Die Reichweiten von Elektroautos sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, mittlerweile sind auch längere Fahrten im Elektroauto entspannt möglich. Ein Beispiel: Der Audi e-tron besitzt eine Traktionsbatterie mit 95 Kilowattstunden (kWh) Kapazität. Damit kommt das Fahrzeug mit einer Ladung über 400 Kilometer weit. An der Marke von 400 Kilometern kratzt auch der Nissan Leaf, eines der weltweit meistverkauften Elektroautos – zumindest mit der 62-kWh-Batterie an Bord.

Im Urlaub ist es ratsam, das Auto bei jeder Pause auch an eine Ladesäule zu hängen.

Gemütliche Pausen: Genug Zeit einplanen

Grundsätzlich empfiehlt es sich dennoch, das Fahrzeug bei jeder Pause an die Ladesäule zu hängen. Mittlerweile gibt es zwar viele Ladestationen in Europa. Doch die Infrastruktur ist längst noch nicht so ausgebaut wie die für Benziner und Diesel. 
Außerdem dauert das Nachladen noch deutlich länger als das herkömmliche Tanken, wenngleich etliche Elektrofahrzeuge an einer Schnellladesäule mittlerweile in 20 bis 30 Minuten auf 80 Prozent ihrer Akkukapazität kommen. 
Tank & Rast ist der größte Betreiber von Autobahnraststätten in Deutschland. Das Unternehmen hat mittlerweile an jeder seiner Tankstellen Ladesäulen errichtet. 

Routenplanung im Internet

Wenn Du Dir vor der Reise einen Überblick über mögliche Ladepunkte verschaffen möchtest, ist eine Internetrecherche hilfreich. Seit 2017 pflegt die Bundesnetzagentur ein Ladesäulenregister, das Ladepunkte in Deutschland listet. Eine entsprechende Excel-Datei, die regelmäßig aktualisiert wird, kannst Du Dir von der Webseite der Behörde herunterladen
Alternativ kannst Du Dir dort eine interaktive Karte ansehen. Auf der Karte sind Schnellladepunkte mit roten Punkten und normale Ladestationen mit blauen Punkten eingetragen. Per Klick auf die Punkte werden Informationen wie der Betreiber, die Adresse und die jeweilige technische Ausstattung der Ladesäule angezeigt.
Denn: Es kommt auch auf den Stecker an. Die meisten Elektroautos kannst Du über ein Typ-2-Kabel laden. Asiatische Stromer wie der Nissan Leaf nutzen den CHAdeMO-Stecker für schnelles Laden von Gleichstrom. Fährst Du zum Beispiel einen BMW i3, hältst Du Ausschau nach Ladesäulen, die auf das mittlerweile weitverbreitete Combined Charging System (CCS) ausgelegt sind, das Wechsel- und Gleichstromladung gleichermaßen und damit auch Ladeleistungen von über 22 kW ermöglicht. 
Europaweit 40.000 Ladestationen, davon fast 14.000 allein in Deutschland umfasst Europas ältestes Internetverzeichnis von Stromtankstellen. Das LEMnet gibt es bereits seit 1997. Auch die Webseite von Going Electric bietet ein sehr umfassendes Stromtankstellenverzeichnis, auf dem von Nutzern fast täglich neue Ladepunkte gemeldet werden. Bislang sind dort schon über 100.000 Ladepunkte in 48 Ländern eingetragen. Außerdem bietet die Seite einen Routenplaner. Die Suchergebnisse werden auf einer Google-Maps-Karte angezeigt, als GPX-Datei können Nutzer die Route auf ihr Navigationsgerät importieren. Besonders praktisch: Going Electric bietet einen Elektroauto-Routenplaner. Dort kannst Du die Route passgenau auf Deine Bedürfnisse zuschneiden. Dafür musst Du Dein genaues Fahrzeugmodell mit Batteriekapazität und Steckertyp sowie Deinen durchschnittlichen Energieverbrauch angeben. Aufgrund dieser Parameter berechnet die Routenplanung die Tankintervalle. Ein Tipp: Du solltest mit vollgeladenem Akku losfahren, denn dies wird in den Berechnungen angenommen.

Der Audi e-tron quattro schafft rund 400 Kilometer mit einer Akkuladung.

Planen mit Smartphone-Apps

Sich vorab im Internet über die Möglichkeiten zu informieren, ist eine gute Idee, doch unterwegs wirst Du am Steuer kaum Deinen Laptop aufklappen, auch das Importieren von GPX-Dateien muss nicht unbedingt sein. Praktischer ist es, wenn Du zur Routenplanung eine Smartphone-App nutzt. Bewährt haben sich bislang NextPlug, Wattfinder, die an Going Electric andocken, sowie Electromaps, Chargemap und chargEV. 
Es lohnt, die Apps bezüglich ihrer Funktionalitäten zu vergleichen. So wird Chargemap mithilfe der Online-Community gepflegt, die neue Ladesäulen meldet und Erfahrungen teilt. Außerdem zeigt die App an, wenn Ladesäulen belegt oder defekt sind. Jedoch hast Du dort keine Möglichkeit, Dein Fahrzeugmodell zu hinterlegen. 
Auch Google arbeitet daran, Fahrern von Elektroautos das Reisen zu vereinfachen. So plant das US-Unternehmen, die aktuelle Verfügbarkeit von Ladestationen in Echtzeit in seine Navigations-App Google Maps zu integrieren. Während der Dienst, der auch Verfügbarkeiten von Ladepunkten anzeigt, in den USA und Großbritannien bereits verfügbar ist, kann er in Deutschland noch nicht genutzt werden.  



So wird abgerechnet

Hast Du die nächste Ladesäule erreicht, kann ein Problem auftauchen: Du kannst nicht zahlen und damit auch nicht laden. Das Problem: Es gibt bislang kein einheitliches Bezahlsystem. Manchmal benötigst Du eine Ladekarte, manchmal eine App, mit der Du einen QR-Code scannst. Manchmal funktioniert der Online-Bezahldienst PayPal oder das berührungslose Zahlen per NFC und Handy. Der ADAC beklagt einen „Dschungel an Betreibern, Preismodellen und Intransparenz“. 
Auch die Kosten für das Laden variieren stark. Es gibt Ladesäulen, an denen Du den Strom sogar kostenfrei bekommst, an anderen Ladestationen kann es sehr teuer werden. Einen Preisunterschied kann es machen, wenn Du bei einem Mobilitätsprovider einen Vertrag abgeschlossen hast, dann bist Du aber auch auf Roaming angewiesen. Teurer ist der Strom in der Regel, wenn Du ohne Vorab-Registrierung per Sofortzugang lädst. Und: Die Rechnungssumme siehst Du meist erst, wenn Du Dir Dein Nutzerkonto anschaust.
Derzeit bietet kaum ein Betreiber die Abrechnung nach Kilowattstunde an. Oft wird per Ladezeit abgerechnet. Das kann vor allem bei geringer Ladeleistung der Ladesäule zum Kostennachteil werden. Im Idealfall planst Du ohnehin entlang von Schnellladepunkten, um die Wartezeiten nicht grundlos auszudehnen.  
Eine weitere Kostenfalle kann sein, dass manche Stromanbieter die Standzeit an der Säule über den Ladevorgang hinaus berechnen. Der Zweck ist klar: Sie wollen verhindern, dass Ladepunkte als Parkplätze missbraucht werden. 
Es gibt auch Ansätze, die den Tarifdschungel entwirren wollen. Ein Beispiel ist der europaweite Anbieter Plugsurfing. Er versammelt viele Anbieter von Ladesäulen. Einmal bei Plugsurfing angemeldet, kannst Du im Roaming so zumindest mehrere Anbieter nutzen, und es wird einheitlich abgerechnet. Die Preise variieren dennoch.

Nicht nur in Deutschland, auch in Europa gibt es immer mehr Ladesäulen für Elektroautos.

So kommst Du an Ökostrom

Oft heißt es, das Elektroauto sei nur dann eine ökologisch nachhaltige Lösung, wenn man regenerativ erzeugten Strom tankt – und das stimmt auch. Nur: Ganz einfach ist das in der Praxis nicht. Zwar versichern große Stromkonzerne wie EnBW, dass sie an den Ladepunkten für Elektroautos nur Ökostrom abgeben. Dennoch bist Du dort Kunde von Konzernen oder Unternehmen, die auch Geld mit Kohle- und Atomstrom verdienen.
Der Anbieter Naturstrom betreibt derzeit 80.000 Ladesäulen in ganz Europa. Deine Route musst Du allerdings über eine Landkarte auf der Naturstrom-Webseite planen. Du brauchst zudem eine Ladekarte. Abgerechnet wird pro Ladevorgang. Naturstrom unterscheidet die Normalladung bis 22 Kilowatt (kW) Anschlussleistung und Schnellladung.
Zugang zu 80.000 Ladepunkten verspricht das Unternehmen Lichtblick mit dem Angebot FahrStrom. Ein weiterer Anbieter ist Entega, der die Abrechnung per Kilowattstunde (36 Cent) oder Flatrate vorsieht.

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