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Schneeketten im Test: Für welche Reifen eignen sich welche Modelle

Wenn Eis und Schnee selbst gute Winterreifen zum Durchdrehen bringen, helfen nur noch Schneeketten. Doch welche Ketten sind gut? Welche passend für Dein Auto?

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  • Veröffentlicht am 12/17/2019, 07:09 PM
Eine Schneekette wird um ein Rad gelegt, auf welchem ein Winterreifen montiert ist.
Quelle: Julia Naether (picture alliance/chromorange) Achte beim Kauf von Schneeketten darauf, dass Deine Winterreifen kompatibel sind

Mit Schneeketten haben Reifen die bestmögliche Traktion auf verschneiten Straßen. Vor allem bei Fahrzeugen mit Heckantrieb sind sie wichtige Begleiter in Regionen mit viel Schneefall. Allerdings helfen sie nur dann, wenn Du die passenden Schneeketten verwendest: Sie müssen zum einen für Dein Auto zugelassen sein, zum anderen die richtige Bauart haben. Größter Nachteil von Schneeketten ist die oft etwas umständliche Montage.

Wann brauchst Du Schneeketten?

Wenn man sie braucht, ist es meistens ungemütlich. Es fällt Neuschnee, ein Ausflug in die Berge steht an oder die Straßen sind extrem glatt – in diesen Fällen sind Schneeketten ein hilfreicher Begleiter: sowohl bei Fahrten bergauf als auch bergab, beim Fahren und beim Bremsen. Schneeketten werden auf die Reifen der Antriebsachse montiert, wo sie den bestmöglichen Grip gewährleisten. Andernfalls bleibt die Wirkung bescheiden. Mit montierten Ketten sollte man eine Geschwindigkeit von 50 km/h nicht überschreiten – ein höheres Tempo tut weder dem Auto noch den Schneeketten  gut.

Ein Schild mit dem Schneekettensymbol steht an einer mit Schnee bedeckten Straße
Quelle: Fredrik von Erichsen ((c) dpa) Schneeketten bieten die bestmögliche Traktion. Sie sind vor allem bei heckgetriebenen Fahrzeugen unverzichtbare Begleiter in Regionen mit viel Schneefall

Schneekettenpflicht

Gerade in bergigen Regionen herrscht oft Schneekettenpflicht. Das blaue Verkehrszeichen 268, das ein weißes Rad mit montierten Schneeketten zeigt, weist darauf hin. Sie gilt auch für Fahrzeuge mit Allradantrieb. Wer die Vorschrift missachtet, riskiert ein Bußgeld von 20 Euro. Im benachbarten Ausland wird es noch teurer: In Österreich kostet es ab 35 Euro, in der Schweiz ab 100 Franken.



Welche Schneeketten gibt es – der Vergleich

Vor dem Kauf von Schneeketten solltest Du Dir generell einen Überblick über den Markt verschaffen. Denn die verschiedenen Hersteller bieten durchaus unterschiedliche Modelle an. Zu den günstigen Schneeketten gehören Seilketten. Sie werden im Stand montiert und mit einem Seilring auf der Innenseite des Rads geschlossen. Das Rangieren ist bei diesen Ketten nicht notwendig.

Im Vergleich dazu sind Bügelketten aufwendiger gefertigt und teurer. Dafür sind sie dank eines Federbügels, der über die Winterreifen gezogen wird, einfacher zu montieren. Dabei musst Du etwas rangieren und die Spannung optimieren, damit die Ketten nach der Montage nicht klappern. Praktisch sind Versionen mit einer Nachspannautomatik, die das händische Nachziehen ersparen.

Drei freigestellte Autoreifen vor weißem Hintergrund werden von Schneeketten umspannt.
Quelle: Oettinger und Pewag Es gibt verschiedene Arten von Schneeketten: Bügelketten, Schnellverschlussketten und Seilketten (von links nach rechts)

Noch einfacher sind sogenannte Schnellmontageketten zum Aufstecken. Allerdings sind dafür häufig Adapter erforderlich, die vorher am Rad montiert werden müssen. Zu diesen leicht zu montierenden Alternativen zählen auch Schneeketten aus Textil, die dazu noch vergleichsweise preisgünstig sind. In der Leistung können sie jedoch mit konventionellen Ketten aus Stahl nicht mithalten.

Alternativen zu Metall

Beim Thema Schneeketten ist die unkomplizierte Montage ein wichtiges Thema. Für die Auswahl empfiehlt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC): „Als Alternativen zur klassischen Metallkette gibt es noch Ketten aus Kunststoffgeflecht, Spikes und Sprays für bessere Haftung auf Eis und Schnee. Klassische Schneeketten sind jedoch die besten Allrounder und ausreichend verschleißfest.“

Eine Schneekettenalternative aus der Dose ist das Snow Grip Spray eines norwegischen Herstellers, mit dem man die Reifen besprüht. Um die Traktion zu verbessern, müssen alle vier Reifen behandelt werden. Über die Wirkung gehen die Meinungen auseinander, doch für längere Strecken scheint die Methode eher weniger geeignet zu sein. Eine Spraydose kostet etwa zehn bis 13 Euro.

Schwierig oder sogar unmöglich ist die Montage bei tiefergelegten Fahrzeugen und bei solchen, wo überbreite Winterreifen wenig Platz im Radkasten lassen. Für solche Reifengrößen sind Produkte mit einer geringeren Kettenhöhe zu empfehlen. Das sind zum Beispiel die Schneeketten 58575 Brenta 9 XMB 73 des Herstellers Pewag mit einer Kettenhöhe von nur neun Millimetern oder das Modell Goodyear 777956 mit einer Kettenhöhe von sieben Millimetern. Ist das Auto mit Leichtmetallrädern ausgestattet, sollten die Schneeketten auch über einen Felgenschutz verfügen.

Die richtige Größe finden

Entscheidend für die passende Größe der Schneekette ist das Reifenformat. Es besteht aus einer dreistelligen Zahl, die die genaue Reifengröße bezeichnet. Als Faustregel gilt, dass die Formatangabe Deines Reifens mit derjenigen auf der Schneekette übereinstimmen sollte. Zudem musst Du beachten, dass sich Schneeketten meist nicht für alle zugelassenen Reifengrößen eignen. Achte deshalb auch auf die Kompatibilität von Reifen und Ketten.

Das solltest Du bei der Montage von Schneeketten beachten

In der Praxis ist es meist so, dass Schneeketten bei schlechtem Wetter unter eher ungemütlichen Bedingungen an den Reifen angebracht werden müssen. Diese Tätigkeit wird zusätzlich erschwert, wenn man die erforderlichen Handgriffe zuvor nicht geübt oder sie wieder vergessen hat. Es kann sich also lohnen, zu Beginn des Winters probeweise die Ketten zu montieren.

Wenn es dann tatsächlich ernst wird, solltest Du möglichst früh und am besten auf noch trockenem Untergrund mit der Montage anfangen. Gerade im Gebirge und bei starkem Schneefall kann es schnell zu Staus kommen. Oft blockieren dann Lkw die Straßen – entweder, weil sie nicht weiterkommen oder weil die Fahrer selbst gerade ihre Ketten montieren. Eine vorausschauende Fahrweise kann Dir hier Ärger ersparen. Am besten suchst Du Dir einen möglichst ebenen und trockenen Platz abseits der Straße, ziehst eine Warnweste an und aktivierst eventuell auch die Warnblinkanlage.


Montage: Schritt für Schritt

Zunächst säuberst Du den Reifen und die Fläche vor und hinter dem Reifen, damit sich nicht zu viel Schmutz in den Kettengliedern verfängt. Nun beginnt die eigentliche Montage. Dazu empfiehlt der ADAC: „Zuerst die Kette entsprechend der Montageanleitung des Herstellers über den Reifen legen. Meist wird im zweiten Schritt das Fahrzeug wenige Meter bewegt, um die Kette voll aufzulegen. Abschließend die Kette verschließen und dabei auf die richtige Spannung achten: Sie sollte nicht zu locker sein, denn dann könnten Teile der Kette am Fahrzeug anschlagen und Schäden an Bremsleitungen, ABS-Sensoren und Radaufhängung verursachen. Aber auch zu fest darf die Kette nicht gespannt sein, sonst könnte sie reißen und das Fahrzeug ebenfalls beschädigen.“

Wenn die Schneekette montiert ist, solltest Du nach etwa 100 Metern Fahrt kontrollieren, ob die Spannung der Kette passt, und gegebenenfalls etwas nachziehen. Schneeketten sollten wirklich nur zum Einsatz kommen, wenn die Straßenverhältnisse entsprechend winterlich sind. Sobald die Straße wieder frei wird, solltest Du die Ketten wieder entfernen. Andernfalls darfst Du maximal 50 km/h fahren und Du riskierst einen höheren Verschleiß von Ketten und Asphalt.

Noch ein Tipp: Bei Fahrzeugen mit den elektronischen Fahrhilfen ASR und ESP kann die Wirksamkeit der Ketten etwas eingeschränkt sein, da sie sich im Schnee nicht so festgraben können. Der Grund: Die Assistenzsysteme regeln relativ früh ab.



So verändern Schneeketten das Fahrverhalten

Schneeketten haben vor allem die Aufgabe, die Traktion wiederherzustellen bzw. zu verbessern. Das hat zur Folge, dass sich das Fahrverhalten Deines Autos deutlich verändern kann. Bei einem Fahrzeug mit Frontantrieb erhöht sich die Gefahr des Übersteuerns, weil die Vorderachse wesentlich mehr Traktion hat und das Heck in Kurven Halt verlieren kann. Umgekehrt erhöht sich bei Autos mit Heckantrieb das Risiko des Untersteuerns. Herrscht an der Hinterachse dank der Ketten gute Traktion, kann es vor allem in Kurven vorkommen, dass die Vorderachse Grip verliert und das Fahrzeug tendenziell geradeaus fährt.

Bei Allradfahrzeugen hängt es davon ab, an welcher Achse die Schneeketten montiert sind. Üblich und empfehlenswert ist es zumeist, dass die Vorderachse mit Schneeketten ausgestattet wird, damit das Lenkverhalten stabil bleibt. Dann aber kann es auch beim Allradantrieb vorkommen, dass wie beim Frontantrieb die Hinterachse Grip verliert und das Heck rasch ausbricht. Hektische Fahrmanöver solltest Du bei Fahrten mit Schneeketten möglichst vermeiden. Sonst kann es vorkommen, dass einzelne Kettenglieder reißen, die Kette keine Spannung mehr hat und die Traktion verloren geht.

Schneeketten-Test: Die besten müssen nicht teuer sein

Elf Schneeketten unterschiedlicher Bauart und zwei Anfahrhilfen wurden vom österreichischen Verein für Konsumenteninformation (VKI) untersucht. Dabei ging es vor allem um die Handhabung und natürlich auch um die Fahreigenschaften. Grundsätzlich würden Schneeketten in Sachen Traktion gute Dienste leisten und selbige spürbar verbessern. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede beim Montagekomfort. Am besten schnitten dabei die Schneeketten mit Ringsystem und automatischer Nachspannung ab.

Interessant: Die teuersten Schneeketten sind nicht automatisch die besten. Testsieger wurde ein relativ günstiges Modell aus Österreich vor einem deutschen Produkt, das nur unwesentlich teurer ist. Das waren die Pewag Snox Pro Schneeketten für 136 Euro vor den RUDcompact easytop für 140 Euro. Das mit Abstand teuerste Modell, die Kette Thule K-Summit XXL für 736 Euro, landete mit der Bewertung „gut“ nur auf dem achten Platz von insgesamt elf. 

Bei Limousinen und Kombis sind laut Test mittlerweile Ketten mit Ring der Standard, wobei hier zur Montage nur ein kurzes Weiterfahren oder manchmal auch kein Weiterfahren erforderlich ist. Für schwere Limousinen und größere SUVs sind auch Systeme mit Greifarmen und Spannbügeln auf dem Markt. Hier gibt es Modelle, die sehr leicht zu montieren sind, wie Thule Easy-fit, aber auch Exemplare mit höherem Montageaufwand wie bei Thule K-Summit, wo sogar Werkzeugeinsatz erforderlich ist. Zur Vorsicht rät der VKI bei Billigketten aus China der Marke Lescars, die zwar brauchbar sind, aber auch extrem rostanfällig.

Alternative: Anfahrhilfen aus Kunststoff

Eine leicht bedienbare Alternative können auch Anfahrhilfen sein, die mit einem Geflecht aus Kunststoff oder textilen Materialien hergestellt sind. Allerdings gilt hier die Einschränkung, dass sie nur begrenzt und keinesfalls dauerhaft eingesetzt werden können. Zudem sind sie kein Ersatz, wenn Schneekettenpflicht angesagt ist.

Für die Montage im Schnee empfiehlt der VKI, Handschuhe im Kofferraum dabeizuhaben. Bei der Demontage solltest Du vorab auf die passende Position des Rads achten und die Ketten nach Gebrauch auch reinigen, damit keine Salz- und Schmutzreste übrig bleiben. Ideal ist es, wenn Du die gereinigten Ketten mit einem öligen Lappen einfettest.

Noch ein Tipp von den Schneeketten-Testern: „Für harten Winterbetrieb ist es zu empfehlen, die Winterreifen auf Stahlfelgen aufzuziehen und eine schmale Dimension zu wählen, die noch genügend Platz zur Montage von Ketten in den Radhäusern lässt. Schließlich gilt es immer auch darauf zu achten, dass keine Bremsleitungen oder ABS-Sensoren durch abstehende oder streifende Kettenglieder beschädigt werden.“

Zwei Hände binden die beiden Enden einer Schneekette am Rad eines silbernen Autos zusammen
Quelle: Julia Naether (picture alliance/chromorange) Nicht jede Schneekette passt für jedes Auto. Bevor Du Dich zum Kauf entschließt, solltest Du vergleichen, was für Dein Fahrzeug geeignet ist

So schnitten die Schneeketten und Anfahrhilfen im Test ab

getestete Schneeketten-
Pewag Snox Pro  sehr gut
RUDcompact easytop  sehr gut
Thule Easy-fit CU-9     sehr gut
RUDmatic classic sehr gut
Pewag Servo sport  sehr gut
Pewag Servo sport  sehr gut
RUD Centrax Gut
Thule K-Summit XXL  Gut
Thule CK-7   Gut
Lescars Art. Nr. NX3022Durchschnittlich
Pewag uz-super Durchschnittlich
Anfahrhilfensehr gut
AutoSock 600    weniger zufriedenstellend