Skodas kleiner Kamiq ist das Scala -SUV

Skoda Kamiq 1.0 TSI im Test: Fahrbericht

Das kleine Skoda-SUV ist ganz schön groß: Der Kamiq übernimmt viel vom kompakten Scala und bietet ordentlich Platz. Erste Fahrt mit drei Zylindern.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 08/21/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Die Gestaltung des Cockpits übernimmt der Kamiq vom Scala
Quelle: Skoda Die Gestaltung des Cockpits übernimmt der Kamiq vom Scala

Nach einem SUV fühlt sich dieses neue Skoda-SUV eigentlich nicht an. Es macht sich groß, das sieht man in den Radhäusern. Aber einen normalen Kompakten überragt der Kamiq nur wenig. Einem Skoda Rapid, ein enger Verwandter in Technik und Optik, fehlen zum Kamiq neun Zentimeter in der Höhe. Ungefähr die halbe Differenz macht die Luft zwischen Rädern und Radhäusern aus, den Rest übernimmt die Karosserie.

Damit trifft der Kamiq einen guten Kompromiss. Er tritt bullig auf und ermöglicht einen guten Überblick, er erfüllt also die wichtigsten Kriterien an ein SUV. Trotzdem wird aus ihm kein unübersichtlicher Kloß. In vielen Bereichen hält man ihn für ein Auto mit normaler Höhe. Nur eben mit mehr Platz an Köpfen, Knien und für Gepäck.

Viel Platz im Skoda Kamiq

Seine zusätzliche Karosseriehöhe nutzt der Kamiq klug. Man sitzt etwas gerader in ihm. Das schafft vor allem vor der Rückbank Platz. Große Erwachsene haben links und rechts im Fond mehr Luft als in der Kompaktklasse üblich. Füße passen selbst dann noch unter die Vordersitze, wenn die in der tiefsten Position eingerastet sind. Ein VW Golf bietet mit ähnlicher Fahrzeuglänge weniger Raum.

In der Basisversion verlangt Skoda 17.950 Euro für den Kamiq
Quelle: Skoda In der Basisversion verlangt Skoda 17.950 Euro für den Kamiq

Einschränken muss man sich im Kamiq nur in der Breite. Seine Architektur teilt er sich mit den Kleinwagen aus dem VW-Konzern. Skoda verlängert die Plattform auf Kompakt-Länge, bleibt in der Breite aber vergleichsweise zierlich. Vorn sorgt eine schmale Mittelkonsole für ausreichende Platzverhältnisse, an den Ellenbogen kommt man sich nahe. Hinten taugt der mittlere Platz nur für Kinder oder zur Not.

Es ist wie so oft bei Skoda: In der jeweiligen Klasse orientiert sich ein Modell an der oberen Grenze. Konzernintern führt er sein Segment an. In ihm gibt es spürbar mehr Platz als in Seat Arona, Audi Q2 und VW T-Cross – kaum überraschend, schließlich hat er die längste Karosserie im Vergleich. Ganz hinten lädt der Kamiq bis zu 400 Liter Gepäck ein, mit umgeklappter Rücksitzlehne bis zu 1.395 Liter. Für kleine Familien dürfte das genügen.

Im Kamiq steckt einiges vom Scala

Es geht bequem zu im Kamiq. Die Sitze sind angenehm geformt und bieten ausreichenden Seitenhalt, vor allem in der sportlichen Ausführung. Cockpit samt Ergonomie und Gestaltung übernimmt er quasi unverändert vom Scala. Das bedeutet: Alle Tasten und Schalter sind gut zu erreichen, die Menüs sind übersichtlich und klar definiert. Es bedarf nur geringer Eingewöhnungszeit.

Nur die Auslagerung der Klimabedienung in ein Untermenü strengt an. Es blockiert den kompletten Touchscreen – ungünstig, weil es keine Abkürzung zu den Smartphone-Standards Android Auto und Apple CarPlay gibt. Das Klimamenü umfasst einige Funktionen, die eine eigene Taste verdient hätten. Die Stärke des Luftstromes lässt sich an den Düsen nicht separat einstellen. Ist beim Scala auch so – das macht es aber nicht besser.

An ein paar Kleinigkeiten spürt man im Kamiq den Rotstift. Zum Beispiel an der Mittelarmlehne, die nicht in bestimmten Höhen einrastet. Sie ruht in niedriger Position und stellt sich der Handbremse in den Weg. Oder an den Türverkleidungen, die zwar hübsch aussehen, beim Klopftest aber ihre günstige Herkunft verraten. Das Infotainment-System dürfte ebenfalls mehr Rechenpower haben. Mit vielem davon kann man sich arrangieren.

Gute Fahreigenschaften mit kleinen Motoren

Fahrerisch stimmt fast alles beim Kamiq. Trotz der großen Stirnfläche nervt er nicht mit Windgeräuschen. Er rollt sanft ab und gibt eine gute Rückmeldung über den Zustand der Straße. Nur allzu robuste Schlaglöcher mag er nicht wegfedern, sondern poltert grob darüber. Dafür kann er mit flotten Kurven umgehen, ohne allzu stark nach außen zu rollen. Mit der optionalen Fahrprogrammauswahl kommt mehr Widerstand in die leichtgängige Lenkung, die Dämpfer arbeiten straffer.

Skoda trifft beim Kamiq einen guten Kompromiss aus SUV- und Kompaktwagen-Qualitäten 
Quelle: Skoda Skoda trifft beim Kamiq einen guten Kompromiss aus SUV- und Kompaktwagen-Qualitäten

Seine wichtigsten Motoren kommen mit drei Zylindern aus. Mit einem Liter Hubraum und 115 PS bewegt der mittlere Benziner das kompakte SUV nicht übermäßig rasant, aber zügig. Seine Kraft passt zum überschaubaren Gewicht, störende Resonanzen bleiben draußen. Gegen Aufpreis verhindert ein Doppelkupplungsgetriebe, dass die Drehzahl in den Bereich ohne Ladedruck sinkt.

Die Automatische Schaltbox fühlt sich im Vergleich zu früheren Varianten deutlich souveräner an. Sie sucht bestimmt den Kraftschloss und erahnt fast immer den passenden Gang. Nur manchmal liegt die Elektronik daneben. Dann geht es nicht flott genug vorwärts, in anderen Situationen spürt man leichte Kanten in den Übergängen. Insgesamt gibt es für das Siebengang-DSG aber eine Empfehlung.

Eine Alternative zur klassischen Kompaktklasse

Über Sinn und Unsinn des Segments City-SUV lässt sich streiten. Misst man den Kamiq an der Kompaktklasse, zeigt das Konzept dennoch Stärken. Er ist kürzer und (einen Hauch) schmaler als ein VW Golf, bietet aber mehr Platz. Trotz seiner Kleinwagen-Architektur sind viele interessante Extras lieferbar. Autonome Funktionen wie der adaptive Tempomat und der Spurassistent arbeiteten auf der ersten Fahrt zuverlässig.



Mit einigen Einschränkungen muss man im Kamiq leben. Dazu gehören die überschaubare Breite im Innenraum, das langsame Infotainmentsystem und das Fehlen von Allradantrieb, Hybriden oder Motoren mit mehr als 150 PS. Immerhin: Skoda bietet eine Erdgas-Version und einen Diesel an.

Der Kamiq startet bei 17.950 Euro. Dafür bekommt man 95 Benzin-PS und eine karge Ausstattung. Die gefahrene Variante mit Ambition-Ausstattung, 115 PS und Doppelkupplungsgetriebe startet bei 23.750 Euro. Damit ist der Kamiq, je nach Ausstattung, ungefähr 500 Euro teurer als ein Skoda Scala.

Skoda Kamiq 1.0 TSI: Technische Daten

  • Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner
  • Leistung: 115 PS (85 kW) bei 5.000 – 5.500 U/min
  • Drehmoment: 200 Nm bei 2.000 – 3.500 U/min
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 10,0 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb
  • Verbrauch: 5,0 l/100 km
  • CO2-Ausstoß: 113 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  • Länge: 4.241 mm
  • Breite: 1.793 mm
  • Höhe: 1.559 mm
  • Radstand: 2.639 mm
  • Kofferraum: 400 – 1.395 l
  • Basispreis Skoda Kamiq: 17.950 Euro


Der Skoda Kamiq in Bildern

  • Der 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner unter der Haube leistet 115 PS
    Quelle: Skoda Der 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner unter der Haube leistet 115 PS
  • Skoda trifft beim Kamiq einen guten Kompromiss aus SUV- und Kompaktwagen-Qualitäten 
    Quelle: Skoda Skoda trifft beim Kamiq einen guten Kompromiss aus SUV- und Kompaktwagen-Qualitäten
  • Die Gestaltung des Cockpits übernimmt der Kamiq vom Scala
    Quelle: Skoda Die Gestaltung des Cockpits übernimmt der Kamiq vom Scala
  • Bei umgeklappter Rückbank lädt der Kamiq bis zu 1.395 Liter
    Quelle: Skoda Bei umgeklappter Rückbank lädt der Kamiq bis zu 1.395 Liter
  • Das Infotainment-Sytem fällt im Kamiq etwas schwach aus. Mehr Rechenpower hätte hier gut getan
    Quelle: Skoda Das Infotainment-Sytem fällt im Kamiq etwas schwach aus. Mehr Rechenpower hätte hier gut getan
  • Mit dem Spurhalteassistenten und dem adaptiven Tempomat waren wir auf der ersten Fahrt zufrieden
    Quelle: Skoda Mit dem Spurhalteassistenten und dem adaptiven Tempomat waren wir auf der ersten Fahrt zufrieden
  • In der Basisversion verlangt Skoda 17.950 Euro für den Kamiq
    Quelle: Skoda In der Basisversion verlangt Skoda 17.950 Euro für den Kamiq