So fährt Renaults zweite Captur-Generation

Renault Captur II (2020) im Test: erste Fahrt

Weniger rundlich in Runde zwei: Renault streckt den neuen Captur, doch im Inneren bleibt das Mini-SUV, was es immer war: praktisch. Und: anders. Erste Fahrt.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:09 PM
So fährt die zweite Generation: Der Renault Captur II bei mobile.de im Test
Quelle: Renault So fährt die zweite Generation: Der Renault Captur II bei mobile.de im Test

Der neue Renault Captur wird deutlich länger, etwas breiter und flacher als sein erfolgreicher Vorgänger. Im Kern und im Innenraum geht es bei Generation zwei aber noch um dasselbe: hohe Praktikabilität mit simplen Mitteln. Doch nicht jede der beliebten Lösungen übersteht den Modellwechsel. Dafür lernt das Mini-SUV neue Tricks, manche davon mit elektronischer Unterstützung. Landstraßen-Surfen zählt nicht dazu.

Innenraum: größer und ebenso ausgefallen

Wir erinnern uns: Die ab 2013 gebaute erste Generation wich vom Mainstream ab. Nicht von jenem im Segment, denn da gab es zu dieser Zeit außer dem Franzosen und dem Nissan Juke nicht viel - der Captur war der Mainstream. Ganz generell war aber einiges anders als in modernen Autos gewohnt. Etwa das herausziehbare Schubfach statt des herkömmlichen Handschuhfachs. Das gibt es beim Nachfolger immer noch. 11 Liter fasst die Lade. Insgesamt lassen sich  27 Liter an Kleinzeug im Innenraum verstauen. Neuerdings kommt noch eine Handy-Ablage mit Ladefunktion hinzu.

Das 9,3-Zoll-Hochkant Display gibt es optional
Quelle: Renault Das 9,3-Zoll-Hochkant-Display gibt es optional

Das Cockpit entspricht weitgehend jenem aus dem gerade erneuerten Kleinwagen Clio. Renault unterschäumt Armaturenbrett und Türverkleidung, tapeziert außerdem Teile von Armaturenbrett und Sitzen bunt: 18 Farbkombinationen sind möglich. In jedem Fall vernäht Renault die Sitzbezüge fest mit den Stühlen. Beim Vorgänger war das optional anders. Den Stoff konnte man abnehmen und waschen. Im neuen Captur müssen junge Eltern den Kindern Klecker-Verbot erteilen.



Verschiebbare Rückbank im Renault Captur II

Immerhin finden Kinder und Erwachsene im Fond mehr Platz. Der Captur wächst auf 4,27 Meter. Damit überragt er den Vorgänger um 11 Zentimeter und zählt zu den größten Vertretern im SUV-B-Segment. Renault verspricht hinten mehr Platz in der Breite und zwei Zentimeter mehr Raum für die Beine. Tatsächlich finden groß Gewachsene auch auf dem hinteren Gestühl ausreichend Platz.

Jedenfalls wenn sich die Rückbank in entsprechender Position befindet: Die zweite Sitzreihe lässt sich um insgesamt 16 Zentimeter verschieben. Neuerdings auch per Hebel im Kofferraum. In der gemütlichsten Stellung ergibt sich ein Kofferraumvolumen von 422 Litern, maximal sind laut Hersteller 536 Liter drin. Oder bis zu 1.275 Liter, wenn die Lehnen flach liegen.

Fahrwerk: stets weich, nicht immer komfortabel

Bei Lademöglichkeiten und Variabilität übertrumpft der Captur damit seinen Konkurrenten auf derselben Plattform: Wie der Renault baut der nächste Nissan Juke auf der gemeinsam entwickelten CMF-B-Plattform.

Fahrdynamisch sind die Rollen klar verteilt: Der Juke fährt sportlicher, der Captur komfortabler. Die Lenkung bietet mehr Widerstand als beim Vorgänger, doch insgesamt dreht sich das Steuer immer noch leichtgängig. Über den neuen Fahrmodus-Schalter kann man das Handmoment erhöhen und die Gasannahme verschärfen. Mehr Rückmeldung bringt man dem Lenkrad nicht bei, die Dämpfer-Charakteristik bleibt unangetastet, ein adaptives Fahrwerk gibt es nicht.

Harte Kanten und Schlaglöcher steckt der Captur nicht so einfach weg
Quelle: Renault Harte Kanten und Schlaglöcher steckt der Captur nicht so einfach weg

Also federt der Captur stets weich. In der Kurve neigt sich die Karosse, beim Bremsen und Verzögern nickt der Aufbau. Einer Sänfte möchte man das verzeihen. Ist der Captur aber nicht. Harte Kanten und Schlaglöcher nimmt er unsanft. Immerhin: Mit moderaten Unebenheiten wird er ganz gut fertig.

Bis zu 154 PS und 7 Gänge im Renault Captur II

Renault bietet drei Benziner zwischen 101 und 154 PS sowie einen 116 PS starken Diesel. Der Basis-Dreizylinder kommt optional als LPG-Variante. Von größerer Bedeutung ist der 131 PS starke 1,3-Liter-Vierzylinder. Laut Datenblatt liegt die Leistung bei 5.000 Umdrehungen an, das maximale Drehmoment von 240 Newtonmetern kommt bei rund 1.600 Touren. In der Praxis hat der Turbomotor mit den 1.309 Kilogramm unseres Testwagens keine Schwierigkeiten. Man kann ihn schaltfaul fahren, irgendwie findet der Motor schon aus dem Drehzahlkeller. Neben dem Sechsgang-Schaltgetriebe mit relativ langen Wegen steht ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe zur Wahl.

Beim Top-Aggregat fällt die manuelle Variante weg. Die 22 PS stärkere Version des 1,3-Liter-Vierzylinders leitet seine 270 Newtonmeter immer an ein Doppelkupplungsgetriebe weiter. Laut Werksangabe kommen Höchstleistung und maximales Drehmoment beim TCe 155 geringfügig später als beim schwächeren TCe 130. Doch gefühlt liegt nennenswerter Schub rund 500 Umdrehungen früher an – bei knapp 3.000 Umdrehungen.

Getriebe: Sport ist das neue Normal

Das Zusammenspiel mit der Automatik klappt fein, allerdings nicht im Standard-Fahrprogramm. Hier nickt der Captur beim Gangwechsel und reagiert spät auf Veränderungen am Gaspedal. Angenehmer arbeitet der Strang im Sport-Modus. Dreht der Captur doch mal einen Gang zu hoch, löst ein Ziehen am Schaltpaddel (Serie in der höchsten Ausstattungslinie „Intens“) das Problem. Bei längerem Zug an der Schaltwippe wechselt der Renault in den manuellen Modus.

Bei umgeklappter Rückbank erreicht der Captur ein Kofferraumvolumen von 1.275 Litern
Quelle: Renault Bei umgeklappter Rückbank bietet der Captur ein Kofferraumvolumen von 1.275 Litern

Optional gibt es das Doppelkupplungsgetriebe auch für den Selbstzünder. Größtes Argument für einen Captur ohne Kupplungspedal: Nur so lässt sich der volle Umfang an Fahrassistenten ordern. Zum Beispiel mit adaptivem Tempomat ACC und Spurhalte-Assistent, die zusammen den Stau-Assistenten ergeben. Dann folgt das Mini-SUV selbstständig vorausfahrenden Autos und hält sich zwischen den Fahrbahnmarkierungen. Im Test klappt das zumeist gut – doch verliert der Renault die Spur, geschieht dies ohne Vorwarnung.

Ab Mitte Januar, ab 17.950 Euro

Ab Januar 2020 steht das Modell bei den Händlern, die Bestellbücher öffnen demnächst. Die Preise starten bei 17.950 Euro für den 101 PS starken TCe 100. Mit dem getesteten 131-PS-Aggregat und Handschaltung kommt der Captur in der Ausstattung „Experience“ für mindestens 21.100 Euro (22.800 Euro mit Doppelkupplungsgetriebe „EDC“). Der 154 PS starke Top-Benziner kostet als „Intens“ mindestens 25.750 Euro.

Soll es ein elektrifizierter Antriebsstrang sein, hilft nur Geduld: Die angekündigte Plug-in-Hybridvariante wird erst später angeboten. Der Strang besteht aus einem 1,6-Liter-Saugbenziner mit Riemen-Startergenerator und einem E-Motor. Bis zu 45 rein elektrische Kilometer soll der Captur mit Strom aus dem 9,8 kWh großen Akku schaffen.

Den E-Motor integriert Renault ins Getriebe, damit bleibt der Captur vorerst in jeder Antriebsversion ein Fronttriebler. Grundsätzlich wäre die Plattform auch allradtauglich. Andererseits: Dass bei einem SUV für die Stadt Variabilität wichtiger ist als Traktion, begriff Renault als einer der ersten Hersteller. Heute umfasst das Mini-SUV-Segment mehr als 20 Modelle von Citroen C3 Aircross bis VW T-Cross. Der Captur wird eine beliebte Wahl unter ihnen bleiben.

Renault Captur II (ab 2020): Technische Daten

  • Modell: Renault Captur TCe 130 
  • Motor: 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung, Frontantrieb, optional 7-Gang-DKG (intern: EDC)
  • Leistung: 131 PS bei 5.000 Umdrehungen
  • Drehmoment: 240 Nm bei 1.600 Umdrehungen
  • Verbrauch: 5,5-5,7 l/100 km (WLTP, kombiniert)
  • CO2: 125-129 g/km
  • 0-100 km/h: 9,6 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
  • Länge: 4.227 mm
  • Breite: 1.797 mm
  • Höhe: 1.576 mm
  • Radstand: 2.639 mm
  • Leergewicht (EU): ab 1.334 kg
  • Kofferraum: 422-1.275 l
  • Grundpreis Captur: 17.950 EUR (als TC e 100)
  • Captur TCe 130: 21.100 EUR (22.800 mit EDC)
  • Marktstart: Mitte Januar 2020


  • Modell: Renault Captur TCe 155
  • Motor: 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner
  • Getriebe: 7-Gang-DKG (intern: EDC), Frontantrieb
  • Leistung: 154 PS bei 5.500 Umdrehungen
  • Drehmoment: 270 Nm bei 1.800 Umdrehungen
  • Verbrauch: 5,5-5,7 l/100 km (WLTP, kombiniert)
  • CO2: 125-129 g/km
  • 0-100 km/h: 8,6 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h
  • Länge: 4.227 mm
  • Breite: 1.797 mm
  • Höhe: 1.576 mm
  • Radstand: 2.639 mm
  • Leergewicht (EU): ab 1.341 kg
  • Kofferraum: 422-1.275 l
  • Captur TCe 155: 25.750 EUR
  • Marktstart: Mitte Januar 2020

Renault Captur (II. Generation) in Bildern

  • Die goldene MItte der Motorpalette: ein 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 131 PS
    Quelle: Renault Die goldene MItte der Motorenpalette: ein 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 131 PS
  • Die rundlichen Rückleuchten vom Vorgänger sind Geschichte. Futuristische Rückleuchten in C-Form zieren das Heck des Captur II
    Quelle: Renault Die rundlichen Rückleuchten vom Vorgänger sind Geschichte. Futuristische Rückleuchten in C-Form zieren das Heck des Captur II
  • Schwere Entscheidung: Renault bietet bis zu 90 Kombinationen mit verschiedenen Lackierungen für Karosserie und Dach an
    Quelle: Renault Schwere Entscheidung: Renault bietet bis zu 90 Kombinationen mit verschiedenen Lackierungen für Karosserie und Dach an
  • Das 9,3-Zoll-Hochkant Display gibt es optional
    Quelle: Renault Das 9,3-Zoll-Hochkant-Display gibt es optional
  • Die LED-Vollscheinwerfer sind in der Basisversion 'Life' serienmäßig dabei
    Quelle: Renault Die LED-Vollscheinwerfer sind in der Basisversion 'Life' serienmäßig dabei
  • Auf Wunsch befindet sich unterhalb des Schaltknaufes eine Handyablage inklusive Ladefuktion
    Quelle: Renault Auf Wunsch befindet sich unterhalb des Schaltknaufes eine Handyablage inklusive Ladefuktion
  • So fährt die zweite Generation: Der Renault Captur II bei mobile.de im Test
    Quelle: Renault So fährt die zweite Generation: Der Renault Captur II bei mobile.de im Test
  • Die Sitzbezüge sind fest mit den Stühlen vernäht. Die Captur-Sitze gibt es in 18 Farbkombinationen
    Quelle: Renault Die Sitzbezüge sind fest mit den Stühlen vernäht. Die Captur-Sitze gibt es in 18 Farbkombinationen
  • Harte Kanten und Schlaglöcher steckt der Captur nicht so einfach weg
    Quelle: Renault Harte Kanten und Schlaglöcher steckt der Captur nicht so einfach weg
  • Der Renault Captur der zweiten Generation ist länger, breiter und flacher als sein Vorgänger
    Quelle: Renault Der Renault Captur der zweiten Generation ist länger, breiter und flacher als sein Vorgänger
  • Bei umgeklappter Rückbank erreicht der Captur ein Kofferraumvolumen von 1.275 Litern
    Quelle: Renault Bei umgeklappter Rückbank bietet der Captur ein Kofferraumvolumen von 1.275 Litern