Ein scheckheftgepflegtes Auto ist ein gutes Verkaufsargument

Service jetzt! Was die Inspektion am Auto ausmacht und was sie kostet

Inspektion, Wartung, Service – mit diesen Begriffen bezeichnen Autohersteller den regelmäßigen Check des Autos, der von den Vertragswerkstätten durchgeführt werden sollte. Pflicht ist er nicht, dient aber der Sicherheit und beugt Schäden am Fahrzeug vor, die schnell teuer werden können. Sparen können Kunden, wenn sie statt der Vertragswerkstatt einen freien Betrieb aufsuchen. Dies kann sich allerdings auf den Restwert des Fahrzeugs und die Qualität auswirken.

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  • Veröffentlicht am 08/09/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Auch das Innenleben Deines Autos wird bei der Inspektion durchgecheckt.

„Service in 264 Tagen oder 9960 Kilometern“ – eine solche Information im Cockpit moderner Autos weist auf die nächste Inspektion hin. Anders als die Kfz-Hauptuntersuchung (HU) ist die Wartung des Fahrzeugs keine gesetzliche Pflicht: Sie empfiehlt sich dennoch. Bei jüngeren Autos schon allein, um die Fahrzeuggarantie nicht zu gefährden, für welche bei den meisten Herstellern ein regelmäßiger Werkstattbesuch Voraussetzung ist. Ganz allgemein ist eine Inspektion wichtig, weil dabei sich anbahnende Defekte früh erkannt werden können. Das dient nicht nur der Sicherheit im Straßenverkehr, sondern beugt auch Reparaturkosten vor und bremst den Wertverlust des Fahrzeugs. Wer also mit dem Gedanken spielt seinen Wagen nach einigen Jahren wieder zu verkaufen, steigert mit der Scheckheftpflege dessen Wert im Verkauf teils erheblich.
Was gemacht wird, legen die Hersteller fest, die Checklisten und Service-Intervalle vorgeben. Diese folgen bei neueren Fahrzeugen nicht mehr starren Zeitvorgaben. Sensoren sammeln Daten zu Fahrweise, Laufleistung oder wie oft ein Auto angelassen wurde – und ermitteln individuelle Wartungstermine. In der Regel wird ein Service alle 15.000 bis 30.000 Kilometer fällig, unabhängig von der Laufleistung aber einmal im Jahr. Zeitintervalle greifen, weil Autos auch im Stehen altern. So können Riemen und Dichtungen porös werden, auch die Bremsflüssigkeit altert.

Die Inspektion Deines Autos ist keine Pflicht. Dennoch dient sie der Sicherheit und beugt Schäden vor.

Danach schaut die Werkstatt

Unter die Lupe kommen gängige Verschleißteile, Betriebsflüssigkeiten werden erneuert. Sind die Bremsscheiben und -beläge noch in Ordnung oder sollte Ersatz her? Wie steht es um den Luftfilter? Muss der Zahnriemen gewechselt werden? Auch das Öl kann einen größeren Posten ausmachen, wenn beim Ölwechsel mehrere Liter eines hochpreisigen Produkts ersetzt werden müssen.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Grundsätzlich variieren sowohl Kosten als auch Intervalle für die Inspektion stark. Ein Service kann in gut einer Stunde abgewickelt sein und nur 150 Euro ausmachen, aber auch bis zu 800 Euro und mehr kosten. Das hängt von der Werkstatt ab, die der Autobesitzer aufsucht, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt oder wie alt das Fahrzeug ist.
Im Turnus von rund zwei Jahren oder 30.000 bis 60.000 Kilometern fällt die Rechnung höher aus, denn dann wird meist eine sogenannte große Inspektion durchgeführt. Der Wagen kommt auf die Hebebühne, die Werkstattmitarbeiter untersuchen ihn an Motor und Getriebe, den Achsen und Gelenken, der Auspuff- und Abgasanlage, den Bremsen sowie den Rädern und Reifen. Gecheckt werden die Elektrik, die Betriebsflüssigkeiten. Zündkerzen, Ölfilter, Luftfilter oder Pollenfilter der Klimaanlage werden ausgetauscht. Bei Bedarf gewechselt werden neben dem Motoröl auch die Bremsflüssigkeit, das Getriebeöl und das Scheibenwischwasser.

In freien Werkstätten überprüfen Mechaniker unter anderem Räder, Reifen, Bremsen und die Auspuff- und Abgasanlage.

Tricks zum Sparen

Mit der jährlichen kleinen Inspektion sinken Aufwand und Kosten. Meist findet ebenfalls ein Ölwechsel statt, auch der Luftfilter wird ausgetauscht. Zudem stellt die Werkstatt bei einer Durchsicht idealerweise fest, dass sich Elektronik, Beleuchtung, Bremsanlage und Fahrwerk in ordnungsgemäßem Zustand befinden. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Sichtprüfung, wenn auch eine fachmännische. Wer das Scheibenwischwasser vorab selbst auffüllt, spart immerhin ein paar Euro, denn die Werkstätten kassieren hier manchmal ganz schön ab.
Günstiger kommst Du auch weg, wenn Du für den Service eine freie Werkstatt statt der Vertragswerkstatt der eigenen Automarke aufsuchst. Freie Betriebe können ihre Leistungen um die 15 bis 20 Prozent günstiger anbieten. Zum einen, weil die Arbeitskosten niedriger ausfallen, zum anderen, weil sie oft auf günstigere Ersatzteile von Automobilzulieferern zurückgreifen, die dennoch keine Qualitätseinbußen bedeuten müssen. Außerdem haben Halter bessere Chancen, Teile auch selbst mitzubringen, sodass nur Einbaukosten fällig werden. Vertragswerkstätten lassen sich darauf wegen der hohen Margen bei den Originalteilen selten ein. Vorsicht jedoch bei teuren Sportwagen und Luxuskarossen: Wer hier im Scheckheft nicht durchgängig den Stempel der Markenwerkstatt vorweisen kann, erzielt beim Wiederverkauf meist geringere Preise.  

Das Vorgespräch ist wichtig

Grundsätzlich gibt es bei freien Werkstätten weitere Dinge zu beachten. Anders als mancher Autohersteller das gern hätte, können auch sie den Service übernehmen, ohne dass Neuwagengarantien davon beeinträchtigt werden. Sofern sie sich beim Service an alle Vorgaben des Herstellers halten, müssen Fahrzeugbesitzer keinen Verlust der Garantie fürchten. Werden Garantieansprüche an Vertragswerkstätten gebunden, so verstößt dies gegen deutsches Recht. Nur: Gerade bei modernen Autos kann es sein, dass es den freien Betrieben an Know-how und Werkzeug mangelt. So kann es zum Beispiel schon am Software-Update scheitern.
Doch auch in der Vertragswerkstatt gibt es Möglichkeiten, die Kosten im Rahmen zu halten. Vermieden werden sollte es, dem Betrieb einen Freibrief zu erteilen nach dem Motto: "Setzen Sie alles instand, was Sie für notwendig halten." Für den Abgabetermin des Autos sollte Zeit mitgebracht werden, um die einzelnen Posten durchzusprechen. Muss der Ölwechsel jetzt schon sein oder genügt es erst einmal nachzugießen? Eine kostensenkende Vorgabe an die Werkstatt ist: "Machen Sie bitte nur das, was dringend notwendig ist."
Grundsätzlich sollte der Halter einen Kostenvoranschlag fordern – wenn er nicht ohnehin einen Festpreis vereinbart. Dann wird die Endrechnung immerhin gedeckelt. Beim Kostenvoranschlag handelt es sich zwar um eine unverbindliche Vorausberechnung, doch um mehr als ein Viertel werden die meisten Werkstätten ihn ohne Kundenabsprache nicht überschreiten. Gemäß aktueller Rechtssprechung dürften Gerichte andernfalls im Sinne des Verbrauchers entscheiden. Anders liegt der Fall nur, wenn Reparaturen an sicherheitsrelevanten Bauteilen dringend notwendig werden. Diese dürfen ungefragt repariert werden. Für Klarheit sorgt, wenn der Kunde in der Werkstatt grundsätzlich um einen Rückruf für den Fall bittet, dass weitere Arbeiten am Auto anfallen.
Einen Trugschluss sollten Halter vermeiden: Dass die Pflege von Auto und Scheckheft mit dem Autoalter weniger wichtig wird, nur weil es keine Herstellergarantie mehr zu verlieren gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Bitter ist: Je älter das Auto ist, desto teurer wird die Wartung in der Regel, weil der Verschleiß sich stärker bemerkbar macht. Das allerdings macht den Service im Sinne der Verkehrssicherheit umso wichtiger.  



Checkliste Inspektion:

  1. Inspektion alle ein bis zwei Jahre je nach Fahrzeugtyp, Kilometerleistung und Fahrweise
  2. Angebote verschiedener Werkstätten einholen und vergleichen
  3. Termin einhalten, sonst droht bei neueren Autos Garantieverlust
  4. Zeit fürs Vorgespräch einplanen, auf Kostenvoranschlag bestehen
  5. Kosten senken: keinen Pauschalauftrag erteilen, Arbeiten auf das Nötigste beschränken
  6. Auf Stempel im Service-Heft achten
  7. Werterhalt vor allem bei teureren Autos im Blick behalten
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