Smart wird jetzt komplett elektrisch

Smart EQ Facelift: Neues Gesicht, alte Reichweite

Smart wird zur Elektro-Marke: Verbrenner gehen, Stromer werden überarbeitet. Wir haben alle Details zu den neuen Smart EQ Fortwo, Fortwo Cabrio und Forfour.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 09/06/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Serienmäßig wird der Frontgrill beim Smart EQ in Wagenfarbe lackiert
Quelle: Daimler Serienmäßig wird der Frontgrill beim Smart EQ in Wagenfarbe lackiert

Smart baut nun endgültig um. Pünktlich zur IAA in Frankfurt wird aus der Daimler-Tochter ein reiner Hersteller von Elektroautos. Zeitgleich werden die Modelle EQ Fortwo und EQ Forfour gründlich überarbeitet. Doch sogleich folgt die Enttäuschung, denn an der Reichweite der elektrisch angetriebenen Kleinstwagen ändert sich nichts. Der Akku verfügt weiter über eine Kapazität von 17,6 kWh und der Smart damit über eine Reichweite von um die 150 Kilometer.

Das ist gewollt. Die Strategie ist nachvollziehbar: Der ehemalige Smart Electric Drive, der im Rahmen der Daimler-Elektrostrategie zum Smart EQ wurde, soll gar nicht weit fahren. Er soll lieber öfter laden und dabei pro Ladevorgang nicht viel Zeit brauchen. Trotzdem soll er auf teure Ladetechnik verzichten können. Das geht nur mit kleinen Akkus. Und das hält den Smart halbwegs bezahlbar. 

So lädt der Smart mit einer relativ mageren Leistung von 22 kW in knapp 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Vorausgesetzt, der weiterhin optionale Onboard-Lader mit entsprechender Leistung ist an Bord. Sonst dauert die Ladung von 20 auf 100 Prozent an der Haushaltssteckdose rund sechs Stunden. Wer über Nacht daheim laden kann oder tagsüber während der Arbeit, kann auf den 22-kW-Lader also verzichten. Alle anderen sollten eine solide Ladeinfrastruktur in der Umgebung haben.

Smart EQ: Mit Plugsurfing Zugang zum Laden

Smart kooperiert mit dem Anbieter Plugsurfing und verspricht dadurch Zugang zu nahezu allen öffentlichen Ladesäulen. Laut Plugsurfing selbst werden 110.000 Ladepunkte in Europa abgedeckt. Die Plugsurfing-Datenbank ist in die „Smart EQ control App“ integriert. Kunden können sich so bei Plugsurfing anmelden, sich Lademöglichkeiten anzeigen lassen und direkt über die App bezahlen.

Grundsätzlich ändert sich mit dem Facelift wenig am Smart EQ, die Rückleuchten werden neu gestaltet
Quelle: Daimler Grundsätzlich ändert sich mit dem Facelift wenig am Smart EQ, die Rückleuchten werden neu gestaltet

Beim Antrieb bleibt Smart dem bekannten Synchronmotor mit einer Dauerleistung von 41 kW (56 PS) und einer Spitzenleistung von 60 kW (82 PS) treu. Das Drehmoment liegt bei 160 Newtonmetern. Tempo 100 ist nach 11,6 Sekunden erreicht, auf 50 km/h sprintet der Kleinstwagen in flotten 4,8 Sekunden. Bei 130 km/h wird abgeregelt. Der Verbrauch ändert sich im Vergleich zum Vorgänger (15,7-13,9 kWh) geringfügig. Zwischen 15,2 und 14 kWh auf 100 Kilometern gibt Smart an, wenn der optionale 22-kW-Lader an Bord ist, beim serienmäßigen Onboardlader fällt die Effizienz etwas schlechter aus. Der Verbrauch liegt dann bei 16,5 bis 15,2 kWh/100 km.

Je nach Modell liegt die maximal Reichweite bei um die 150 Kilometern. Der Smart EQ Fortwo hat die beste Reichweite mit 147 bis 159 Kilometern, das Smart EQ Fortwo Cabrio braucht 0,2 kWh mehr. Der Smart EQ Forfour fährt zwischen 140 und 153 Kilometer mit einer Akkuladung – alle Werte sind nach WLTP gemessen und auf NEFZ zurückgerechnet. In der Praxis darf man bei guten Bedingungen mit 120 bis 130 Kilometern Reichweite kalkulieren.

Das Smartphone als Infotainmentsystem 

Außen ändert sich nicht viel, dafür aber Wesentliches. Der Smart erhält eine neue Front. Zur Untermauerung des Elektro-Statements verschwindet der "Kühlergrill" (der zuvor schon nicht notwendig war) optisch aus dem oberen Drittel und wandert recht weit unten in die Schürze. Beim EQ Fortwo ist er oben breiter, beim Forfour verbreitert er sich nach unten. Serienmäßig wird der Grill in Fahrzeugfarbe lackiert, optional kontrastierend. Die Scheinwerfer und die Rückleuchten modernisiert Smart ebenfalls.



Größere Änderungen gibt es im Smart-Innenraum, vor allem beim Infotainment. Das Media-System bekommt einen größeren Bildschirm mit Acht-Zoll-Diagonale und keine eigenen Funktionen. Die müssen künftig alle vom Smartphone kommen. Also verbindet das Smart-System sich über die gängigen Standards mit Android- oder Apple-Telefonen und nutzt deren Apps und Rechenleistung. 

Smart setzt zum Facelift aller Modelle auf ein Infotainment-System ohne Rechenpower
Quelle: Daimler Smart setzt zum Facelift aller Modelle auf ein Infotainment-System ohne Rechenpower. Alle Funktionen sollen vom Smartphone kommen

Die Smart Control App spielt dabei vor allem außerhalb des Fahrzeugs eine zentrale Rolle. Man kann den Parkplatz des Autos abfragen, es ent- oder verriegeln, den Ladevorgang kontrollieren und den Innenraum vorklimatisieren. Dazu ermöglicht Smart den Besitzer auch, das Auto per App mit anderen zu teilen und sogar die Kosten entsprechend zu splitten. In bestimmten Bereichen lassen sich Parkplätze finden und reservieren.

Erstmals LED-Scheinwerfer beim Smart EQ

Die Ausstattungsliste der Smart-Modelle entschlackt der Hersteller deutlich. Zum Basismodell gibt es die bekannten Ausstattungslinien „Passion“, „Pulse“ und „Prime“. Dazu lässt sich eines von drei Ausstattungspaketen ordern. Sie heißen „Advanced“, „Premium“ und „Exclusive“. Schon Advanced beinhaltet das Mediasystem. Premium bringt bei den geschlossenen Versionen unter anderem ein Panoramadach mit. Zu Exclusive gehören LED-Scheinwerfer - die waren bisher beim Smart gar nicht lieferbar. 

Preise und den konkreten Verkaufsstart der neuen elektrischen Smart-Modelle nennt Daimler noch nicht. Die auslaufenden Modelle lassen  sich nicht mehr konfigurieren. Restbestände gibt es noch bei einigen Händlern. Auch mit Verbrennungsmotor. Preise für die neuen Smart EQ nennt Daimler noch nicht. Zuletzt kostete der EQ Fortwo 21.940 Euro, das Smart EQ Fortwo Cabrio 25.200 Euro und der EQ Forfour 22.600 Euro.

Smart EQ Modellpflege für 2019 - Bilder

  • Den Marktstart des gelifteten Smart EQ verrät Daimler noch nicht, die Preise folgen ebenfalls später
    Quelle: Daimler Den Marktstart des gelifteten Smart EQ verrät Daimler noch nicht, die Preise folgen ebenfalls später
  • Der Smart EQ Forfour bekommt einen anders geformten Fronteinsatz, er ist oben schmaler
    Quelle: Daimler Der Smart EQ Forfour bekommt einen anders geformten Fronteinsatz, er ist oben schmaler als unten
  • Serienmäßig wird der Frontgrill beim Smart EQ in Wagenfarbe lackiert
    Quelle: Daimler Serienmäßig wird der Frontgrill beim Smart EQ in Wagenfarbe lackiert
  • Neben dem gewöhnlichen Zweisitzer bekommt auch das Smart EQ Fortwo Cabrio die leicht geänderte Optik
    Quelle: Daimler Neben dem gewöhnlichen Zweisitzer bekommt auch das Smart EQ Fortwo Cabrio die leicht geänderte Optik
  • Grundsätzlich ändert sich mit dem Facelift wenig am Smart EQ, die Rückleuchten werden neu gestaltet
    Quelle: Daimler Grundsätzlich ändert sich mit dem Facelift wenig am Smart EQ, die Rückleuchten werden neu gestaltet
  • Smart setzt zum Facelift aller Modelle auf ein Infotainment-System ohne Rechenpower
    Quelle: Daimler Smart setzt zum Facelift aller Modelle auf ein Infotainment-System ohne Rechenpower. Alle Funktionen sollen vom Smartphone kommen